Steigt die Infektionsrate in Gemeinschaftsbädern nicht? Neue Erkenntnisse zur "Hygiene" aus dem Bad der Japanmakaken

Steigt die Infektionsrate in Gemeinschaftsbädern nicht? Neue Erkenntnisse zur "Hygiene" aus dem Bad der Japanmakaken

Die Anziehungskraft der "Onsen-Affen" liegt nicht nur in ihrer Niedlichkeit

Japanische Makaken, die bis zu den Schultern in dampfenden heißen Quellen baden, sind weltweit als "Onsen-Affen" bekannt, ein winterliches Phänomen. Doch es scheint, dass diese "Badegewohnheit" nicht nur zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur und zur Stressreduktion beiträgt. Ein Forscherteam der Universität Kyoto hat gezeigt, dass das Baden in heißen Quellen auch die Ektoparasiten (Läuse) und die Darmmikrobiota der Affen beeinflussen kann (siehe 1-4).


Interessant ist, dass die intuitive Annahme "Onsen = alle im selben Wasser = mehr Infektionen" nicht unbedingt zutraf. Vielmehr änderte sich bei den badenden Individuen die Verteilung der Läuse, und es gab subtile Unterschiede in der Darmmikrobiota, anstatt dass ein "bestimmtes Risiko" zunahm.


Schlüsselwort: "Holobiont" - das "Team" aus Wirt und Mitbewohnern

Das Konzept, auf das sich das Forschungsteam stützte, ist der "Holobiont". Die Sichtweise, dass der Körper eines Tieres nicht isoliert funktioniert, sondern als ein "Ökosystem", das Mikroorganismen auf der Haut und im Darm sowie Ektoparasiten umfasst (siehe 1-4).


Das bedeutet, dass das Verhalten, in heiße Quellen zu gehen oder nicht, nicht nur ein Unterschied im Lebensstil ist, sondern das Potenzial hat, die Art und Weise zu verändern, wie der Gesundheitszustand unter Einbeziehung der "Mitbewohner" innerhalb und außerhalb des Körpers zusammengesetzt wird.


Was untersucht wurde: Zwei Winter lang wurden 16 erwachsene Weibchen im Jigokudani beobachtet

Der Untersuchungsort war der Jigokudani Yaen-Koen in der Präfektur Nagano. Die Forschung wurde von Dezember 2019 bis März 2021 durchgeführt und konzentrierte sich auf 16 erwachsene Weibchen (9 badende / 7 nicht badende) (siehe 2-3).


Wichtig ist hier, dass die Forschung darauf abzielte, zu sehen, "was sich durch das Baden in heißen Quellen tatsächlich verändert". Es wurden nicht nur Beobachtungen gemacht, sondern auch Parasitenüberwachung und Analysen der Darmmikrobiota anhand von Kotproben kombiniert, um Verhalten, Parasiten und Mikroorganismen gleichzeitig zu vergleichen (siehe 1-4).


Ergebnis 1: Die Läuse "nahmen nicht ab", sondern "änderten ihre Verteilung"

In der Studie wurde die Häufigkeit des "Nissenpickens", einer Art von Pflegeverhalten, als Schätzmaß für die Läusebelastung verwendet (siehe 1-4). Es wurde gezeigt, dass die geschätzte Läusebelastung an den "in Wasser getauchten" und "nicht getauchten" Körperteilen bei badenden und nicht badenden Individuen unterschiedlich war, was auf eine Veränderung der Läuseverteilung auf der Körperoberfläche hindeutet (siehe 3).


Hier ist ein Missverständnis leicht möglich. Es wurde nicht behauptet, dass "Läuse verschwinden, wenn man in heiße Quellen geht". Vielmehr wurde die Möglichkeit aufgezeigt, dass sich die "Anfälligkeit für Läuse (oder Eier)" ändern könnte (siehe 1-4). Das Forschungsteam deutet an, dass das Eintauchen in heiße Quellen die Aktivität der Läuse oder die Anhaftung und Verteilung der Eier stören könnte (siehe 1-2).


Ergebnis 2: Auch in Gemeinschaftsbädern nahmen die Darmparasiten nicht zu

Die Vermutung "Wenn man dasselbe Wasser teilt, könnten sich Darmparasiten leichter übertragen" ist natürlich. Doch in dieser Studie wurden bei den Magen-Darm-Parasiten (zumindest bei mehreren Würmern und Protozoen) keine signifikanten Unterschiede in der Infektionswahrscheinlichkeit oder -intensität festgestellt (siehe 3).


Zumindest "unter natürlichen Bedingungen" wurde das einfache Schema, dass das Teilen von heißen Quellen sofort zu einem erhöhten Parasitenrisiko führt, nicht unterstützt (siehe 1-4).


Ergebnis 3: Die Darmmikrobiota zeigt "gleiche Vielfalt, aber leicht unterschiedliche Zusammensetzung"

Bei der Darmmikrobiota gab es keine großen Unterschiede in der Gesamtvielfalt (Alpha- und Beta-Diversität), aber es wurden mehrere Bakteriengattungen gefunden, die bei nicht badenden Individuen häufiger vorkommen (im Artikel werden vier Gattungen erwähnt) (siehe 3).


Auch dies bedeutet nicht, dass "heiße Quellen = dramatische Veränderungen im Darm". Das Gesamtbild ist ähnlich, aber die "Mitglieder der Zusammensetzung" verschieben sich leicht. Die Verhaltensunterschiede könnten selektiv einen Teil des Ökosystems im Darm beeinflussen (siehe 1-4).


Warum beeinflussen heiße Quellen sowohl die Körperoberfläche als auch den Darm? (Hypothese)

Es ist intuitiv nachvollziehbar, dass das Baden in heißen Quellen die Ektoparasiten beeinflussen kann. Nässe, Wärme und veränderte Fellbedingungen können die Aktivität der Parasiten und die Anhaftungsbedingungen der Eier verändern. Das Forschungsteam deutet auch an, dass die Aktivität und die Eiablageorte gestört werden könnten (siehe 1-2).


Auf der anderen Seite scheint die Veränderung der Darmmikrobiota auf den ersten Blick weit entfernt. Doch Verhaltensänderungen sind mit Essgewohnheiten, Stress, physiologischen Zuständen und Kontaktmustern mit anderen Individuen verbunden. Es ist sinnvoll zu denken, dass das Baden in heißen Quellen nicht direkt auf den Darm wirkt, sondern dass das Baden als Teil der Lebensgeschichte und des sozialen Verhaltens integriert ist und die "Bedingungen" der Darmumgebung leicht verändert (siehe 1-4). Die Trennung von Ursache und Wirkung bleibt jedoch eine zukünftige Aufgabe, und das Papier spricht von der Notwendigkeit weiterer Forschung (siehe 3).


"Kultur" schafft Gesundheit: Unerwartete Gemeinsamkeiten mit menschlichen Badegewohnheiten

Der Reiz dieser Studie liegt darin, die Sichtweise zu hinterfragen, dass "Verhalten nur eine Reaktion auf die Umwelt ist". Verhalten könnte die Kraft haben, die Beziehungen zu den Organismen innerhalb und außerhalb des Körpers neu zu ordnen.


Darüber hinaus stellt die Möglichkeit, dass gemeinsames Baden nicht unbedingt zu mehr Infektionen führt, auch die Intuitionen der menschlichen Gesellschaft in Bezug auf "Baden", "Hygiene" und "geteilte Räume" in Frage (siehe 1-2). Natürlich ist es gefährlich, dies direkt auf die öffentliche Gesundheit des Menschen zu übertragen, aber die Perspektive, dass "Teilen nicht sofort zu einem erhöhten Risiko führt", hat als Forschung einen Wert.



Reaktionen in den sozialen Medien (Zusammenfassung als "Reaktionsmuster")

※Die Phys.org-Seite hatte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Kommentare (siehe 1), daher wird hierdas Reaktionsmuster, das bei der Verbreitung solcher Themen in sozialen Medien häufig auftrittzusammengefasst.

  • "Onsen ist nicht nur Heizung, sondern auch ein Mittel gegen Insekten?"
    Das starke Bild der Onsen-Affen macht das Element "Veränderung der Läuseverteilung" zu einem "Überraschungsmoment".

  • "Es ist interessant, dass das Risiko von Parasiten in Gemeinschaftsbädern nicht steigt, was der Intuition widerspricht"
    Reaktionen, die die Annahme "dasselbe Wasser = unhygienisch" erschüttern.

  • "Holobiont ist ein Wort, das ich zum ersten Mal höre"
    Reaktionen, die auftreten, wenn biologische Konzepte der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und neue Begriffe entdeckt werden.

  • "Onsen-Affen, süß + wissenschaftlich, doppelt so gut"
    Da das Thema von Natur aus fotogen und videogen ist, verbreitet es sich eher als "unterhaltsame Nachricht" als als wissenschaftliche Nachricht (siehe 2).

  • "Vielleicht verändert auch die 'Bade-Kultur' der Menschen die Welt der Mikroben"
    Ein Muster, bei dem die Assoziation zu menschlichen Gewohnheiten (Baden, Sauna, Gemeinschaftsbäder) springt und die Kommentare eher diskussionsorientiert werden (siehe 1-2).



Referenz-URLs

  1. Phys.org: Zusammenfassung der Forschung (Einfluss des Badens in heißen Quellen auf die Läuseverteilung und Darmmikrobiota, keine Erhöhung des Parasitenrisikos festgestellt), Untersuchungsort (Jigokudani), Veröffentlichungsdatum, DOI, Reaktionsstatus auf der Artikelseite (Anzeigen von Shares/Kommentare).
    https://phys.org/news/2026-01-hot-doesnt-monkeys-disrupt-lice.html

  2. Kyoto University Research News (entspricht einer Pressemitteilung): Ziel der Forschung, Rahmen der Methode (Verhaltensbeobachtung + Parasiten + Analyse der Darmmikrobiota), Bedeutung des Badens in heißen Quellen (Holobiont, gemeinsamer Wasserquelle = Hinweis auf Infektionszunahme).
    https://www.kyoto-u.ac.jp/en/research-news/2026-01-20

  3. Primates (Springer Nature, Originalartikel-Seite): Untersuchungszeitraum (2019/12–2021/3), Zielgruppe (16 erwachsene Weibchen, 9 badende / 7 nicht badende), Ergebnisse (Unterschiede im Schätzmaß für Läuse, keine Unterschiede bei Magen-Darm-Parasiten, keine Unterschiede in der Vielfalt der Darmmikrobiota, Vorhandensein von häufiger vorkommenden Bakteriengattungen bei nicht badenden).
    https://link.springer.com/article/10.1007/s10329-025-01234-z

  4. EurekAlert! (Forschungsnachrichtenveröffentlichung): Zusammenfassung der Forschungspunkte für die breite Öffentlichkeit (Einfluss des Badens in heißen Quellen auf Parasiten und Darmmikrobiota, Beobachtungsstudie, Artikelinformationen, DOI).
    https://www.eurekalert.org/news-releases/1113222