Was passiert im Herzen der Jugend? Neudiagnosen im Alter von 14 bis 20 Jahren um 60 % gestiegen: Experten sagen, "wir wissen nicht warum", über die Veränderungen, die derzeit stattfinden.

Was passiert im Herzen der Jugend? Neudiagnosen im Alter von 14 bis 20 Jahren um 60 % gestiegen: Experten sagen, "wir wissen nicht warum", über die Veränderungen, die derzeit stattfinden.

1. Ein schwerwiegenderes Zeichen nach der "mentalen Unruhe der Jugend"

Themen wie Angst und Depression sind in den letzten Jahren zu "selbstverständlichen Nachrichten" geworden. Doch diesmal steht im Fokus eine andere Dimension als die Niedergeschlagenheit der Stimmung – es handelt sich um "psychotische Störungen", bei denen die Wahrnehmung der Realität stark schwanken kann.


Die britische Zeitung The Independent berichtete am 2. Februar 2026, dass "die Diagnose psychotischer Störungen bei jüngeren Generationen zunimmt und zudem eine Verjüngung zu beobachten ist. Doch selbst Experten wissen noch nicht, warum." Der Schauplatz ist Kanada, genauer gesagt die Provinz Ontario. Es handelt sich nicht um individuelle Erfahrungsberichte, sondern um eine bevölkerungsbezogene Studie, die auf medizinischen Daten basiert, was die Brisanz des Themas erhöht hat.


2. Die Zahlen der Studie: "60% Anstieg" bei 14- bis 20-Jährigen

Die Studie ist eine retrospektive Kohortenstudie, die etwa 12,23 Millionen Menschen (12.231.314), die zwischen 1960 und 2009 in Ontario geboren wurden, anhand neuer Diagnosen von 1992 bis 2023 verfolgte. Während dieses Zeitraums wurden 152.587 Personen (etwa 0,9 %) mit psychotischen Störungen diagnostiziert.


Besonders eindrucksvoll ist die altersabhängige Veränderung. Die jährliche Inzidenz neuer Diagnosen bei 14- bis 20-Jährigen stieg von 1997 bis 2023 um etwa 60 %, von 62,5 pro 100.000 auf 99,7 pro 100.000. Bei den 21- bis 50-Jährigen hingegen zeigte sich ein "gleichbleibender oder rückläufiger" Trend.
Das bedeutet, dass es eher eine "Aufblähung" in der jüngeren Altersgruppe gibt, als dass es zu einem einheitlichen Anstieg in der gesamten Gesellschaft kommt.


3. Der Kern des Generationenunterschieds: Anstieg bei den "in den 2000er Jahren Geborenen"

Die Studie verwendete ein Alters-Perioden-Kohorten-Modell (APC), um nicht nur den Einfluss von Alter und Zeit, sondern auch von Geburtsjahrgangsunterschieden (Kohorte) zu trennen. Das Ergebnis deutete darauf hin, dass neuere Geburtskohorten häufiger diagnostiziert werden und das Diagnosealter sinkt.


Es gibt einige symbolische Zahlen. Zum Beispiel wurde im Vergleich zu den 1975–1979 Geborenen für die 2000–2004 Geborenen ein Inzidenzverhältnis von etwa 1,70 (70 % höher) für Schizophrenie geschätzt. Der Anstieg bei "nicht näher spezifizierten Psychosen" war noch größer, mit einem Inzidenzverhältnis von etwa 2,89 zwischen den Kohorten.


Wichtig ist hier, dass der Anstieg nicht nur bei "typischer Schizophrenie" groß ist. Es könnte auch in Bereichen, in denen die Diagnose schwer zu bestätigen ist oder sich noch in der Beobachtungsphase befindet, ein deutlicher Anstieg psychotischer Störungen im weiteren Sinne zu verzeichnen sein.


4. Hat es zugenommen oder wird es nur häufiger entdeckt?

Bei solchen Themen gibt es immer Gegenargumente. "Früher gab es genauso viele. Jetzt ist es nur einfacher geworden, eine Diagnose zu erhalten, weil der Zugang zur Behandlung verbessert wurde", lautet eine häufige Frage.


Tatsächlich könnten die Zahl der Diagnosen zunehmen, wenn die frühe Intervention bei jungen Menschen (frühe psychotische Unterstützung), Beratungswege in Schulen und Gemeinden sowie der Abbau von Stigmata voranschreiten. Die Forscher schließen nicht aus, dass "verbesserter Zugang und frühe Diagnosen" Einfluss haben könnten. Zudem gibt es bei der Forschung mit Verwaltungsdaten die Einschränkung, dass Personen, die keine medizinischen Einrichtungen nutzen, schwer zu erfassen sind und dass sich die Nutzung von Diagnosecodes im Laufe der Zeit ändern kann.


Dennoch ist das Problem bei dieser Studie, dass sie einen "Geburtskohorteneffekt" nahelegt, der nicht allein durch Alters- und Zeitveränderungen erklärt werden kann. Anders ausgedrückt, es bleibt die Möglichkeit, dass "Veränderungen in der Umgebung, in der sich die heutige junge Generation befindet", in irgendeiner Weise das Risiko beeinflussen.


5. Experten nennen mehrere "Kandidaten"

Die Einschätzung der Mitautoren, die in den Berichten vorgestellt wurden (Dr. Daniel Myran), ist konsistent: "Es wird wahrscheinlich nicht nur eine einzige Ursache geben." Zu den genannten Kandidaten gehören beispielsweise folgende Faktoren:

  • Substanzgebrauch: Cannabis, Stimulanzien, Halluzinogene, synthetische Drogen usw. Besonders der Gebrauch in der Jugend kann mit dem Ausbruch oder der Verschlechterung in Verbindung stehen

  • Sozioökonomischer Stress und Stress durch Migration: Lebenshaltungskosten, Zukunftsängste, soziale Isolation, Diskriminierungserfahrungen usw.

  • Alternde Eltern: Ein Faktor, der oft im Zusammenhang mit Geburtsjahrgängen diskutiert wird

  • Adverse Kindheitserfahrungen: Missbrauch, Vernachlässigung, familiäre Konflikte, Armut usw.


Wichtig ist hier, dass keine dieser Ursachen als endgültig festgelegt wird. Die Studie ist eher eine Darstellung des Phänomens "es könnte einen Generationenunterschied geben" als eine Ursachenforschung. Deshalb beginnt die Gesellschaft mit einer "Ursachensuche", die keine klaren Antworten hat.

6. Reaktionen in den sozialen Medien: Die Ursachensuche verbindet sich mit dem "Lebensgefühl"

Diese Nachricht wurde in den sozialen Medien in einer recht verständlichen Weise diskutiert. Die typischen Reaktionen lassen sich wie folgt zusammenfassen:


A. Die Theorie der "höheren THC-Konzentration in Cannabis" ist stark (obwohl es viele Gegenargumente gibt)
In der wissenschaftlichen Community auf Reddit ist die Meinung verbreitet, dass "Cannabis mit höherem THC-Gehalt einen Einfluss haben könnte". Gleichzeitig gibt es jedoch auch Einwände wie "Die Zunahme der Nutzungsrate steht nicht im Verhältnis zur Zunahme der Diagnosen" und "Korrelation ist nicht gleich Kausalität".
Diese Auseinandersetzung ist auch eine "Standardstruktur" der Diskussionen über Substanzgebrauch.


B. Theorie der "Isolation, Schlaf und Überstimulation nach Corona"
Viele Menschen nennen Umweltfaktoren wie Isolation während der Pandemie, gestörte Lebensrhythmen, chronischen Schlafmangel und Überstimulation durch soziale Medien und Videos. Diese passen zu dem Bild, dass "das Risiko des Ausbruchs nicht durch einen einzelnen Faktor, sondern durch die Kombination von Stress und Anfälligkeit steigt".


C. Theorie der "Veränderung des Zugangs zur Gesundheitsversorgung und der Diagnosen"
Die Ansicht, dass "früher als 'exzentrisch' abgetan wurde und keine Verbindung zur Medizin bestand" und dass "Schulen und Familien jetzt in der Lage sind, Veränderungen zu erkennen", ist ebenfalls weit verbreitet. Dies lässt sich schwer widerlegen, da mit der Ausweitung der frühen Unterstützung auch der Anteil derjenigen steigt, die in einem frühen Stadium oder bei unklarer Klassifizierung "erfasst" werden.


D. Theorie des "sozialen Strukturstresses"
Beiträge, die auf die "Gefühl der Ausweglosigkeit" der jungen Generation hinweisen, indem sie auf Wohnkosten, Studiengebühren, Arbeitsplatzunsicherheit und schlechte Zukunftsaussichten hinweisen, und die Zunahme psychotischer Störungen als deren Verlängerung betrachten, sind ebenfalls vorhanden.
Auf LinkedIn gibt es relativ viele Kommentare, die sich auf strukturelle Faktoren wie "Einsamkeit" und "Schwäche der sozialen Unterstützung" konzentrieren, nachdem die wesentlichen Punkte der Nachrichten geteilt wurden.


Die Diskussionen in den sozialen Medien sind gemischt, aber sie teilen die intuitive Frage: "Was hat sich in der Umgebung der jungen Generation verändert?"


7. Was jetzt nötig ist, ist weder Angst noch Optimismus, sondern die Fähigkeit, differenziert zu denken

Dieses Thema ist von zwei Extremen begleitet.

  • Überreaktion: Die Angst, dass "die Jugend zerbricht", verstärkt das Stigma gegenüber Betroffenen und verengt den Weg zur Unterstützung

  • Unterschätzung: Wenn man es mit "nur mehr Diagnosen" abtut, verzögert sich die Prävention und Intervention, falls das tatsächliche Risiko steigt


Deshalb ist es wichtig, differenziert zu denken.
(1) Der Anteil, der durch verbesserte medizinische Zugänglichkeit "leichter entdeckt" wurde
(2) Der Anteil, bei dem das Risiko durch generationenspezifische Umweltveränderungen "wirklich gestiegen" ist
Die Aufgabe der nächsten Forschung wird es sein, herauszufinden, in welchem Verhältnis diese beiden Anteile gemischt sind.


Und es gibt Dinge, die die Gesellschaft sofort tun kann. Schlaf, Substanzgebrauch, Isolation, Beratungswege, Unterstützungssysteme in Schulen und Gemeinden – wenn die Ursache nicht einheitlich ist, muss auch die Intervention nicht einheitlich sein. Zumindest ein System, das "frühzeitig erkennt und schnell verbindet", ist unabhängig davon, welche Hypothese richtig ist, kaum von Nachteil.



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