Warum empfehlen Ärzte keine kohlenhydratarme Ernährung? Die Debatte über Diäten aus der Perspektive der "Qualität der Nahrung" ordnen

Warum empfehlen Ärzte keine kohlenhydratarme Ernährung? Die Debatte über Diäten aus der Perspektive der "Qualität der Nahrung" ordnen

„Mit einer kohlenhydratarmen Ernährung habe ich abgenommen“ und „Mein Blutzuckerspiegel hat sich stabilisiert“. Solche Erfahrungsberichte sind in den sozialen Medien weit verbreitet, während Ärzte und Ernährungsexperten zunehmend auf das Wort „kohlenhydratarme Diät“ sensibilisiert reagieren. Was passt hier nicht zusammen? Zusammengefasst liegt das Problem nicht darin, „ob man Kohlenhydrate reduziert“, sondern was man weglässt, womit man es ersetzt und wie lange man es durchhält.


Kohlenhydratarme Ernährung kann „wirken“. Deshalb hat sie sich verbreitet

Der Reiz einer kohlenhydratarmen Ernährung ist leicht nachvollziehbar. Wenn man auf Grundnahrungsmittel und Süßigkeiten verzichtet und den Anteil an Proteinen und Fetten aus Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten erhöht, beruhigt sich der Appetit und manche Menschen nehmen in kurzer Zeit leichter ab. Darüber hinaus haben sich aus der Forschung Erkenntnisse angesammelt, die unter bestimmten Bedingungen auch bei der Blutzuckerkontrolle bei Typ-2-Diabetes eine Wirksamkeit zeigen.


Allerdings ist es wichtig zu betonen, dass „kohlenhydratarm“ nicht immer die optimale Lösung ist. Je leichter kurzfristige Erfolge erzielt werden, desto eher neigen Menschen dazu, diese Methode als „Allheilmittel“ zu betrachten. Dieses Gefühl der Allmacht aktiviert die Alarmglocken der Ärzte.


Ärzte lehnen nicht „Kohlenhydrate an sich“ ab, sondern die „Struktur“, die kohlenhydratarme Ernährung leicht hervorrufen kann

Experten äußern immer wieder Bedenken, die weniger mit den Kohlenhydraten selbst zu tun haben, sondern mit drei häufig auftretenden Problemen als Ergebnis der Umsetzung.


1) Das Problem der „Verlagerung hin zu gesättigten Fetten“
Wenn man Kohlenhydrate reduziert, womit füllt man dann die Kalorien auf? Wenn man sich dabei auf rotes Fleisch, verarbeitetes Fleisch, Butter und fettreiche Produkte konzentriert, steigt die Aufnahme von gesättigten Fetten leicht an. Auch wenn die Gewichtsabnahme erfolgreich ist, könnten langfristig andere Probleme wie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten.


2) Das Problem, dass auch hochwertige Kohlenhydrate „mit in den Sog geraten“
In sozialen Medien verbreiten sich leicht kurze Aussagen wie „Kohlenhydrate sind schlecht“ oder „Kohlenhydrate machen dick“. Aber Kohlenhydrate beziehen sich nicht nur auf weißen Zucker oder Weißbrot. Hülsenfrüchte, Obst, Vollkornprodukte und Knollen enthalten Ballaststoffe und Mikronährstoffe. Wenn man diese ebenfalls verteufelt, sinkt die Nährstoffdichte der gesamten Ernährung leicht.


3) Das Problem der schwierigen Aufrechterhaltung und der leichten Rückschläge
Strenge Einschränkungen scheitern leicht bei Restaurantbesuchen, gesellschaftlichen Anlässen oder am Familientisch. Wenn man nicht durchhält, sind Rückfälle oder „Frustessen“ leicht möglich, was letztendlich zu wiederholten Gewichtsschwankungen führt. Ärzte sind besonders besorgt über diesen Kreislauf von „kurzfristigem Erfolg → Allheilmittel → übermäßige Einschränkung → Rückschlag“.

Vom „Kohlenhydratgehalt“ zur „Kohlenhydratqualität“: Den Fokus der Diskussion verschieben

Der Hauptgrund, warum die Debatte über kohlenhydratarme Ernährung so kompliziert ist, liegt darin, dass das Wort „Kohlenhydrate“ sowohl raffinierte als auch natürliche Lebensmittel umfasst. Süße Erfrischungsgetränke, Gebäck und Snacks aus raffiniertem Weizen lassen den Blutzucker schnell ansteigen und führen leicht zu übermäßigem Konsum. Andererseits kommen Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Wurzelgemüse oft im Paket mit Ballaststoffen und Nährstoffen.


Das bedeutet, dass es realistischer wäre, nicht mit dem groben Slogan „Reduziere Kohlenhydrate“ zu werben, sondern raffinierte Kohlenhydrate zu reduzieren und kohlenhydratreiche Lebensmittel mit vielen Ballaststoffen beizubehalten.


Hierbei ist die „Unterscheidungsfähigkeit“ nützlich. Wenn man verarbeitete Lebensmittel auswählt, sollte man sich nicht nur auf die Kennzeichnung „Vollkorn“ verlassen, sondern auch darauf achten, ob Vollkorn an erster Stelle der Zutatenliste steht und wie viel Zucker enthalten ist. Darüber hinaus kann der Ansatz, das Verhältnis von Kohlenhydraten zu Ballaststoffen (z. B. mindestens 1 g Ballaststoffe pro 10 g Kohlenhydrate) als Maßstab zu nehmen, helfen, die Angst vor Kohlenhydraten zu reduzieren und die Qualität zu verbessern.


Reaktionen in sozialen Medien: Zustimmung und Ablehnung werden von „Erfahrungen“ und „Ideologien“ beeinflusst

Dieses Thema entzündet sich in sozialen Medien leicht, weil die Erfahrungsberichte so eindringlich sind. Tatsächlich lassen sich die Reaktionen oft in drei Kategorien einteilen.

 


A) „Verschwörungstheoretische“ Ablehnung: Ärzte = etablierte Interessen
In internationalen Foren sind sarkastische Bemerkungen und Vorurteile wie „Die große Lebensmittelindustrie (Big Carb) kontrolliert die Ärzte“ häufig zu finden. Kurze Aussagen verbreiten sich leicht, aber sie ignorieren die individuellen medizinischen Umstände und die Voraussetzungen der Forschung.


B) „Es ist nicht so kompliziert“: Letztendlich geht es darum, verarbeitete Lebensmittel zu reduzieren
Auf der anderen Seite gibt es Reaktionen, die extreme Ansichten ablehnen, wie „Vermeide Süßigkeiten, Alkohol, Weizen und verarbeitete Lebensmittel und bewege dich moderat. Es ist nicht so kompliziert“. Diese Haltung versucht, die oft „religiös“ geführten Ernährungsdebatten auf die Grundlagen eines gesunden Lebensstils zurückzuführen.


C) „Erfahrung ist alles“: Gerettet durch kohlenhydratarme Ernährung, daher keine Kritik zulassen
Je erfolgreicher jemand mit Gewichtsabnahme oder Blutzuckerkontrolle war, desto stärker wird das Gefühl „Es hat bei mir gewirkt, also ist es richtig“. Hier steckt eine Dringlichkeit dahinter. Aber medizinisch gesehen ist es gefährlich, von „Es hat bei jemandem gewirkt“ auf „Es ist für alle optimal“ zu schließen. Die von Experten erwähnten „Ausnahmen“ oder „Bedingungen“ unterliegen leicht der Intensität der Erfahrungsberichte.


Wenn man die Diskussionen in sozialen Medien betrachtet, scheint der Konflikt nicht „Medizin vs. Individuum“ zu sein, sondern ein Zusammenstoß von **kurzfristigen Erfolgserlebnissen vs. langfristiger Reproduzierbarkeit (ob es durchführbar ist / ob die Ernährung ausgewogen ist)**.


Was also tun? Wenn man „kohlenhydratarm“ machen möchte, sollte man das Design ändern

Es geht nicht darum, „kohlenhydratarm aufzugeben“ oder „kohlenhydratarm ist das Richtige“, sondern um einen realistischen Kompromiss.

  • Zuerst raffinierte Kohlenhydrate reduzieren: Zuckerhaltige Getränke, Süßigkeiten, Snacks aus raffiniertem Weizen

  • Die zu behaltenden Kohlenhydrate auswählen: Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Gemüse und Knollen (Menge je nach Gesundheitszustand und Ziel anpassen)

  • Die Qualität der Fette verbessern: Nicht nur auf rotes Fleisch und verarbeitetes Fleisch setzen, sondern auch Fisch, Olivenöl, Nüsse und Samen verwenden

  • Auch die Idee einer begrenzten Dauer ist möglich: Kurzfristig Gewicht verlieren und dann hochwertige Kohlenhydrate wieder einführen, um in die „Erhaltungsphase“ überzugehen

  • Bei medizinischen Zwecken nicht alleine handeln: Bei der Behandlung von Diabetes oder bei der Einnahme von Medikamenten kann eine extreme Selbstbeschränkung das Risiko von Hypoglykämie erhöhen, daher sollte man sich mit medizinischem Fachpersonal abstimmen


Letztendlich lehnen Ärzte das Label „kohlenhydratarm“ ab, weil es zu groß ist und der Inhalt zu unterschiedlich. Von strenger Kohlenhydratbeschränkung bis hin zur bloßen Reduzierung von Zucker wird alles unter demselben Begriff zusammengefasst. Deshalb passen die Diskussionen nicht zusammen.


Anders ausgedrückt, sollten wir uns nicht darauf konzentrieren, „Kohlenhydrate zu hassen“, sondern unsere Ziele (Gewichtsabnahme, Blutzucker, Gesundheit) zu berücksichtigen und die „Qualität“ der Kohlenhydrate sowie das gesamte Nährstoffgleichgewicht zu gestalten. Wer sich nicht von der Begeisterung in den sozialen Medien mitreißen lässt und eine durchführbare Form findet, hat langfristig bessere Chancen.



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