Warum werden wir hungrig und gereizt? Warum sich unser Charakter verändert, wenn wir Hunger haben - Die neueste Forschung zeigt das "wahre Gesicht des Zorns"

Warum werden wir hungrig und gereizt? Warum sich unser Charakter verändert, wenn wir Hunger haben - Die neueste Forschung zeigt das "wahre Gesicht des Zorns"

Ist "Hangry" nur eine Ausrede? Die Wissenschaft untersucht das Phänomen

Warum treffen uns Worte härter, wenn wir hungrig sind?
Normalerweise können wir über Witze hinwegsehen, aber plötzlich ärgern sie uns. Unsere Antworten werden kühler, wir können uns in Besprechungen nicht konzentrieren und reagieren zu Hause überempfindlich auf beiläufige Bemerkungen der Familie.

Viele Menschen haben solche Erfahrungen vielleicht als "schlechten Charakter" oder "mangelnde Geduld" abgetan. Doch in jüngster Zeit hat die Wissenschaft begonnen, dieses alltägliche Phänomen genauer zu beleuchten.

Im englischsprachigen Raum wird das Wort "hangry" häufig verwendet, eine Kombination aus "hungry" (hungrig) und "angry" (wütend). Wörtlich übersetzt bedeutet es "wütend vor Hunger". Auf Japanisch entspricht es dem Gefühl, "gereizt zu sein, weil man hungrig ist".

Ein Artikel in einem brasilianischen Gesundheitsmedium hebt hervor, dass das "hangry"-Phänomen nicht nur ein umgangssprachlicher Ausdruck ist, sondern zunehmend als biologische Reaktion verstanden wird. Besonders bemerkenswert ist, dass nicht nur der Hunger selbst, sondern auch das Bewusstsein darüber, dass man hungrig ist, die Stimmung beeinflusst.


Der Körper nähert sich im Hungerzustand einem "Notfallmodus"

Der menschliche Körper nutzt die Energie aus der Nahrung, um zu funktionieren. Besonders das Gehirn ist ein großer Energieverbraucher und reagiert empfindlich auf Veränderungen des Blutzuckerspiegels und des Stoffwechsels.

Wenn die Zeit zwischen den Mahlzeiten länger wird, sinkt der Blutzuckerspiegel allmählich. Der Körper beginnt dann, Hormone und das Nervensystem zu regulieren, um den Energiemangel auszugleichen. Stresshormone werden aktiv, und der Körper entscheidet, dass es an der Zeit ist, Energie zu sichern.

Diese Reaktion ist notwendig, um zu überleben. Wenn wir keinen Hunger verspüren, würden wir nicht nach Nahrung suchen. Eine erhöhte Aufmerksamkeit und ein gewisses Maß an Anspannung können nützlich sein, um Nahrung zu finden und Gefahren zu vermeiden.

Das Problem ist, dass diese Anspannung im modernen Alltag oft in "aggressive Worte" oder "schlechte Laune" umschlägt.

In einer primitiven Umgebung hätte die Wachsamkeit und Tatkraft, die durch Hunger ausgelöst wird, direkt zum Überleben beigetragen. Doch in modernen Büros, Haushalten oder sozialen Medien ist diese Reaktion nicht immer angemessen. Das Gehirn kann fälschlicherweise die Person oder Situation vor uns als "Ursache des Unbehagens" interpretieren, obwohl eigentlich Nahrung benötigt wird.


Neueste Forschung zeigt, dass es nicht nur der Blutzuckerspiegel ist

Bisher wurde oft erklärt, dass "Hunger gereizt macht, weil der Blutzuckerspiegel sinkt". Niedriger Blutzucker und Energiemangel können tatsächlich die Konzentration und die emotionale Kontrolle beeinflussen.

Doch neuere Studien bieten eine komplexere Sichtweise.

In einer Studie, die in der medizinischen Fachzeitschrift eBioMedicine veröffentlicht wurde, wurden gesunde Erwachsene untersucht, indem kontinuierliche Blutzuckermessungen mit Smartphone-Aufzeichnungen von Stimmung und Hungergefühl kombiniert wurden. Die Teilnehmer maßen über mehrere Wochen ihren Blutzuckerspiegel und dokumentierten gleichzeitig subjektive Zustände wie "Bin ich hungrig?" oder "Wie ist meine Stimmung?".

Das Ergebnis zeigte, dass der Blutzuckerspiegel zwar mit der Stimmung in Verbindung steht, diese Beziehung jedoch stark davon abhängt, ob man sich bewusst ist, dass man hungrig ist. Mit anderen Worten, es ist weniger die unbewusste direkte Wirkung der Blutzuckerveränderung, die Wut erzeugt, sondern vielmehr das Bewusstsein für den eigenen Hunger und Energiemangel, das die Stimmung stark beeinflusst.

Diese Entdeckung ist wichtig, um das Verständnis von schlechter Laune durch Hunger zu vertiefen.
Denn wenn das Bewusstsein für den Hunger die Stimmung beeinflusst, könnte es umgekehrt möglich sein, die Art und Weise, wie man den Hunger wahrnimmt, zu ändern, um die Wut zu regulieren.


"Bevor ich sage, dass ich wütend bin, könnte ich hungrig sein"

Das Problem mit der Gereiztheit durch Hunger ist, dass die Betroffenen oft nicht erkennen, dass der Hunger die Ursache ist.

Zum Beispiel an einem arbeitsreichen Nachmittag, an dem das Mittagessen ausgelassen wurde. Eine E-Mail erscheint plötzlich unfreundlich. Schritte klingen lauter. Ein Widerspruch in einer Besprechung wirkt aggressiver als sonst.

Das Gehirn interpretiert dies nicht unbedingt als "Ich bin unzufrieden, weil ich hungrig bin". Vielmehr wird es als "Die andere Person ist unhöflich", "Diese Umgebung ist unangenehm" oder "Ich bin zu Recht wütend" interpretiert.

Psychologische Studien weisen auch darauf hin, dass Hunger je nach Kontext eher als Wut oder Unzufriedenheit interpretiert wird. Das bedeutet, dass Hunger nicht automatisch Wut erzeugt, sondern bestehende unangenehme Situationen oder Reize verstärken kann.

Dies stimmt mit alltäglichen Erfahrungen überein. Vor einem angenehmen Abendessen kann ein wenig Hunger nicht so sehr reizen. Doch bei Stau, Termindruck, Schlafmangel oder zwischenmenschlichem Stress kann derselbe Hunger schnell zu schlechter Laune führen.

Hunger ist vielleicht nicht der Funke der Wut, sondern eher das Öl, das bestehende Unzufriedenheit anheizt.


Auf sozialen Medien gibt es viele "Das kenne ich"-Reaktionen

 

Auf sozialen Medien und Foren gibt es viel Zustimmung zu den Erfahrungen, "gereizt zu sein, wenn man hungrig ist".

In englischsprachigen Foren gibt es viele Erklärungen zu der Frage "Warum werden wir wütend, wenn wir hungrig sind?", darunter Blutzuckerspiegel, Stresshormone, Energiemangel im Gehirn und evolutionäre Überlebensreaktionen. Einige teilen auch Geschichten aus ihrem Familien- oder Partnerleben, wie "Ich diskutiere nichts Wichtiges, bevor ich gegessen habe" oder "Ich wurde nach dem Essen um Entschuldigung gebeten".

Auch im japanischsprachigen Raum sind Beiträge wie "Ich werde schlecht gelaunt, wenn ich hungrig bin", "Ich möchte nicht mit Menschen sprechen, wenn ich hungrig bin" oder "Ich denke erst nach, nachdem ich etwas gegessen habe" nicht selten. In letzter Zeit gibt es auch Beiträge, die den Ausdruck "Hunger-Management" verwenden, um die Gereiztheit durch Hunger zu kontrollieren, und die zeigen, dass das Timing der Mahlzeiten oder Snacks die Konzentration und Stimmung beeinflussen kann.

Es gibt jedoch auch kritische Reaktionen auf sozialen Medien.
"Nur weil man hungrig ist, heißt das nicht, dass man andere angreifen darf", "Hangry als Entschuldigung zu verwenden, ist falsch", "Man sollte seine Laune selbst im Griff haben" sind einige der Meinungen.

Diese Hinweise sind wichtig.
Auch wenn die Wissenschaft zeigt, dass "Hunger gereizt machen kann", ist das kein Grund, andere zu verletzen. Vielmehr kann das Wissen darüber helfen, selbst Maßnahmen zu ergreifen.


"Wenn man isst, wird man wieder fröhlich" – ist das wirklich so?

Eine häufige Reaktion auf sozialen Medien ist: "Wenn ich esse, sieht die Welt plötzlich freundlicher aus". Das klingt wie ein Witz, stimmt aber mit den Forschungsergebnissen überein.

Bei Hunger signalisiert der Körper einen Energiemangel. Die Stimmung kann sich verschlechtern, und man neigt dazu, Reize negativ zu interpretieren. Wenn man dann isst, verändert sich der körperliche Zustand und man kehrt allmählich vom "Krisenmodus" in den Normalzustand zurück.

Natürlich verschwindet nicht jede Wut, wenn man isst. Manchmal liegen die Ursachen der Wut tatsächlich in zwischenmenschlichen Beziehungen oder beruflichen Problemen. Doch wenn der Hunger die Wut verstärkt hat, kann eine Mahlzeit die Intensität der Emotionen senken und eine ruhigere Neubewertung ermöglichen.

Wichtig ist, den körperlichen Zustand zu überprüfen, bevor man entscheidet, "ob man die Wut sofort an jemandem auslassen sollte".

"Wann habe ich zuletzt gegessen?"
"Habe ich genug getrunken?"
"Habe ich genug geschlafen?"
"Bin ich erschöpft?"

Solche Überprüfungen können eine kleine Bremse für emotionale Ausbrüche sein.


Menschen, die ihren Hunger erkennen, könnten stabilere Stimmungen haben

Die eBioMedicine-Studie betont auch die Bedeutung der Genauigkeit der interozeptiven Wahrnehmung, also der Fähigkeit, Signale aus dem Körperinneren wie Herzschlag, Hunger, Sättigung, Müdigkeit und Anspannung wahrzunehmen.

Die Studie zeigte, dass Menschen, die Veränderungen im Hungergefühl und Blutzuckerspiegel genauer wahrnehmen können, möglicherweise weniger Stimmungsschwankungen erleben. Das ist sehr interessant.

Menschen, die unempfindlich gegenüber Hunger sind, könnten unbewusst gereizter werden und plötzlich explodieren. Im Gegensatz dazu können Menschen, die frühzeitig erkennen, "Oh, das ist vielleicht Hunger und nicht Wut", Entscheidungen treffen wie Essen, eine Pause einlegen oder wichtige Gespräche verschieben.

Dies ist sowohl ein Problem der Emotionskontrolle als auch der Kommunikation mit dem Körper.

Wir neigen dazu, Wut als "psychisches Problem" zu betrachten. Tatsächlich ist die Psyche jedoch nicht vom Körper getrennt. Blutzuckerspiegel, Hungergefühl, Schlaf, Müdigkeit, Hormone und Umweltstress überlappen sich und formen unsere Stimmung.


Was man bei Hunger vermeiden sollte

Bei Hunger sollte man irreversible Entscheidungen vermeiden.

Zum Beispiel eine Antwort im Affekt.
Starke Worte gegenüber Partnern oder Familienmitgliedern.
Übermäßig strenge Kritik an Untergebenen oder Kollegen.
Aggressive Beiträge in sozialen Medien.
Impulsive Einkäufe oder Essanfälle.

Das Gehirn neigt dazu, Unbehagen bei Hunger zu überschätzen. Wenn man später zurückblickt und sich fragt, "Warum war ich so wütend?", könnte das nicht nur ein Charakterproblem sein, sondern auch eine Beeinflussung der Entscheidungsfindung durch den körperlichen Zustand.

Besonders in sozialen Medien ist Vorsicht geboten. Der Abstand zum "Posten"-Button ist kurz, und Emotionen, die durch Hunger oder Müdigkeit verstärkt werden, können leicht in Worte gefasst werden. Wenn man bei Hunger einen wütenden Beitrag verfassen möchte, sollte man zuerst Wasser trinken, einen Snack essen, einen kurzen Spaziergang machen oder den Beitrag als Entwurf speichern. Schon das könnte helfen, bedauerliche Äußerungen zu reduzieren.


Vorbeugung ist besser als "Durchhalten"

Um Gereiztheit durch Hunger zu verhindern, ist Vorbeugung hilfreicher als Willenskraft.

Zunächst sollte man die Abstände zwischen den Mahlzeiten nicht zu groß werden lassen. An hektischen Tagen neigt man dazu, das Essen aufzuschieben, aber wenn man ohne Mittagessen in ein abendliches Meeting oder die Hausarbeit geht, kann die Stimmung instabil werden.

Zweitens sollte man immer etwas Essbares bereithalten. Nüsse, Joghurt, Obst, Käse, gekochte Eier oder Vollkornbrot, die den Blutzuckerspiegel nicht stark schwanken lassen, sind hilfreich, um Hunger zu vermeiden.

Auch Flüssigkeitsmangel kann mit Hunger oder Müdigkeit verwechselt werden. Manchmal stellt sich heraus, dass man durstig war, wenn man gereizt ist. Flüssigkeitszufuhr ist ebenso Teil des Emotionsmanagements wie Nahrung.

Am wichtigsten ist es, zu wissen, wie man sich verändert, wenn man hungrig ist. Manche werden schläfrig, andere reizbar, manche können sich nicht konzentrieren, andere bekommen Kopfschmerzen. Die Reaktionen sind von Person zu Person unterschiedlich. Auf sozialen Medien werden auch verschiedene Erfahrungen geteilt, wie "Ich werde eher schläfrig als wütend", "Meine Konzentration lässt nach" oder "Ich fühle ein Zittern".

Wenn man seine eigenen Muster kennt, kann man leichter Gegenmaßnahmen ergreifen.


"Es ist nicht unvermeidlich, weil ich hungrig bin, sondern ich sollte mich zuerst darum kümmern"

Ein Missverständnis bei diesem Thema ist, dass wissenschaftliche Erklärungen nicht mit Verantwortungslosigkeit verwechselt werden dürfen.

Hunger kann gereizt machen.
Das ist eine natürliche Reaktion, die vielen Menschen passieren kann.
Aber das bedeutet nicht, dass man andere angreifen darf.

Wenn man weiß, dass Hunger die Stimmung beeinflusst, kann man entscheiden: "Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt für ein Gespräch", "Ich sollte zuerst etwas essen" oder "Ich schaue mir diese Antwort nach dem Essen noch einmal an".

Man kann Wut nicht vollständig eliminieren.
Aber man kann vermeiden, die Quelle der Wut falsch zu interpretieren.

Vielleicht ist die Person, auf die man gerade wütend ist, nicht der eigentliche Feind.
Der Feind, den man sieht, könnte eine vorübergehende Illusion sein, die durch einen leeren Magen verursacht wird.

In diesem Licht betrachtet, ist das Phänomen "schlechte Laune, wenn man hungrig ist" nicht nur ein Witz. Es ist ein praktisches Zeichen, um die eigenen Emotionen zu verstehen und zwischenmenschliche Beziehungen zu schützen.

Beim nächsten Mal, wenn man gereizt ist, sollte man sich zuerst fragen, bevor man nach den Gründen für die Wut sucht:

"Wann habe ich das letzte Mal richtig gegessen?"

Diese eine Frage könnte einen unnötigen Konflikt verhindern.



Quellen und Referenzen

Veröffentlicht auf UOL VivaBem. Artikel über das "hangry"-Phänomen und eine