Warum kann man nicht zur Arbeit gelangen? Die dänischen Daten zeigen den Zusammenhang zwischen "Trauma und Beschäftigung".

Warum kann man nicht zur Arbeit gelangen? Die dänischen Daten zeigen den Zusammenhang zwischen "Trauma und Beschäftigung".

Wenn man von „Unterstützung für die Beschäftigung von Flüchtlingen“ spricht, denken viele Menschen zuerst an Sprachunterricht, Berufsausbildung, das Schreiben von Lebensläufen und Jobvermittlung. Doch es gibt eine Gruppe, bei der solche „direkten Ansätze“ weniger wirksam sind. Es liegt weniger an Fähigkeiten oder Motivation, sondern daran, dass die psychische und physische Grundlage für den Alltag zusammengebrochen ist – so ist der Zustand.


Die von Phys.org berichtete Studie hat diese „Unwirksamkeit“ in Zahlen sichtbar gemacht. Die Zielgruppe waren ukrainische Flüchtlinge, die zwischen dem Beginn der umfassenden russischen Invasion (24. Februar 2022) und dem 30. September 2022 in Dänemark ankamen. Das Forschungsteam führte kurz nach ihrer Ankunft eine Untersuchung durch, um einen „wahrscheinlichen Zustand von PTSD (posttraumatische Belastungsstörung)“ zu messen, und verfolgte diese mit den anschließenden Beschäftigungsdaten (Verwaltungsdaten).


„Etwa jeder Dritte“ und „7,4 Prozentpunkte Unterschied“

Die stärkste Botschaft des Artikels ist einfach. Unter den ukrainischen Flüchtlingen in Dänemark besteht bei „etwa jedem Dritten“ die Möglichkeit eines Kriegstraumas. Und ihre Beschäftigungsquote ist im Vergleich zu denen ohne Trauma um 7,4 Prozentpunkte niedriger.


Noch wichtiger ist „nachdem sie arbeiten konnten“. Selbst bei denjenigen, die arbeiten konnten, ist die monatliche Arbeitszeit bei denjenigen mit PTSD-Anzeichen geringer. Der Stundenlohn ändert sich jedoch nicht wesentlich. Das bedeutet, dass sie eher „nicht in der Lage sind, Arbeitszeit (Einsatz) sicherzustellen“ als „zu niedrigen Löhnen ausgebeutet zu werden“.


Diese „Zeitbarriere“ sollte besonders diejenigen ansprechen, die praktische Erfahrung haben. Um zu arbeiten, muss man sich auf die Arbeit vorbereiten, reisen, Anweisungen verstehen, zwischenmenschliche Beziehungen pflegen und eine gewisse Konzentration aufrechterhalten. Traumareaktionen treffen direkt darauf. Schlafqualität, Aufmerksamkeit, Übererregung, Flashbacks, Vermeidung – die Symptome verschwinden nicht durch „Willenskraft“. Die Studie hat genau diese „Funktion“ als Beschäftigungsergebnis neu bewertet.


Frühes Wachstum, das nach einem Jahr stoppt – die „Grenze“ der Beschäftigung

In den Forschungserkenntnissen wird zusammengefasst, dass die Beschäftigungsquote nach der Ankunft eine Weile steigt, aber nach etwa einem Jahr das Wachstum nachlässt. Und der Unterschied zwischen den Gruppen mit und ohne PTSD-Anzeichen wird ab diesem Zeitpunkt schwerer zu verringern.


In der Zusammenfassung von Phys.org wird dargestellt, dass die Beschäftigungsquote sechs Monate nach der Ankunft auf 51% und nach zwei Jahren auf 68% steigt, während die Beschäftigungsquote der Dänen bei etwa 80% liegt, was zeigt, dass trotz Fortschritten in der Integration eine Lücke bleibt.


Wichtig ist hier, dass die Studie nicht sagt, dass Sprache unwichtig ist. Vielmehr zeigt sie im Vergleich, dass der positive Einfluss der Englischkenntnisse auf die Beschäftigung etwa +4 Punkte beträgt, während der PTSD-bezogene Nachteil (etwa 7 Punkte) größer ist.

Das bedeutet, dass es möglicherweise „andere Einschränkungen“ gibt, die nicht allein durch Sprache, Berufserfahrung oder Systemgestaltung erklärt werden können und die die Obergrenze der Integration bilden.


„Wahrscheinliche PTSD“ = kein diagnostischer Name, aber für die Politik schwerwiegend genug

Es wird klargestellt, dass die Studie keinen ärztlich bestätigten Befund verwendet, sondern eine Skala, die den diagnostischen Kriterien entspricht, um „wahrscheinliche PTSD“ zu messen.


Dieser Punkt sollte mit Vorsicht behandelt werden, ist aber aus der Perspektive der Politikgestaltung umso wichtiger. Was am Eingang zur Unterstützung benötigt wird, ist nicht unbedingt ein diagnostischer Name, sondern ein System, das frühzeitig erkennt, ob jemand Schwierigkeiten mit den Funktionen hat, die Voraussetzung für die Beschäftigung sind. Das Forschungsteam sagt auch, dass eine frühzeitige psychologische Untersuchung und symptomorientierte Unterstützung die bestehende Integrationspolitik ergänzen könnte.


Reaktionen in den sozialen Medien: Forscher und Praktiker betonen „blinde Flecken der Integrationspolitik“

Diese Studie hat eher den Ton einer politischen Empfehlung als einer akademischen Abhandlung. Daher sind in den sozialen Medien eher Reaktionen zu sehen, die auf „Lücken im System“ hinweisen, als emotionale Argumente.


Reaktion ①: Aufmerksamkeit auf den größeren „Einfluss von PTSD“ als Englischkenntnisse
Auf LinkedIn betonen Forscher im Umfeld der Studie den Punkt, dass der Einfluss auf die Beschäftigung größer ist als der Effekt der Englischkenntnisse, und plädieren für die Notwendigkeit eines mentalen Gesundheits-Screenings in der Flüchtlingsintegration.

Reaktion ②: Die Überzeugungskraft der „interdisziplinären“ Verbindung von Wirtschaft und Psychologie
In einem anderen Beitrag wird die Tatsache, dass Traumaforschung und Wirtschaftswissenschaften (Modelle der wirtschaftlichen Integration von Migranten) sich kreuzen, als Erfolg gewertet, und der Punkt, dass „die Messung der psychischen Gesundheit mit den administrativen Beschäftigungsdaten verknüpft wurde“, wird gelobt.


Reaktion ③: Umsetzung vor Ort – „Richtlinien für Mitarbeiter an den Anlaufstellen“
In den Medienreaktionen, die von RFBerlin vorgestellt werden, wird als Punkt, der näher an der Unterstützung vor Ort liegt, die Richtung diskutiert, dass „die Politik (die Auswirkungen von PTSD) nicht ausreichend behandelt“ und dass „zunächst die Mitarbeiter an den Anlaufstellen für Beschäftigungsunterstützung PTSD verstehen und Richtlinien für die Unterstützung haben sollten, was kostengünstig möglich ist“.


Zusammenfassend lässt sich aus den Reaktionen in den sozialen Medien sagen, dass der Schwerpunkt eher auf „Gestaltung“ als auf „Mitgefühl“ liegt. Es gibt eine bestimmte Anzahl von Menschen, die sich nicht allein durch Sprach- und Berufsausbildung oder verstärkte Anreize verbessern lassen, und solange diese „Blockade“ nicht gelöst wird, wird die Integration an ihre Grenzen stoßen – so wird das Problem wahrgenommen.

Was sollte also geändert werden? Der Gedanke, die „Reihenfolge der Unterstützung“ neu zu ordnen

Integrationspolitik wird oft mit der Annahme gestaltet, dass „wenn die Fähigkeiten verbessert werden, kann man arbeiten“. Die Studie zeigt jedoch, dass „wenn die Funktion, den Alltag zu bewältigen, vor den Fähigkeiten abnimmt, die gleichen Maßnahmen weniger wirksam sind“.


Daher könnte es wichtiger sein, die „Reihenfolge zu optimieren“ als die Maßnahmen zu erhöhen.

  • Zuerst durch psychologisches Screening diejenigen identifizieren, die eine „Vorstufe“ der Beschäftigungsunterstützung benötigen

  • Für diese Gruppe sollten kurzfristige Interventionen zur Symptomminderung und Unterstützung des Selbstmanagements integriert werden

  • Daraufhin sollte Sprach- und Berufsausbildung sowie Matching folgen (oder parallel laufen)


Die Studie sagt, dass solche frühzeitigen Unterstützungen die „Lücken“ in den bestehenden Integrationsstrategien füllen könnten, erkennt jedoch auch die Notwendigkeit zusätzlicher Forschung an, um zu klären, welche Interventionen für wen wirksam sind und wie das Kosten-Nutzen-Verhältnis aussieht.

Hinweis: Wie sollte man diese Studie lesen?

Zum Schluss gibt es noch Vorbehalte, die der Leser beachten sollte.


Diese Studie ist ein Diskussionspapier, und RFBerlin selbst gibt an, dass es „vorläufige Ergebnisse vor der Begutachtung“ enthalten könnte. Es gibt auch Punkte im Studiendesign, wie die Antwortrate (z.B. 45%).


Dennoch hat sie den Wert, dass sie durch die Verbindung von „Symptommessung unmittelbar nach der Ankunft“ und „administrativen Beschäftigungsdaten“ eine Grundlage geschaffen hat, um die Beziehung zwischen Trauma und Beschäftigung nicht als „Einbildung“, sondern als „Zahlen“ zu diskutieren.


Wenn wir über die Beschäftigung von Flüchtlingen sprechen, neigen wir dazu, uns auf die Dichotomie „ob sie arbeiten wollen“ oder „ob das System zu nachsichtig oder streng ist“ zu stützen. In Wirklichkeit gibt es jedoch eine tiefere Frage: „Sind sie überhaupt in der Lage zu arbeiten?“ Die Unterstützung sollte sich von einem „Fähigkeitenproblem“ zu einem „Problem von Erholung und Funktion“ entwickeln – diese Studie fordert einen Perspektivwechsel.



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