Wer profitiert von Zöllen? Zölle sind keine "Schutzmaßnahme", sondern eine "zusätzliche Steuerbelastung für Haushalte" ─ Der wahre Grund, warum der Markt vorsichtig ist

Wer profitiert von Zöllen? Zölle sind keine "Schutzmaßnahme", sondern eine "zusätzliche Steuerbelastung für Haushalte" ─ Der wahre Grund, warum der Markt vorsichtig ist

Zölle neigen dazu, in der politischen Welt ein leicht verständliches Symbol für "Stärke" zu sein. Wenn auf importierte Waren Steuern erhoben werden, werden heimische Unternehmen geschützt, Arbeitsplätze geschaffen und das Handelsdefizit verringert – so klingt es intuitiv. Doch aus der Perspektive der Finanzmärkte und der realen Wirtschaft ist die Geschichte viel komplexer.


Seeking Alpha berichtete über die Warnung von Tony Roth, dem Chief Investment Officer (CIO) von Wilmington Trust Investment Advisors. Roth wies darauf hin, dass Zölle eher "viel mehr wirtschaftlichen Schmerz" als langfristige Vorteile verursachen und nicht zur Reduzierung des Handelsdefizits oder zur Förderung der US-Industrie beitragen.


Für Investoren ist diese Einschätzung deshalb schwerwiegend, weil Zölle zuerst die "Kaufkraft der Haushalte" und nicht die "Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen" beeinträchtigen, was sich auf die Unternehmensgewinne und die gesamte Konjunktur auswirken kann.


1) Die wahre Natur der Zölle ist "ähnlich einer Verkaufssteuer" – Wer zahlt am meisten?

Da Zölle von Importeuren gezahlt werden, scheinen sie oberflächlich betrachtet eine Belastung für Unternehmen zu sein. In der Praxis werden sie jedoch häufig in Form von Preiserhöhungen an die Verbraucher weitergegeben. Roth beschreibt Zölle als "etwas Ähnliches wie eine Verkaufssteuer", was genau diese "Weitergabe-Realität" widerspiegelt.


Ein kritischer Punkt ist hier die Regressivität. Bei lebensnotwendigen Gütern und Alltagsgegenständen gibt es weniger Möglichkeiten, Preiserhöhungen zu entkommen, und der Anteil der Ausgaben am verfügbaren Einkommen ist hoch. Infolgedessen trifft dieselbe Preissteigerung Haushalte mit niedrigem Einkommen härter.


Auch in sozialen Netzwerken findet dieses Thema viel Anklang. Beiträge wie "Zölle landen letztendlich auf dem Kassenbon im Supermarkt" oder "Die Ausgaben steigen, obwohl das Gehalt nicht steigt" verbreiten sich leicht, weil sie direkt spürbar sind. Aus einer Investitionsperspektive führt eine Verschiebung hin zu defensiven Ausgaben dazu, dass weniger Geld für diskretionäre Ausgaben (wie Essen gehen, Bekleidung, langlebige Güter) zur Verfügung steht.


2) Das Problem, dass das Handelsdefizit nicht sinkt – Die Diskrepanz zwischen Ziel und Ergebnis

Beim Thema Zölle wird oft die "Reduzierung des Handelsdefizits" als Erfolgsindikator genannt. Doch das Handelsdefizit lässt sich nicht einfach durch Zölle beeinflussen. Es spielen mehrere Faktoren eine Rolle, wie die Inlandsnachfrage, Wechselkurse, Konjunkturzyklen, Angebotsbeschränkungen und die Neugestaltung der Beschaffungsketten von Unternehmen.


Selbst wenn Zölle die Importe aus bestimmten Ländern oder von bestimmten Produkten verringern, suchen sich Unternehmen neue Lieferanten aus anderen Ländern oder über andere Wege. Das führt oft dazu, dass "nur der Handelspartner wechselt, aber die Importe weitergehen". Dies verursacht eine Diskrepanz zwischen dem politischen Ziel (Defizitreduktion) und der Realität (Kostensteigerung und Ersatz der Bezugsquellen).


In sozialen Netzwerken sind auch kritische Stimmen zu hören, die sagen: "Wenn das Defizit nicht sinkt, steigen nur die Haushaltsbelastungen" oder "Letztlich ist es nur eine Verhandlungskarte, ohne dauerhafte Industrieentwicklungsstrategien". Auf der anderen Seite gibt es Stimmen, die argumentieren: "Es geht weniger um das Defizit an sich, sondern darum, die Versorgungsketten strategischer Güter und wichtiger Industrien auf das Inland oder verbündete Länder zu verlagern". Die Diskussion konzentriert sich also auf Wirtschaftseffizienz (Preise, Wachstum) versus Sicherheit (Versorgungsketten, Technologie).


3) Der Markt fürchtet nicht nur die "Preise" – Die Schwächung des Konsums

Die Auswirkungen von Zöllen beschränken sich nicht nur auf die Preise. Wenn die Preise steigen, ändern Verbraucher ihre Kaufprioritäten. Sie wechseln zu günstigeren Alternativen, reduzieren die Kaufhäufigkeit oder verzichten ganz auf den Kauf.


Ein Punkt, den der Artikel von Seeking Alpha andeutet, ist die "Not der einkommensschwachen Schichten" und die "Veränderung der Beschäftigungssituation". In einer Phase, in der die Beschäftigung schwächer wird und das Lohnwachstum stagniert, können steigende Kosten den Konsum leicht dämpfen. Aus Unternehmenssicht bedeutet eine Preiserhöhung weniger Absatz, während ohne Preiserhöhung die Gewinne geschmälert werden. In beiden Fällen könnten die Finanzergebnisse negativ beeinflusst werden.


In sozialen Netzwerken wird dies in den Worten der Verbraucher ausgedrückt: "Ich habe mich an Preiserhöhungen gewöhnt, aber jetzt ist das Limit erreicht" oder "Ich kann den Kauf nur noch verschieben". Für Investoren ist dies ein Zeichen dafür, dass die Auswahl von Aktien im Konsumbereich noch wichtiger wird.


4) Warum Zölle dennoch unterstützt werden – Die Erzählung vom "langfristigen Nutzen"

Warum also finden Zölle Unterstützung? Der Hauptgrund ist, dass die Erzählung vom "langfristigen Nutzen" leicht verständlich ist. Rückkehr der Produktion ins Inland (Reshoring), Arbeitsplätze, industrielle Basis, Verhandlungsmacht – all dies klingt als nationale Strategie gut.


Zudem sind kurzfristige Schmerzen leicht zu verteilen, während die Vorteile sich oft auf bestimmte Industrien oder Regionen konzentrieren. Politisch gesehen ist diese Struktur ein starker Rückenwind.


Auch in sozialen Netzwerken sind Meinungen wie "Es gibt Schmerzen, aber als Nation ist es notwendig" oder "Es ist gefährlicher, weiterhin auf billige Importe angewiesen zu sein" weit verbreitet. Besonders nach Erfahrungen mit unterbrochenen Lieferketten oder geopolitischen Risiken wird die Vorstellung, die Kosten als "Versicherungsprämie" zu akzeptieren, eher unterstützt.


Aus einer Investitionsperspektive ist jedoch problematisch, dass der "langfristige Nutzen" ungewiss ist, wann und in welchem Umfang er welche Unternehmen erreicht. Um die inländische Produktion zu steigern, sind Investitionen in Anlagen, Personal, Energie und die Einhaltung von Vorschriften erforderlich, was Zeit kostet. In dieser Übergangszeit tragen Haushalte und Unternehmen die ersten Schmerzen.

5) Zusammenfassung der Reaktionen in sozialen Netzwerken: Die "Unvereinbarkeit" von Pro und Contra wird sichtbar

 

Eine grobe Zusammenfassung der Reaktionen in sozialen Netzwerken auf dieses Thema zeigt, dass sich die Diskussion auf vier Hauptpunkte konzentriert.

  • Gegner:
    "Zölle = Steuer auf Haushalte", "Einkommensschwache leiden mehr", "Das Handelsdefizit sinkt nicht", "Letztlich nur Preiserhöhungen und Konjunkturabschwächung"

  • Bedingte Befürworter:
    "Wichtige Industrien sollten geschützt werden, aber gezielt", "Inlandsinvestitionen, Steuersenkungen und Regulierungsreformen als Voraussetzung"

  • Befürworter:
    "Sicherheit der Versorgungsketten", "Wiederbelebung der inländischen Arbeitsplätze", "Verhandlungskarte in der Außenpolitik"

  • Skeptiker (eher politikverdrossen):
    "Unklare Erfolgsindikatoren", "Inszenierung einer 'starken Politik', während die Kosten von den Bürgern getragen werden"


Besonders auffällig ist, dass die Gegner über die "Haushalte diesen Monat" sprechen, während die Befürworter über den "Staat in zehn Jahren" sprechen, was zu Missverständnissen in der Diskussion führt. Wenn sich der Zeitrahmen ändert, ändern sich auch die Schlussfolgerungen, selbst wenn man dieselben Fakten betrachtet. Die Lehre für Investoren ist, die Vor- und Nachteile von Politiken nicht zu vereinfachen und die kurzfristigen Kosten und langfristigen Strukturveränderungen getrennt zu beobachten.


6) Der Investitionsansatz: Wer trägt das Risiko und wer kann es besser bewältigen?

Wenn Zölle "ähnlich einer Verkaufssteuer" sind, haben Unternehmen mit starker Preisdurchsetzung kurzfristig mehr Widerstandskraft. Im Gegensatz dazu sind Branchen mit starkem Preiswettbewerb und niedrigen Gewinnmargen oder Unternehmen, die hauptsächlich einkommensschwache Kunden haben, stärker betroffen.


Unternehmen mit hohem Importanteil oder starker Abhängigkeit von ausländischen Komponenten sind kostenmäßig stärker betroffen. Im Gegensatz dazu sind Unternehmen mit hohem inländischen Beschaffungsanteil oder starker Preissetzungsmacht (Marke, Oligopol, schwer ersetzbar) relativ gut geschützt.


Allerdings sind Zölle stark von politischen Zeitplänen abhängig, wann sie verschärft oder gelockert werden. Das größte Risiko besteht darin, dass Unternehmen aufgrund der "Unsicherheit" keine langfristigen Investitionsentscheidungen treffen können. Der Markt fürchtet möglicherweise mehr die "Unvorhersehbarkeit" als die Kostensteigerung selbst.



Quellen