Was passiert, wenn ältere Studierende auf einem Campus voller junger Menschen auftauchen? – Wie das Lernen ab 50 die „Altersbarriere“ durchbricht

Was passiert, wenn ältere Studierende auf einem Campus voller junger Menschen auftauchen? – Wie das Lernen ab 50 die „Altersbarriere“ durchbricht

Kann die Universität das Klischee eines „Ortes für junge Menschen“ überwinden?

Wenn man an Universitätsklassen denkt, stellen sich viele Menschen eine Szenerie mit Studenten im späten Teenageralter bis Anfang zwanzig vor. Neue Freundschaften, Vorbereitung auf den Berufseinstieg, das Campusleben als Verlängerung der Jugend. Lange Zeit wurde die Universität in der Gesellschaft als „Ort, an dem sich junge Menschen auf die Zukunft vorbereiten“ betrachtet.

Doch in der heutigen Zeit, die als das Zeitalter des 100-jährigen Lebens bezeichnet wird, beginnt dieses Bild allmählich, sich von der Realität zu entfernen. Menschen, die ihre Karriere ändern möchten, diejenigen, die nach der Pensionierung wieder lernen wollen, Menschen, die in ihrer Jugend nicht genügend Bildungschancen hatten, oder einfach diejenigen, die ihre intellektuelle Neugier befriedigen möchten. Die Gründe zu lernen verschwinden nicht mit dem Alter, sondern werden durch Lebenserfahrungen komplexer und reicher.

Eine Studie an der Universität Pompeu Fabra in Barcelona symbolisiert diesen Wandel. Die Forscher der Universität analysierten die Erfahrungen älterer Studenten, die an einem Seniorenprogramm für Personen über 50 teilnehmen und dieselben Kurse wie jüngere Studenten besuchen. Das Ergebnis zeigte, dass die festen Vorstellungen wie „Ältere sind im Lernen benachteiligt“, „schwach in digitalen und sprachlichen Fähigkeiten“ oder „werden inmitten junger Studenten passiv“ in der realen Unterrichtssituation nicht unbedingt zutreffen.

Vielmehr bringen ältere Studenten Lebenserfahrung, Berufserfahrung und eine starke Motivation zum Lernen mit und erweitern die Diskussionen im Klassenzimmer. Auch für junge Studenten bietet sich die Gelegenheit, Perspektiven zu erleben, die sie nur schwer von Gleichaltrigen erhalten können, was den Anlass gibt, die Bedeutung des Universitätsraums selbst zu hinterfragen.


Ist die Sichtweise „Ältere Studenten sind im Rückstand“ wirklich wahr?

In Klassen mit Altersunterschieden arbeiten oft einseitige Vorstellungen. Junge Studenten sind stark in digitalen Fähigkeiten, ältere Studenten sind schwach. Junge Studenten sind flexibel in Sprachen, ältere Studenten haben Schwierigkeiten, mitzuhalten. Junge Studenten passen sich natürlich an die Universitätskultur an, ältere Studenten fühlen sich fehl am Platz. Diese Ansichten sind Teil des weit verbreiteten Ageismus in der modernen Gesellschaft, also Vorurteile oder Diskriminierung aufgrund des Alters.

Doch die aktuelle Studie zeigt, dass solche einfachen Unterscheidungen zusammenbrechen. Unter den älteren Studenten gibt es Menschen, die in ihrer früheren Berufserfahrung Englisch verwendet haben. Einige bringen aus ihrer beruflichen Erfahrung die Fähigkeit mit, Diskussionen zu organisieren, konkrete Beispiele zu geben und eine Realität in den Unterricht einzubringen, die junge Studenten noch nicht haben. Genauso wie die jüngere Generation nicht in allen digitalen Technologien und Sprachen allmächtig ist, kann die ältere Generation nicht über einen Kamm geschoren werden.

Dieser Punkt ist wichtig. Ältere Menschen nur als „Geschichten des Verfalls“ zu erzählen oder im Gegenteil nur als „immer jung und erfolgreich“ zu idealisieren, verengt die Realität. Menschen verlieren nicht einfach mit dem Alter ihre Fähigkeiten, und nicht alle können gleich energisch und aktiv bleiben. Das Lernen im Alter wird durch körperliche Verfassung, sozialen Hintergrund, Sprachkenntnisse, wirtschaftliche Situation, frühere Bildungsgeschichte und zwischenmenschliche Beziehungen geformt.

Die Studie zeigt, dass es notwendig ist, ältere Studenten nicht als „jemanden, der junge Studenten einholt“, sondern als „Lernende mit unterschiedlichen Erfahrungen“ zu positionieren. Anstatt den Mangel im Vergleich zu jungen Menschen zu messen, sollte der intellektuelle Austausch, der durch die Anwesenheit verschiedener Generationen im selben Raum entsteht, in den Fokus gerückt werden. Dies ist die Perspektive, die für eine altersinklusive Hochschulbildung erforderlich ist.


Die subtile Rolle als „Elternteil“ im Klassenzimmer

Interessant ist, dass einige ältere Studenten in der Beziehung zu jüngeren Studenten natürlich eine „elterliche Rolle“ übernehmen. Die Studie behandelt dies als eine Art selbst auferlegten Ageismus. Das heißt, ältere Studenten denken möglicherweise, dass junge Studenten von ihnen erwarten, sich wie Eltern zu verhalten, und übernehmen diese Rolle.

Auf den ersten Blick könnte dies wie eine Verfestigung der Altersrollen erscheinen. Die Struktur „Ältere kümmern sich um die Jüngeren“ oder „Geben Ratschläge“ könnte das gleichberechtigte Lernen zwischen den Generationen behindern. Doch die Forscher lehnen dieses Phänomen nicht einfach ab. In einigen Fällen kann eine solche Position die Distanz zu jungen Studenten verringern, Vertrauen aufbauen und gegenseitiges Lernen fördern.

Zum Beispiel, wenn eine Diskussion in der Gruppenarbeit ins Stocken gerät, kann ein Student mit Lebenserfahrung die Atmosphäre auflockern. Sie ermutigen junge Studenten, sich zu äußern, und geben konkrete Beispiele, ohne ihre eigenen Erfahrungen zu sehr aufzudrängen. Sie schaffen ein Gefühl der Sicherheit im Klassenzimmer. Solche Beiträge können mehr sein als nur eine „Elternrolle“; sie können eine unterstützende Kraft für die Lerngemeinschaft sein.

Dennoch ist Vorsicht geboten. Wenn ältere Studenten ständig als Betreuer oder Berater erwartet werden, könnte ihre Position als Lernende in den Hintergrund treten. Auch ältere Menschen kommen nicht nur, um Ratschläge zu geben, sondern um selbst zu lernen. Um generationsübergreifendes Lernen erfolgreich zu gestalten, ist es wichtig, ältere Menschen nicht nur als „Quelle der Erfahrung“ zu behandeln.


Die Verwirrung in einem jugendorientierten Raum

Andererseits besteht ein altersinklusives Klassenzimmer nicht nur aus Idealen. Die Studie weist auch darauf hin, dass ältere Studenten, wenn sie in eine jugendorientierte Umgebung eintreten, Verwirrung und Unsicherheit erleben können.

Der Fortschritt des Unterrichts, die Gespräche zwischen den Studenten, die Nutzung digitaler Werkzeuge, die unausgesprochenen Regeln auf dem Campus. Es gibt eine Kultur an Universitäten, die man erst versteht, wenn man dort ist. Auch junge Studenten sind anfangs verwirrt, aber bei älteren Studenten kommt das Bewusstsein hinzu, „nur ich bin älter“, was die Unsicherheit verstärken kann.

Auch in sozialen Netzwerken gibt es ähnliche Stimmen. Auf internationalen Foren und in Communities gibt es Beiträge wie „Ich fühle mich wie der Älteste in der Klasse und es ist unangenehm“ oder „Ich mache mir Sorgen, wie ich von jungen Studenten gesehen werde“. Selbst Menschen, die mit etwa 30 Jahren an die Universität zurückkehren, können sich fehl am Platz fühlen, wenn sie von 18- oder 19-jährigen Studenten umgeben sind. Bei Menschen in den 50ern oder 60ern könnte dieses Gefühl noch stärker sein.

Allerdings gibt es in denselben sozialen Netzwerken auch viele Reaktionen, die dem entgegenwirken. „Niemand kümmert sich um das Alter“, „Wir sind hier, um zu lernen, also haben wir alle das gleiche Recht, hier zu sein“, „Es macht Spaß, mit älteren Studenten zu sprechen“, „Wenn Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen da sind, wird der Unterricht interessanter“, sind einige der Stimmen. Altersunterschiede fallen anfangs auf, aber in der tatsächlichen Lernsituation beeinflussen die Einstellung zur Teilnahme und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit den Eindruck viel stärker.

Diese gespaltenen Reaktionen korrelieren gut mit der aktuellen Studie. Die Teilnahme älterer Studenten birgt Potenzial. Doch dieses Potenzial entfaltet sich nicht von selbst. Ohne die Gestaltung des Klassenzimmers, das Engagement der Lehrkräfte und den Aufbau von Beziehungen zwischen den Studenten könnten sich ältere Studenten isoliert fühlen. Es reicht nicht aus, die Generationen einfach zu mischen; es stellt sich die Frage, wie man nach dem Mischen den Dialog fördert.


Sowohl „Willkommen“ als auch „Vorurteile“ in sozialen Netzwerken

 

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels ist eine große Diskussion in sozialen Netzwerken schwer zu erkennen. Auch auf der Seite von Phys.org sind die Anzahl der geteilten Inhalte und Kommentare nicht auffällig, und die Reaktionen von allgemeinen Nutzern scheinen noch begrenzt zu sein.

Allerdings sind „Ältere, die an die Universität zurückkehren“ oder „Mit jungen Studenten im selben Klassenzimmer lernen“ Themen, die bereits zuvor in sozialen Netzwerken und Foren wiederholt diskutiert wurden. Die Reaktionen darauf lassen sich grob in drei Kategorien einteilen.

Die erste ist starke Zustimmung. Stimmen wie „Lernen hat keine Altersgrenze“, „Es ist eher bewundernswert, in den 30ern, 40ern oder 50ern zur Universität zu gehen“, „Ältere Studenten haben klare Zielvorstellungen und sind in Gruppenarbeiten zuverlässig“. Solche Reaktionen stimmen mit der Sichtweise der aktuellen Studie überein, dass „ältere Studenten zum Klassenzimmer beitragen“.

Die zweite ist das Teilen von Unsicherheiten. Von älteren Studenten selbst kommen Sorgen wie „Werde ich auffallen?“, „Werden junge Menschen mich seltsam finden?“, „Passen die Gesprächsthemen nicht zu mir?“. Dies ist nicht nur ein Ausdruck des eigenen Bewusstseins, sondern auch ein Spiegelbild der Tatsache, dass Universitäten lange Zeit als jugendorientierte Räume konzipiert wurden. Wenn es keine Systeme oder Atmosphären gibt, in die sich Studenten unterschiedlichen Alters natürlich einfügen können, werden die Unsicherheiten als individuelles Problem behandelt.

Die dritte ist die Existenz von Vorurteilen und Reibungen. In sozialen Netzwerken gibt es auch Hinweise darauf, dass einige Studenten es als Belastung empfinden, wenn ältere Studenten in Gruppen kommen, dass sie aufgrund ihres Alters in ihren Fähigkeiten unterschätzt werden oder dass ältere Studenten die Gruppe mit ihrer Erfahrung dominieren können. Dies zeigt, dass generationsübergreifendes Lernen nicht bedingungslos zu einem schönen Austausch wird.

Deshalb haben Universitäten die Rolle eines Vermittlers. Anstatt die Unterschiede zwischen den Generationen als „Löst es unter euch“ zu belassen, sollten Dialogregeln in die Unterrichtsgestaltung integriert werden. Während die Unterschiede in Alter und Erfahrung respektiert werden, sollte darauf geachtet werden, dass die Redemöglichkeiten nicht einseitig verteilt sind. Sowohl jungen als auch älteren Studenten sollte eine Haltung vermittelt werden, „den anderen nicht als repräsentatives Bild der Generation zu sehen“. Erst mit solchen Bemühungen kann ein generationsgemischtes Klassenzimmer zu einer Lernressource werden.


Eine weitere Inklusionsherausforderung in mehrsprachigen Umgebungen

Die Universität Pompeu Fabra, an der diese Studie durchgeführt wurde, ist eine international ausgerichtete Universität, an der Katalanisch, Spanisch und Englisch in den Unterrichts- und Lernumgebungen eine Rolle spielen. Dies ist für ältere Studenten sowohl eine große Chance als auch eine Herausforderung.

Unter den älteren Studenten gibt es Menschen, die in ihrem Berufsleben Englisch verwendet haben. Für solche Menschen bietet die Nutzung von Englisch an der Universität eine Gelegenheit, ihre vergangenen Erfahrungen zu nutzen. Andererseits gibt es auch Menschen, die nicht an das formale akademische Katalanisch gewöhnt sind oder die von den internationalisierten Unterrichtsformaten verwirrt sind. Sprachprobleme können nicht nur durch das Alter erklärt werden. Auch junge Studenten können Schwierigkeiten mit Englisch haben, während ältere Menschen über reiche mehrsprachige Erfahrungen verfügen können.

Auch hier ist es wichtig, nicht voreilig zu urteilen, dass „ältere Menschen schwach sind“. Es ist wichtig, Unterstützung für diejenigen anzubieten, die sie benötigen, ohne die Fähigkeiten aufgrund des Alters vorwegzunehmen. Inklusion bedeutet nicht, jemanden besonders zu behandeln, sondern die Bedingungen zu schaffen, unter denen Lernende mit unterschiedlichen Hintergründen teilnehmen können.


Eine Frage, die auch japanische Universitäten betrifft

Obwohl diese Studie sich auf eine spanische Universität konzentriert, ist sie auch für Japan nicht irrelevant. Angesichts der sinkenden Geburtenrate und der Herausforderung, die Studentenzahlen an Universitäten zu sichern, wird das lebenslange Lernen von Berufstätigen und Senioren in Zukunft noch wichtiger werden. Reskilling, lebenslanges Lernen, regionale Zusammenarbeit, gesellschaftliche Teilhabe nach der Pensionierung. All dies zeigt, dass sich die Universitäten von einer Zeit, in der sie nur junge Menschen ansprechen, zu einer Zeit bewegen, in der sie das Lernen von Menschen aller Altersgruppen unterstützen.

Allerdings gibt es einige Hürden, um diese Diskussion in Japan voranzutreiben. Zunächst sind die Zulassungs- und Studienordnungen der Universitäten auf junge Menschen ausgerichtet. Dann ist die Campus-Kultur nicht ausreichend auf Studenten unterschiedlichen Alters ausgelegt. Und schließlich gibt es in der Gesellschaft die hartnäckige Sichtweise „Warum in diesem Alter zur Universität gehen?“ oder „Was bringt es, jetzt noch zu lernen?“.

Es ist jedoch engstirnig, das Lernen nur als Arbeitsmaßnahme zu betrachten. Dass ältere Menschen an Universitäten lernen, geht über die intellektuelle Erfüllung und gesellschaftliche Teilhabe der Person hinaus. Auch für junge Studenten ist die Erfahrung, mit Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen an denselben Aufgaben zu arbeiten, nützlich für zukünftige Arbeitsplätze und Gemeinschaften. In der realen Welt ist es selten, nur mit Gleichaltrigen zu arbeiten. Vielmehr kann die Universität ein Übungsplatz für die Zusammenarbeit über Generationen hinweg sein.


Von „altersgetrennter Bildung“ zu „altersgemischter Bildung“

Bisher wurde Bildung nach Altersgruppen streng getrennt. Grundschule, Mittelschule, Oberschule, Universität. Dies ist institutionell vernünftig, aber wenn diese Denkweise zu stark wird, werden Menschen, die das „Lernalter“ überschritten haben, als Ausnahme behandelt. Berufstätige Studenten oder ältere Studenten werden oft als „besondere Menschen“ angesehen.

Doch in einer Zeit, in der sich das Leben schnell verändert und die Berufslaufbahn länger wird, wird es schwieriger, Bildung als einmaliges Ereignis zu betrachten. Lernen sollte nicht etwas sein, das in der Jugend abgeschlossen wird, sondern etwas, zu dem man in verschiedenen Lebensphasen zurückkehren kann.

Der Schlüssel dazu ist die Idee, das Alter nicht zu trennen, sondern zu mischen. Es hat seinen Sinn, ältere Studenten in separaten Klassen zu versammeln, da dies eine sichere Lernumgebung schaffen kann. Doch auch die Spannungen und Entdeckungen, die entstehen, wenn sie an denselben Kursen wie junge Studenten teilnehmen, haben ihren eigenen Wert.

Natürlich reicht es nicht aus, sie einfach zu mischen. Lehrkräfte müssen die Vielfalt der Altersgruppen berücksichtigen und die Art und Weise, wie Beispiele gegeben werden, Gruppenarbeiten organisiert werden und Bewertungsmethoden angewendet werden, überdenken. Junge Studenten sollten ältere Menschen nicht als „Elterngeneration“ oder „Ausnahme“ betrachten, sondern als gleichwertige Lernende. Auch ältere Studenten müssen flexibel sein, ihre Erfahrungen zu nutzen und gleichzeitig die Werte der jüngeren Generation zu respektieren.


Ältere Studenten könnten die Vorreiter der „Universität der Zukunft“ sein

Bemerkenswert an dieser Studie ist, dass die Präsenz älterer Studenten sowohl als „Herausforderung für die Universität“ als auch als „Chance, die Universität zu bereichern“ betrachtet wird.

Wenn ältere Studenten in ein jugendorientiertes Klassenzimmer eintreten, kann es zu Verwirrung kommen. Es kann notwendig sein, Unterstützung in Bezug auf Sprache und digitale Umgebung zu bieten. Auch Missverständnisse zwischen den Generationen können auftreten. Doch dies sind keine Gründe für den Ausschluss, sondern Gestaltungsaufgaben, um die Universität inklusiver zu machen.

Wenn Menschen unterschiedlichen Alters im selben Klassenzimmer lernen, wird die Universität nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung. Dort kreuzen sich Lebenserfahrungen und neues Wissen. Junge Studenten erleben die Tiefe der Zeit, die