Langzeitanwendung von Verhütungspillen erhöht das Risiko für Hirntumore - Welche sicheren Alternativen zeigt die Forschung auf?

Langzeitanwendung von Verhütungspillen erhöht das Risiko für Hirntumore - Welche sicheren Alternativen zeigt die Forschung auf?

Langzeiteinnahme und Risiko von Hirntumoren? Eine Studie über Verhütungsmittel wirft eine "nicht zu ängstliche" Perspektive auf

Verhütungsmittel sind Medikamente, die von vielen Frauen weltweit regelmäßig verwendet werden. Sie dienen nicht nur der Verhinderung ungewollter Schwangerschaften, sondern werden auch zur Behandlung von Menstruationsschmerzen, starker Menstruation, Endometriose und Menstruationsunregelmäßigkeiten eingesetzt. Diese Medikamente unterstützen die Lebensqualität und haben eine bedeutende Rolle für die Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe von Frauen gespielt.

Da es sich um Medikamente handelt, die auf Hormone wirken, ist eine kontinuierliche Überprüfung der Nebenwirkungen und Risiken bei Langzeitanwendung erforderlich. Kürzlich berichtete die britische Zeitung Daily Mail über eine Studie, die den Zusammenhang zwischen bestimmten Inhaltsstoffen von Verhütungsmitteln und einem als "intrakranielles Meningeom" bekannten Hirntumor untersuchte. Beim Lesen der Schlagzeile könnten einige befürchten, dass die Einnahme von Verhütungsmitteln zu Hirntumoren führen könnte.

Doch bei genauerer Betrachtung der Studie zeigt sich, dass die Schlussfolgerungen recht begrenzt sind. Der Fokus liegt nicht auf allen Verhütungsmitteln, sondern auf bestimmten Gestagenpräparaten, insbesondere bei einer langfristigen, über fünf Jahre ununterbrochenen Anwendung von "Desogestrel 75µg", bei der ein geringfügig erhöhtes Risiko für ein Meningeom, das eine Operation erfordert, festgestellt wurde.


Die Studie untersuchte nicht "alle Verhütungsmittel"

Die aktuelle Studie ist eine landesweite Fall-Kontroll-Studie aus Frankreich, die im medizinischen Fachjournal BMJ veröffentlicht wurde. Das Forschungsteam verglich 8.391 Frauen, die zwischen 2020 und 2023 wegen eines intrakraniellen Meningeoms operiert wurden, mit 83.910 Frauen ohne Meningeom, basierend auf der nationalen Gesundheitsdatenbank Frankreichs.

Untersucht wurden Desogestrel 75µg, Levonorgestrel 30µg und kombinierte Verhütungsmittel, die Östrogen und Levonorgestrel enthalten. Ziel der Studie war es, den Zusammenhang zwischen der Anwendungsdauer dieser oralen Verhütungsmittel und intrakraniellen Meningeomen, die eine Operation erfordern, zu untersuchen.

Das Ergebnis zeigte, dass bei Frauen, die Desogestrel 75µg über fünf Jahre oder länger kontinuierlich einnahmen, ein geringfügig erhöhtes Meningeom-Risiko festgestellt wurde. Bei einer Anwendung von fünf bis sieben Jahren war das Risiko etwa 1,5-fach erhöht, bei mehr als sieben Jahren etwa doppelt so hoch. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Einnahme zwangsläufig zu einem Hirntumor führt. Aufgrund der ohnehin geringen Häufigkeit ist das absolute Risiko gering.

Das Forschungsteam schätzt, dass bei 67.300 Desogestrel-Anwenderinnen ein zusätzlicher Fall eines operativ behandlungsbedürftigen Meningeoms auftreten könnte. Bei derzeitigen Anwenderinnen, die das Medikament über fünf Jahre oder länger einnehmen, wird ein Fall pro etwa 17.000 Frauen geschätzt. Auch wenn diese Zahlen nicht ignoriert werden sollten, ist es im medizinischen Alltag wichtig, zwischen "relativem Risiko" und "absolutem Risiko" zu unterscheiden.


Bei Levonorgestrel wurde kein Risikoanstieg festgestellt

Ein wichtiger Punkt der Studie ist, dass nicht alle Verhütungsmittel die gleichen Ergebnisse zeigten. Bei Levonorgestrel allein oder in Kombination mit Östrogen wurde unabhängig von der Anwendungsdauer kein Risikoanstieg für intrakranielle Meningeome festgestellt.

Dies verdeutlicht die Gefahr, Verhütungsmittel pauschal zu betrachten. Es gibt verschiedene Verhütungsmethoden wie die Pille, Minipille, Hormoninjektionen oder intrauterine Systeme, die sich in der Art und Menge der enthaltenen Hormone sowie in der Verabreichungsmethode unterscheiden. Die Studie zeigt, dass bei einigen Gestagenkomponenten bei Langzeitanwendung ein Zusammenhang mit Meningeomen besteht, aber nicht, dass alle hormonellen Verhütungsmittel gefährlich sind.

In der Vergangenheit wurde bereits auf den Zusammenhang zwischen einigen Gestagenpräparaten wie Cyproteronacetat, Nomegestrol, Chlormadinon und Medroxyprogesteron und dem Meningeomrisiko hingewiesen. Auch die Europäische Arzneimittelagentur hat die Möglichkeit eines erhöhten Meningeomrisikos bei längerer Einnahme von Medikamenten, die Nomegestrol oder Chlormadinon enthalten, untersucht.

Nun wurde ein Signal für die Langzeitanwendung von Desogestrel hinzugefügt. Experten betrachten jedoch das Risiko von Desogestrel als deutlich geringer im Vergleich zu bereits bekannten hochrisikobehafteten Gestagenpräparaten.


Was ist ein Meningeom?

Ein Meningeom ist ein Tumor, der aus den Hirn- und Rückenmarkshäuten entsteht. Die meisten sind gutartig und unterscheiden sich im Allgemeinen von "Krebs". Abhängig von ihrer Lage und Größe können sie jedoch das Gehirn oder die Nerven komprimieren und Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Sehstörungen, Krampfanfälle, Taubheitsgefühle in den Gliedmaßen oder Veränderungen der kognitiven Funktionen verursachen. Bei starken Symptomen oder wachsendem Tumor sind möglicherweise Operationen oder Strahlentherapien erforderlich.

Meningeome treten häufiger bei Frauen auf und die Häufigkeit steigt mit dem Alter. Daher wurde in der Studie besonders darauf hingewiesen, dass Frauen über 45 Jahre oder solche, die in der Vergangenheit Gestagenpräparate mit bekanntem Meningeomrisiko über längere Zeit verwendet haben, besonders vorsichtig sein sollten.

Wichtig ist jedoch auch hier, dass das Risiko nicht "alles oder nichts" ist. Nicht alle, die Desogestrel einnehmen, müssen sofort aufhören oder sich untersuchen lassen. Die Entscheidung sollte individuell mit einem Arzt getroffen werden, unter Berücksichtigung des Einnahmezwecks, des Alters, der Vorgeschichte, der Verträglichkeit mit anderen Verhütungsmethoden und der Notwendigkeit, eine Schwangerschaft zu vermeiden.


Auch wichtig: Kein Risikoanstieg nach "einem Jahr nach Absetzen"

Die Studie zeigte, dass bei kurzfristiger Anwendung von Desogestrel kein Risikoanstieg festgestellt wurde. Auch bei Frauen, die das Medikament seit mehr als einem Jahr abgesetzt hatten, wurde kein Risikoanstieg beobachtet.

Dies kann als beruhigender Faktor angesehen werden. Selbst wenn es Auswirkungen durch Langzeitanwendung gibt, ist es möglicherweise unwahrscheinlich, dass das Risiko dauerhaft bestehen bleibt. Natürlich handelt es sich bei dieser Studie um eine Beobachtungsstudie, die keine Kausalität beweist. Nicht alle Faktoren wie genetische Einflüsse oder Strahlenexposition konnten vollständig berücksichtigt werden.

Dennoch handelt es sich um eine Studie, die auf umfangreichen Daten zur Medikamentenanwendung und Meningeomentwicklung basiert und somit als Entscheidungsgrundlage in der klinischen Praxis wichtig ist. Die Forscher schlagen vor, dass bei Feststellung eines Meningeoms die Einnahme von Desogestrel abgesetzt und eine Beobachtung in Betracht gezogen werden sollte, um unnötige Behandlungen zu vermeiden.


Experten betonen: "Es gibt keinen Grund zur Panik"

Experten rufen zu einer ruhigen Reaktion auf diese Studie auf. In Kommentaren, die dem Science Media Centre übermittelt wurden, wird betont, dass bei einer Langzeitanwendung von Desogestrel über fünf Jahre ein Zusammenhang mit dem Meningeomrisiko festgestellt wurde, der Anstieg jedoch gering ist, bei kurzfristiger Anwendung kein Zusammenhang besteht und nach mehr als einem Jahr nach Absetzen kein erhöhtes Risiko mehr beobachtet wurde.

Die Studie ist also keine Warnung, "sofort mit der Einnahme aufzuhören", sondern eher eine Empfehlung für Langzeitanwenderinnen, insbesondere über 45 Jahre oder mit einer Vorgeschichte der Anwendung von hochrisikobehafteten Gestagenpräparaten, die Inhaltsstoffe ihrer Medikamente und alternative Optionen mit einem Arzt zu überprüfen.

Verhütungsmittel bieten neben der Verhütung auch viele Vorteile. Sie können Menstruationsschmerzen und Blutungen reduzieren und bei der Behandlung von Endometriose oder polyzystischem Ovarialsyndrom helfen. Orale Verhütungsmittel sind auch mit einem verringerten Risiko für Eierstock- und Gebärmutterkrebs verbunden. Andererseits gibt es Nebenwirkungen wie Thrombosen, Brustspannen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Zwischenblutungen und Stimmungsschwankungen, die je nach individueller Veranlagung und Vorgeschichte variieren können.

Deshalb ist es wichtig, weder aus Angst alles abzusetzen noch wegen eines geringen Risikos alles zu ignorieren. Es ist entscheidend, die Inhaltsstoffe der eigenen Medikamente zu überprüfen und die Einnahmedauer, das Alter und die Vorgeschichte mit medizinischem Fachpersonal zu besprechen.


Auf sozialen Medien verbreiten sich Angst und Missverständnisse

Diese Nachricht hat auch in sozialen Medien große Reaktionen hervorgerufen. Besonders die Begriffe "Verhütungsmittel", "Hirntumor" und "Langzeitanwendung" führten zu einer schnellen Verbreitung von Ängsten.

Laut einem Faktencheck von AFP wurde auf den Philippinen ein Foto eines Verhütungsmittels mit anderen Inhaltsstoffen als in der Studie untersucht, mit den Ergebnissen der Desogestrel-Studie in Verbindung gebracht und verbreitet. In den Beiträgen äußerten sich Nutzer besorgt mit Kommentaren wie "Ich benutze diese Marke seit 10 Jahren" oder schlugen alternative Methoden wie die Kalendermethode vor.

Allerdings enthielten einige der in den Beiträgen erwähnten Marken nicht Desogestrel, sondern Levonorgestrel, bei dem in der Studie kein Risikoanstieg festgestellt wurde. Das zeigt, dass in den sozialen Medien die "Unterschiede in den Inhaltsstoffen" übersehen wurden und die Angst auf alle Verhütungsmittel übertragen wurde.

Solche Reaktionen treten häufig auf, wenn medizinische Nachrichten über soziale Medien verbreitet werden. Auch wenn die Studie unter bestimmten Bedingungen Schlussfolgerungen zieht, bleiben in Überschriften oder kurzen Beiträgen oft nur starke Eindrücke wie "Pille verursacht Hirntumor" hängen. Dadurch werden Menschen, die eigentlich nicht betroffen sind, verunsichert, während diejenigen, die tatsächlich überprüfen sollten, in der Informationsflut untergehen.


"Natürliche Methoden sind nicht unbedingt sicherer"

In sozialen Medien gibt es auch Stimmen, die aufgrund der Bedenken gegenüber hormonellen Verhütungsmitteln natürliche Methoden wie die Kalendermethode bevorzugen. Auch hier ist Vorsicht geboten. Methoden ohne Hormone haben zwar Vorteile, aber die Verhütungswirksamkeit variiert stark je nach Methode. Es müssen auch das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft bei Versagen der Methode, die Notwendigkeit einer Notfallverhütung und der Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten berücksichtigt werden.

Öffentliche Institutionen wie die WHO und der NHS erklären, dass es verschiedene Verhütungsmethoden gibt, die sich in Wirksamkeit, Benutzerfreundlichkeit, Nebenwirkungen und Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten unterscheiden. Beispiele sind nicht-hormonelle Methoden wie die Kupferspirale, Methoden wie Kondome, die auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen, und hormonelle Methoden mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen und Verabreichungswegen.

In der aktuellen Studie wurde festgestellt, dass einige Verhütungsmittel mit Levonorgestrel als "sicherer" angesehen werden. Welche Methode am besten geeignet ist, hängt jedoch von der individuellen Gesundheit, dem Alter, dem Rauchverhalten, dem Thromboserisiko, der Stillzeit, dem Vorhandensein von Menstruationsbeschwerden und der Wichtigkeit der Verhütungssicherheit ab.


Wichtige Punkte für die Leser

Wer sich durch diese Nachricht verunsichert fühlt, sollte zunächst nicht nur den "Markennamen", sondern auch den "Inhaltsstoffnamen" des verwendeten Verhütungsmittels überprüfen. Besonders Personen, die Desogestrel-haltige Medikamente über fünf Jahre oder länger einnehmen, über 45 Jahre alt sind oder in der Vergangenheit Gestagenpräparate mit bekanntem Meningeomrisiko über längere Zeit verwendet haben, sollten einen Arzt oder Apotheker konsultieren.

Es ist jedoch ratsam, nicht eigenmächtig abrupt abzusetzen. Ein Absetzen der Verhütungsmittel kann das Risiko einer Schwangerschaft erhöhen, und bei einigen Menschen können sich Symptome wie Menstruationsbeschwerden oder Endometriose verschlimmern. Wenn ein Wechsel des Medikaments in Betracht gezogen wird, sollte dies mit einer vorbereiteten alternativen Verhütungs- oder Behandlungsmethode erfolgen.

Auch wenn Kopfschmerzen auftreten, besteht nicht sofort der Verdacht auf ein Meningeom. Kopfschmerzen sind ein sehr häufiges Symptom und haben oft andere Ursachen. Bei neuartigen starken Kopfschmerzen, Sehstörungen, Taubheitsgefühlen oder Schwäche auf einer Körperseite, Krampfanfällen, anhaltender Übelkeit oder Bewusstseinsveränderungen sollte jedoch umgehend ein Arzt aufgesucht werden.


Wie man diese Studie lesen sollte

Der Wert dieser Studie liegt nicht darin, die Sicherheit von Verhütungsmitteln zu verneinen, sondern die Notwendigkeit aufzuzeigen, die Unterschiede zwischen den einzelnen Medikamenten genauer zu betrachten. Verhütungsmittel werden seit langem verwendet, aber die Langzeitrisiken der einzelnen Inhaltsstoffe sind nicht immer gleich. Insbesondere bei Tumoren, die auf Hormone reagieren, können Anwendungsdauer und kumulative Menge eine Rolle spielen.

Gleichzeitig handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, die nicht beweist, dass Desogestrel direkt Meningeome verursacht. Datenbankstudien haben den Vorteil, Verschreibungs- und Operationshistorien zu erfassen, können jedoch nicht alle Hintergrundfaktoren wie Lebensstil, Familiengeschichte, genetische Veranlagung oder frühere Strahlenexposition vollständig berücksichtigen.

Daher sollte die Schlussfolgerung aus diesem Artikel nicht "Verhütungsmittel sind gefährlich" sein, sondern "die Inhaltsstoffe der langfristig verwendeten Medikamente kennen und bei Bedarf überprüfen". Risiken im Gesundheitswesen können nicht isoliert betrachtet werden. Es ist notwendig, das Risiko einer Schwangerschaft ohne Verhütung, das Risiko unbehandelter Menstruationskrankheiten, das Risiko eines Wechsels zu einem anderen Medikament sowie den Lebensstil und die Werte der betroffenen Person zu berücksichtigen.


Zusammenfassung

Die von der Daily Mail berichteten Nachrichten über das Risiko von Verhütungsmitteln und Hirntumoren sind sicherlich beachtenswert. In der großen französischen Studie, die im BMJ veröffentlicht wurde, wurde bei Frauen, die Desogestrel 75µg über fünf Jahre oder länger kontinuierlich einnahmen, ein geringfügig erhöhtes Risiko für ein operativ behandlungsbedürftiges intrakranielles Meningeom festgestellt. Bei kurzfristiger Anwendung oder mehr als einem Jahr nach Absetzen wurde jedoch kein Risikoanstieg beobachtet, und bei Levonorgestrel wurde kein ähnlicher Zusammenhang festgestellt.

Auf sozialen Medien haben sich Ängste und Missverständnisse verbreitet, und es gab Fälle, in denen auch nicht untersuchte Medikamente als gefährlich angesehen wurden. Bei solchen medizinischen Nachrichten ist es wichtig, nicht nur die Schlagzeilen zu lesen, sondern die betroffenen Inhaltsstoffe, die Anwendungsdauer, das Alter und das absolute Risiko zu überprüfen