„Geh nicht zur Wahl“ wird durch Werbung vermittelt: Vor dem Wahllokal stand „Smartphone-Werbung“ — Beweis, dass Mikro-Targeting in sozialen Netzwerken die Wahlbeteiligung gesenkt hat.

„Geh nicht zur Wahl“ wird durch Werbung vermittelt: Vor dem Wahllokal stand „Smartphone-Werbung“ — Beweis, dass Mikro-Targeting in sozialen Netzwerken die Wahlbeteiligung gesenkt hat.

Wenn Sie Ihr Smartphone öffnen, finden Sie Einkäufe, Videos, Neuigkeiten von Freunden und Werbung. Wir denken, dass wir jeden Tag „das auswählen, was wir sehen möchten“. Aber sind wir es wirklich, die die Wahl treffen? —— Eine neue Studie gibt eine unangenehme Antwort auf diese Frage.


Zusammengefasst lässt sich sagen, dass SNS-Werbung nicht nur dazu dient, Menschen zum Wählen zu ermutigen. Sie kann gezielt bestimmten Personen die Option „nicht wählen zu gehen“ nahelegen, was tatsächlich mit einem Rückgang der Wahlbeteiligung verbunden war.


Verfolgung, ob jemand „Wählerunterdrückungsanzeigen“ gesehen hat

Der Kern dieser Studie liegt nicht in der üblichen Vermutung „solche Anzeigen liefen wohl auf SNS“, sondern darin, dass „diese Person hat die Anzeige tatsächlich gesehen“ nachgewiesen wurde. Das Forschungsteam rekrutierte über 10.000 Personen, deren demografische Merkmale der wahlberechtigten Bevölkerung der USA ähnelten, und ließ sie eine App installieren, die die von ihnen angesehenen Anzeigen in den sechs Wochen vor der Präsidentschaftswahl im November 2016 aufzeichnete.

 
Darüber hinaus wurden die Anzeigen mit den Wahlaufzeichnungen der Bundesstaaten abgeglichen, um zu überprüfen, ob die Teilnehmer tatsächlich gewählt haben. Dies wurde nicht durch Umfragen, sondern durch „verifizierte Wahlaufzeichnungen“ überprüft.


Der Effekt scheint klein, ist aber für Wahlen groß genug — die Wahlbeteiligung sinkt um etwa 1,9%

Das Ergebnis war eindeutig. Teilnehmer, die auf Facebook mit Wählerunterdrückungsanzeigen in Berührung kamen, hatten eine um etwa 1,9% geringere Wahrscheinlichkeit zu wählen als diejenigen, die nicht damit in Berührung kamen (in einem anderen Bericht wird ein Durchschnitt von 1,86% angegeben).

 
Wenn man 1,9% hört, könnte man denken, dass es sich um eine Art Fehler handelt. Aber 2016 waren die Ergebnisse in einigen Bundesstaaten sehr knapp. Auch die Forscher betonen, dass „es klein erscheint, aber in vielen Bundesstaaten 2016 waren die Unterschiede ebenfalls klein“.

 
Wenn man dies auf nationaler Ebene extrapoliert, gibt es Schätzungen, dass Wählerunterdrückungsanzeigen „etwa 4,7 Millionen Menschen“ von den Wahllokalen ferngehalten haben könnten.
Eine „Veränderung von ein paar Prozent“ kann in einer Demokratie tödlich sein. Besonders in einem System wie der Präsidentschaftswahl, wo knappe Ergebnisse in umkämpften Bundesstaaten entscheidend sein können.


„Wen sie erreichten“, war ebenfalls voreingenommen: Sie trafen nicht-weiße Menschen in umkämpften Bundesstaaten besonders stark

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Voreingenommenheit bei der Anzeigenverteilung. Wählerunterdrückungsanzeigen waren so konzipiert, dass sie vor allem nicht-weiße Menschen im wahlberechtigten Alter in umkämpften Bundesstaaten erreichten. Die Studie ergab, dass nicht-weiße Nutzer in umkämpften Bundesstaaten viermal so viele Wählerunterdrückungsanzeigen erhielten wie ihre weißen Nachbarn.

 
Verglichen mit „weißen Mehrheitsgebieten in nicht umkämpften Bundesstaaten“ erhielten Nutzer aus Minderheitengemeinschaften fast „zehnmal“ so viele Wählerunterdrückungsnachrichten.

 
Die Zahlen zeigen, dass es nicht nur um „unterschiedliche Anzeigenplatzierung“ geht. Die Nachrichten wurden gezielt an politisch einflussreiche Gruppen gesendet, die historisch gesehen Misstrauen gegenüber dem System haben und mit Wahlbarrieren konfrontiert sind.


Der Inhalt lautete „Boykott ist der stärkste Protest“ — Wut wird in „Nichtwählen“ umgeleitet

Die typische Argumentation von Wählerunterdrückungsanzeigen ist raffinierter als ein offener Aufruf „nicht zu wählen“. Häufig war die Botschaft, dass „ein Wahlboykott der effektivste Protest gegen Politiker ist“.

 
Die Tücke dieser Methode liegt darin, dass sie „echte Emotionen“ wie Wut oder Enttäuschung über die Politik als Brennstoff nutzen kann. „Es ändert sich sowieso nichts“ oder „Beide sind gleich“ — es gibt immer Menschen, die so fühlen. Diese Anzeigen tun so, als würden sie diese Gefühle unterstützen, stoppen aber letztendlich nur das Wahlverhalten.


Solche Anzeigen werden nicht unbedingt wie Nachrichtenartikel verbreitet und diskutiert. Anzeigen werden individuell geschaltet, sodass selbst Familienmitglieder, die in derselben Region leben, unterschiedliche Inhalte sehen. Es ist schwer für die Umgebung zu erkennen, wer aus welchem Grund die Entscheidung getroffen hat, „nicht zu wählen“.


Die „Intransparenz der Quelle“ im Hintergrund: Kein Subjekt, das an die FEC berichtet

Ein weiterer Punkt, den die Studie aufwirft, ist die Transparenz der Werbetreibenden. Es wird berichtet, dass die betroffenen Wählerunterdrückungsanzeigen nicht von Subjekten gekauft wurden, die politische Aktivitäten offenlegen oder an die FEC berichten.

 
Das bedeutet, dass es für die Empfänger schwierig ist, aus der Anzeige herauszulesen, wer ihnen diese Nachricht übermittelt.


Im Kontext der Kongressuntersuchung wurde auch gezeigt, dass viele der von den Forschern identifizierten Anzeigen von der russischen „Internet Research Agency (IRA)“ gekauft wurden. Begriffe wie „Martin Luther King, Jr.“ wurden verwendet, um sicherzustellen, dass sie nicht-weiße Wähler erreichten.

 
Der Schwerpunkt der Studie liegt nicht auf Parteikritik, sondern darauf, dass die „Struktur der Informationsumgebung“ die Grundlage der Demokratie erschüttert. Wenn unklar bleibt, unter wessen Verantwortung, mit welchen Mitteln und nach welchen Kriterien Wählerunterdrückungsanzeigen geschaltet werden, kann dasselbe immer wieder passieren.


„Digitale Version der Wählerunterdrückung“ — Wiederholung der Geschichte im Hintergrund der Anzeigenverteilung

Historisch gesehen wurde Wählerunterdrückung durch Gewalt, Einschüchterung und institutionelles Design durchgeführt. Im digitalen Raum ist es jedoch nicht notwendig, Menschen am Eingang des Wahllokals zu stoppen. Es reicht, ihnen auf dem Smartphone-Bildschirm „Gründe, nicht zu gehen“ zu geben.


Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass solche Nachrichten für „Gemeinschaften, die bereits Misstrauen gegenüber der Regierung oder Wahlen haben“, konzipiert sind und sie als „moderne Version“ historischer Probleme des Wahlzugangs betrachten.

 
Von „physischem Blockieren des Zugangs zur Wahlurne“ zu „psychologischem Brechen des Willens, zum Wahllokal zu gehen“. Der Fortschritt der Technologie hat auch die Form der Unterdrückung aktualisiert.



Reaktionen in den sozialen Medien (sichtbare „Divergenz der Argumente“)

Die Studie wurde unmittelbar nach ihrer Veröffentlichung in den sozialen Medien nicht nur als „akademisch“, sondern auch als Thema der „institutionellen Gestaltung“ und „Plattformverantwortung“ behandelt. Die Reaktionen teilten sich in drei Hauptrichtungen.

1) „Endlich gibt es ‚Messdaten‘“ — Bewertung durch Forscher und Politikgemeinschaft

Besonders hervorgehoben werden Beiträge, die die Neuheit der Studie (Verfolgung der Anzeigenexposition auf individueller Ebene und Abgleich mit Wahlaufzeichnungen) betonen. Auch die Autoren selbst betonen den stärkeren Einfluss auf nicht-weiße Bewohner umkämpfter Bundesstaaten und präsentieren die Studie als einen Angriff auf die „blinden Flecken“ des Wahlrechts, der Wahlsysteme und der politischen Finanzierung.
Die Tatsache, dass es sich nicht um „Vermutungen“, sondern um „Verhaltensdaten × öffentliche Aufzeichnungen“ handelt, hat die Grundlage der Diskussion gefestigt.

2) „Die Transparenz der Werbung ist zerstört“ — Forderungen nach Regelungen

In den sozialen Medien wird auch stark das Argument vertreten, dass „das Problem darin besteht, dass man nicht weiß, wer die Anzeigen geschaltet hat“. Auch in den Medien wird wiederholt darauf hingewiesen, dass Anzeigen von Subjekten geschaltet wurden, die keine Berichte an die FEC abgeben, und dass im digitalen Raum präzise „schwache Verbindungen“ anvisiert werden können.
Diese Wahrnehmung lässt sich leicht mit politischen Diskussionen über „die Wirksamkeit von Anzeigenbibliotheken“, „den Umfang der Offenlegungspflichten“ und „Maßnahmen gegen ausländische Einmischung“ verbinden.

3) „Sind 1,9% klein? Oder fatal?“ — Diskussion über die Interpretation der Auswirkungen

Andererseits gibt es in den sozialen Medien auch die Reaktion „Wenn der Effekt klein ist, warum dann so viel Aufhebens?“. Aber die Forscher zeigen, dass angesichts der knappen Ergebnisse in den Bundesstaaten 2016 der Effekt nicht klein ist und dass eine nationale Extrapolation eine Schätzung von etwa 4,7 Millionen Menschen ergibt.
Diese Diskussion dreht sich darum, wie die Gesellschaft die Realität teilt, dass eine Verschiebung von ein paar Prozent das Ergebnis verändern kann, da Wahlen „Mehrheitsentscheidungen“ sind.



Was sollten wir also beachten?

Das Beängstigende an dieser Studie ist, dass Wählerunterdrückungsanzeigen nicht nur auf „absurden Lügen wie Verschwörungstheorien“ basieren.


Wut, Enttäuschung, politisches Misstrauen. Die Optimierung der Anzeigenverteilung berührt Emotionen, die bereits in der Gesellschaft vorhanden sind. Die Worte des Boykotts kommen mit einem Gesicht der Gerechtigkeit an. Und die Empfänger sind präzise ausgewählt und für die Umgebung unsichtbar.


Die Lösung ist nicht nur „mit SNS aufhören“. Wie Forscher vorschlagen, sind Offenlegungspflichten für Werbetreibende, die Durchsetzung von Vorschriften und der Kontext, um zu erkennen, „wer was beabsichtigt“, erforderlich.

 
Vielleicht müssen wir, bevor wir mehr Sicherheitspersonal am Eingang des Wahllokals aufstellen, den „unsichtbaren Eingang“ in unseren Smartphones schützen.



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