Erhöhtes Lungenkrebsrisiko durch Nahrungsergänzungsmittel? Gründe, warum man bei B12 und antioxidativen Vitaminen vorsichtig sein sollte

Erhöhtes Lungenkrebsrisiko durch Nahrungsergänzungsmittel? Gründe, warum man bei B12 und antioxidativen Vitaminen vorsichtig sein sollte

„Wenn der Freund der Gesundheit zum Feind wird“

„Vitamine = gut für den Körper“ ist fast schon Allgemeinwissen. Doch die Augsburger Allgemeine, eine führende Regionalzeitung in Deutschland, berichtete in einem Artikel vom 30. September 2025, dass „die Einnahme bestimmter Vitamine in hohen Dosen als Nahrungsergänzungsmittel das Lungenkrebsrisiko erhöhen kann“. Der Artikel zitiert die Meinung der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und fasst zusammen, dass die Aufnahme aus alltäglichen Lebensmitteln unproblematisch ist, jedoch bei übermäßiger Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln Vorsicht geboten ist.augsburger-allgemeine.de


Was das Risiko erhöht: Signale von B-Komplex-Vitaminen

Seit den späten 2010er Jahren gab es besorgniserregende Berichte über B-Vitamine. Besonders bei Männern — insbesondere Rauchern — zeigte eine groß angelegte Kohortenstudie (VITAL), dass diejenigen, die über einen langen Zeitraum hohe Dosen von B6 und B12 einnahmen, ein höheres Risiko für Lungenkrebs hatten. Die Studie fasst zusammen, dass das Hazard Ratio (HR) für B6 etwa 1,8 und für B12 etwa 2,0 betrug, wobei das Risiko bei Rauchern noch höher war. Der Deutsche Krebsinformationsdienst (DKFZ) erklärte 2019 diese Ergebnisse neutral und wies darauf hin, dass eine übermäßige Ergänzung das Zellwachstum fördern könnte.krebsinformationsdienst.de


Beobachtungsstudien allein können keine Kausalität feststellen. Doch internationale Gemeinschaftsstudien aus derselben Zeit berichteten auch von einem „Dosis-Wirkungs-Zusammenhang“, wonach Personen mit hohen B12-Blutkonzentrationen häufiger an Lungenkrebs erkrankten. Obwohl die Angelegenheit nicht vollständig geklärt ist, bleibt die Botschaft, dass „hohes B12 = sicher“ nicht zutrifft, unverändert.PMC


Die „umgekehrte Wirkung“ von antioxidativen Vitaminen: BACH1 fördert Tumorblutgefäße

Auch die Vereinfachung „Antioxidantien = gut“ wurde abrupt gestoppt. Eine im Jahr 2023 im JCI veröffentlichte Grundlagenforschung zeigte, dass Antioxidantien wie Vitamin C, E und A über den Transkriptionsfaktor BACH1 die Neubildung von Tumorblutgefäßen stimulieren und eine Umgebung schaffen, die das Wachstum und die Metastasierung fördert. Die normale Aufnahme aus Lebensmitteln ist unproblematisch, aber die „Überdosierung“ durch Nahrungsergänzungsmittel könnte Tumore begünstigen.jci.org


Eine Ausnahme: Vitamin D könnte bei „täglicher Einnahme“ die Sterblichkeitsrate senken

Auch wenn es sich um dasselbe „Vitamin“ handelt, zeigt sich bei D ein anderes Bild. Eine Metaanalyse des DKFZ (14 Studien, ca. 105.000 Personen) schätzte, dass nur bei täglicher Einnahme die Krebssterblichkeitsrate um etwa 12 % gesenkt werden könnte. Hingegen wird bei monatlicher oder seltenerer Einnahme die Wirkung als unklar angesehen. Entscheidend ist also, „was, wem, wie viel und in welchem Zeitplan“ verabreicht wird. Deutsches Krebsforschungszentrum


Grundlegende Linie der DKG/öffentlicher Institutionen

Die Patienteninformationen der Deutschen Krebsgesellschaft machen klar, dass der Grundsatz lautet: „Aus der Nahrung, Nahrungsergänzungsmittel sind die Ausnahme“. Eine Ergänzung sollte nur in Betracht gezogen werden, wenn es medizinische Gründe wie Schwangerschaft oder Absorptionsstörungen gibt, und es wird empfohlen, den Blutspiegel zu messen und einen Arzt zu konsultieren — denn Überdosierung kann ein Risiko darstellen. krebsgesellschaft.de


Wie reagierten die sozialen Medien: Drei „Stimmen“

1) Skeptiker: „Können Nahrungsergänzungsmittel Tumore fördern?“

Als der JCI-Artikel für Aufsehen sorgte, verbreiteten sich auf dem Wissenschafts-Subreddit von Reddit Überraschung und Verwirrung über die Vorstellung, dass antioxidative Nahrungsergänzungsmittel Tumorblutgefäße fördern könnten. In den Kommentaren gab es auch viele besonnene Hinweise wie „Die Menge ist entscheidend“ und „Verwechsle nicht Nahrung und Nahrungsergänzungsmittel“.Reddit


2) Gegenreaktion und Verschwörungstheorien: „Eine Verschwörung der Pharmaindustrie“

Es gibt auch hartnäckige Stimmen, die die Forschung als „Angriff“ auf Nahrungsergänzungsmittel abtun. Viele, die sich zu einer hohen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln bekennen, posten, dass es Kräfte gibt, die diese einschränken wollen. Die Diskussion weicht oft von den entscheidenden Punkten „Dosis, Zielgruppe, Verabreichungsdesign“ ab.Reddit


3) Problem der Informationsumgebung: „Vorteile werden überbetont, Risiken bleiben unsichtbar“

Medienforschung berichtet, dass über 80 % der beliebten Videos zu Nahrungsergänzungsmitteln „die Wirkung betonen und die Risiken nicht erwähnen“. Informationen, die durch Algorithmen verbreitet werden, müssen sorgfältig geprüft werden.PMC


Praktische „Grenzziehung“ — wie entscheidet man?

  • Zuerst die Lebensgewohnheiten: Nichtrauchen und Vermeidung von Passivrauchen haben höchste Priorität bei der Vorbeugung von Lungenkrebs. Nahrungsergänzungsmittel können dies nicht ausgleichen.

  • Ernährung zuerst: Vitamine sollten grundsätzlich aus Lebensmitteln stammen. Dunkelgrünes Gemüse, Obst, Fisch und Milchprodukte sind ausreichend. Auch öffentliche Institutionen vertreten diese Position.krebsgesellschaft.de

  • Nahrungsergänzungsmittel im „medizinischen Kontext“: Wenn ein Mangel vermutet wird oder es aus therapeutischen Gründen notwendig ist, sollte die Dosierung, Dauer und Wechselwirkung in Absprache mit einem Arzt geplant werden.

  • Zu vermeidende Fälle: Hohe Dosen von Vitamin B6/B12 bei Rauchern über einen längeren Zeitraum. Frühere Studien zeigten hier die stärksten Risikosignale.krebsinformationsdienst.de

  • Die Rolle von D: Bei unzureichender Versorgung durch Sonnenlicht oder Ernährung ist eine Ergänzung in Betracht zu ziehen. Allerdings ist die tägliche geringe Dosis und die Überwachung des individuellen Blutspiegels entscheidend. Die Wirkung beschränkt sich auf die Senkung der Sterblichkeitsrate, nicht jedoch auf die Prävention der Entstehung selbst.Deutsches Krebsforschungszentrum

  • „Vorsicht bei hoher antioxidativer Dosierung“: Mechanismen, die die Tumorangiogenese durch C/E/A fördern, werden sichtbar. Eine gleichzeitige Anwendung während der Behandlung sollte unbedingt mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.jci.org


Fazit: Die Evidenz weist auf „Maßhalten“ hin

Vitamine haben nicht nur eine Seite. Hohe Dosen von B12/B6-Nahrungsergänzungsmitteln könnten mit Lungenkrebs schlecht verträglich sein, und auch der „Mythos der guten Antioxidantien“ wurde in Frage gestellt. Andererseits zeigt sich bei D ein Lichtblick, dass nur bei täglicher Einnahme die Sterblichkeitsrate gesenkt werden kann. Weder Übermaß noch Mangel, sondern die geringste wirksame Dosis entsprechend der Individualität im Rahmen der Medizin festzulegen — das ist die „optimale Lösung“ im Jahr 2025.augsburger-allgemeine.de


※ Dieser Artikel ist ein erläuternder Bericht, der auf Primärinformationen von öffentlichen Institutionen und begutachteten Artikeln basiert und keine Anweisung für medizinisches Handeln darstellt. Bitte konsultieren Sie vor Beginn, Abbruch oder Änderung der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln unbedingt medizinisches Fachpersonal.


Referenzartikel

Lungenkrebs: Diese Vitamine könnten das Risiko erhöhen - Augsburger Allgemeine
Quelle: https://www.augsburger-allgemeine.de/gesundheit/lungenkrebs-diese-vitamine-koennen-das-risiko-erhoehen-30-9-25-102821200