Menschen haben 33 verschiedene Sinne!? Geschmack ist nicht nur "Zunge": Warum Tomatensaft im Flugzeug besser schmeckt – die faszinierende Wissenschaft der Sinne

Menschen haben 33 verschiedene Sinne!? Geschmack ist nicht nur "Zunge": Warum Tomatensaft im Flugzeug besser schmeckt – die faszinierende Wissenschaft der Sinne

„Der Mensch hat fünf Sinne“ – diese Redewendung ist sowohl im Schulunterricht als auch im Alltag allzu vertraut. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten. Es ist sicherlich praktisch und intuitiv. Doch die neuesten Diskussionen gehen weit über dieses Konzept hinaus. „Wir nutzen möglicherweise nicht nur fünf Sinne, sondern über 20, in manchen Fällen sogar 33.“ Was würden Sie denken, wenn Sie so etwas hören? Wären Sie überrascht? Skeptisch? Oder würden Sie sagen: „Wenn man es so betrachtet, macht es Sinn“?


Ein Artikel, den ScienceDaily vorstellt (bereitgestellt von The Conversation), weist darauf hin, dass die „Einteilung in fünf Sinne“ für die moderne Sinnesforschung zu eng geworden ist. Unser Körper verarbeitet die Welt nicht nur mit Augen und Ohren. Selbst wenn wir auf einen Bildschirm starren, empfangen wir ständig eine Vielzahl von Signalen, wie Muskelspannung, Körperneigung, Atemtiefe, Magenzustand, Körpertemperatur und das Gefühl von Kleidung auf der Haut. Diese Signale sind keine getrennten Alarme, sondern vermischen sich zu einer „einzigen Erfahrung“.


Warum „fünf Sinne“ nicht ausreichen: Wir erleben immer „gemischt“

Ein Schlüsselwort in der Sinnesforschung ist „multisensorisch“. Die Wahrnehmung der Realität ähnelt eher einem Zusammenspiel mehrerer Sinne als unabhängigen „Kanälen“ für jeden Sinn. Ein gutes Beispiel ist der „Geschmack“ von Lebensmitteln. Vieles von dem, was wir als „Geschmack“ empfinden, wird nicht nur durch die Geschmacksknospen auf der Zunge bestimmt. Der Duft, der beim Kauen aufsteigt, zieht in die Nase, und die Temperatur, Viskosität, Textur und der Biss im Mund integrieren sich zu einem „Geschmackserlebnis“. Das bedeutet, dass der Geschmack nicht allein regiert, sondern in Zusammenarbeit mit Geruch und Tastsinn entsteht.


Die eigentliche Faszination des Artikels beginnt hier. Zum Beispiel kann ein Duft den Tastsinn „umschreiben“. Ein Shampoo mit einem bestimmten Duft lässt das Haar „seidiger“ erscheinen, obwohl die Formel dieselbe ist. Es ist nicht so, dass sich der Reibungskoeffizient des Haares tatsächlich verändert hat, sondern der Duft beeinflusst die Bewertung des Tastsinns und lenkt das Gehirn in eine Richtung, in der es „so fühlt“. Hier sieht man, dass die Sinne nicht getrennt existieren, sondern tatsächlich interagieren.


Es wird auch berichtet, dass selbst fettarmer Joghurt durch Duftgestaltung „reichhaltiger“ wirken kann. In der Lebensmittelentwicklung ist das „Erlebnisdesign“, das nicht nur Kalorien und Zutaten, sondern auch Duft, Viskosität und Geräusche (Kaugeräusche) umfasst, bereits ein entscheidender Faktor. Die Einteilung in fünf Sinne ist zu grob, um solche sensorischen Erfahrungen zu erklären.


Was genau sind die zusätzlichen Sinne, die auf 22 bis 33 anwachsen?

Wenn man von „33 Sinnen“ spricht, neigt man dazu, sich eine Art übernatürlichen „sechsten Sinn“ vorzustellen, aber tatsächlich sind sie viel körperlicher. Der Artikel nennt mindestens die folgenden Beispiele für Sinne.

  • Propriozeption: Das Gefühl, zu wissen, wo sich Arme und Beine befinden, auch wenn die Augen geschlossen sind.

  • Vestibulärer Sinn: Erfasst Neigungen und Beschleunigungen des Körpers mithilfe des Innenohrs. Verknüpft mit Sehen und Propriozeption.

  • Interozeption: Das Gefühl von Herzschlag, Hunger, Atemnot und Veränderungen im Körperinneren.

  • Agens: Das Gefühl, dass man seine eigenen Gliedmaßen bewegt.

  • Körpereigentum: Das Gefühl, dass dieser Arm „mein eigener“ ist. Kann bei einem Schlaganfall gestört werden.


Wichtig ist hier, dass die „zusätzlichen Sinne“ keine neu hinzugefügte Magie sind, sondern Funktionen, die der Körper bereits hatte, die aber nicht in die „Fünf-Sinne-Ordner“ passten. Die fünf Sinne sind ein hervorragender Einstieg, aber als Spezifikation des menschlichen Körpers sind sie zu stark vereinfacht.


Das Auge sieht, aber das Innenohr „neigt“ die Landschaft

Ein eindrucksvolles Beispiel, das im Artikel vorgestellt wird, ist die Illusion im Flugzeug. Wenn man den Gang im Flugzeug am Boden betrachtet und während des Starts und Aufstiegs. Optisch sollte sich nicht viel verändert haben, aber während des Aufstiegs kann es so aussehen, als ob die Nase des Flugzeugs nach oben zeigt. Dies liegt nicht daran, dass das Sehen falsch ist, sondern daran, dass die Informationen über Beschleunigung und Neigung, die das Innenohr wahrnimmt, sich mit dem Sehen vermischen und eine „solche visuelle Erfahrung“ erzeugen. Mit anderen Worten, das Sehen besteht nicht nur aus den Augen. Das „Sehen“ ist eine Handlung, die mit dem gesamten Körper aufgebaut wird.


In ähnlicher Weise wird in Ausstellungen und Experimenten berichtet, dass „das Ändern des Geräusches von Schritten dazu führen kann, dass sich der Körper leichter (oder schwerer) anfühlt“. Obwohl sich das Körpergewicht nicht geändert hat, beeinflussen auditive Hinweise die Beurteilung des Körpergefühls und verändern das Körperempfinden. An diesem Punkt beginnt die Definition von „Was ist ein Sinn?“ zu wanken.


Warum es schwierig ist, die Anzahl der Sinne zu zählen

Der Ausdruck „33 Sinne“ ist eingängig, kann aber auch leicht missverstanden werden. Denn je nachdem, wie man „Sinn“ definiert, kann die Anzahl leicht variieren. Auch der Tastsinn könnte schnell zunehmen, wenn man Druck, Vibration, Temperatur, Schmerz und Juckreiz separat zählt. Beim Geschmack hängt es davon ab, ob man sich nur auf die Grundgeschmäcker „süß, salzig...“ beschränkt oder ob man auch den Tastsinn und Geruch im Mundraum als „Geschmackserlebnis“ einbezieht.


Diese Unklarheit wird auch in den sozialen Medien stark thematisiert.


Reaktionen in den sozialen Medien: Begeisterung und Kritik

 

Das Thema ist leicht unterhaltsam, zieht aber gleichzeitig Kritik wegen „unklarer Begriffsdefinitionen“ auf sich. Ein Blick auf die Diskussionen auf Reddit zeigt beide Seiten.


In anthropologischen Gemeinschaften gibt es beispielsweise den kühlen Hinweis, dass „die Zählweise leicht willkürlich wird“. Ein Kommentar stellt fest, dass die Diskussion „in Richtung Maximalismus (so viel wie möglich zählen wollen) tendiert“ und fragt, ob die „Klassifizierung der Sinne“ nicht durch Kultur und Geschichte variieren könnte.

 
Gleichzeitig gibt es im selben Thread auch scharfe Reaktionen wie „Der Inhalt ist im Vergleich zur Überschrift dünn“ und „Es sieht aus wie ein AI-generierter Text“, was darauf hindeutet, dass sensationelle Überschriften mit Vorsicht betrachtet werden.


In einer anderen wissenschaftlichen Gemeinschaft konzentriert sich die Diskussion mehr auf die „Philosophie der Ordnung“. Es gibt Zweifel wie „Erfinden wir nicht einfach neue Namen für bestehende Sinne, indem wir sie kombinieren?“, während andere die Bedeutung der Interozeption unterstützen und sagen: „Es ist sicher, dass wir Signale im Körper wahrnehmen, die schwer bewusst zu erfassen sind, wie Blutdruck oder Kohlendioxidkonzentration.“


In einem Medienartikel (Popular Mechanics) wird die Schätzung „22 bis 33“ anhand konkreter Beispiele wie Propriozeption, Bewegungssinn, Interozeption und Körpereigentum erklärt, um dem allgemeinen Publikum zu vermitteln, dass es Bereiche gibt, die mit den „fünf Sinnen“ nicht vollständig abgedeckt werden können.


Insgesamt lassen sich die Reaktionen in den sozialen Medien in drei Typen unterteilen.

  1. Diejenigen, die es einfach interessant finden: „War es also eine Eigenschaft, dass ich so empfindlich bin?“

  2. Diejenigen, die auf Definitionen bestehen: „Es geht um die ‚Taxonomie‘ der Sinne, und es ist gefährlich, die Anzahl aufzublähen.“

  3. Diejenigen, die den Text und die Überschrift kritisch betrachten: „Sind die Grundlagen für die reißerische Überschrift nicht schwach?“


Diese Dreiteilung entsteht, weil das Thema direkt mit der „Erfahrung“ verbunden ist. Einerseits scheint es, als könnte jeder es mit seinem eigenen Körper überprüfen, andererseits sind die Grenzen der Fachbegriffe unscharf, was Raum für Verzerrungen und Übertreibungen lässt.


Wie die Diskussion über die „33 Sinne“ unser Leben verändern könnte

Um diese Diskussion nicht als bloße Kuriosität enden zu lassen, liegt der Schwerpunkt eher auf der „Designphilosophie“ als auf der „Anzahl“. Sinne arbeiten nicht als Liste getrennter Organe, sondern als integriertes System – diese Sichtweise hat Auswirkungen auf viele Bereiche.

  • Lebensmittel und Getränke: Der Geschmack wird durch Duft, Mundgefühl und Umgebungsgeräusche beeinflusst. Es gibt Spielraum, die Zufriedenheit auch bei salz- und fettarmen Produkten zu steigern.

  • Produktdesign: Haptik, Aussehen, Klang und Duft schaffen ein „Qualitätsgefühl“. Der Wettbewerb um den Erlebniswert findet nicht auf der Ebene eines einzelnen Sinnes statt.

  • VR/AR und Unterhaltung: Selbst wenn nur die visuelle Darstellung hochauflösend ist, ist das „Eintauchen“ nicht vollständig. Wenn die Körperneigung und das Gewichtsempfinden nicht übereinstimmen, treten Übelkeit und Unbehagen auf.

  • Medizin und Rehabilitation: Agens und Körpereigentum sind entscheidend für das tägliche Leben. Das Design, das Sinne „heilt“ oder „ergänzt“, reicht nicht aus, wenn man nur das Fünf-Sinne-Modell betrachtet.


Letztendlich ist die Frage „Wie viele Sinne haben Sie?“ kein Quiz mit einer einzigen richtigen Antwort. Vielmehr erinnert sie uns daran, wie komplex unser integriertes System ist, mit dem wir die Welt „weben“.


Die fünf Sinne sind eine praktische Karte. Aber die Karte ist nicht das Territorium. Duft verändert das Tastgefühl, Klang verändert das Gewicht des Körpers, und das Innenohr bestimmt die Neigung der Landschaft. Wenn man so darüber nachdenkt, könnte das, was wir als „Realität“ betrachten, eher eine „bearbeitete Version“ sein, die unser Körper als Ganzes erschafft, als die Welt, die direkt vor uns liegt.



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