Fließt die Zeit wirklich? Ist das "Fließen der Zeit" eine Inszenierung des Gehirns? Wir als "vierdimensionale Aufzeichnung"

Fließt die Zeit wirklich? Ist das "Fließen der Zeit" eine Inszenierung des Gehirns? Wir als "vierdimensionale Aufzeichnung"

1. "Die Zeit vergeht" ist so selbstverständlich, dass es schwer ist, daran zu zweifeln

Wir wachen morgens auf, schauen auf die Uhr, arbeiten, und abends gehen wir schlafen. Jeden Tag leben wir mit dem Gefühl, dass die Zeit "vorwärts schreitet". Doch wenn man dies in die Sprache der Physik übersetzt, gerät diese Gewissheit plötzlich ins Wanken.


Die Zeit kann als eine der "Koordinaten" wie der Raum behandelt werden. Dann kann das Universum nicht als eine Bühne dargestellt werden, auf der Ereignisse nacheinander "entstehen" und verschwinden, sondern als eine riesige vierdimensionale Struktur, die von Anfang bis Ende alles umfasst – das sogenannte "Blockuniversum". Dort ist der "Fluss" keine Grundeinstellung. Es gibt nur das Gesamte der angeordneten Ereignisse.


Warum erleben wir dann einen Fluss, obwohl es keinen gibt? Der Autor verbindet diese Frage mit der Thermodynamik und der Informationstheorie. Der Schlüssel liegt im "Pfeil der Entropie" und der "Einseitigkeit der Erinnerung".


2. Das "Jetzt" entsteht entlang des Entropiegefälles

Auf der Seite, die wir "Vergangenheit" nennen, gibt es Aufzeichnungen (Spuren, Fotos, Erinnerungen im Gehirn, Fossilien, Logs). Aber in der "Zukunft" gibt es keine Aufzeichnungen derselben Art.
Diese Asymmetrie ist eng mit der statistischen Eigenschaft des Universums verbunden, in Richtung zunehmender Unordnung (Entropie) zu gehen. Erinnerung ist ein Prozess, der "Veränderungen von einem Zustand zu einem anderen" komprimiert speichert, und dabei mischt sich Irreversibilität ein. Gerade weil es irreversibel ist, empfinden wir die "unwiederbringliche Abfolge" als "Fluss der Zeit".


Anders ausgedrückt, das "Jetzt" ist weniger ein Punkt, auf den der Uhrzeiger zeigt, sondern vielmehr die Erfahrung einer Abfolge von Zuständen, die sich in die Richtung anordnen, in der Erinnerungen gemacht werden können.


3. Die Rillen der Schallplatte zeigen, wie Existenz wahrgenommen wird

Die Metapher des Autors ist interessant. Stellen Sie sich eine analoge Schallplatte vor, auf der Musik eingraviert ist. Auch wenn die Platte im Regal steht, "enthält" sie die Musik. Erst wenn die Nadel aufgesetzt wird, vibriert die Luft und die Musik erklingt.


Wichtig ist, dass die Musik nicht "neu geboren" wird, wenn die Nadel aufgesetzt wird. Die Musik existierte bereits als Rille. Das Abspielen ist nur der Akt des sukzessiven Auslesens dieser Struktur.


Überträgt man diese Metapher auf das Leben, entsteht ein provokantes Bild.
Unser Leben besteht nicht aus Momenten, die entstehen und vergehen, sondern ist als "Spur" in der Raumzeit eingraviert. Von außen betrachtet ist es eine feste Struktur, von innen erlebt man es als "Verlauf" – es besitzt eine solche Dualität. Der Autor beschreibt es als "vierdimensionalen Kristall".


4. Ein Schritt weiter: Wenn man die Rillen "berührungslos" abspielen könnte

Hier wird die Diskussion verdreht. Alte Wachszylinder oder beschädigte Aufnahmemedien können manchmal nicht mit einer Nadel abgespielt werden. Aber wenn man die Rillen dreidimensional scannt und die "ursprünglich entstandenen Vibrationen" mit einem Computer schätzt, kann der Klang wiederhergestellt werden.


Diese Tatsache lässt die Metapher nicht einfach eine Metapher bleiben. Wenn die Musik (Erfahrung) nicht an eine bestimmte Nadel oder ein bestimmtes Material gebunden ist, dann ist es vielleicht die "Struktur" – also die Anordnung der Informationen – die entscheidend ist.


In diesem Moment wird die nächste Frage unvermeidbar.
Beruht unsere Erfahrung mehr auf "organisierten Informationsstrukturen" als auf der Materie selbst?
Und wenn dem so ist, könnte man, selbst wenn dieselbe Struktur auf einem anderen Medium implementiert wird, die Realität der Erfahrung unterscheiden?
Hier kommt der Duft der Simulationshypothese auf. Der Autor deutet an, dass es zumindest prinzipiell schwierig sein könnte, eine absolute Grenze zwischen dem "Erleben der echten Weltlinie" und der "vom Computer reproduzierten Erfahrung" zu ziehen.


5. "Man kann nur seine eigene Musik hören" – Die Versuchung und Bremse des Solipsismus

Als nächstes kommt etwas Gefährliches, das jedoch jeder einmal durchdenkt.
Ich kann nur meine eigenen Erfahrungen direkt erleben. Die "subjektive Musik" anderer kann ich nicht hören. Wenn man dann mit Ockhams Rasiermesser "nur die eigene Musik wird abgespielt" wegschnippelt, wird die Welt plötzlich einfach, oder? –.


Der Autor selbst hält diese Schlussfolgerung für übertrieben. Der Punkt ist, dass "Erfahrung indexikalisch" ist.
Jede Perspektive kann "nur ihre eigene Musik hören". Das bedeutet jedoch nicht, dass keine anderen Musikstücke erklingen. Vielmehr müssen nicht alle Musikstücke gleichzeitig und synchron abgespielt werden. Eine lokal gültige Erfahrung ist als Erfahrung ausreichend "echt".


Hier kommt der Ausdruck "Ökonomie der Existenz" ins Spiel. Damit Existenz "stattfindet", muss sie nicht im gesamten Universum ständig abgespielt werden. So wie eine Schallplatte im Regal die Musik enthält, kann eine Weltlinie "existieren", auch wenn sie nicht erlebt wird. Und wenn eine Erfahrung stattfindet, ist sie ein lokaler Prozess, der abgeschlossen ist und keine universumweite Zustimmung im Zuschauerraum benötigt.


6. Warum ist diese Sichtweise "seltsam beruhigend"?

Diese Denkweise mag wie kalter Determinismus erscheinen, enthält aber auch eine seltsame Trost.
Wenn "die Zeit nicht fließt", dann könnte das Gefühl des "vollständigen Verschwindens" eine Illusion unserer Seite sein. Die Vergangenheit ist nicht verloren, sondern als Koordinate vorhanden.


Natürlich können wir nicht zurückkehren. Aber nicht zurückkehren zu können ist nicht dasselbe wie zu nichts geworden zu sein.
Und wenn "Erfahrung lokal sein darf", dann hängt der Sinn des Lebens nicht von universumweiten Bühnenbildern oder Beifall ab. Man kann sich nicht als ein Funke sehen, der schnell auflodert und erlischt, sondern als ein Muster, das in einer riesigen vierdimensionalen Struktur eingraviert ist.


7. Es gibt auch Gegenargumente: Das Blockuniversum ist nicht die "einzige Antwort"

Hier sollte man ruhig auch Hilfslinien ziehen.
Das Blockuniversum ist eine Interpretation, die gut mit der Relativitätstheorie harmoniert, aber es gibt auch Positionen, die "die Entstehung der Zeit" oder die "Besonderheit der Gegenwart" betonen. Außerdem gibt es viele ungelöste Punkte, wie die Erklärung des Entropiepfeils aus Anfangsbedingungen, den Umgang mit Quantenmessungen und die Beziehung zwischen Bewusstsein und Information.


Was den Text des Autors jedoch faszinierend macht, ist, dass er keine endgültigen Schlussfolgerungen zieht. Er nutzt Metaphern, um das "fühlbare Denken" der Leser zu fördern. Wenn die Welt eine Schallplatte ist, wo setzen Sie dann die Nadel auf?



Reaktionen in den sozialen Medien

  • "Die Schallplattenmetapher ist zu stark. Nachdem ich es gelesen habe, fühlte ich mich, als ob ich gerade 'abgespielt' werde, und musste seltsam lachen."

  • "Die Vorstellung einer 'nicht verlorenen Vergangenheit' ist keine Romantik, sondern eine Koordinatensache, die mich umso mehr berührt."

  • "Aber wohin geht dann der freie Wille? Diese Frage kam mir sofort in den Sinn."

  • "Die Geschichte, dass man durch Scannen von Wachszylindern den Klang zurückgewinnen kann, verleiht der Theorie, dass Information das Wesentliche ist, Überzeugungskraft."

  • "Der Punkt, dass es keinen Unterschied zwischen Simulation und Realität gibt, ist beängstigend, aber es scheint logisch zu sein."

  • "Die Assoziation 'Man kann die Musik anderer nicht hören' = Solipsismus ist nachvollziehbar. Aber ich mag es, dass der Autor die Bremse zieht."

  • "Letztendlich ist die Schlussfolgerung, dass das Grübeln und Freuen im Hier und Jetzt 'lokal echt' ist, ziemlich freundlich."

  • "Wenn die Zeit eine Illusion ist, gilt das dann auch für Deadlines? (Nein, tut es nicht)"

  • "Der Hinweis, dass das Blockuniversum nur eine von vielen Interpretationen ist, ist ein Artikel, den man gerne teilen möchte."



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