„Der Tag, an dem Damenbinden zu 'Krebstests' werden“ – Kann Menstruationsblut die Medizin verändern?

„Der Tag, an dem Damenbinden zu 'Krebstests' werden“ – Kann Menstruationsblut die Medizin verändern?

„Ist Menstruationsblut nur Abfall?“ – Der Beginn einer Ära, in der „Binden zu Testkits werden“

Lange Zeit wurde die Menstruation als „unsichtbar“ behandelt. In der Werbung wurde die Farbe des Blutes durch Blau ersetzt, wobei Sauberkeit und Geruchlosigkeit im Vordergrund standen. WELT stellt eine Forschung vor, die das bisher tabuisierte „Menstruationsblut“ als Hinweis auf Krankheiten ernst nimmt. Ein symbolisches Ereignis war der Wechsel eines Hygieneartikelherstellers im Jahr 2021, der die Darstellung in der Werbung von „blauer Flüssigkeit“ auf das reale Rot umstellte.DIE WELT


Warum Menstruationsblut, das bisher selten im Mittelpunkt der Forschung stand, jetzt als „Schatz an medizinischen Daten“ betrachtet wird, liegt an seiner Eigenschaft als **„monatlich, nicht-invasiv und kontinuierlich gewonnene Körperflüssigkeit“**.



Ein „Papier-Teststreifen“ in Hygieneartikeln – das MenstruAI-System

Der WELT-Artikel konzentriert sich auf die Forschung von Schweizer Wissenschaftlern zur „Biomarker-Detektion in Damenbinden“. Das Konzept ist erstaunlich intuitiv, vergleichbar mit einem „Blut-Antigen-Schnelltest“. In die Binde wird ein papierbasierter Teststreifen integriert, dessen Farbveränderung (Linie) nach Gebrauch visuell oder per Smartphone erfasst und durch eine App quantifiziert wird. WELT erklärt es als „Analyse von Blut statt Speichel, ähnlich wie bei einem Covid-Test“.DIE WELT


Diese Technologie wird „MenstruAI“ genannt, und in der Ankündigung der ETH Zürich wird betont, dass keine Elektronik auf der Binde platziert wird und die Farbveränderung per Smartphone bestimmt wird.ETH Zürich


Das Ziel ist, „Signale des Körpers“ im Alltag aufzufangen, ohne auf spezielle Blutentnahmegeräte oder Labore angewiesen zu sein.



Was kann man herausfinden? – Drei Biomarker (CRP/CEA/CA-125)

Laut dem WELT-Artikel und Informationen der ETH konzentriert sich dieser Prototyp zunächst auf folgende drei Biomarker.

  • CRP: Bekannt als Indikator für Entzündungen

  • CEA: Ein Tumormarker, der bei Krebs erhöht sein kann

  • CA-125: Kann bei Endometriose oder Eierstockkrebs erhöht seinDIE WELT


Wichtig ist hier, dass ein „erhöhter Wert nicht sofort Krebs bedeutet“. Biomarker können auch durch den Gesundheitszustand, den Zyklus, Entzündungen oder gutartige Erkrankungen schwanken. Auch in WELT wird darauf hingewiesen, dass Forscher betonen, „hohe Werte = nicht unbedingt krank“, während sie über die Möglichkeit sprechen, **„eine erste Überprüfung zu Hause → geeignete medizinische Tests für die Betroffenen“** zu ermöglichen.DIE WELT


Ähnlich wird in Berichten (derStandard) klargestellt, dass es nicht darum geht, Diagnosen zu ersetzen, sondern als frühes „Warnsignal (Frühwarnung)“ zu fungieren.DER STANDARD



Menstruationsblut ist eine „informationsreiche Körperflüssigkeit“ – Warum wurde es bisher übersehen?

In der Ankündigung der ETH Zürich wird die Tatsache, dass Menstruationsblut trotz der großen Anzahl menstruierender Menschen weltweit kaum in der Medizin behandelt wurde, als „Ausdruck systematischer Gleichgültigkeit gegenüber der Gesundheit von Frauen“ beschrieben. Zudem enthält Menstruationsblut zahlreiche Proteine, die in ähnlicher Konzentration wie im venösen Blut verglichen werden können.ETH Zürich


Kurz gesagt, obwohl es als **„monatlich gewonnene Blutprobe“** dienen könnte, wurde es aufgrund gesellschaftlicher Abneigung, Scham, Forschungsgeldern und Interessensverzerrungen vernachlässigt. Diese Verzerrung wird nun im Kontext des Femtech-Trends (Frauen-Gesundheit × Technologie) wiederentdeckt.



Forschung nicht nur in der Schweiz – Stanford und Start-ups

Der WELT-Artikel erwähnt auch die Forschung von Paul Blumenthal, einem Gynäkologen der Stanford University, aus dem Jahr 2022, die zeigt, dass aus Menstruationsblut HPV (einschließlich Hochrisiko-Typen, die mit Gebärmutterhalskrebs in Verbindung stehen) und das für das Diabetesmanagement wichtige HbA1c nachgewiesen werden können. Er soll gesagt haben, dass „Blut kein Abfall, sondern von gesundheitlichem Wert ist“.DIE WELT


Auch außerhalb der Universitäten bewegt sich der Markt. Unternehmen wie Qvin (Q-Pad) in Kalifornien und Theblood in Berlin, die Tests und Analysen mit Menstruationsblut anbieten, sind aufgetaucht. Die Gründerin von Theblood ist selbst von Endometriose betroffen und sieht Menstruationsblut als „nicht-invasiv, monatlich und für viele Menschen zugänglich“ und möchte den Zustand ändern, dass Frauenbeschwerden „schwer sichtbar“ sind.DIE WELT



Hürden für die Verbreitung – Genauigkeit, Standardisierung und das „AI in der Unterhose“-Problem

Gleichzeitig sind die Hürden hoch. Laut WELT musste das Forschungsteam mit der „grundlegenden Verständnis des Menstruationsbluts als Probe“ beginnen, was anfangs durch Lücken in der Literatur erschwert wurde.DIE WELT


Darüber hinaus kann der soziale Widerstand nicht ignoriert werden. Forscher erhalten kritische Nachrichten, darunter Ablehnung, die sich gegen die ausschließliche Fokussierung auf Frauen richtet, sowie Bedenken gegenüber „KI in der Unterhose“.DIE WELT


Hier stecken mehr als nur technologische Bedenken.

  • Privatsphäre: Widerstand gegen den Umgang mit äußerst sensiblen Informationen über die Menstruation durch Smartphone-Aufnahmen und App-Analysen

  • Datenverarbeitung: Wo werden die Analysebilder und Gesundheitsdaten gespeichert und wer hat Zugriff darauf?

  • Verstärkung von Ängsten: Selbsttests könnten nicht nur „Sicherheit“, sondern auch „übermäßige Sorgen“ hervorrufen


Darüber hinaus gibt es praktische Herausforderungen wie Preis, Regulierung und Versicherungsdeckung. WELT erwähnt, dass ein Feldversuch mit über 100 Personen geplant ist und bei Erfolg eine Markteinführung Ende 2027 möglich wäre, während die Versicherungsunterstützung noch unklar ist.DIE WELT



„Kein Ersatz für Gesundheitsuntersuchungen“, sondern eine „ergänzende Linie zur Schließung von Lücken“

Das Ziel dieser Technologien ist es wohl eher, **„Lücken in Bereichen zu schließen, die leicht übersehen werden“**, als Krankenhausuntersuchungen zu ersetzen. Beispielsweise wird gesagt, dass die Diagnose von Endometriose lange dauern kann, und es gibt viele Erfahrungsberichte, in denen Symptome nicht ernst genommen werden. Regelmäßige Daten aus Menstruationsblut könnten ein Anlass für Arztbesuche oder ein Gesprächsgrundlage mit Ärzten sein und die Unterschiede im Zugang zur medizinischen Versorgung verringern.


Insbesondere, wie WELT andeutet, könnte der Einfluss groß sein, wenn es in ressourcenarmen Regionen als „einfache Erstuntersuchung“ fungiert.DIE WELT
Allerdings ist für diesen Zweck nicht nur „Genauigkeit“, sondern auch ein Design erforderlich, das „den Weg zur Konsultation bei Fehlinterpretationen“ und „Verantwortlichkeit“ umfasst.



Reaktionen in sozialen Medien (sichtbare Diskussionspunkte)

Das Thema des Artikels zieht auch in sozialen Medien relativ viel „Hitze“ auf sich. Tatsächlich gibt es auf LinkedIn vor allem unter Femtech-Interessierten positive Reaktionen.

  • „Es ist seltsam, dass es bisher ignoriert wurde“
    Es gibt Stimmen, die über die Menge an Informationen im Menstruationsblut erstaunt sind, und es wird das Bewusstsein geäußert, dass „andere Körperflüssigkeiten vollständig analysiert wurden, nur Menstruationsblut war im Rückstand“.LinkedIn

  • „Der Satz ‚Menstruationsblut ist kein Abfall‘ trifft ins Schwarze“
    Ein Kommentar besagt, dass „allein der Satz ‚Menstruationsblut ist kein Abfall‘ zeigt, wie sehr sich die Wahrnehmung verzögert hat“ und begrüßt den Wandel der Werte.LinkedIn

  • „In so einer Zukunft möchte ich leben“
    Es gibt auch Reaktionen, die es weniger als Frage der Technologie, sondern als Erwartung an eine „Gesellschaft, in der die Gesundheit von Frauen richtig gemessen wird“ aufnehmen.LinkedIn


Andererseits, wie WELT berichtet, erhalten Forscher auch Ablehnung gegenüber „KI in der Unterhose“ und Kritik an der ausschließlichen Fokussierung auf Frauen.DIE WELT


Die Zustimmung und Ablehnung in sozialen Medien hängt letztlich nicht nur davon ab, „ob die Technologie beeindruckend ist“, sondern auch davon, wie Tabus des Körpers / Datenrechte