Das Verbot der Doppelfunktion von Direktoren schwächt Unternehmen eher? Unerwartete Ergebnisse, die die Daten zeigen

Das Verbot der Doppelfunktion von Direktoren schwächt Unternehmen eher? Unerwartete Ergebnisse, die die Daten zeigen

Die Verstärkung der Antitrust-Maßnahmen zielt darauf ab, die Marktdominanz großer Unternehmen und „heimliche Absprachen“ zu unterbinden, um die Verbraucher zu schützen. Viele Menschen verstehen das so. Doch diese „eigentlich richtige Regulierung“ könnte an anderer Stelle die Stärke der Unternehmen schwächen. Das aktuelle Thema betrifft nicht die Preise oder App-Stores, sondern das Herzstück eines Unternehmens: den Vorstand.


1) Das zentrale Problem ist die „Doppelmandate von Direktoren“

Im Fokus steht die Praxis der „Interlocking Directorates“, bei der dieselbe Person in den Vorständen mehrerer konkurrierender Unternehmen sitzt. Diese Praxis wird seit jeher als potenziell „hinter den Kulissen abgesprochen“ verdächtigt und wurde historisch im Kontext von Antitrust-Maßnahmen oft kritisiert.


In den USA haben das Justizministerium (DOJ) und die Federal Trade Commission (FTC) seit etwa 2022 die Durchsetzung in diesem Bereich verstärkt, was zu einer Reihe von Rücktritten von Direktoren führte. Das Ziel der Regulierung ist klar: Wenn Konkurrenten durch dasselbe Direktoren-Netzwerk verbunden sind, besteht die Sorge, dass es leichter zu „stillen Absprachen“ über Preise, Investitionen und Einstellungen kommen könnte.


2) Doch die Daten zeigen einen „Erfahrungsverlust“

Neue Forschungen haben gezeigt, dass nach der Regulierung diejenigen, die den Vorstand verließen, „erfahrenere Personen“ waren. Besonders betroffen sind nicht die großen, starken Unternehmen, sondern eher die kleineren.


Das Forschungsteam verfolgte die Rücktritte und Ernennungen von Direktoren in großen Datenmengen und überprüfte die Entwicklung der Doppelmandate. Das Ergebnis: Die seit den 2000er Jahren bis 2022 gestiegenen Doppelmandate drehten sich in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 in einem „rekordverdächtigen Rückgang“ um. Bis hierhin kann man sagen, dass die Regulierung wirksam war.


Gleichzeitig breiten sich jedoch folgende „Lücken“ aus:

  • Erfahrungslücke: Die zurückgetretenen Direktoren hatten langjährige Erfahrung in der Branche, während ihre Nachfolger oft weniger erfahren sind, und es gibt zunehmend Fälle, in denen keine Nachfolger gefunden werden und die Positionen unbesetzt bleiben.

  • Kleinere Unternehmen sind benachteiligt: Bei konkurrierenden Paaren scheiden die Direktoren eher aus dem kleineren Unternehmen aus.

  • Neue Doppelmandate entstehen schwerer: Die Wahrscheinlichkeit, dass neue Mitglieder ein Netzwerk von Doppelmandaten aufbauen, sinkt, und der Wissensaustausch wird schwächer.


Der Vorstand ist nicht nur ein „Aushängeschild“. Er beeinflusst die Qualität der Unternehmensführung durch die Überprüfung der Personalentscheidungen des CEO, die strategische Kontrolle und die Überwachung von Investitionsentscheidungen. Wenn erfahrene Direktoren ausscheiden und keine Nachfolger gefunden werden, was zu mehr unbesetzten Positionen führt, wird die Überwachungsfunktion tendenziell schwächer.

3) „Brutstätte für Absprachen“ oder „Weisheit der Überwachung“

Was dieses Problem kompliziert macht, ist, dass Interlocking nicht unbedingt nur „schlechte Dinge“ bewirkt. Die Forschung zeigt, dass es keine starken Beweise für die weitreichende Verschwörung gibt, die die Behörden vermuten, und dass Unternehmen mit Doppelmandaten eher eine stärkere Überwachung der Geschäftsführung haben.


Zum Beispiel ist es wahrscheinlicher, dass ein CEO bei schlechter Leistung ersetzt wird, und Investitionen in Forschung und Entwicklung führen eher zu besseren Ergebnissen. Kurz gesagt, es könnte sein, dass die Einbindung von Personen, die die Situation bei konkurrierenden Unternehmen kennen, zu einer „strengen Governance“ statt einer „laxen Governance“ geführt hat.


Hier liegt das Dilemma der Antitrust-Politik.

  • Wettbewerbspolitik: Man möchte die Verbindungen kappen und „jede Möglichkeit des Verdachts“ beseitigen.

  • Unternehmensführung: Man möchte die Routen erhalten, durch die Erfahrung und Wissen fließen.

Beide haben einen hohen öffentlichen Wert. Doch wenn man nur eine Seite stark betont, wird die andere verletzt.

4) Die „Verzerrung des Arbeitsmarktes“ durch die Regulierung

Ein weiterer Aspekt ist die Frage, „wer als nächstes Direktor wird“. Wenn die „erfahrenen, die zu Doppelmandaten neigen“ durch die Regulierung ausscheiden, sind natürlich Ersatzkandidaten erforderlich. Unternehmen neigen dazu, Personen mit ebenso langer Branchenerfahrung zu suchen, aber wenn diese Schicht dünner wird, entsteht ein Wettstreit.


Das führt tendenziell zu

  • einem Anstieg der Vergütung für Direktoren

  • einer Konzentration von Talenten auf große Unternehmen (aufgrund von Marken und höherer Vergütung)

  • dazu, dass kleine und mittlere Unternehmen eher unbesetzte Positionen haben
    was zu einer stillen Ungleichheit führt.


Zudem funktioniert der Vorstand stark als „Netzwerk“. Da Personen basierend auf früheren Erfolgen und Empfehlungen ausgewählt werden, kann das Durchtrennen bestehender Netzwerke dazu führen, dass formal die Vielfalt zunimmt, in der Praxis jedoch „keine geeigneten Kandidaten gefunden werden“.

5) Reaktionen in sozialen Medien: Ein Thema, das sowohl Zustimmung als auch Bedenken hervorruft

Dieses Thema kommt in sozialen Medien gut an, weil „Gerechtigkeit (verstärkte Regulierung)“ und „Realität (Schwächung der Governance)“ aufeinandertreffen. Tatsächlich sind die Reaktionen in drei Hauptkategorien unterteilt.


A. „Regulierung ist trotzdem notwendig“
Die Ansicht, dass „die Möglichkeit, dass Konkurrenten heimlich verbunden sind, beseitigt werden sollte“ und „auch wenn es Nebenwirkungen gibt, sollten zunächst die Keime des Unrechts beseitigt werden“. Aufgrund der historischen Sichtweise, dass „Doppelmandate schlecht sind“, findet diese Position intuitiv leicht Unterstützung.


B. „Die Nebenwirkungen sind zu groß“
Die Sorge, dass „wenn erfahrene Aufsichtspersonen ausscheiden, Manager eher außer Kontrolle geraten“ und „kleinere Unternehmen stärker betroffen sind, was das Wettbewerbsumfeld eher verschlechtert“. Wenn das Ziel der Regulierung „Förderung des Wettbewerbs“ ist, erscheint das Schwächen schwacher Unternehmen als kontraproduktiv.


C. „Es ist eine Frage des Designs. Die Vorgehensweise sollte geändert werden“
Statt einer Entweder-oder-Entscheidung sollte man sich auf „Bedingungen“ oder „verstärkte Transparenz“ konzentrieren, anstatt auf ein „vollständiges Verbot“. Zum Beispiel:

  • Regeln zur Abschirmung von wettbewerbssensiblen Informationen

  • Klarstellung des Umfangs der Doppelmandate (in welchen Märkten als „Konkurrent“ betrachtet)

  • Alternative Maßnahmen zur Stärkung der Überwachung (Ausbildung und Bereitstellung unabhängiger Direktoren)
    Diese Diskussionen über das Design von Richtlinien ziehen Interesse auf sich.


Zudem zeigen die Reaktionen auf einen Beitrag des Forschers selbst auf LinkedIn, in dem er die Veröffentlichung seines Artikels ankündigt, von akademischen und praktischen Lesern Kommentare wie „interessant“ und „gute Veröffentlichung“, was das hohe Interesse an der Problematik als Diskussionsanstoß widerspiegelt. In der akademischen Welt scheint es eine Tendenz zu geben, die Diskussion eher in Richtung „Design-Diskussion unter Berücksichtigung der Nebenwirkungen“ als zu einem einfachen „Regulierungsjubel“ zu lenken.


6) Was man daraus lernen kann

Dieses Thema könnte in zukünftigen Antitrust-Debatten von einer „Nebenrolle zu einer Hauptrolle“ aufsteigen. Denn obwohl es nicht so auffällig ist wie Themen wie Preise oder M&A, hat es direkten Einfluss auf die Qualität der Entscheidungsfindung in Unternehmen, also auf ihre Wettbewerbsfähigkeit.


Es gibt drei Punkte, auf die man achten sollte.

  1. Ob der Anstieg der unbesetzten Positionen vorübergehend oder strukturell ist (ob das Angebot an Direktoren ausreicht)

  2. Ob die Governance kleiner Unternehmen nicht geschwächt ist (Anzeichen für Bilanzfälschungen, Leistungsverschlechterung, Verzögerungen beim CEO-Wechsel)

  3. Ob es ein Design gibt, das „Wettbewerbspolitik“ und „Governance-Politik“ verbindet (Kompromisse zwischen Behörden, Unternehmen und Investoren)


Antitrust ist nicht nur „je stärker, desto besser“. Wenn ein System, das den Wettbewerb schützen soll, die Weisheit und Überwachung der Unternehmen schwächt, könnte dies langfristig die Qualität des gesamten Marktes senken. Wichtiger als die Frage, ob reguliert werden soll, ist die Frage, „wie man das Design unter Berücksichtigung der Nebenwirkungen gestaltet“. Die aktuelle Forschung hat diese Diskussion realer gemacht.



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