„Nachtaktivität ist nicht nur schlecht“: Während Nachtschwärmer bei kognitiven Tests besser abschneiden, steigt auch das Risiko für Herzkrankheiten.

„Nachtaktivität ist nicht nur schlecht“: Während Nachtschwärmer bei kognitiven Tests besser abschneiden, steigt auch das Risiko für Herzkrankheiten.

„Ich bin ein Nachtmensch...“


Dieser Satz wird oft als Ausrede angesehen. Frühaufsteher gelten als „bewusstseinsstark“, während Nachtschwärmer als „nachlässig“ betrachtet werden. Diese Einstellung ist in gewisser Weise verständlich, da die Stundenpläne von Schulen und Unternehmen auf den Morgen ausgerichtet sind.


Doch neuere Forschungen bremsen diese einfache Dichotomie. Zusammengefasst: Frühaufsteher sind nicht immer im Vorteil, und Nachtschwärmer sind nicht immer im Nachteil. Vielmehr sind wir ein „gemischtes Team“ aus Frühaufstehern, Nachtschwärmern und denen dazwischen, wobei jeder unterschiedliche Stärken und Risiken zu verschiedenen Tageszeiten hat.


Was bedeutet eigentlich „Frühaufsteher“ und „Nachtschwärmer“?

Der Schlüssel liegt im „Chronotyp“. Einfach gesagt, es ist die natürliche Neigung des Körpers, zu bestimmten Zeiten müde zu werden oder wach zu sein.UCLA Health beschreibt den Chronotyp als „die natürliche Präferenz des Körpers für Schlaf- und Wachzeiten“ und erklärt, dass Alter, Genetik, Lichtverhältnisse und Lebensgewohnheiten eine Rolle spielen.


Interessant ist, dass neben den großen Kategorien „Frühaufsteher/Nachtschwärmer/Mitteltyp“ auch tierähnliche Typen (z.B. Bär, Wolf, Löwe, Delfin) vorgestellt werden. Das bedeutet, dass es nicht nur um „morgens stark/nachts stark“ geht, sondern auch um Unterschiede in der Schlafstabilität und Konzentrationsspitzen. Hier zeigt sich das „gemischte Team“.


Nachtschwärmer sind bei kognitiven Tests im Vorteil

Ein Bericht, der auf einer Studie des Imperial College London basiert, sorgte für Aufsehen. Er besagt, dass Unterschiede im Chronotyp zu unterschiedlichen Ergebnissen bei kognitiven Funktionen (Gedächtnis, Logik, Verarbeitungsgeschwindigkeit usw.) führen, wobei Nachtschwärmer und Mitteltypen tendenziell höhere Werte als Frühaufsteher erzielen.


In der Pressemitteilung der Universität wird der Anteil der Nachtschwärmer, die höhere Werte als Frühaufsteher erzielen, aufgezeigt (die Unterschiede variieren je nach Gruppe) und betont, dass „7 bis 9 Stunden Schlaf optimal sind und sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf nachteilig sein können“. Der Punkt ist, dass „Nachtschwärmer“ nicht gleich „Stolz auf das nächtliche Aufbleiben“ bedeutet. Auch Nachtschwärmer benötigen genügend Schlaf, und zu viel Schlaf kann ebenfalls nachteilig sein.


Eine weitere Studie, veröffentlicht in BMJ Public Health, die Daten der UK Biobank analysierte, deutet ebenfalls auf einen Zusammenhang zwischen Chronotyp, Schlafdauer und kognitiven Funktionen hin.


Das bedeutet, dass die kulturelle Bewertung „Frühaufsteher sind besser“ und die biologische Tendenz „zu welcher Tageszeit das Gehirn am besten arbeitet“ nicht unbedingt übereinstimmen.


Allerdings – Nachtschwärmer könnten eine „Rechnung fürs Herz“ bekommen

Wenn wir hier aufhören würden, könnten wir mit „Nachtschwärmer haben gewonnen!“ enden, aber die Realität ist etwas komplexer. Eine andere Studie, die Ende Januar 2026 veröffentlicht wurde, zeigt, dass Nachtschwärmer (Menschen, die abends aktiv sind) schlechtere kardiovaskuläre Gesundheitsindikatoren haben und ein höheres Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall aufweisen könnten.


American Heart Association und eine Studie im Journal of the American Heart Association zeigen, dass Nachtschwärmer tendenziell schlechtere kardiovaskuläre Gesamtwerte haben und dass das erhöhte Risiko mit „veränderbaren Faktoren wie Lebensgewohnheiten“ zusammenhängt.


Zusammengefasst:

  • Nachtschwärmer könnten kognitive Vorteile haben, wenn die Umgebung passt

  • Aber wenn sie sich an den morgendlichen Zeitplan der Gesellschaft anpassen müssen, kann Schlafmangel, ungesunde Ernährung, Rauchen oder Bewegungsmangel das Herz belasten


„Chronotyp-Mismatch (soziale Jetlag)“ könnte zur Falle für Nachtschwärmer werden.

Die Realität des „gemischten Teams“: Mitteltypen sind überraschend häufig

In sozialen Medien wird oft über Frühaufsteher vs. Nachtschwärmer gestritten, aber Studien und Erklärungen zeigen, dass „Mitteltypen“ eine bedeutende Rolle spielen. Menschen, die sowohl morgens als auch abends „ziemlich gut“ zurechtkommen.


Das ist auch die Stärke der Realität. Sie können sich leichter an den Zeitplan der Gesellschaft anpassen, ohne so extrem wie Nachtschwärmer zu leiden. Daher ist das Gefühl „Ich bin weder Frühaufsteher noch Nachtschwärmer“ eigentlich ganz natürlich.


Reaktionen in sozialen Medien: Freude, Kritik und Rufe aus der Praxis

Das Interessante an diesem Thema ist, dass es mehr Menschen anspricht als der eigentliche Inhalt der Forschung. Die Reaktionen in den sozialen Medien lassen sich grob in vier Kategorien einteilen.


1) Freude der Nachtschwärmer (Gegenreaktion auf jahrelange Stigmatisierung)
In der Nachtschwärmer-Community herrscht eine starke Begeisterung à la „Endlich werden wir anerkannt“. Beiträge wie „Jetzt ist die Zeit, stolz zu sein und nicht als faul abgestempelt zu werden!“ sind häufig zu sehen.
Nachtschwärmer wünschen sich eher, als „Veranlagung“ und nicht als „Mangel an Anstrengung“ verstanden zu werden.


2) Realistische Kritik (Wann wurde der Test durchgeführt?)
Es gibt auch viele nüchterne Kritiken. Besonders häufig wurde gefragt: „Zu welcher Uhrzeit wurde der kognitive Test durchgeführt? Ist es nicht selbstverständlich, dass Nachtschwärmer morgens im Nachteil sind?“
Tatsächlich wurde angesichts der Berichterstattung und der Grenzen der Forschung oft darauf hingewiesen, „nicht zu verallgemeinern“.


3) Selbstironie und Humor (Nächtliche Stimmung)
Nachtschwärmer, die spät in der Nacht posten, dass sie sich „überhaupt nicht kognitiv überlegen“ fühlen, sind fast schon ein Ritual. Hinter dem Lachen verbirgt sich der Stress, den die Diskrepanz zwischen innerer Uhr und Gesellschaft verursacht.


4) Dringende Arbeits- und Schulprobleme (Können wir keine nachtschichtfreundlichen Systeme schaffen?)
Vorschläge wie „Wenn ich Nachtschicht habe, fühle ich mich großartig“ oder „Ein Unternehmen nur mit Nachtschwärmern wäre stark“ sind halb im Scherz, halb ernst gemeint.


Doch dahinter steckt Ernsthaftigkeit. Wenn Nachtschwärmer sich ständig an den morgendlichen Zeitplan anpassen müssen, kann sich der Schlafmangel chronisch auswirken. Das ist der Zusammenhang mit der „Rechnung fürs Herz“.


Wie sollten wir also leben?

Letztendlich verfehlt man den Kern, wenn man daraus eine Frage von Sieg oder Niederlage macht. Wichtig ist, „seinen eigenen Chronotyp zu verstehen, Schlafmenge und Lebensgewohnheiten zu wahren und den Tagesablauf so weit wie möglich an die Spitzenzeiten anzupassen“.


Richtlinien zur Umsetzung (Denkweise)

  • Frühaufsteher: Morgendliche Konzentration in „Ergebnisse“ umwandeln. Nicht durch nächtliches Aufbleiben verkürzen.

  • Nachtschwärmer: Sicherstellen, dass genügend Schlaf vorhanden ist, und wichtige Aufgaben auf den Abend verlegen. Morgendliche Termine reduzieren.

  • Mitteltypen: Anpassungsfähigkeit an die Gesellschaft ist eine Stärke. Vermeiden Sie jedoch „nächtliches Herumtrödeln“, da dies zu einem unregelmäßigen Schlafrhythmus führen kann.

  • Für alle Typen: 7 bis 9 Stunden Schlaf als Basis, und Faktoren wie Ernährung, Bewegung, Rauchen und Alkoholkonsum priorisieren (aus kardiovaskulärer Risikoperspektive).


Auch Unternehmen und Schulen können daraus lernen. Anstatt alle in einen Frühaufsteher-Zeitplan zu zwingen, könnten flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder die Anpassung von Prüfungs- und Bewertungszeiten die Leistung einiger Menschen steigern.


„Nachtschwärmer sind nicht faul“, sondern „Nachtschwärmer haben oft mit gestalterischen Problemen zu kämpfen“. Diese Sichtweise könnte letztendlich auch die Gesundheitskosten senken.



Quellen