Sind "Autos mit eingeschaltetem Licht am Tag" wirklich sicher? Unterschiede zwischen Europa, den USA und Japan verstehen

Sind "Autos mit eingeschaltetem Licht am Tag" wirklich sicher? Unterschiede zwischen Europa, den USA und Japan verstehen

Der Artikel von Jalopnik begann mit der einfachen Frage, warum Tagesfahrlichter, sogenannte DRLs, in Europa selbstverständlich sind, während sie in den USA noch nicht verpflichtend sind. In Europa sind DRLs seit 2011 für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge vorgeschrieben, und seit 2012 auch für Lkw und Busse. In den USA hingegen gelten DRLs laut Bundesvorschriften weiterhin als "optionale Ausrüstung, die installiert werden kann". Jalopnik führt als einen der Hintergründe an, dass eine Studie der NHTSA die Wirksamkeit von DRLs nicht als entscheidend bewertet hat.

Wie sieht es in Japan aus? Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Japan weder dem europäischen noch dem amerikanischen Modell folgt, sondern dazwischen liegt. In Japan sind Tagesfahrlichter nicht verboten. Vielmehr hat das Verkehrsministerium 2016 die Sicherheitsvorschriften geändert und die UN/ECE-Regelung Nr. 87 übernommen, um Standards für Tagesfahrlichter einzuführen. Auch die aktuellen Sicherheitsvorschriften sehen vor, dass Fahrzeuge mit Tagesfahrlichtern ausgestattet werden können, wobei Details wie Lichtstärke und Farbe festgelegt sind. Das bedeutet, dass es in Japan bereits einen rechtlichen Rahmen für DRLs gibt, sie jedoch nicht verpflichtend sind. Dies ist der entscheidende Unterschied zu Europa.

Zudem hat das japanische System den Schwerpunkt eher auf die Prävention von unbeleuchtetem Fahren in der Dämmerung und verspätetem Einschalten der Lichter gelegt als auf die Sichtbarkeit am Tag. Bei der Änderung 2016 hat das Verkehrsministerium, basierend auf der Unfallstatistik in der Dämmerung, beschlossen, eine automatische Lichtfunktion vorzuschreiben, die das Abblendlicht einschaltet, wenn die Umgebungshelligkeit unter einen bestimmten Wert fällt. Laut JAF wurde diese Verpflichtung ab April 2020 für neue Pkw-Modelle eingeführt. Die japanische Verwaltung hat sich zuerst darauf konzentriert, sicherzustellen, dass die Lichter bei Dunkelheit eingeschaltet werden, anstatt sie tagsüber leuchten zu lassen.

Der Hintergrund dafür ist die spezifische Unfallsituation in Japan. Die Polizei erklärt, dass in der Dämmerung häufig tödliche Verkehrsunfälle passieren. In den Materialien zur Verkehrssicherheitskampagne im Herbst wird zudem darauf hingewiesen, dass die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle in der Dämmerung von Oktober bis Dezember etwa 1,7-mal höher ist als von Juli bis September. Da Unfälle nicht nur zwischen Fahrern, sondern auch mit Fußgängern und Radfahrern in dieser Zeitspanne häufiger auftreten, ist es nachvollziehbar, dass Japan die Priorität auf das frühzeitige Einschalten der Scheinwerfer gelegt hat, anstatt DRLs flächendeckend verpflichtend zu machen.

In Japan blieb lange die Gewohnheit, die Lichter erst bei Dunkelheit einzuschalten. Eine landesweite Umfrage der JAF ergab, dass nur 0,9 % der Fahrzeuge 30 Minuten vor Sonnenuntergang die Scheinwerfer eingeschaltet hatten, und selbst zur Zeit des Sonnenuntergangs waren 42,5 % der Fahrzeuge unbeleuchtet. Das bedeutet, dass ohne Unterstützung durch Vorschriften das Einschalten der Lichter oft zu spät erfolgte. Der Grund, warum Japan die Pflicht zur automatischen Beleuchtung beschleunigte, war nicht nur die Einführung fortschrittlicher Ausrüstung, sondern auch, um diese Verzögerung im Verhalten auszugleichen.

Ist es also, weil Japan in Bezug auf Sicherheit zurückhaltend ist, dass DRLs nicht wie in Europa verpflichtend gemacht werden? So einfach ist es nicht. Ein Blick auf die öffentlichen Informationen und Branchenkommentare in Japan zeigt mindestens drei Gründe. Erstens ist die Installation von DRLs in Japan bereits erlaubt, und Hersteller können sie einbauen, wenn sie möchten. Zweitens hatte die Prävention von verspätetem Einschalten der Lichter in der Dämmerung als Unfallprävention eine höhere Priorität. Drittens gibt es eine starke gesellschaftliche Sensibilität gegenüber Blendung durch Licht. Die JAF erklärt auch, dass in Japan ausländische DRLs nicht direkt verwendet werden können und oft als Zubehörlichter mit reduzierter Helligkeit behandelt werden.

Ein nicht zu übersehendes Problem ist die "Blendung". In den letzten Jahren sind LED-Scheinwerfer und Signaturlichter in Japan weit verbreitet, wodurch das Licht an der Vorderseite der Fahrzeuge deutlich stärker, weißer und schärfer geworden ist. Obwohl Tageslichter nicht so hell wie Scheinwerfer sind, können sie je nach Fahrzeugtyp, Lichtachse und Betrachtungswinkel als blendend empfunden werden. In den inländischen Medien wird auch berichtet, dass es auf sozialen Netzwerken Stimmen gibt, die sagen, dass sie "blenden", "sogar Tageslichter als Fernlichtangriff wahrgenommen werden" und "es gefährlich ist, geblendet zu werden". Auch wenn es sich um Sicherheitsausrüstung handelt, wenn sie Unbehagen oder Unsicherheit verursacht, wird es Widerstand geben. Dieses Empfinden ist in Japan schwer zu ignorieren.

Auf der anderen Seite verbreitet sich auch eine positive Sichtweise auf DRLs. In den Automedien wird berichtet, dass auch bei japanischen Autos die Modelle mit Tageslichtern zunehmen und sie sich nicht nur zur Verbesserung der Sichtbarkeit, sondern auch als Designelement zur Darstellung der Markenidentität und des Fortschritts etablieren. DRLs sind also nicht nur Sicherheitsausrüstung, sondern auch Teil des "Gesichts" eines Fahrzeugs. Auch in sozialen Netzwerken gibt es Beiträge, die die Gestaltung der Tageslichter als "cool" bewerten und die Sichtbarkeit am Tag positiv aufnehmen. Die Integration von Funktion und Design fördert die Verbreitung in Japan.

Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken lassen sich grob in drei Gruppen einteilen. Erstens die Gruppe, die "Sicherheit" priorisiert und meint, dass es besser ist, etwas blendend zu sein, als unbeleuchtet zu sein, und dass Sichtbarkeit wichtiger ist. Zweitens die Gruppe, die "Blendung" als Problem sieht und es als schwierig empfindet, auf entgegenkommende Fahrzeuge oder stehende Fahrzeuge Rücksicht zu nehmen, wenn das Licht zu stark ist. Drittens die Gruppe, die "Design" begrüßt und DRLs als moderne und coole Ausstattung ansieht. Tatsächlich gibt es auf X sowohl positive Beiträge zur Pflicht der automatischen Beleuchtung, als auch Beiträge, die Tageslichter als blendend empfinden, sowie solche, die das Design der Tageslichter je nach Fahrzeug loben. Diese Stimmen sind jedoch nur beobachtbar und haben keine repräsentative Bedeutung wie eine Meinungsumfrage.

Wenn man die aktuelle Situation in Japan nüchtern betrachtet, ist es genauer zu sagen, dass Japan kein "Land, das keine DRLs braucht" ist, sondern ein "Land, das DRLs nicht als einzige Lösung ansieht". In Japan sind für Motorräder seit 1998 ganztägig eingeschaltete Lichter vorgeschrieben, da bei Fahrzeugen mit kleinerem und weniger auffälligem Körper die Tagesbeleuchtung einen klaren Wert hat. Bei vierrädrigen Fahrzeugen wird hingegen die automatische Beleuchtung als Maßnahme gegen Dämmerungsunfälle gefördert, während DRLs als optionale Ausstattung verbreitet werden. Die Vorstellung, dass je nach Fahrzeugtyp und Verwendungszweck unterschiedliche Sichtbarkeitsanforderungen bestehen, ist bereits in das System integriert.

In naher Zukunft scheint es unwahrscheinlich, dass Japan wie Europa eine einheitliche Verpflichtung einführt. Derzeit befindet sich Japan in der Phase, in der DRLs rechtlich anerkannt werden, aber zunächst die Verbreitung der automatischen Beleuchtung und die Erneuerung der Fahrzeuge vorangetrieben werden. Die JAF geht davon aus, dass es Jahrzehnte dauern wird, bis die neuen Sicherheitsstandards für automatische Beleuchtung in der gesamten Gesellschaft umgesetzt sind. Aus Sicht der Verwaltung ist es zunächst wichtiger, das bestehende Risiko in der Dämmerung sicher zu reduzieren. Gleichzeitig wird der Trend zu mehr Fahrzeugen mit DRLs durch den Designwettbewerb der Hersteller, die LED-Umstellung und die Weiterentwicklung der fortschrittlichen Beleuchtungstechnologien fortgesetzt. Dies wird jedoch eher durch eine Kombination aus Markt- und Sicherheitsstandards als durch eine Verpflichtung vorangetrieben.

In Japan sollte der Fokus vielmehr auf dem Übergang von "nur hell genug" zu "sichtbar und nicht zu blendend" liegen. In den neuesten Materialien des Verkehrsministeriums wird auch darauf hingewiesen, dass hochfunktionale Scheinwerfer wie ADB, die sowohl die Sichtbarkeit von Fußgängern bei Nacht verbessern als auch Blendung verhindern, als optionale Ausstattung gesetzlich geregelt sind. Ob bei Tagesfahrlichtern oder bei Scheinwerfern in der Nacht, das nächste Thema in Japan wird wahrscheinlich dasselbe sein: die klare Sichtbarkeit und das Vermeiden von Unannehmlichkeiten für andere. Technologien, die diese Balance erreichen, werden in Japan eher akzeptiert.

Wenn man den Artikel von Jalopnik auf Japan bezieht, ist die Antwort überraschend klar. Europa hat "sichtbar am Tag" gesetzlich durchgesetzt. Die USA haben es dem Markt überlassen, indem sie es nicht als Verpflichtung angesehen haben. Und Japan hat zuerst "sicher in der Dämmerung" gesetzlich geregelt und "sichtbar am Tag" als optionale Ausstattung verbreitet. Daher ist es nur natürlich, dass die Diskussion über DRLs in Japan gespalten ist. Einige Menschen halten sie für notwendig für die Sicherheit, während andere von der Blendung genervt sind. Doch dieser Konflikt selbst ist ein Beweis dafür, dass die japanische Automobilgesellschaft derzeit den genauen Punkt zwischen "Sichtbarkeit" und "Blendung" sucht.


Quellen-URL

Problemstellung, dass DRLs in Europa verpflichtend, in den USA jedoch nicht verpflichtend sind
https://www.jalopnik.com/2135657/daytime-running-lights-mandatory-europe-not-us/

Offizielle Erklärung der EU (Bestätigung, dass DRLs seit 2011 für Neuwagen in der EU verpflichtend sind)
https://road-safety.transport.ec.europa.eu/eu-road-safety-policy/priorities/safe-vehicles/daytime-running-light_en

Offizielle Interpretation der NHTSA (Bestätigung, dass DRLs in den USA nicht verpflichtend sind und als optionale Ausrüstung behandelt werden)
https://www.nhtsa.gov/interpretations/nht90-21

Aktuelle Erklärungsmaterialien der NHTSA (Bestätigung, dass DRLs in FMVSS Nr. 108 als "if equipped" optionale Ausrüstung behandelt werden)
https://www.nhtsa.gov/nhtsa-interpretation-file-search?page=4

Änderungsmaterialien des Verkehrsministeriums (Materialien, die die Einführung von Standards für Tagesfahrlichter und die Verpflichtung zur automatischen Beleuchtung in Japan im Jahr 2016 zeigen)
https://www.mlit.go.jp/common/001148214.pdf

Pressemitteilung des Verkehrsministeriums (Erklärung des Hintergrunds der Verpflichtung zur automatischen Beleuchtung in Japan als Maßnahme gegen Dämmerungsunfälle)
https://www.mlit.go.jp/report/press/jidosha07_hh_000220.html

Sicherheitsstandards für Straßenfahrzeuge, Artikel 34-3 (Grundlage, dass Tagesfahrlichter in Japan "installiert werden können")
https://www.mlit.go.jp/jidosha/content/H034-3.pdf

Bekanntmachung zur Festlegung der Details der Sicherheitsstandards für Straßenfahrzeuge, Artikel 202-2 (Details zu DRLs wie Lichtstärke unter 1440cd, weiß usw.)
https://www.mlit.go.jp/jidosha/content/S202-2.pdf

JAF-Erklärung zum Lichtquiz (Erklärung, dass helle DRLs für ausländische Märkte in Japan nicht direkt verwendet werden können und als Zubehörlichter behandelt werden können)
https://jaf.or.jp/common/safety-drive/car-learning/safety-light/headlight-quiz

JAF-Erklärung zur automatischen Beleuchtung (Erklärung zur Verpflichtung zur automatischen Beleuchtung ab 2020, Zweck des japanischen Systems, dass die Verbreitung Zeit braucht)
https://jaf.or.jp/common/safety-drive/car-learning/safety-light/mandatory

JAF-Umfrage zur Beleuchtungssituation (Bestätigung der Tatsache, dass das Einschalten der Lichter in der Dämmerung in Japan oft zu spät erfolgt)
https://jaf.or.jp/common/safety-drive/library/survey-report/2014-headlight

Seite der Polizei zur Unfallprävention in der Dämmerung (Erklärung, dass in der Dämmerung häufig tödliche Verkehrsunfälle passieren)
https://www.npa.go.jp/bureau/traffic/anzen/hakubo.html

Materialien zur Verkehrssicherheitskampagne im Herbst der Polizei (Materialien, die zeigen, dass die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle in der Dämmerung von Oktober bis Dezember etwa 1,7-mal höher ist)
https://www.npa.go.jp/bureau/traffic/bunseki/anzenundou/040915akikou.pdf

JAF-Erklärung zu Motorrädern (Bestätigung, dass in Japan ganztägig eingeschaltete Lichter für Motorräder vorgeschrieben sind)
https://jaf.or.jp/common/safety-drive/car-learning/safety-light/headlight-quiz

Sicherheitsstandards für Motorräder (Bestätigung der Struktur, dass bei laufendem Motor immer ein Scheinwerfer eingeschaltet ist)
https://www.mlit.go.jp/jidosha/kijyun/saimokukokuji/saikoku_198_00.pdf

Inländischer Medienartikel (Referenz zur Zunahme von Fahrzeugen mit DRLs in japanischen Autos und zur Verbreitung im Designbereich)
https://www.webcartop.jp/2020/06/537512/

Inländischer Medienartikel (Referenz zu Reaktionen auf sozialen Netzwerken, die DRLs als "blendend" empfinden und zur Temperatur der Diskussion in Japan)
https://kuruma-news.jp/post/476933