Zeigt sich Ihr „verborgenes Gesicht“? Der Dark Factor Test wird weltweit erprobt

Zeigt sich Ihr „verborgenes Gesicht“? Der Dark Factor Test wird weltweit erprobt

Wie viel "Böses" steckt in Ihnen? Die Psychologie erforscht den wahren Kern des "Dark Factors"

"Ich halte mich für einen guten Menschen"

Wenn man das fragt, würden viele Menschen zumindest antworten, dass sie keine extrem bösen Menschen sind.

Aber lassen Sie uns die Frage ein wenig ändern.

Glauben Sie, dass es in Ordnung ist, andere ein wenig auszutricksen, wenn es Ihnen einen Vorteil verschafft?
Glauben Sie, dass Sie das Recht haben, eine besondere Behandlung zu erhalten?
Fühlen Sie sich ein wenig besser, wenn jemand, den Sie nicht mögen, scheitert?

Wenn man so fragt, wird die Sache nicht mehr so einfach.

Der menschliche Charakter hat nicht nur helle Seiten wie Freundlichkeit, Kooperationsbereitschaft und Ehrlichkeit, sondern auch "Seiten, die man anderen nicht unbedingt zeigen möchte", wie Egoismus, Eifersucht, Aggressivität, Kälte und Selbstzentriertheit.

Ein psychologisches Konzept, das versucht, den gemeinsamen Kern dieser "dunklen Seiten" des Charakters zu messen, ist der "Dark Factor of Personality", kurz "D-Faktor".

Es hat erneut Aufmerksamkeit erregt, nachdem es am 27. August 2026 von der deutschen Rundfunkanstalt SWR3 vorgestellt wurde.


Sind "schlechte Charaktereigenschaften" wirklich nicht voneinander getrennt?

In der Psychologie ist seit langem das Konzept der "Dunklen Triade" bekannt.

Die bekanntesten sind Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie.

Narzissmus ist die Tendenz, sich selbst für etwas Besonderes zu halten und nach Bewunderung und Überlegenheit zu streben.

Machiavellismus ist die Tendenz, zwischenmenschliche Beziehungen strategisch zu betrachten und manchmal nicht davor zurückzuschrecken, andere zu manipulieren.

Zu den in der psychologischen Forschung behandelten Psychopathie-Eigenschaften gehören Kälte, geringe Empathie und Impulsivität.

Mit fortschreitender Forschung wurde jedoch klar, dass diese "dunklen Charaktereigenschaften" nicht nur aus drei Arten bestehen.

Egoismus, Gier, Anspruchsdenken, die Tendenz, sich von moralischer Verantwortung zu lösen, Sadismus, Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden anderer, Bosheit und andere ähnliche, aber leicht unterschiedliche Konzepte wurden zunehmend erforscht.

Forscher stellten sich daher die Frage: "Sind das wirklich alles separate Charaktereigenschaften?"

Was wäre, wenn jemand, der seinen eigenen Vorteil über alles stellt, weniger Widerstand dagegen hätte, andere auszunutzen?

Oder könnte jemand, der stark glaubt, dass er besondere Rechte hat, die Schäden für andere zur Erreichung seiner Ziele gering schätzen?

Anstatt jede Charaktereigenschaft in eine separate Schublade zu stecken, könnte es eine Art gemeinsamen "Wurzel" darunter geben.

Aus dieser Idee entstand der D-Faktor. Im Jahr 2018 theoretisierte ein Forschungsteam den Dark Factor als eine allgemeine Tendenz, die verschiedenen antisozialen und feindlichen Charaktereigenschaften gemeinsam ist.


Die "Denkweise", die Menschen mit hohem D-Faktor gemeinsam haben

Der Punkt des D-Faktors ist nicht einfach nur "schlechter Charakter" oder "leicht reizbar".

Das Forschungsteam legt Wert auf die Tendenz, "wenn es darum geht, den eigenen Vorteil zu maximieren, die Nachteile anderer zu ignorieren, zu akzeptieren oder manchmal absichtlich herbeizuführen", und die Denkweise, dies in sich selbst zu rechtfertigen.

Wichtig ist also nicht nur der Teil,

"Ich profitiere davon"

sondern auch,

"Wenn ich davon profitiere, ist es unvermeidlich, dass der andere verliert"

und weiter,

"Ich habe einen Grund, das zu tun"

zu denken.

Zum Beispiel ist der gleiche Wunsch nach "mehr Geld" unterschiedlich, ob man dafür arbeitet, um ein besseres Leben zu erreichen, oder ob man glaubt, dass es in Ordnung ist, andere zu täuschen, um den eigenen Gewinn zu steigern.

Der D-Faktor ist eher ein Konzept, das sich darauf konzentriert, "wie man denkt, wenn der eigene Vorteil mit dem Vorteil anderer in Konflikt gerät", als auf die bloße Stärke des Verlangens.


Die "Teile, die man nicht zugeben möchte" im Test

Das Forschungsteam hat Fragen entwickelt, um den D-Faktor zu messen, und derzeit kann man den Test auch online machen.

Auf der offiziellen Website gibt es Skalen mit 16, 35 und 70 Fragen. Die kürzeren können in wenigen Minuten beantwortet werden, während die längeren umfassendere Fragen stellen.

Die Fragen sind etwas schwieriger zu beantworten als bei allgemeinen Persönlichkeitstests.

Glauben Sie, dass es in Ordnung ist, alles zu sagen, was Sie wollen, um Ihren eigenen Vorteil zu sichern?

Glauben Sie, dass Sie das Recht haben, mehr als andere zu erhalten?

Fühlen Sie manchmal Befriedigung, wenn Sie andere verletzen?

Was denken Sie darüber, andere zu nutzen, um Ihre eigenen Ziele zu erreichen?

Auf diese Weise wird die Wertvorstellung des Befragten untersucht.

Das Ergebnis zeigt nicht nur den einfachen "Grad des Bösewichts".

Man kann mehrere Tendenzen wie Egoismus, Machiavellismus, Narzissmus, psychologisches Anspruchsdenken, Psychopathie-Tendenzen, Sadismus, Selbstzentriertheit und Bosheit sehen.

Es ist wichtig zu beachten, dass, auch wenn im Testergebnis Begriffe wie "Psychopathie" angezeigt werden, dies nicht bedeutet, dass eine psychiatrische Diagnose gestellt wurde.

Es handelt sich lediglich um eine Skala von Charaktereigenschaften, die in der psychologischen Forschung verwendet wird.

Es ist nicht dafür gedacht, jemanden als "gefährlich" bei 80 % oder als "absolut gut" bei 20 % zu klassifizieren.


Es ist tatsächlich eine ziemlich ernsthafte psychologische Skala

Wenn man "Online-Bösewicht-Test" hört, könnte man an einen psychologischen Test auf einer Unterhaltungsseite denken.

Aber der D-Faktor selbst ist kein aus einer Laune heraus erstellter Test.

In einer 2020 in der Fachzeitschrift 'Psychological Assessment' veröffentlichten Studie analysierten Forscher Fragen anhand von Daten von über 165.000 Personen.

Als Ergebnis wurden Skalen mit 70, 35 und 16 Fragen entwickelt.

In der Forschung wurden die interne Konsistenz dieser Skalen und ihre Zuverlässigkeit bei Wiederholungstests überprüft sowie ihr Zusammenhang mit tatsächlichem Verhalten untersucht.

Das bedeutet,

"Das psychologische Modell des D-Faktors hat eine forschungsbasierte Grundlage"

und

"Die Punktzahl, die man einmal online erhält, ist die absolute Wahrheit"

sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Wenn man das verwechselt, missversteht man den Zweck des Tests.


"Es war hoch..." Auf sozialen Medien sind die Ergebnisberichte ein Hit

Einer der Gründe, warum solche Tests online leicht Verbreitung finden, ist, dass man die Ergebnisse mit anderen vergleichen möchte.

 

Ein Blick auf frühere Beiträge auf dem öffentlichen Forum Reddit zeigt, dass Nutzer immer wieder ihre Ergebnisse teilen und diskutieren, "wie viele Punkte sie hatten" und "welches Merkmal am höchsten war".

Ein Nutzer postete, dass sein D-Faktor-Ergebnis extrem hoch war, höher als bei 98 % der Befragten. Besonders Narzissmus, Anspruchsdenken, Gier und Machiavellismus waren hoch, während andere Merkmale niedrig ausfielen, was ihn dazu veranlasste, sich zu fragen, "was diese Unterschiede bedeuten".

In einer anderen Community verglichen Nutzer, die die 70-Fragen-Version gemacht hatten, ihre Ergebnisse.

"Es war etwas überraschend, dass Sadismus am höchsten war"

"Ich dachte, ein anderes Merkmal wäre bei mir höher"

"Ich bin mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden"

waren einige der Reaktionen.

Interessant ist, dass es nicht nur darum geht, "wie viele Prozent" man hatte,

sondern auch um die Verwirrung darüber,

"dass man anders ist, als man sich selbst vorgestellt hat".

Manche, die sich nicht für egoistisch hielten, erhielten hohe Werte im Egoismus, während andere, die dachten, sie hätten dunkle Seiten, überraschend niedrige Punktzahlen erzielten.

Diese Diskrepanz könnte der Grund sein, warum Persönlichkeitstests Menschen anziehen.


"Ist das nicht ein Test, um zu sehen, ob man seine eigenen Schwächen anerkennen kann?"

Auf der anderen Seite gibt es auf sozialen Medien auch viele nüchterne Kommentare zum Test selbst.

Ein Teilnehmer auf Reddit äußerte die Meinung, dass dieser Test im Grunde ein Test sei, "um zu sehen, wie sehr man seine eigenen Schwächen anerkennen kann".

Das ist ein sehr wichtiger Punkt.

Denn,

wenn man gefragt wird,

"Ich nutze Menschen für meine Zwecke"

"Es macht mir Freude, andere leiden zu sehen"

ist nicht jeder bereit, vollständig ehrlich zu antworten.

Es gibt Charaktereigenschaften, die man nicht einmal sich selbst eingestehen möchte.

Vor allem,

wenn man den Test mit dem Gedanken macht,

"Ich werde das Ergebnis später meinen Freunden zeigen",

könnte man unbewusst Antworten wählen, die einen als "guten Menschen" erscheinen lassen.

Umgekehrt könnte es in der Netzkultur auch Fälle geben, in denen man es lustig findet, als "Bösewicht" oder "tiefgründig" zu erscheinen, und absichtlich extreme Antworten gibt.

Das bedeutet, dass bei selbstberichteten Tests immer die Fragen bestehen,

"ob der Befragte sich selbst richtig versteht"

und "ob er ehrlich antwortet".

Auch im Artikel von SWR3 wird dieser Punkt als eine große Einschränkung des Tests hervorgehoben.

Es gibt auch Stimmen, die mit der Definition von "Gier" nicht einverstanden sind

Es gibt auch Kritik an den Fragen selbst.

Ein Nutzer auf sozialen Medien äußerte Zweifel daran, dass es als Gier angesehen wird, wenn man einfach mehr will, was doch eigentlich menschlich natürlich ist.

Ein anderer Nutzer schrieb, dass er es seltsam fand, dass der Gedanke, sich selbst zu schützen, als hoch egoistisch bewertet wurde.

Dies ist eine allgemeine Schwierigkeit bei psychologischen Tests.

Zum Beispiel,

kann man jemanden, der antwortet,

"Wenn ich nur mich oder einen unbekannten anderen retten kann, rette ich mich selbst",

einfach als egoistisch beurteilen?

Auch der Gedanke,

"Ich möchte meinen Erfolg über alles stellen",

kann je nach Situation als Ehrgeiz ausgedrückt werden.

Psychologische Skalen messen Tendenzen durch die Kombination mehrerer Fragen, daher wird nicht eine einzige Frage verwendet, um die Menschlichkeit zu beurteilen.

Für diejenigen, die den Test machen, können jedoch die Bedeutung der Worte in den Fragen und die von ihnen vorgestellten Situationen die Antworten erheblich beeinflussen.

Deshalb ist es interessanter,


statt nur die Zahlen des Ergebnisses zu betrachten,

zu überlegen,

"Warum habe ich auf diese Frage so geantwortet?"

Das könnte eine interessante Art sein, diesen Test zu nutzen.

Es kann nicht verwendet werden, um zu beurteilen, ob man ein "Bösewicht" ist

Laut SWR3, das Experten aus der Wissenschaftsabteilung befragt hat, sollte man den Ergebnissen von Online-Selbstdiagnosen nicht zu viel Vertrauen schenken.

Ein Grund dafür ist, dass das Selbstbewusstsein des Menschen an sich unvollständig ist.

Man könnte fest daran glauben, dass man einfühlsam ist, aber die Menschen um einen herum könnten das anders sehen.

Umgekehrt könnten Menschen, die streng mit sich selbst sind, sich selbst als egoistischer und kälter einschätzen, als sie tatsächlich sind.

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