Der "andere Krieg", der nach dem Waffenstillstand beginnt – Wie Gewalt über Generationen hinweg wirkt

Der "andere Krieg", der nach dem Waffenstillstand beginnt – Wie Gewalt über Generationen hinweg wirkt

1. Was nach dem "Ende des Krieges" beginnt

Wir möchten glauben, dass Kriege mit einem Waffenstillstandsabkommen oder einem Friedensvertrag enden. Doch in Wirklichkeit bleibt die Gewalt in anderer Form lange bestehen, auch nachdem die Schüsse verstummt sind. Während sichtbare Zerstörungen durch den Wiederaufbau beseitigt werden, prägen Angst, Vorurteile, Armut und das "Stigma", das sich in Familien und Gemeinschaften eingeprägt hat, weiterhin still das Leben der nächsten Generation.


Diese Abhandlung konfrontiert uns mit der Tatsache, dass "Krieg nicht Vergangenheit ist". Krieg überlebt in der Gegenwartsform durch Lücken in der Erinnerung und den Institutionen sowie durch die Blicke der Umgebung. Am stärksten betroffen sind dabei die Kinder, die keinerlei Verantwortung für den Krieg tragen.


2. Norduganda — Bis zur Geburt der "dritten Generation"

Ein Beispiel ist Norduganda. Während eines langwierigen Bürgerkriegs wurde ein Mädchen von einer bewaffneten Gruppe entführt. Sie wurde als Kind aus der Schule geholt, gefangen gehalten und war gezwungen, an Kämpfen teilzunehmen und sexuelle Gewalt zu erleiden. Ihre Tochter, die in dieser Umgebung geboren wurde, war von Anfang an von einer Realität umgeben, die sie nicht beeinflussen konnte.


Schließlich fliehen Mutter und Tochter. Doch die Rückkehr ist nicht immer eine "Erlösung". Die Gemeinschaft betrachtet sie mit Angst und Misstrauen. Sie werden als "Familie von Rebellen" oder "gefährliche Abstammung" abgestempelt und sowohl in der Schule als auch in familiären Beziehungen ausgeschlossen. Ihr Wohnsitz ist instabil, ihre Ausbildung wird unterbrochen, und sie müssen arbeiten, um zu überleben.


Das Grausamste ist, dass es dort nicht endet. Auch die Tochter wird Opfer von Gewalt und bringt ein weiteres Kind zur Welt. So wird ein Kind der dritten Generation geboren, das ein von Krieg geprägtes Leben führt, obwohl der Krieg offiziell vorbei ist. Dies ist der Moment, in dem sich der Krieg von einem "Ereignis" zu einer "Struktur" wandelt.


3. Was über Generationen weitergegeben wird, ist nicht die Waffe, sondern das "Stigma"

Der Kern der Abhandlung liegt darin, dass die Übertragung von Gewalt zwischen Generationen nicht nur durch physische Gewalt erfolgt. Diskriminierung und Stigmatisierung können selbst zu anhaltender Gewalt werden.


Was passiert, wenn ein Kind als "gewalttätig", "verflucht" oder "schlechtes Blut" bezeichnet wird? Egal wie sehr das Kind versucht, normal zu leben, die Umgebung hat bereits eine "Geschichte des Zweifels" vorbereitet. Es wird in der Schule isoliert, bei der Arbeitssuche abgelehnt und hat keinen Zugang zu Rechten wie Land, Erbschaft oder Staatsbürgerschaft. Schließlich führt der Ausschluss zu Armut, Armut erhöht die Spannungen in der Familie und das Risiko von Gewalt in der Familie und der Gemeinschaft steigt.


Selbst wenn die "direkten Schäden" des Krieges vorbei sind, wird die nächste Generation weiterhin im Schatten des Krieges leben, solange das von der Gesellschaft geschaffene "unsichtbare Gefängnis" bestehen bleibt. Wenn ein Betroffener sagt, "der Krieg, dem ich jetzt gegenüberstehe, ist das Stigma", ist das keine Metapher, sondern eine Definition der Realität.


4. "Opfer sexueller Gewalt" werden zunehmend thematisiert — aber "deren Kinder" bleiben unsichtbar

In den letzten Jahren wurde sexuelle Gewalt in Konflikten international als "Waffe des Krieges" anerkannt, und es gibt eine wachsende Diskussion über Opferunterstützung und Bestrafung. Doch die Kinder, die in diesem Kontext geboren werden, werden oft aus der Diskussion ausgeschlossen.


Die Gründe sind vielfältig.

  • Die Opfer selbst werden zum Schweigen gebracht, und die Herkunft der Kinder wird geheim gehalten

  • Die Gemeinschaft hüllt die Kinder in Geschichten von "Schande" und "Unreinheit" und schließt sie aus

  • Die Gesetzgebung ist unzureichend, und Fragen der Identität, Erbschaft und Staatsangehörigkeit bleiben ungelöst

  • Die Unterstützung konzentriert sich auf "Kämpfer", "Flüchtlinge" und "weibliche Opfer", wodurch die Kinder durch das Raster fallen


Infolgedessen verschwinden die Kinder, die eng mit dem Krieg verbunden sind, von der Diskussionsagenda nach dem Krieg. Wenn sie unsichtbar sind, gibt es keine Politik oder Budget für sie. Der Teufelskreis wird dadurch verfestigt.

5. Dennoch — nicht nur Wunden, sondern auch "vererbte Stärke"

Diese Abhandlung ist ehrlich, weil sie die Genealogie von Familien nicht nur auf eine "Kette von Traumata" reduziert. Je stärker der Schatten der vergangenen Gewalt, desto mehr können erstaunliche Widerstandskraft und Freundlichkeit entstehen.


Die Erinnerung an eine Mutter, die ihr Kind mit ihrem Leben beschützt hat. Die Tatsache, dass sie während der Flucht nicht losgelassen hat. Die Zeit, in der sie trotz fehlender Nahrung und Sicherheit immer wieder die Entscheidung getroffen haben, zu überleben. Diese sind nicht nur Aufzeichnungen einer Tragödie, sondern werden für das Kind zur Wurzel des Gefühls, dass "ich beschützt wurde" und "ich kann meine Zukunft wählen".


Der Autor betrachtet dies nicht als individuelle Willenskraft, sondern als "generationenübergreifende Resilienz". Innerhalb von Beziehungen werden Bedeutung, Überlebensstrategien und Hoffnung weitergegeben. Was aus der Dunkelheit geboren wurde, zeigt die Möglichkeit, nicht nur in Dunkelheit zu enden.


6. Was ist notwendig? — Anerkennung als "Rechtssubjekt"

Die Schlussfolgerung ist klar. Solange wir den Krieg als "vergangenes Ereignis" behandeln, lassen wir die nächste Generation im Stich. Was notwendig ist, ist, die "im Krieg geborenen Kinder" nicht als Symbole der Vergangenheit oder Skandale, sondern als Rechtssubjekte in die gegenwärtigen Systeme zu integrieren.


Konkret bedeutet das:

  • Die Stimmen der Betroffenen in den Versöhnungs- und Wiedereingliederungsprozess einbeziehen

  • Stigmatisierung durch Entschädigung und Aufklärung in der Gemeinschaft reduzieren

  • Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und Beschäftigung effektiv gestalten

  • Rechte wie Erbschaft, Land und Staatsbürgerschaft klar definieren


Wichtig ist dabei, es nicht als "Hilfe aus Mitleid", sondern als "Rechtsfrage" zu behandeln. Mitleid ist vorübergehend, Rechte sind nachhaltig. Im Mittelpunkt der Unterstützung sollte die Würde der Betroffenen stehen.



Reaktionen in den sozialen Medien (Zusammenfassung der Tendenzen)

※ Im Folgenden sind die auf sozialen Medien häufig zu beobachtenden Argumente und Reaktionen als "Tendenzen zusammengefasst". Es handelt sich nicht um Zitate spezifischer Beiträge.


Empathie und Schock: "Der Krieg ist nicht vorbei"

  • "Ich dachte, ein Waffenstillstand sei die Lösung. Es ist beängstigend, dass der Blick der Gesellschaft zur Gewalt wird."

  • "Der Ausdruck 'Krieg nach dem Krieg' trifft ins Schwarze. Auch in Japan könnte es in anderer Form passieren."

  • "Es ist so ungerecht, dass das Leben eines Kindes durch seine 'Herkunft' bestimmt wird, obwohl es keine Schuld trägt."

Problemstellung: "Es reicht nicht aus, nur die Täter zu bestrafen"

  • "Die Verantwortung für sexuelle Gewalt zu verfolgen, ist selbstverständlich. Aber die Systeme für die Kinder 'danach' sind schwach."

  • "Es gibt Momente, in denen die Diskussion über Gerechtigkeit davon abweicht, 'wen sie retten soll'."

  • "Es ist realistisch, die Diskussion auf Staatsangehörigkeit, Erbschaft und Bildung zu lenken. Wenn wir das nicht korrigieren, wird es sich fortsetzen."

Schwierigkeit und Distanz: "Gerade weil es ein schweres Thema ist, wird es ignoriert"

  • "Es ist schwer, es bis zum Ende zu lesen, weil es so schmerzhaft ist. Aber es gibt eine 'Realität, die man nicht lesen kann'."

  • "Man sagt, man solle die Stimmen der Betroffenen hören, aber die Gesellschaft ist nicht bereit, sie aufzunehmen."

Widerspruch und Missverständnis: "Die Verbalisation von Vorurteilen ist notwendig"

  • "Es gibt Menschen, die zuerst das Gefühl haben, dass 'Kinder von Rebellen' beängstigend sind."

  • "Deshalb müssen wir die 'Ausschlüsse, die durch Gefährdung entstehen', in Worte fassen und auflösen."



Quellen