Nicht jedes Gehirntraining ist gleich effektiv. Das Training, das geholfen hat, war das „schnelle Finden“.

Nicht jedes Gehirntraining ist gleich effektiv. Das Training, das geholfen hat, war das „schnelle Finden“.

„Bringt Gehirntraining etwas?“ Auf diese Frage gibt es endlich wieder eine konkrete Antwort aus der Forschung. Der Schlüssel liegt nicht in der „Gedächtnis- und Denkschulung“ wie bei Kreuzworträtseln oder Kopfrechnen, sondern in der „Verarbeitungsgeschwindigkeit“, die eher den Reflexen ähnelt. Laut einem Bericht der deutschen Zeitung WELT zeigt eine Langzeitstudie aus den USA, dass Personen, die eine bestimmte Art von Gehirntraining absolvierten, ein um bis zu 25 % geringeres Risiko für Demenz, einschließlich Alzheimer, hatten.


„6-wöchige Intervention“, die nach 20 Jahren einen Unterschied machte

Der Aufbau der Studie ist wie folgt: Teilnehmer über 65 Jahre nahmen über 5 bis 6 Wochen an mehreren Sitzungen von jeweils 60 bis 75 Minuten teil und wurden je nach Trainingsprogramm in Gruppen eingeteilt. Die Trainings wurden grob in drei Kategorien unterteilt: „Gedächtnis“, „Schlussfolgerung (Logik)“ und „Verarbeitungsgeschwindigkeit“, sowie eine Kontrollgruppe ohne Training. Einige Teilnehmer erhielten etwa ein Jahr und drei Jahre später zusätzliche „Booster-Trainings“. Über einen Zeitraum von 20 Jahren zeigte sich, dass die Kombination aus „Verarbeitungsgeschwindigkeitstraining + Booster“ einen deutlichen Unterschied machte.


Laut einer Erklärung von Johns Hopkins war der Anteil der „an Demenz diagnostizierten Personen“ in der Gruppe mit Verarbeitungsgeschwindigkeitstraining und Boostern statistisch signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe. Konkret wurden in der Gruppe mit Boostern 40 % diagnostiziert, während es in der Kontrollgruppe 49 % waren, was zu einer „25 % niedrigeren Inzidenzrate (relativer Rückgang)“ führte.


Der WELT-Artikel erwähnt auch, dass dieses Training „selbst bei einem hohen Einstiegsalter nicht an Wirkung verliert“. Das bedeutet, dass es nicht notwendig ist, schon vor Jahrzehnten mit einer Art Eliteausbildung zu beginnen; es lohnt sich auch, nach dem 65. Lebensjahr damit zu beginnen.


Was ist eigentlich „Verarbeitungsgeschwindigkeitstraining“?

Das Verarbeitungsgeschwindigkeitstraining ähnelt eher einem Training, bei dem man „schnell mit den Augen erkennt und gleichzeitig auf die Umgebung achtet“, als einem Training, bei dem man sich etwas merkt oder nachdenkt. Laut NIH besteht es darin, ein Ziel in der Mitte des Bildschirms zu identifizieren, während man gleichzeitig ein anderes Ziel in der Umgebung erkennt. Die Präsentationszeit wird allmählich verkürzt und der Schwierigkeitsgrad erhöht.


Wichtig ist hier die „adaptive“ Eigenschaft. Je mehr man sich verbessert, desto schwieriger werden die Aufgaben (d.h. man gewöhnt sich nicht an denselben Schwierigkeitsgrad). Johns Hopkins und NIH deuten darauf hin, dass Gedächtnis- und Logiktraining dazu neigen, dass alle dieselbe Strategie lernen, während das Verarbeitungsgeschwindigkeitstraining die Herausforderung an die individuelle Tagesleistung anpasst, was möglicherweise den Unterschied ausmacht.


Warum „Schnelligkeit“ wirkt: Zwei Hypothesen

Die Forscher haben den Mechanismus nicht endgültig bestimmt. Es wurden jedoch einige plausible Hypothesen aufgestellt.


Eine Hypothese ist die „Vernetzung des Gehirns (Stärkung der Netzwerke)“. Der WELT-Artikel erwähnt die Möglichkeit, dass das Verarbeitungsgeschwindigkeitstraining das Gehirn physisch verändert und neue Verbindungen schafft.


Eine andere Hypothese ist, dass es eher „automatisierte Prozesse (implizites Lernen)“ als „bewusstes Denken“ stimuliert. Das NIH erklärt, dass das Verarbeitungsgeschwindigkeitstraining mit „Strategien, die hauptsächlich unbewusstes Denken nutzen“, in Verbindung stehen könnte. Das bedeutet, dass es eher darum geht, instinktive Urteile und Aufmerksamkeitsverteilung zu trainieren, bevor man im Kopf mit Worten jongliert.


Auch im realen Leben gibt es viele Situationen, wie Autofahren, Einkaufen, Kochen oder Medikamentenmanagement, in denen es nicht darum geht, „langsam nachzudenken, um richtig zu liegen“, sondern darum, „schnell und ohne etwas zu übersehen zu handeln“. Möglicherweise hat das Training genau diesen Aspekt angesprochen.


Aber Vorsicht vor Missverständnissen: „Prävention“ oder „Verzögerung“?

Diese Frage wurde schnell in den sozialen Medien aufgeworfen. „Wurde die Diagnose nur verzögert?“ „Wurde es nicht ‚reduziert‘, sondern ‚aufgeschoben‘?“


In der Tat wurde in einer Reddit-Diskussion gefragt, ob „Verzögerung gleichbedeutend mit ‚Reduktion‘ ist“, und ein anderer Teilnehmer antwortete, dass „bei älteren Menschen die Möglichkeit besteht, an anderen Krankheiten zu sterben, sodass die Verzögerung selbst eine ‚tatsächliche Reduktion‘ im Bereich der öffentlichen Gesundheit darstellen könnte“. Es gab auch Skepsis, ob die Fähigkeit, Symptome zu maskieren, einfach nur verbessert wurde.


Dieser Austausch ist wichtig. Die Forschung besagt, dass „die Inzidenzrate von Demenzdiagnosen niedriger ist (weniger Diagnosen)“, aber nicht, dass die pathologischen Veränderungen im Gehirn vollständig gestoppt wurden. NIH und Gesundheitsmedien berichten ebenfalls in einem Ton, der besagt, dass es nicht um Heilung geht, sondern um die Möglichkeit, das Auftreten und die Diagnose zu verzögern.


Dennoch ist der Wert des „Verzögerns“ nicht gering. Wenn die Unabhängigkeit auch nur um ein oder zwei Jahre verlängert wird, verändert sich sowohl die Lebensqualität der Betroffenen als auch die Pflegebelastung der Familien und die Gesundheits- und Pflegekosten der Gesellschaft insgesamt. Forscher betonen, dass „selbst eine kleine Verzögerung einen großen Einfluss auf die öffentliche Gesundheit haben kann“.


Reaktionen in den sozialen Medien: Drei Hauptpunkte der Diskussion

 

Das Thema verbreitete sowohl „Hoffnung“ als auch „Vorsicht“. Die Reaktionen in den sozialen Medien lassen sich grob in drei Kategorien einteilen.


1. „Was genau soll man tun?“
Auf Reddit fiel besonders die Frage auf, „welches spezifische Training/Spiel“ durchgeführt werden soll, und ein anderer Nutzer zitierte die Erklärung des NIH und stellte die Aufgabeninhalte vor. Es wurde auch erwähnt, dass solche Dienste wie BrainHQ verfügbar sind.


2. Vorsicht vor „Gehirntrainings-Geschäft“
Der Punkt, dass „nicht jedes Gehirntraining gleich gut ist“, wurde ebenfalls verbreitet. Tatsächlich zeigte sich der Unterschied nach 20 Jahren bei der „Verarbeitungsgeschwindigkeit“, während Gedächtnis und Logik keinen ähnlichen Unterschied aufwiesen. Dies dient als Bremse gegen das Missverständnis, dass alle kommerziellen Gehirntrainings zur Demenzprävention beitragen.


3. „Ist es nicht eher eine Verzögerung als eine Prävention?“
Wie bereits erwähnt, gibt es Zweifel, ob „die Diagnose nur verzögert wurde“, während andere argumentieren, dass „es dennoch wertvoll ist, wenn die Lebensqualität steigt“ und „Verzögerung im hohen Alter einen tatsächlichen Nutzen darstellt“. Die Tatsache, dass eine Diskussion stattfand, zeigt, dass diese Forschung als ein Thema wahrgenommen wurde, das direkt das Leben betrifft und nicht nur als bloßes Wissen.


Was sollen wir tun? Praktische Umsetzung

Nach dem Lesen könnte man leicht denken: „Okay, nur Verarbeitungsgeschwindigkeitstraining reicht aus“, aber die Forscher empfehlen eher eine „Kombination“. Das NIH spricht auch über die Möglichkeit synergistischer Effekte mit Lebensstilinterventionen wie Bewegung und Ernährung, die das Risiko eines kognitiven Rückgangs senken.


In der Praxis ist die folgende Priorisierung sinnvoll.

  • Erstens, „Verarbeitungsgeschwindigkeit“ in einer Form einbauen, die nachhaltig ist (kurze Dauer, aber „adaptiv“ mit steigendem Schwierigkeitsgrad)

  • Zweitens, kardiovaskuläre Risiken regulieren (Blutdruck, Blutzucker, Lipide, Gewichtskontrolle, Bewegung)

  • Drittens, Schlaf, soziale Interaktion und nicht zu schwierige intellektuelle Herausforderungen aufrechterhalten („Spaß“ ist der Treibstoff für Nachhaltigkeit)


Letztendlich sollte Gehirntraining nicht als „Allheilmittel“ betrachtet werden. Dennoch ist die Tatsache, dass „nur wenige Wochen Training einen Unterschied über 20 Jahre machen können“, im Kontext der Präventivmedizin ziemlich stark.



Quellen