Die Wunde trocknen lassen ist veraltet? 40 % glauben immer noch an den Mythos "Die Wunde atmen lassen". Das Ignorieren birgt Infektionsrisiken und Gegenmaßnahmen.

Die Wunde trocknen lassen ist veraltet? 40 % glauben immer noch an den Mythos "Die Wunde atmen lassen". Das Ignorieren birgt Infektionsrisiken und Gegenmaßnahmen.

1. Einleitung – Warum der Glaube an "Schorf" so hartnäckig ist

Erinnern Sie sich daran, wie Sie als Kind Ihren Eltern oder Lehrern ein aufgeschürftes Knie zeigten und sie sagten: "Nicht nass machen. Lass es an der Luft trocknen"? Diese Ratschläge waren in Japan, Brasilien und auch in Großbritannien fast schon selbstverständlich. Man lehrte uns, dass Schorf ein "natürliches Pflaster" sei und dass es schneller heilen würde, wenn man es unberührt und trocken ließe – dieses Bild wurde lange Zeit geteilt. Doch im Juni 2025 erklärte die beliebte britische Fernseharztin Dr. Zoe Williams in einer Sendung: "Das ist der größte Irrtum." Ein Interviewartikel, veröffentlicht von der brasilianischen Wirtschaftsmedienplattform InfoMoney, verbreitete sich rasch und löste hitzige Diskussionen in den sozialen Medien aus.


2. Daten zeigen die große Anzahl der "Trockenfraktion"

Laut einer von Elastoplast durchgeführten Umfrage, die im Artikel vorgestellt wurde, glauben tatsächlich 40 % der 2.000 befragten Erwachsenen, dass Wunden "atmen" sollten. Dies basiert auf der intuitiven Vorstellung, dass "Feuchtigkeit = Bakterienwachstum" bedeutet. Medizinisch gesehen ist jedoch das Gegenteil der Fall: Trockenheit entzieht den regenerierenden Hautzellen Wasser und schwächt die Barrierefunktion. Das Wichtigste im Heilungsprozess ist eine "angemessene Feuchtigkeit". Die Doktorin warnt: "Wenn man es trocknen lässt, verhärtet sich die Hautoberfläche, reißt ein und bietet Bakterien einen Einstiegspunkt."


3. Wie Wunden heilen – Die Wissenschaft der feuchten Wundheilung

Wenn das Hautgewebe verletzt wird, durchläuft es vier Phasen der Heilung: ① Hämostase, ② Entzündung, ③ Proliferation und ④ Reifung. Der entscheidende Punkt ist der Prozess, bei dem dermale Fibroblasten in der dritten Phase Kollagen produzieren. Zahlreiche Studien haben bestätigt, dass diese Zellaktivität in einer feuchten Umgebung maximiert wird. Bei Trockenheit hingegen treten die Zellen frühzeitig in die Apoptose ein, was die Bildung von Narben begünstigt. Außerdem wird berichtet, dass trockene Schorf eine geringe Sauerstoffdurchlässigkeit aufweisen und die Sauerstoffversorgung der Basalschicht behindern. Statt die Wunde "atmen" zu lassen, wird sie im Gegenteil erstickt.


4. Eine detaillierte Erklärung der 5 Schritte, die die Doktorin empfiehlt

  1. Händewaschen – Waschen Sie zuerst Ihre Hände, bevor Sie die Wunde behandeln. Alkoholbasierte Handdesinfektionsmittel sind ebenfalls geeignet.

  2. Reinigung – Entfernen Sie Fremdkörper, Bakterien und Blutgerinnsel mit Kochsalzlösung oder fließendem Wasser. Vermeiden Sie die direkte Anwendung von Seife, da sie reizend wirken kann.

  3. Abtrocknen – Nicht "trocknen", sondern "Wassertropfen abtupfen". Verwenden Sie ein sauberes Gazetuch und seien Sie sanft.

  4. Abdeckung – Wählen Sie ein Wundauflagematerial, das größer als die Wunde ist. Handelsübliche Hydrokolloid-Pads sind auch für Anfänger leicht zu handhaben.

  5. Beobachtung und ärztliche Beratung – Wenn innerhalb von 24–48 Stunden Rötung, Schmerzen oder Exsudat zunehmen, könnte eine bakterielle Infektion vorliegen, und ein Besuch in der Klinik ist ratsam.

5. Reaktionen in den sozialen Medien – Überraschung und Erfahrungsberichte

  • X (ehemals Twitter)

    • "Meine Mutter hat immer gesagt, 'Belüftung ist wichtig', aber die Erklärung der Doktorin hat meine Welt verändert" (@bru_health)

    • "Feuchte Wundheilung war vor 10 Jahren auch in Japan ein Thema, aber mit Zahlen belegt, fühlt es sich überzeugender an" (@wound_otaku)

  • Instagram

    • Unter dem Reel einer auf Narbenpflege spezialisierten Krankenschwester häufen sich Kommentare wie "Bitte verrate mir, wie ich der Versuchung widerstehen kann, den Schorf abzureißen!"

  • Facebook

    • Der offizielle Beitrag von InfoMoney wurde 12.000 Mal geteilt, mit Kommentaren wie "Das sollte in die Erste-Hilfe-Ausbildung für Kinder aufgenommen werden".
      Insgesamt dominieren Überraschung und der Wunsch, das Gelernte in die Praxis umzusetzen. Andererseits gibt es auch skeptische Stimmen, die sagen, "feuchte Umgebungen sind stickig und jucken" oder "die Kosten sind hoch".

6. Warum der Mythos überlebte – Historischer Hintergrund

Ende des 19. Jahrhunderts, in der Frühzeit der Bakteriologie, verbreitete sich auch unter Medizinern das Missverständnis, dass "Trockenheit = Sterilität" bedeute. Nach dem Zweiten Weltkrieg verbreiteten sich Gaze und Desinfektionsmittel als militärische Güter in großem Umfang, und die Kriegsmedizin, die besagte, dass "große Wunden, auf die keine Gaze aufgebracht werden kann, am besten an der Luft trocknen", fand ihren Weg in die Zivilbevölkerung. Zudem erschienen feuchte Materialien wie Hydrokolloide in den 1980er Jahren, aber ihr hoher Preis verhinderte eine weitverbreitete Nutzung.

7. Kosten- und Zugangsprobleme

In Brasilien kostet ein 10x10 cm großes Hydrokolloid-Pad etwa R$12 pro Stück, was teurer ist als Einweg-Gaze. Auch in Japan liegt der Preis pro Stück bei etwa 300–500 Yen. In den sozialen Medien gibt es Stimmen, die sagen: "Wenn man es täglich wechselt, wird man bankrott gehen." Die Doktorin weist darauf hin: "Bei kleinen Schnittwunden kann es einige Tage lang getragen werden, was letztlich wirtschaftlicher ist als Gaze." Bei tiefen Wunden mit viel Exsudat sind jedoch häufige Wechsel erforderlich, und Unterstützung durch die Krankenversicherung sowie öffentliche Aufklärung sind unerlässlich.

8. Infektionsprävention und das antibakterielle Paradox

Das Missverständnis, dass "Feuchtigkeit = Bakterienparadies" sei, ist weit verbreitet. Tatsächlich sind feuchtigkeitsliebende Bakterien wie Pseudomonas aeruginosa problematisch. Eine feuchte Umgebung führt jedoch nicht zwangsläufig zu Infektionen. Der Schlüssel ist, eingeschlossenes Systemaufrechtzuerhalten – das Eindringen neuer Bakterien von außen zu verhindern. Es wird sogar darauf hingewiesen, dass die Hautflora möglicherweise als "Barriere-Symbiose" fungieren könnte.

9. Kinder, die draußen spielen, und Erste Hilfe

In den sozialen Medien tauchen häufig Fragen auf wie: "Was sollen Eltern tun, wenn ihr Kind im Park hinfällt?" Die Antwort der Doktorin ist einfach: "Leitungswasser reicht aus. Entfernen Sie nur den Schmutz, kleben Sie ein passendes Pad auf und lassen Sie das Kind weiterspielen." Es gibt Studien, die zeigen, dass der "brennende Schmerz" von Desinfektionsmitteln das Stresshormon erhöht und die Heilung verzögert. Auch um das Weinen der Kinder zu reduzieren, ist die feuchte Wundheilung nützlich.

10. Das Problem der Erwachsenen, die "einfach abreißen"

Es ist selbst für Erwachsene schwierig, den Schorf (oder künstliche Krusten) nicht unbewusst abzureißen, wenn die Heilung fortschreitet. Unter dem Hashtag "#DontPick" auf sozialen Medien werden zahlreiche Selbstkontrolltechniken geteilt. Zum Beispiel, indem man einen transparenten Film darüber klebt, um es weniger sichtbar zu machen, oder indem man Nachrichten auf das Pflaster schreibt und mit Kindern eine "Nicht-Abreiß-Challenge" macht.

11. Perspektive der Schönheits- und plastischen Chirurgie – Um Narben zu vermeiden

Plastische Chirurgen betonen, dass "Feuchtigkeit + Ruhe + Anti-Zugkraft" die drei Säulen zur Minimierung von Narben sind. Feuchtigkeit unterstützt die frühzeitige Regeneration der Epidermis, Ruhe (z.B. durch Taping) reduziert die Zugspannung, und die Zufuhr von Nährstoffen wie Vitamin C fördert die Kollagenvernetzung. In den Richtlinien wird auch der UV-Schutz als unerlässlich angesehen, und es wird empfohlen, in den ersten sechs Monaten nach der Heilung Sonnenschutzmittel zu verwenden.

12. Der aktuelle Stand des Wundpflegemarktes und Geschäftstrends

Der weltweite Markt für Wundauflagen wird 2024 voraussichtlich etwa 14,5 Milliarden US-Dollar erreichen und wächst mit einer CAGR von 5,2 %. Besonders nach COVID-19 hat die Nachfrage nach häuslicher Pflege zugenommen, und Produkte zur Selbstpflege verzeichnen ein Wachstum. In Brasilien gibt es Bestrebungen, dass das staatliche Gesundheitssystem SUS einige Wundauflagen in die Erstattung aufnimmt. Auch in Japan gibt es zunehmend Fälle, in denen die Zuzahlungen durch die gesetzliche Krankenversicherung gesenkt werden, und die Regalaufteilung in Drogerien verändert sich.

13. Der Kampf gegen Fehlinformationen – Gesundheitskompetenz im Internetzeitalter

Auf TikTok verbreiten sich gefährliche Hausmittel wie "Zahnpasta zur Kühlung von Verbrennungen". Die Doktorin erklärt: "Soziale Medien können sowohl zur Aufklärung als auch zur Verbreitung von Fehlinformationen genutzt werden, sie sind ein zweischneidiges Schwert." Die korrekte Informationsverbreitung durch medizinisches Fachpersonal und die verstärkte Faktenprüfung durch die Plattformen sind zukünftige Herausforderungen.

14. Fazit – "Feuchtigkeit" ist die einfachste und wissenschaftlich fundierteste Erste Hilfe

Die Ära der Trockenheilung ist vorbei. Die Evidenzlage im Jahr 2025 zeigt, dass Sauberkeit, Feuchtigkeit und Abschirmung die schnellste und narbenfreiste Methode sind. Dennoch gibt es viele Fälle, wie tiefe Stichwunden oder Geschwüre bei Diabetikern, die unter ärztlicher Aufsicht behandelt werden müssen. Wenn Sie sich verletzen, sollten Sie die hier vorgestellten 5 Schritte als "erste Wahl" betrachten und bei Auffälligkeiten frühzeitig eine medizinische Einrichtung aufsuchen.


Referenzartikel