„Ist ‚Maßvoll ist gesund‘ eine veraltete Weisheit? Neue Warnungen über Alkoholkonsum und Krebs“

„Ist ‚Maßvoll ist gesund‘ eine veraltete Weisheit? Neue Warnungen über Alkoholkonsum und Krebs“

Ist "Ein Glas pro Tag ist in Ordnung" wirklich wahr? – Die neueste Forschung über Alkohol und Krebsrisiken

"Ein Glas Wein am Abend ist sogar gut für die Gesundheit"

Viele Menschen haben so gedacht. Ein Bier nach der Arbeit, ein Glas Wein zum Abendessen, ein Whisky vor dem Schlafengehen. Alkohol ist ein Genussmittel, ein soziales Werkzeug und ein kleiner Genuss im Alltag. Gesundheitsschädlich ist nur übermäßiger Konsum, und ein moderater Konsum ist unproblematisch. Diese Ansicht wurde lange Zeit in vielen Gesellschaften geteilt.

Doch diese Annahme, dass "moderate Mengen sicher sind", wird nun erneut in Frage gestellt.

Ein Artikel von Beauce Média in Quebec, Kanada, berichtete über eine groß angelegte Analyse von US-Forschern, die darauf hinweist, dass selbst der Konsum von etwa einem Glas pro Tag das Risiko für mehrere Krebsarten erhöhen kann. Zu den genannten Krebsarten gehören Rachen-, Dickdarm-, Rektum-, Speiseröhren-, Brust-, Leber-, Bauchspeicheldrüsen- und Prostatakrebs.

Diese Forschung, veröffentlicht in der medizinischen Zeitschrift Nature Health, ist als "Burden of Proof study" bekannt und untersucht auf der Grundlage von 843 Kohortenstudien und Fall-Kontroll-Studien die Beziehung zwischen Alkoholkonsum und 20 gesundheitlichen Ergebnissen. Das Forschungsteam berichtet, dass, obwohl die Beziehung zwischen Alkohol und Gesundheit nicht einheitlich ist, ein Zusammenhang zwischen geringem Alkoholkonsum und einem erhöhten Krebsrisiko besteht.

Wichtig ist, dass diese Studie nicht behauptet, dass "ein Glas Alkohol zwangsläufig Krebs verursacht". Risiko ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit und bestimmt nicht die Zukunft eines Individuums. Viele Faktoren beeinflussen das Krebsrisiko, darunter Rauchen, Ernährung, Bewegung, Gewicht, Genetik, Alter, Geschlecht, Infektionen und soziale Umwelt. Alkoholkonsum ist einer dieser Faktoren.

Es ist jedoch schwierig zu sagen, dass "geringe Mengen risikofrei sind". Diese Studie erregt Aufmerksamkeit, weil sie die bisherige einfache Einteilung "übermäßiger Konsum ist gefährlich, mäßiger Konsum könnte gesund sein" infrage stellt.


Das Krebsrisiko steigt "mit der Menge"

Ein Punkt, der im Originalartikel hervorgehoben wird, ist, dass die Beziehung zwischen Alkoholkonsum und dem Risiko bestimmter Krebsarten tendenziell linear zunimmt. Das heißt, je mehr man trinkt, desto höher ist das Risiko.

Diese Sichtweise hat sich bereits im Bereich der öffentlichen Gesundheit verbreitet. Das Europäische Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation erklärt auch, dass Alkohol die Ursache für mindestens sieben Krebsarten ist. Dazu gehören Mundhöhlen-, Rachen-, Kehlkopf-, Speiseröhren-, Brust-, Leber- und Dickdarmkrebs.

Alkohol selbst und das im Körper entstehende Acetaldehyd während des Abbaus gelten als krebserregende Stoffe. Unabhängig davon, ob es sich um Bier, Wein oder Spirituosen handelt, liegt das Problem im enthaltenen Ethanol. Das bedeutet, dass man das Krebsrisiko nicht einfach anhand von Vorstellungen wie "Rotwein ist sicher" oder "Spirituosen machen nicht dick, also sind sie gesund" abgrenzen kann.

Natürlich sind die gesundheitlichen Auswirkungen von Alkohol nicht auf Krebs beschränkt. Diese Studie zeigt auch Zusammenhänge mit Pankreatitis, Lebererkrankungen, Herzrhythmusstörungen und Infektionen der unteren Atemwege. Andererseits gibt es Hinweise darauf, dass geringer bis mäßiger Alkoholkonsum mit einem verringerten Risiko für ischämische Herzkrankheiten, Typ-2-Diabetes, Alzheimer und andere Demenzerkrankungen verbunden sein könnte.

Dies macht die Diskussion kompliziert.


Wie sollte man "Ein wenig trinken ist gut für das Herz" betrachten?

Früher war die Ansicht weit verbreitet, dass geringer Alkoholkonsum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken könnte. Besonders die Verbindung zwischen Rotwein und Herzkrankheitsprävention wurde oft als Gesundheitsinformation für die Allgemeinheit verbreitet.

In letzter Zeit wird jedoch eine vorsichtigere Sichtweise auf diese Interpretation stärker.

In Beobachtungsstudien, die den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Herz-Kreislauf-Risiken untersuchen, besteht die Möglichkeit, dass die Gesundheit und frühere Trinkgewohnheiten die Ergebnisse verzerren, wenn "Nichttrinker" mit "geringfügigen Trinkern" verglichen werden. Zum Beispiel, wenn jemand aus gesundheitlichen Gründen mit dem Trinken aufgehört hat und als "Nichttrinker" gilt, könnte die Gesundheitslage der Nichttrinkergruppe schlechter erscheinen, während geringfügige Trinker relativ gesund erscheinen.

Auch in der aktuellen Studie wird festgestellt, dass die "Vorteile" von geringem Alkoholkonsum in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Demenz auf Beobachtungsstudien beschränkt sind und durch Verzerrungen und Störfaktoren beeinflusst werden könnten. Das bedeutet, dass auch wenn geringer Alkoholkonsum bei einigen Krankheiten positiv erscheint, es riskant ist, dies als Empfehlung "für die Gesundheit zu trinken" zu interpretieren.

Professor Tim Stockwell von der Universität Victoria in Kanada, der im Originalartikel erwähnt wird, äußert auch die Ansicht, dass solche Vorteile möglicherweise überschätzt und die Risiken unterschätzt werden. Besonders in Bezug auf Krebs wird die Botschaft, dass selbst geringe Mengen das Risiko erhöhen, immer klarer.


In Kanada gilt "weniger als zwei Gläser pro Woche" als Maßstab für geringes Risiko

Der Hintergrund, warum dieser Bericht in Kanada Aufmerksamkeit erregt, ist die Veränderung der Trinkrichtlinien des Landes.

Im Jahr 2023 veröffentlichte Kanada neue Leitlinien zu Alkohol und Gesundheit, die erklären, dass "weniger als zwei Gläser pro Woche" ein Niveau ist, bei dem alkoholbedingte negative Auswirkungen leichter vermieden werden können. Andererseits wird festgestellt, dass bei drei bis sechs Gläsern pro Woche das Risiko für mehrere Krebsarten wie Brust- und Dickdarmkrebs steigt und bei mehr als sieben Gläsern pro Woche das Risiko für Herzkrankheiten und Schlaganfälle erheblich zunimmt.

Im Vergleich zu den bisherigen Richtlinien, die "bis zu 15 Gläser pro Woche für Männer und bis zu 10 Gläser für Frauen" empfahlen, wirkt dies deutlich strenger. Auch in sozialen Medien gab es Reaktionen wie "unrealistisch", "fast wie ein Alkoholverbot" und "notwendig als Gesundheitsinformation, aber gesellschaftlich schwer akzeptabel", als die neuen kanadischen Standards bekannt gegeben wurden.

Die aktuelle Forschung wird als Unterstützung dieser Entwicklung wahrgenommen.


Auf sozialen Medien kreuzen sich "Es ist doch gefährlich" und "Man kann nichts mehr genießen"

 

Die Reaktionen auf den aktuellen Artikel und die zugehörige Forschung in sozialen Medien lassen sich grob in drei Kategorien einteilen.

Die erste Kategorie sind Reaktionen von medizinischen und öffentlichen Gesundheitskonten, die sagen, dass "das Krebsrisiko durch Alkohol mehr bekannt gemacht werden sollte". Auf Facebook, X und Threads gibt es Beiträge, die die Forschungsergebnisse vorstellen und Aussagen wie "Selbst ein Glas pro Tag erhöht das Risiko für mehrere Krebsarten" und "Das Problem ist nicht die Art des Alkohols, sondern der Alkohol selbst" enthalten. Auch die Kommunikation des WHO-Regionalbüros für Europa und Beiträge von Krebsvorsorgeorganisationen gehen in diese Richtung.

Die zweite Kategorie ist die Verwirrung der allgemeinen Nutzer. Emotionale Reaktionen wie "Wenn Kaffee, Fleisch und Alkohol gefährlich sind, was kann man dann noch genießen?" und "Es ist hart, wenn sogar das Glas am Abend abgelehnt wird" sind nicht selten. Besonders Alkohol ist nicht nur eine Nahrungsaufnahme, sondern auch mit Kultur, Geselligkeit, Entspannung und der Kombination mit Essen verbunden. Auch wenn die Risikoinformationen korrekt sind, kann es zu Widerstand kommen, wenn sie als Botschaft wahrgenommen werden, die den Lebensgenuss nimmt.

Die dritte Kategorie ist die vorsichtige Interpretation der Forschung. Es gibt Hinweise wie "Beobachtungsstudien können keine Kausalität feststellen", "Wie gut sind die Unterschiede in den Lebensgewohnheiten zwischen Trinkern und Nichttrinkern angepasst?" und "Werden regionale Unterschiede und Unterschiede im Trinkverhalten ignoriert?". Tatsächlich wird im Originalartikel darauf hingewiesen, dass diese Forschung eine Beobachtungsstudie ist und möglicherweise Faktoren wie Ernährung und Gewicht nicht ausreichend berücksichtigt und die Unterschiede zwischen Bier, Wein und Spirituosen nicht unterscheidet.

Interessant ist, dass die Reaktionen nicht einfach in "Zustimmung" und "Ablehnung" unterteilt sind. Viele Menschen akzeptieren das Risiko von Alkohol, sind jedoch unsicher, "wie sie dieses Risiko in ihrem Leben umsetzen sollen".


Die Schwierigkeit von Gesundheitsinformationen

Die Schwierigkeit bei diesem Thema liegt darin, dass es nicht ausreicht zu sagen: "Es ist gefährlich, also sollte es auf null reduziert werden".

Aus Sicht der öffentlichen Gesundheit könnte Alkohol das Krebsrisiko umso mehr senken, je mehr er reduziert wird. Wenn die Krebsprävention oberste Priorität hat, ist die risikoärmste Wahl, nicht zu trinken.

Im persönlichen Leben wird das Risiko jedoch immer gegen andere Werte abgewogen. Genuss beim Essen, Zeit mit Freunden, Stressabbau, regionale Kultur, berufliche Verpflichtungen. Für manche Menschen ist es nicht realistisch, Alkohol vollständig zu meiden, und für andere kann der Verzicht auf Alkohol eine psychische Belastung darstellen.

Deshalb sollte die Botschaft, die aus dieser Forschung gezogen werden sollte, nicht darin bestehen, "Trinker zu beschuldigen". Vielmehr sollte es darum gehen, "die Risiken, die man eingeht, zu kennen und die Menge und Häufigkeit neu zu wählen".

Zum Beispiel könnte jemand, der täglich trinkt, auf einige Tage pro Woche reduzieren. Man könnte das Gewohnheitstrinken zu Hause aufgeben und nur beim Ausgehen trinken. Man könnte große Gläser durch kleine Gläser ersetzen. Man könnte die Anzahl der Biere um eins reduzieren. Man könnte alkoholfreie Getränke dazwischen einfügen. Selbst solche kleinen Änderungen können die Gesamtaufnahme reduzieren.

Auch die kanadischen Leitlinien zeigen einen Ansatz, der das Risiko kontinuierlich betrachtet, anstatt es auf null oder hundert zu setzen. Je weniger Alkohol konsumiert wird, desto geringer ist das Risiko, und je mehr konsumiert wird, desto höher ist das Risiko. Dieses einfache Verständnis ist ein realistischer erster Schritt.


Eine Neubewertung des Sprichworts "Alkohol ist das beste Heilmittel"

In Japan ist das Sprichwort "Alkohol ist das beste Heilmittel" weithin bekannt. Doch dieses Sprichwort ist keine Schlussfolgerung der modernen Medizin. Mäßiger Alkoholkonsum kann möglicherweise zwischenmenschliche Beziehungen erleichtern oder die Zufriedenheit beim Essen steigern. Aber daraus zu schließen, dass die gesundheitlichen Vorteile die Risiken überwiegen, ist nicht möglich.

Besonders in Bezug auf Krebs gehen die jüngsten Forschungen und internationalen Organisationen konsequent in eine strenge Richtung. Alkohol wird, wie Tabak und Asbest, von der IARC in die Gruppe 1 der krebserregenden Stoffe eingestuft. Natürlich unterscheiden sich das Ausmaß des Risikos und die Art der Exposition, aber das Gefühl, dass "Alkohol ein Lebensmittel ist und daher nichts mit Karzinogenität zu tun hat", ist wissenschaftlich nicht mehr haltbar.

Dennoch kann man Menschen nicht nur durch Angst vor Gesundheitsinformationen bewegen. Wichtig ist, Menschen, die Alkohol trinken, nicht zu verteufeln, sondern die Risiken sichtbar zu machen. Auch bei der Tabakprävention hat es lange gedauert, bis sich die Gesellschaft verändert hat. Auch beim Alkohol sind Diskussionen notwendig, die nicht nur auf individuelle Anstrengungen abzielen, sondern auch Themen wie Etikettierung, Preispolitik, Werbebeschränkungen und die Überprüfung der Trinkkultur umfassen.


In Zukunft wird "Je weniger, desto besser" das Motto für Alkoholkonsum sein

Der Bericht und die Forschung zeigen eine einfache, aber bedeutende Tatsache.

Aus der Perspektive der Krebsprävention ist es schwierig, eine "sichere Untergrenze" für Alkohol festzulegen. Je weniger man trinkt, desto geringer ist das Risiko, und je mehr man trinkt, desto höher ist das Risiko. Selbst die Menge von einem Glas pro Tag, die einst als "mäßig" angesehen wurde, kann nicht als risikofrei betrachtet werden.

Dies ist jedoch keine Botschaft, um Trinkern Schuldgefühle einzupflanzen. Vielmehr ist es eine Gelegenheit, die bisher unklaren Risiken neu zu bewerten.

Muss man täglich trinken? Ist das übliche Glas wirklich das Glas, das man trinken möchte? Gießt man nicht aus Gewohnheit ein? Wenn man die Ergebnisse von Gesundheitsuntersuchungen und die Familiengeschichte betrachtet, wie viel ist für einen selbst angemessen?

Unter den Reaktionen, die sich in sozialen Medien verbreiten, gibt es sowohl Klagen wie "Man kann nichts mehr genießen" als auch positive Stimmen wie "Weniger trinken, nachdem man es weiß", "Alkoholfreies ausprobieren" und "Nur am Wochenende trinken". Der Wert neuer Gesundheitsinformationen liegt nicht darin, ein perfektes Leben zu erzwingen, sondern darin, die Auswahlmöglichkeiten zu erweitern.

Ob man Alkohol trinkt oder nicht, ist letztlich eine persönliche Entscheidung. Aber diese Entscheidung sollte auf möglichst genauen Informationen basieren.

Der Satz "Ein Glas pro Tag ist in Ordnung" könnte allmählich durch "Je weniger, desto geringer das Risiko" ersetzt werden.



Quellen-URL

Ein Artikel von Beauce Média, der als Beitrag von La Presse Canadienne veröffentlicht wurde und die in Nature Health veröffentlichte Forschung und Kommentare von Professor Tim Stockwell vorstellt.
https://www.beaucemedia.ca/nouvelles-nationales/une-seule-consommation-dalcool-par-jour-augmente-le-risque-de-cancer/

Forschungsartikel. In Nature Health veröffentlichte Studie "Health effects associated with alcohol consumption: a Burden of Proof study". Bewertung der Beziehung zwischen Alkoholkonsum und 20 gesundheitlichen Ergebnissen auf der Grundlage von 843 Studien.
https://www.nature.com/articles/s44360-026-00139-5

Zusammenfassung der Forschung. Ein allgemein verständlicher Artikel von People, der den Anstieg des Krebsrisikos durch geringen Alkoholkonsum vorstellt.
https://people.com/one-alcoholic-drink-a-day-increases-your-risk-of-cancer-11990604

Zusammenfassung der Forschung. Ein allgemein verständlicher Artikel von ScienceAlert, der den Zusammenhang zwischen "ein Glas pro Tag" und Krebsrisiko vorstellt.
https://www.sciencealert.com/one-drink-of-alcohol-a-day-raises-your-risk-of-10-cancers-study-w