Die Hälfte der Raubvögel in Südafrika ist stark rückläufig - Besorgnis breitet sich auch in den sozialen Netzwerken aus. Warum darf der Rückgang der Raubvögel in Südafrika nicht ignoriert werden?

Die Hälfte der Raubvögel in Südafrika ist stark rückläufig - Besorgnis breitet sich auch in den sozialen Netzwerken aus. Warum darf der Rückgang der Raubvögel in Südafrika nicht ignoriert werden?

Raubvögel verschwinden aus dem Himmel Südafrikas – Eine 16-jährige, etwa 400.000 km lange Straßenuntersuchung zeigt eine Veränderung

Wenn man in den weiten Himmel Südafrikas blickt, sollte man eigentlich Adler, Bussarde, Sekretärvögel, die auf der Suche nach Beute durch die Graslandschaften streifen, und Falken, die von fernen Kontinenten kommen, sehen. Doch die neueste Forschung zeigt eine stille, aber unaufhaltsame Abnahme dieser Raubvögel.

Im Mittelpunkt steht eine Straßenuntersuchung, die von 2009 bis 2025 im zentralen Südafrika durchgeführt wurde. Dabei wurden Raubvögel und große Landvögel gezählt, während man mit dem Auto eine bestimmte Route fuhr, um die Veränderung der Beobachtungsrate pro 100 km zu verfolgen. Untersucht wurden 18 Raubvogelarten und 8 große Landvogelarten, insgesamt 26 Arten. Die Ergebnisse sind nicht ermutigend: Bei 13 der 26 Arten, also der Hälfte, wurde ein statistisch signifikanter Rückgang festgestellt, während nur bei 3 Arten ein Anstieg zu verzeichnen war.

Diese Zahlen sind deshalb so schwerwiegend, weil Raubvögel von Natur aus "anfällig für Rückgänge" sind. Adler, Falken, Bussarde und Geier benötigen große Aktionsräume und haben eine langsame Fortpflanzungsrate. Ihre Populationsdichte ist gering, und sie sind anfällig für Umweltveränderungen. Sobald ein Rückgang beginnt, dauert es lange, bis sich die Population erholt. Der derzeitige Rückgang könnte also ein Zeichen für tiefgreifende Veränderungen im Ökosystem sein, nicht nur eine vorübergehende Schwankung.

Besonders symbolisch ist der Rückgang des Sekretärvogels. Dieser Vogel, der mit seinen langen Beinen durch die Graslandschaften streift und Schlangen und Kleintiere fängt, ist ein Symbol der offenen afrikanischen Landschaften. Er ist bekannt für seine charakteristischen schwarzen Federn am Hinterkopf und seine beeindruckende Erscheinung als Raubvogel, der am Boden läuft. Doch laut der Studie ist die Population des Sekretärvogels in der Untersuchungsregion in 16 Jahren um 68 % zurückgegangen. Obwohl er bereits als gefährdete Art gilt, könnte sich die Situation auf regionaler Ebene noch weiter verschärfen.

Der Rückgang betrifft nicht nur den Sekretärvogel. Auch bei ortsansässigen Raubvögeln wie dem Schakalbussard, dem Schwarzadler und der Afrikanischen Eule wurden erhebliche Rückgänge festgestellt. Auch bei Zugvögeln wie dem Rotfußfalken, dem Rotfußbussard und dem Steppenbussard wurde ein Rückgang festgestellt. Bei Zugvögeln ist das Problem noch komplexer: Verschlechtert sich die Umwelt in einem der Gebiete, in denen sie brüten, überwintern oder auf dem Zugweg Rast machen, wirkt sich das auf die gesamte Population aus. Maßnahmen in Südafrika allein reichen nicht aus; es bedarf eines grenzüberschreitenden Schutzes.

Was setzt die Raubvögel unter Druck? Forscher vermuten, dass es nicht eine einzige Ursache gibt, sondern mehrere Faktoren zusammenwirken. Der Einsatz von Pestiziden und Rodentiziden, illegale Tötungen wegen Viehschäden, Kollisionen mit Stromleitungen und Windkraftanlagen, Klimawandel und Veränderungen in der Landnutzung. Diese scheinen jeweils separate Probleme zu sein, doch für Raubvögel sind sie kumulative Risiken im selben Raum.

Raubvögel stehen zum Beispiel an der Spitze der Nahrungskette. Wenn Pestizide oder Gifte über Kleintiere oder Kadaver in ihren Körper gelangen, können sie auch in geringen Mengen ernsthafte Auswirkungen haben. Stromleitungen und Windkraftanlagen sind wichtige Infrastrukturen für die menschliche Gesellschaft, können aber für fliegende Vögel unsichtbare Hindernisse darstellen. Wenn der Klimawandel die Verteilung der Beute oder die Brutzeiten verändert, wird der bisherige Lebensrhythmus gestört. Der Rückgang der Raubvögel ist nicht nur eine Geschichte von "weniger Vögeln", sondern auch ein Spiegelbild dafür, wie menschliche Aktivitäten die Landschaft insgesamt verändern.

Ein wichtiger Aspekt dieser Studie ist der Wert der Langzeitüberwachung. Kurzfristige Beobachtungen machen es schwer zu beurteilen, ob die Schwankungen der Populationszahlen vorübergehend oder langfristig sind. Doch durch die über 16 Jahre gesammelten Daten mit derselben Methode werden Veränderungen sichtbar. Die Daten dieser Untersuchung wurden von Ronnelle Visagie, die am Raubvogelprogramm des Endangered Wildlife Trust beteiligt ist, gesammelt, indem sie jahrelang durch das zentrale Südafrika fuhr. Die zurückgelegte Strecke entspricht etwa 400.000 km, was fast der Entfernung von der Erde zum Mond entspricht.

Diese "laufende Untersuchung" ist keine auffällige neue Technologie. Man fährt mit dem Auto, zählt die sichtbaren Vögel und macht das im nächsten Jahr wieder genauso. Es ist eine mühsame, zeitaufwändige und geduldige Arbeit. Doch genau diese Anstrengung ist das sicherste Mittel, um frühzeitig Veränderungen im Ökosystem zu erkennen. Um zu vermeiden, dass Forscher "zu spät bemerken", was passiert, sind Langzeitdaten unerlässlich.

Gleichzeitig hat die Studie auch die Unterschiede zu Bürgerwissenschaftsdaten aufgezeigt. In Südafrika spielt das Vogelatlas-Projekt, bei dem Vogelbeobachter ihre Aufzeichnungen einreichen, eine wichtige Rolle. Es ist ein sehr wertvolles System, um Veränderungen in der Verteilung zu erkennen. Vergleicht man jedoch die Trends der Straßenuntersuchung mit dem Vogelatlas, stimmen nur etwa die Hälfte überein. Bei einigen Arten, die in der Straßenuntersuchung zurückgehen, scheint es im Atlas so, als würden sie zunehmen.

Das bedeutet nicht, dass Bürgerwissenschaft bedeutungslos ist. Im Gegenteil, die Bürgerwissenschaft zur Erfassung der Verbreitung und die Straßenuntersuchung zur Verfolgung der Populationsveränderungen haben unterschiedliche Stärken. Bei Raubvögeln, die in weiten Gebieten mit niedriger Dichte leben, sind "ob sie dort sind" und "wie viele es gibt" nicht dasselbe. Auch wenn es noch viele Gebiete gibt, in denen Vögel gesichtet werden, kann die tatsächliche Anzahl stark zurückgegangen sein. Für Schutzentscheidungen ist es notwendig, mehrere Untersuchungsmethoden zu kombinieren.

Auch auf sozialen Medien wird diese Studie von Naturschützern und Vogelbeobachtern geteilt. Soweit in öffentlichen Suchanfragen sichtbar, betonen Beiträge von The Conversation Africa, Phys.org, Forschern und Naturschutzorganisationen den Druck auf die Raubvögel Südafrikas und den Rückgang des Sekretärvogels. Auf LinkedIn gibt es Kommentare, die den Wert der Forschung loben. Auf Instagram teilt der Account des Endangered Wildlife Trusts zur Raubvogelthematik, dass die 16-jährige Straßenuntersuchung einen weitreichenden Rückgang der Raubvögel in Südafrika aufgedeckt hat.

Allerdings ist das Thema nicht in großem Maße emotional oder viral in der breiten Öffentlichkeit verbreitet, sondern es scheint eher, dass Forscher, Naturschutzorganisationen, Vogelbeobachter und umweltbewusste Menschen ein gemeinsames Gefühl der Dringlichkeit teilen. In den Reaktionen auf sozialen Medien fällt auf, dass die Überraschung über das "Warum" des Rückgangs und die Anerkennung der Bedeutung der Langzeitforschung im Vordergrund stehen. Zudem zieht der Rückgang von Arten mit starkem Erscheinungsbild und symbolischer Bedeutung, wie dem Sekretärvogel, die allgemeine Aufmerksamkeit leichter an. Ökologische Probleme sind oft abstrakt, aber durch das konkrete Bild eines Vogels wird die Krise für die Menschen greifbarer.

Es gibt jedoch auch Hoffnung in dieser Studie. Bei der Weißnackenkrahe, dem Wanderfalken und dem Weißrückengeier wurde ein Anstieg festgestellt. Besonders der Weißrückengeier gilt weltweit als stark gefährdet, scheint aber in der Untersuchungsregion zuzunehmen. Dies zeigt, dass es wichtig ist, die Situation in jeder Region genau zu betrachten. Auch wenn eine Art auf dem gesamten Kontinent gefährdet ist, könnte es in bestimmten Regionen Anzeichen für eine Erholung geben. Andererseits gibt es Arten, die weltweit oder regional noch nicht als "gefährdet" eingestuft werden, aber tatsächlich schnell zurückgehen.

Dieser Punkt betrifft auch die Überprüfung der Schutzlisten. Offizielle Bewertungen der Gefährdung sind wichtig, aber sie benötigen Zeit. Bis die Veränderungen der Populationszahlen vor Ort in die Listen aufgenommen werden, kann es Verzögerungen geben. Langzeituntersuchungen wie die aktuelle können als Frühwarnsystem dienen, um diese Verzögerungen auszugleichen. Bei Arten, bei denen bereits ein Rückgang von über 50 % festgestellt wurde, ist eine Neubewertung der Schutzmaßnahmen und regionale Maßnahmen dringend erforderlich.

Der Rückgang der Raubvögel hat Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem. Sie regulieren als Prädatoren die Anzahl der Kleintiere, und Aasfresserarten spielen eine Rolle bei der Eindämmung der Ausbreitung von Krankheitserregern. Wenn Raubvögel abnehmen, verändert sich das Gleichgewicht der Beutetiere, was auch Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die öffentliche Gesundheit haben kann. Dies ist also nicht nur ein Problem der Wildvögel im fernen Südafrika, sondern auch ein Anlass, darüber nachzudenken, wie sehr die menschliche Gesellschaft von den natürlichen Regulierungsmechanismen abhängig ist.

In Zukunft wird in Afrika ein Bevölkerungswachstum und eine steigende Nachfrage nach Ressourcen erwartet. Energieentwicklung, landwirtschaftliche Expansion und Infrastrukturausbau sind teilweise unvermeidlich. Doch die Art und Weise, wie diese vorangetrieben werden, kann erhebliche Auswirkungen auf die Raubvögel haben. Die Gestaltung von Stromleitungen, um sie für Vögel sicher zu machen, die sorgfältige Standortwahl und Verwaltung von Windkraftanlagen, die Reduzierung des Einsatzes von Giften und der Dialog mit Landwirten, um Missverständnisse über Raubvögel auszuräumen, sind notwendig, um wirtschaftliche Aktivitäten und den Schutz der Biodiversität nicht gegeneinander auszuspielen, sondern zu vereinen.

 

Auch die Verbreitung der Forschung über soziale Medien hat Bedeutung. Nur durch wissenschaftliche Artikel und Pressemitteilungen erreicht man kaum die Allgemeinheit. Doch wenn konkrete Fakten wie "der Sekretärvogel ist in 16 Jahren um 68 % zurückgegangen" in kurzen Beiträgen oder Bildern verbreitet werden, steigt das Interesse am Schutz. Natürlich kann der Schutz nicht allein durch soziale Medien vorangetrieben werden. Aber ohne gesellschaftliches Interesse sind politische Maßnahmen, Finanzierung und regionale Zusammenarbeit schwer zu mobilisieren. Soziale Medien spielen eine unverzichtbare Rolle als Verbindung zwischen wissenschaftlichen Daten und gesellschaftlichem Interesse.

Diese Studie zeigt, dass Veränderungen am Himmel auch Veränderungen am Boden bedeuten. Wenn Raubvögel abnehmen, stehen dahinter landwirtschaftliche Flächen, Stromleitungen, Windkraftanlagen, Klima, Gifte und Konflikte mit Menschen. Die fliegenden Vögel spiegeln die Art und Weise wider, wie die Gesellschaft am Boden organisiert ist. Wenn Raubvögel langsam aus dem Himmel Südafrikas verschwinden, ist das nicht nur eine Warnung an die Natur, sondern auch an die menschliche Gesellschaft.

16 Jahre, etwa 400.000 km. Die gesammelten Aufzeichnungen eines einzelnen Feldarbeiters haben gezeigt, dass die Raubvögel Südafrikas am Eingang zur Krise stehen. Was als nächstes nötig ist, ist nicht nur die Fortsetzung der Aufzeichnungen, sondern die Eingrenzung, wo, was und in welchem Ausmaß die Arten, deren Rückgang festgestellt wurde, betroffen sind, um konkrete Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Vögel, die einst selbstverständlich zu sehen waren, sind, wenn man es bemerkt, zu seltenen Erscheinungen geworden. Misserfolge im Naturschutz verlaufen oft auf diese Weise. Die aktuelle Studie über die Raubvögel Südafrikas hat diese stille Veränderung in Zahlen ausgedrückt. Damit die Schatten am Himmel nicht weiter verblassen, ist es jetzt notwendig, vom Stadium des "Wissens" zum Stadium des "Handelns" überzugehen.



Quellen-URL

Phys.org: Ein Artikel von The Conversation, der die Straßenuntersuchung von 2009 bis 2025, den Rückgang von 13 der 26 Arten, den Rückgang von über 42 % der Arten um mehr als 50 % und die Anzahl der geteilten Beiträge auf sozialen Medien bestätigt.
https://phys.org/news/2026-05-birds-prey-south-africa-years.html

EurekAlert!: Eine Pressemitteilung der Fakultät für Wissenschaft der Universität Kapstadt. Bestätigt den Rückgang des Sekretärvogels um 68 %, die untersuchten Arten, Forscherkommentare, den Titel der Studie und die DOI.
https://www.eurekalert.org/news-releases/1119998

LinkedIn / Phys.org-Post: Referenz für die Verbreitung auf sozialen Medien. Bestätigt, dass die Zusammenfassung der Studie auf LinkedIn geteilt wurde.
https://www.linkedin.com/posts/phys-org_long-term-road-surveys-reveal-widespread-activity-7440744524513112064-n4um

LinkedIn / Post von Arjun Amar: Referenz für die Reaktion auf sozialen Medien, bei der der Forscher selbst die Studie teilt und Kommentare zur Bewertung der Forschung zu sehen sind.
https://www.linkedin.com/posts/arjun-amar-b9308235_long-term-road-surveys-reveal-widespread-activity-7440751769569202176-LUx9

Facebook / Post von The Conversation Africa: Bestätigung, dass auf sozialen Medien die 16 Jahre umfassenden Daten und die Krise des Sekretärvogels hervorgehoben werden.
https://www.facebook.com/conversationAfrica/posts/south-africas-raptors-are-under-growing-pressure-a-16-year-dataset-reveals-worry/1417553540389438/

Instagram / Beitrag des Endangered Wildlife Trusts zur Raubvogelthematik: Bestätigung der Verbreitung der Ergebnisse der 16-jährigen Straßenuntersuchung über den Rückgang der Raubvögel durch eine Naturschutzorganisation.
https://www.instagram.com/p/DWQ01ymDUO3/