Verlieren Sie wirklich, wenn Sie in der Warteschlange Ihr Smartphone benutzen? Warum "Tagträumen" gut für Gehirn und Seele ist

Verlieren Sie wirklich, wenn Sie in der Warteschlange Ihr Smartphone benutzen? Warum "Tagträumen" gut für Gehirn und Seele ist

Bushaltestellen, Warteschlangen an der Kasse, Warten auf den Aufzug. In dem Moment, in dem sich ein paar Sekunden "Leere" ergeben, greifen unsere Hände fast reflexartig zum Smartphone in der Tasche. Die Well+Being-Sektion der Washington Post (veröffentlicht am 8. Januar 2026) schlägt vor, diese Gewohnheit, die "Leere mit dem Smartphone zu füllen", vorübergehend zu bremsen und die Zeit des "einfachen Nachdenkens/Tagträumens" zurückzugewinnen. Der Grund ist einfach: Die Zeit, in der der Geist umherwandert, ist **"angenehmer", "hilfreicher bei der Problemlösung" und "vielleicht auch besser für zwischenmenschliche Beziehungen"** als das Scrollen auf dem Smartphone.


Dennoch ist Tagträumen weder "Faulheit" noch "Realitätsflucht". Der Artikel verweist auf psychologische Forschung, die darauf hindeutet, dass unser Gehirn gerade in der Zeit, in der es so aussieht, als ob es nichts tut, still arbeiten könnte.


Im Folgenden wird unter Berücksichtigung der Kernaussagen des Artikels, der Hintergrundforschung und der Reaktionen in sozialen Netzwerken versucht, die "gesundheitlichen Vorteile des Tagträumens" noch weiter in den Alltag zu integrieren.



Wie oft schauen wir eigentlich auf unser Smartphone?

Am Anfang des Artikels wird eine alltägliche Szene beschrieben. In einer Zeit, in der "Wartezeit = Smartphone" zur Normalität geworden ist, wird aus Forschung und Beobachtung berichtet, dass die Anzahl der Male, die wir unser Smartphone überprüfen/entsperren, mehr als 50 Mal am Tag erreichen kann.


Das Problem ist, dass diese Handlungen eher einem "Reflex" als einer "Entscheidung" ähneln. In einer Umgebung, in der es ständig Benachrichtigungen und Neuigkeiten gibt, fügt das Gehirn kontinuierlich "kleine Reize" hinzu, und bevor man es merkt, wird ein Großteil der Leere aufgebraucht.


Einprägsam im Artikel ist die Metapher der Sozialpsychologin Erin Westgate von der Universität Florida. Das ziellose Scrollen auf dem Smartphone sei wie "kognitive Junk-Food", das nur oberflächliche Zufriedenheit bietet.


Der Magen wird nicht gefüllt, aber es bleibt nur das "scheinbare Zufriedenheitsgefühl" von Salz und Fett—auf ähnliche Weise könnte auch im Gehirn ein "scheinbares Zufriedenheitsgefühl" entstehen.



Und wir verbringen einen Großteil unserer wachen Zeit mit "innerem Monolog"

Der Artikel betont auch, dass "Tagträumen" an sich keine besondere Handlung ist. Wir verwenden einen erheblichen Teil unserer wachen Zeit für "inneres Denken", indem wir uns etwas vorstellen, die Vergangenheit wiederkäuen oder die Zukunft simulieren—aber das ist nicht immer angenehm.


In einer bekannten Studie wird berichtet, dass einige Teilnehmer lieber einen Elektroschock wählten, als still zu sitzen und sich ihren Gedanken zu stellen.


Diese Angst, "allein mit seinen Gedanken zu sein", treibt uns zum Smartphone. Das ist der Ausgangspunkt der Diskussion.



Die "drei wissenschaftlichen Vorteile", die der Artikel nennt

1) "Einfach nachzudenken" ist angenehmer, als Sie denken

Ein zentrales Element des Artikels ist eine experimentelle Studie aus dem Jahr 2022. Die Teilnehmer stellen sich vor, "20 Minuten lang nichts zu tun und zu warten", und schätzen im Voraus, wie angenehm das sein wird. Was war das Ergebnis?Die Menschen schätzten konsequent, dass es "langweiliger als in Wirklichkeit" sein würde.
In dieser Studie wird zusammengefasst, dass bei insgesamt N=259, in sechs Experimenten ähnliche Tendenzen beobachtet wurden, hauptsächlich bei Studenten.


Das bedeutet, dass die Vorstellung "Zeit, in der man nichts tut = langweilig und unerträglich" möglicherweise ein Vorurteil ist.
Und dieses Vorurteil könnte die Entscheidung, während der Wartezeit "einfach die Nachrichten zu öffnen/SNS zu überprüfen", fördern.


Wichtig ist hier, dass der Artikel betont, "was man denkt, ist wichtig". Wenn man in das Wiederkäuen unangenehmer Erinnerungen (Rumination) verfällt,ist es gut, im Voraus eine Liste mit "guten Themen, über die man nachdenken möchte" zu erstellen. Dies wird als "positive constructive daydreaming" bezeichnet und kann zu Kreativität und Problemlösung führen.



2) Tagträumen löst "Probleme, die man nicht aktiv zu lösen versucht"

Viele Menschen haben die Erfahrung gemacht, dass "Einfälle" nicht am Schreibtisch, sondern unter der Dusche oder beim Spazierengehen kommen. Der Artikel erklärt, dass das Denken freier wird, wenn man "automatische Aufgaben" erledigt, und dass dies zur Problemlösung beitragen kann. Beispiele sind Autofahren, Gehen und Körperpflege.


Aus der Perspektive der Neurowissenschaften wird darauf hingewiesen, dass "das Gehirn arbeitet, auch wenn es so aussieht, als ob es nichts tut" und dass mehrere Gehirnregionen auch im "Default"-Zustand aktiv sind.


"Probleme zu lösen" bedeutet nicht nur "sich zu konzentrieren". Vielmehr gibt es Situationen, in denen es notwendig ist, dem Denken Zeit zu geben, sich "zu entfalten",wie bei einer "Fermentation"—diese Botschaft des Artikels spricht besonders vielbeschäftigte Menschen an.



3) "Tagträumen über Menschen" kann Distanzen verringern

Überraschend sind die zwischenmenschlichen Effekte. Der Artikel berichtet über die Forschung der Psychologin Julia Poerio, die zeigt, dass, wenn Teilnehmer nach der Induktion von Einsamkeit "angenehme Interaktionen mit wichtigen Personen" vorstellen,das Gefühl der Verbundenheit, Zuneigung und Zugehörigkeit zunimmt.


In der Zusammenfassung der betreffenden Studie wird berichtet, dass bei N=126 die Gruppe, die "wichtige andere Personen" imaginierte, im Vergleich zu nicht-sozialen Tagträumen oder Kontrollbedingungen stärkere Verbundenheitsgefühle und mehr prosoziales Verhalten zeigte.


Hier zeigt sich, dass Tagträumen nicht nur eine bloße Fantasie ist, sondern möglicherweise eine **soziale "Generalprobe"** darstellt. Simulation von Gesprächen, Reflexion über Misserfolge, Vorstellung des nächsten Schritts. Der Artikel besagt, dass "weil wir in einer Gesellschaft leben, viele unserer Tagträume Simulationen sozialer Ereignisse sind".



Was soll man also tun, wenn man das Smartphone beiseitelegt?

Der Artikel endet mit einem sehr kleinen Vorschlag: "Wenn Sie das nächste Mal ein paar Minuten frei haben, lassen Sie das Smartphone in der Tasche".
Um dies im Alltag umzusetzen, ist der Schlüssel nicht "Willenskraft", sondern "Gestaltung".


  • Berühren Sie das Smartphone in den "ersten 30 Sekunden der Leere" nicht
    Es ist schwierig, sofort lange Zeiträume zu bewältigen. Beginnen Sie mit einem "Zwischenschritt".

  • Bereiten Sie drei Themen für Tagträume vor(Beispiele: Dinge, die Sie im nächsten Urlaub tun möchten / Dinge, für die Sie kürzlich dankbar waren / Punkte, die Sie bei der Arbeit lösen möchten)
    Für Menschen, die zum Wiederkäuen neigen, sind vorbereitende "Stützen" hilfreich.

  • Kombinieren Sie es mit einfachen Aufgaben wie Gehen, Aufräumen oder Puzzeln
    Der Artikel erwähnt auch, dass "Spazierengehen" oder "einfache Aufgaben" helfen, "das Denken zu fermentieren".


Hinweis: Wenn Tagträumen das Wiederkäuen schmerzhafter Erinnerungen verstärkt oder den Alltag beeinträchtigt, setzen Sie es nicht fort und konsultieren Sie einen Fachmann (auch dieser Artikel deutet darauf hin, dass "was man denkt, wichtig ist").



Reaktionen in sozialen Netzwerken: Für wen dieses Thema relevant ist und für wen nicht

Die Kommentarbereiche der verschiedenen sozialen Plattformen zum eigentlichen Artikel der Washington Post waren aufgrund von Zugriffsbeschränkungen (JavaScript erforderlich oder Zugriffsbegrenzungen) nicht vollständig nachverfolgbar. Daher wird als Alternative eine öffentliche Diskussion über den Wert von "Leere mit dem Smartphone füllen" und "Tagträumen/Reflexion" auf dem Diskussionsforum der Techniker-Community (Hacker News) als "Reaktionsbeispiel" organisiert.


Es gibt im Wesentlichen drei auffällige Typen.

A) Diejenigen, die sagen: "Wenn ich das Smartphone weglege, tauchen aufgeschobene Probleme auf"

Ein Teilnehmer berichtet, dass er während einer Zeit, in der er das Smartphone nicht benutzte, gezwungen war, sich in der Wartezeit mit "schwierigen Entscheidungen" auseinanderzusetzen, was letztendlich einen großen Vorteil brachte.

Dies ist eine zustimmende Reaktion auf den Artikel, der besagt, dass es "hilfreich bei der Problemlösung" ist.


B) Diejenigen, die sagen: "Bildschirme werden zu 'Aufschubgeräten' für Ängste"

Ein anderer Beitrag diskutiert, dass ständige Ablenkung zwar kurzfristig angenehm ist, aber Ängste unbewältigt anhäuft und zu einem Teufelskreis führt.

Auch dies korrespondiert mit der Einschätzung des Artikels, dass "einfach nachzudenken tiefere Bedeutung hat".


C) Diejenigen, die sagen: "Aber Stille ist anstrengend" (daher ist Gestaltung notwendig)

Gleichzeitig gibt es Beiträge, die die Schwierigkeit der Stille thematisieren, wie "ein Spaziergang ohne Geräusche verändert den Schlaf" oder "sogar Kopfhörer werden zu Werkzeugen, um Gedanken zu vermeiden".

Der Vorschlag des Artikels, "eine Grundlage für positive und konstruktive Tagträume zu schaffen", könnte eine realistische Lösung für diese Gruppe sein.



Zusammenfassung: Tagträumen ist vielleicht keine "Luxus", sondern eine "Funktion"

Interessant an diesem Artikel ist, dass Tagträumen nicht als "Faulheit", sondern als Teil der höheren Denkfunktionen des Menschen behandelt wird.
Wir glauben fälschlicherweise, dass "Langeweile beängstigend" ist, und füllen die möglicherweise angenehme "Zeit des einfachen Nachdenkens" achtlos mit dem Smartphone.


Und diese Leere könnte zu einem "Fermentationsbehälter" für Kreativität und Problemlösung werden.
Darüber hinaus wird gezeigt, dass Tagträumen über Menschen auch das Potenzial hat, Einsamkeit zu lindern und das Gefühl der Verbundenheit zu unterstützen.


Das nächste Mal, wenn Sie in einer Schlange stehen. Wenn Sie auf den Aufzug warten.
Wenn Ihre Hand zum Smartphone greift, halten Sie es einmal in der Tasche an.
Und lassen Sie Ihren Kopf für 30 Sekunden frei umherwandern.
Aus diesem kleinen Experiment könnte Ihr Gefühl der "Gedankenhoheit" zurückkehren.


Referenzartikel

Warum Sie Ihr Smartphone weglegen und sich dem Tagträumen hingeben sollten - Washington Post
Quelle: https://www.washingtonpost.com/wellness/2026/01/08/health-benefits-of-daydreaming/