Zerstören soziale Netzwerke die Kinder oder sind es die schlaflosen Nächte?

Zerstören soziale Netzwerke die Kinder oder sind es die schlaflosen Nächte?

Erzeugt die soziale Medien selbst die Ängste der Kinder?

„Lange Nutzung von sozialen Medien ist schlecht für die Psyche der Kinder.“

Solche Aussagen sind heutzutage nicht ungewöhnlich. Doch eine kürzlich veröffentlichte Studie, die Aufmerksamkeit erregt hat, bremst diese populäre Schlussfolgerung ein wenig und bietet gleichzeitig eine nicht zu ignorierende Warnung.

Eine Studie, die Kinder in London verfolgte, zeigte, dass Kinder, die im Alter von 11 bis 12 Jahren mehr als drei Stunden täglich soziale Medien nutzen, im Alter von 13 bis 15 Jahren eher Symptome von Angst und Depressionen entwickeln. Diese Zahlen klingen nach einer starken Botschaft. Doch die Forscher warnen davor, die Sache zu vereinfachen.

Das Problem liegt weniger in der „Existenz der sozialen Medien“ selbst, sondern vielmehr darin, welchen Lebensrhythmus sie rauben, welche emotionalen Zyklen sie erzeugen und welche Nächte sie den Kindern bescheren.

Der wichtigste Punkt in dieser Diskussion ist der Schlaf.

Kinder erholen ihr Gehirn und ihre Emotionen für den nächsten Tag durch Schlaf in der Nacht. Doch soziale Medien können diesen Umschaltprozess verzögern. Es könnte eine Benachrichtigung kommen. Jemand könnte etwas geschrieben haben. Es könnte ein Thema geben, das man verpasst. Solche Gedanken halten den Kopf der Kinder auch im Bett online.

Auch Erwachsene kennen das.

Man denkt „Ich gehe jetzt schlafen“ und öffnet das Smartphone nur für fünf Minuten. Plötzlich sind 30 Minuten oder sogar eine Stunde vergangen. Für Kinder ist dieser Zeitfluss noch intensiver, da in ihrem Alter alles von ihrem Platz in der Gruppe, Freundschaften, Trends, Bewertungen bis hin zur Bedeutung von Schweigen auf der Timeline geschieht. Das Smartphone vor dem Schlafengehen wegzulegen, bedeutet nicht nur, das Gerät abzulegen, sondern sich auch vorübergehend von der Gruppe zurückzuziehen.

Deshalb zeigt die aktuelle Studie etwas Lebendigeres als nur das Schlagwort „Lange Nutzung ist schlecht“.

Soziale Medien wirken nicht wie ein Gift, das die Psyche der Kinder auf einen Schlag zerstört. Vielmehr rauben sie Nacht für Nacht ein wenig Schlaf, erhöhen den Vergleich, beunruhigen die Gefühle und senken die Konzentration und das Selbstwertgefühl am nächsten Tag. Diese Anhäufung kann Jahre später zu Symptomen von Angst und Depressionen führen. Diese Sichtweise ist realistischer.

Das Problematische ist zudem, dass soziale Medien für Kinder nicht „nur Unterhaltung“ sind.

Kommunikation mit Freunden, Beziehungen außerhalb der Schule, das Teilen von Trends, Selbstausdruck und das Ausdrücken von Sorgen – all das findet heutzutage oft dort statt. Daher kann man nicht einfach sagen, dass eine Trennung die Lösung ist. Tatsächlich sind die Reaktionen auf soziale Medien zu diesem Thema nicht einfach auf ein Verbot beschränkt.

Eine der auffälligen Reaktionen ist das Teilen des Gefühls „Das habe ich mir schon gedacht“.

In Beiträgen von Eltern und Pädagogen gibt es viele Stimmen, die berichten, dass sie regelmäßig die müden Gesichter von Kindern sehen, die bis spät in die Nacht ihr Smartphone halten, ihre morgendliche Unzufriedenheit und ihre Unruhe, die durch Benachrichtigungen verursacht wird. Für sie ist die aktuelle Studie weniger eine neue Entdeckung als vielmehr eine wissenschaftliche Bestätigung dessen, was sie schon lange gefühlsmäßig wussten.

Doch es gibt auch eine scharfe Reaktion.

Diese lautet: „Der Sprung zu einem vollständigen Verbot ist gefährlich.“ In den veröffentlichten Diskussionen fällt auf, dass nur die Schlagzeilen alleine kursieren und dass sogar noch in der Prüfungsphase befindliche Politiken als festgelegte Routen diskutiert werden. Die Studie zeigt, dass die Beziehung zwischen sozialen Medien und der Psyche komplex ist und dass insbesondere der Schlaf eine große Rolle spielt. Daraus sofort zu schließen, dass „das Löschen von sozialen Medien das Problem löst“, ist auch wissenschaftlich unsauber.

Darüber hinaus wird von den jungen Betroffenen eine andere Realität beschrieben.

Soziale Medien sind in der Tat anstrengend. Es gibt unangenehme Beiträge. Es gibt Vergleiche des Aussehens und Verleumdungen. Dennoch sind sie ein Fenster zur Verbindung mit Familie und Freunden im Ausland, ein Ort, um Hobbys und Kreationen zu präsentieren, und ein Ort, um sich außerhalb der Schule zu behaupten. Wenn Erwachsene sagen „Es ist gefährlich, also nehmen wir alles weg“, könnten Kinder sich eher unverstanden und ihrer Lebensweise beraubt fühlen, als geschützt.

Hier liegt die Schwierigkeit dieses Problems.

Soziale Medien sind kein klar definiertes gefährliches Objekt wie ein Messer. Sie können nützlich sein, aber auch Menschen in die Enge treiben. Und in vielen Fällen wird dieser Unterschied nicht nur durch die Nutzungsdauer, sondern auch durch den Inhalt, die Uhrzeit, das familiäre Umfeld, Freundschaften, das Selbstwertgefühl und das Design der Plattformen bestimmt.

Deshalb sollte die eigentliche Frage nicht „Zulassen oder verbieten“ sein.

Vielmehr sollte diskutiert werden, welches Design den Schlaf in der Nacht schützen kann. Welche Mechanismen können übermäßige Vergleiche reduzieren? Welche Bildung kann Kindern helfen, sich nicht zu sehr von Algorithmen leiten zu lassen und selbst Distanz zu wahren? Wenn die Diskussion nicht in diese Richtung geht, endet das Problem immer in einem gegenseitigen Schuldzuweisen, dass „das Smartphone schlecht ist“, „die Eltern schuld sind“ oder „die Kinder schwach sind“.

Tatsächlich bewegt sich auch die politische Diskussion in diese Richtung.
Die britische Regierung prüft nicht nur die Festlegung eines Mindestalters, sondern auch das Design, das zur langen Nutzung anregt, wie endloses Scrollen und automatische Wiedergabe. Dies ist wichtig, da die Gefahr nicht im Gerät selbst steckt, sondern möglicherweise in den Mechanismen, die es Kindern schwer machen, sich davon zu lösen.

Auch Eltern und Schulen können viel tun.
Das Smartphone nachts nicht ins Schlafzimmer mitnehmen. Benachrichtigungen ausschalten. Eine bestimmte Zeit vor dem Schlafengehen vom Bildschirm fernbleiben. Den Schlaf nicht durch „Willenskraft“, sondern durch die Umgebung schützen. Darüber hinaus sollten Kinder lernen, nicht alles, was sie in sozialen Medien sehen, unkritisch zu übernehmen, sondern zu hinterfragen, „warum dieser Beitrag erscheint“ und „wer davon profitiert“. Diese Maßnahmen sind unscheinbar, könnten aber wirksamer sein als ein vollständiges Verbot.

Wenn wir die Ängste der Kinder wirklich reduzieren wollen, müssen wir genauer wissen, wovor wir Angst haben.
Es ist nicht das Wort „soziale Medien“ selbst, das beängstigend ist.
Es ist das Design, das die Schlafzeit verkürzt, den Vergleich zur Gewohnheit macht und die Reize unaufhörlich hält, das sich in die noch empfindlichen Herzen eingräbt.

Und wir dürfen nicht vergessen, dass Kinder nicht nur Opfer sind.
Sie sind Nutzer und Teilnehmer dieses Raums, manchmal abhängig, manchmal gerettet. Daher ist es notwendig, nicht die Vorstellung zu haben, Kinder vollständig aus dem Internet zu verbannen, sondern das Internet so umzugestalten, dass es für Kinder weniger schädlich ist.

Es ist einfach, mit „Soziale Medien sind schlecht“ abzuschließen.
Doch wirklich schwierig ist, was danach kommt.
Benachrichtigungen, die zum Wachbleiben verleiten, endlose Empfehlungen, Vergleiche, die das Selbstwertgefühl mindern, und unausweichliche Beziehungen. Wenn wir die Probleme korrekt benennen können, werden auch die Maßnahmen endlich konkret. Genau das zeigt die aktuelle Studie als Einstiegspunkt.
Der Schlüssel zur Reduzierung der Ängste der Kinder liegt nicht nur darin, ihnen das Smartphone wegzunehmen. Es geht darum, ihnen eine erholsame Nacht zurückzugeben und die Gesellschaft insgesamt in eine Richtung zu lenken, die es schwieriger macht, die Aufmerksamkeit und Emotionen der Kinder auszunutzen.

 

Zur Klärung der Quellen wurde der „SNS-Reaktion“ im Text auf Basis von öffentlichen Reddit-Threads und von Reuters befragten Teenagern in drei Tendenzen unterteilt: „Erfahrungsbasiert“, „Vorsichtig“ und „Designverbesserung“. Zu den repräsentativen Diskussionen gehören Stimmen, die sagen, dass ein Verbot die Haushaltsregeln unterstützen kann, dass ein Verbot allein zur Isolation der Kinder oder zur Nutzung von Schlupflöchern führen kann, und dass die Überwachung durch Eltern und die Überprüfung des Plattformdesigns notwendig sind.

Zusammenfassung der Quellen-URLs