Der Preis für Bequemlichkeit ist "digitale Souveränität": Das Misstrauen gegenüber US-Tech-Unternehmen wächst in Deutschland.

Der Preis für Bequemlichkeit ist "digitale Souveränität": Das Misstrauen gegenüber US-Tech-Unternehmen wächst in Deutschland.

Am Morgen nehme ich mein Smartphone in die Hand und suche auf Google nach Nachrichten.

Ich überprüfe Instagram und Facebook und bestelle Produkte bei Amazon. Bei der Arbeit nutze ich Software von Microsoft und die Cloud von US-Unternehmen, und wenn ich etwas nicht verstehe, frage ich generative KI wie ChatGPT.

Solche Szenen sind im Jahr 2026 auch in Europa nichts Besonderes.

Aber was wäre, wenn viele der digitalen Grundlagen, die dieses Leben unterstützen, von einer Handvoll riesiger Unternehmen mit Sitz in den USA bereitgestellt würden?

Eine aktuelle Umfrage in Deutschland hat hervorgehoben, dass viele Menschen diese Situation nicht einfach als "praktisch, also kein Problem" betrachten.

Laut einer von YouGov für die "Welt am Sonntag" durchgeführten Umfrage glauben 66 % der Deutschen, dass große US-Technologieunternehmen wie Amazon, Google, Meta, Apple, SpaceX und OpenAI "zu viel Einfluss in Deutschland haben".

Im Gegensatz dazu gaben 18 % an, dass sie den Einfluss nicht für zu groß halten. 17 % waren unentschlossen.

Die Umfrage wurde vom 10. bis 13. Juli 2026 unter 2411 Personen durchgeführt.※1

Betrachtet man nur die Zahlen, könnte dies als Nachricht interpretiert werden, dass die Ablehnung gegenüber US-Tech-Unternehmen in Deutschland zunimmt.

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass das eigentliche Problem nicht einfach in antiamerikanischen Gefühlen oder der Ablehnung von KI liegt.

Ernsthafter wird wahrgenommen, dass wichtige digitale Infrastrukturen, die Gesellschaft und Wirtschaft bewegen, nicht mehr ausreichend von ihrem eigenen Land oder Europa kontrolliert werden können.


Das Gefühl, dass der Einfluss "zu stark ist", breitet sich parteiübergreifend aus

Interessant ist, dass diese Besorgnis nicht auf bestimmte politische Kräfte konzentriert ist.

Laut der Umfrage äußerten die Anhänger der Grünen die stärkste Besorgnis.

85 % antworteten, dass der Einfluss der US-Technologieunternehmen zu groß sei.

Bei den Anhängern der Linkspartei waren es 77 %, bei den SPD-Anhängern 74 % und bei den Unterstützern der CDU/CSU 72 %.

Auf der anderen Seite lag der Anteil bei den AfD-Anhängern bei 47 %, weniger als die Hälfte, und 34 % gaben an, dass der Einfluss nicht übermäßig sei.

Obwohl es Unterschiede in den politischen Positionen gibt, wird die Besorgnis von einem breiten Spektrum von Mitte-Links bis Mitte-Rechts geteilt.

Es gibt auch Unterschiede nach Altersgruppen.

In der Altersgruppe von 18 bis 29 Jahren gaben 60 % an, dass der Einfluss zu groß sei, während es bei den über 60-Jährigen über 70 % waren.

Es wird angenommen, dass junge Menschen einen höheren Anteil an der täglichen Nutzung digitaler Dienste wie Google, Instagram, iPhone, Amazon und generativer KI haben.

Das Ergebnis, dass dennoch 60 % ein Problembewusstsein haben, zeigt, dass "die Nutzung von Diensten" und "die bedingungslose Begrüßung des Einflusses von Unternehmen" zwei verschiedene Dinge sind.

Auch der Bildungsstand zeigt Unterschiede: 73 % der Befragten mit höherem Bildungsniveau hielten den Einfluss der US-Tech-Unternehmen für übermäßig, während es in der Gruppe mit niedrigerem Bildungsniveau 58 % waren.


Die größte Sorge war nicht, dass "KI Arbeitsplätze wegnimmt"

Was befürchten die Menschen in Deutschland also?

Überraschend ist, dass die Angst vor generativer KI selbst nicht der Hauptgrund war.

Von denjenigen, die den Einfluss der US-Tech-Unternehmen als "zu groß" bezeichneten, nannten 63 % die verstärkte Abhängigkeit Deutschlands von den USA.

59 % sahen die Bildung monopolistischer oder oligopolistischer Strukturen durch große Unternehmen als problematisch an.

55 % nannten Gefahren für den Datenschutz und die Privatsphäre.

53 % befürchteten, dass Unternehmen durch Algorithmen, die in Google-Suchen und sozialen Netzwerken verwendet werden, die öffentliche Debatte und Meinungsbildung beeinflussen könnten.

Etwa 30 % fühlten sich durch die Möglichkeit bedroht, dass große Tech-Unternehmen politische Entscheidungen und Gesetzgebungen beeinflussen könnten.

Hingegen äußerten nur 25 % Bedenken, dass Arbeitnehmer durch KI benachteiligt oder arbeitslos werden könnten.

22 % nannten die Zunahme sozialer Ungleichheit durch KI und andere Technologien.

Die Umfrage zeigt also, dass die Angst vor einer Zukunft, in der "KI menschliche Arbeitsplätze wegnimmt", weniger im Vordergrund steht als die strukturelle Frage, "wer die digitalen Grundlagen kontrolliert, die die Gesellschaft bewegen".


Von Google bis OpenAI: US-Unternehmen kontrollieren den "Zugang zum Leben"

Wenn man über die Macht der US-Technologieunternehmen nachdenkt, verliert man den Kern, wenn man nur auf Umsatz oder Unternehmenswert schaut.

Wichtig ist, dass diese Unternehmen den "Zugang" zwischen Mensch und digitaler Gesellschaft kontrollieren.

Google ist für Suche und Werbung sowie Android zuständig.

Apple kontrolliert Smartphones und den App-Vertrieb.

Meta bietet die Kommunikationsplattformen Facebook, Instagram und WhatsApp.

Amazon ist nicht nur im E-Commerce riesig, sondern auch im Cloud-Geschäft, das über AWS die Unternehmenssysteme weltweit unterstützt.

Microsoft ist mit Windows, Office und Azure tief in Unternehmen und Verwaltungen integriert.

Neu hinzugekommen ist die generative KI.

Dass OpenAI in der Umfrage neben Amazon, Google, Meta und Apple genannt wurde, ist symbolisch.

Generative KI-Unternehmen werden in kurzer Zeit nicht mehr nur als neue IT-Dienste, sondern als Unternehmen mit großem gesellschaftlichem Einfluss wahrgenommen.

Sollten KI-Agenten in Zukunft Aufgaben wie Suchen, E-Mails, Einkäufe, Dokumentenerstellung, Programmierung und die Bedienung von Unternehmenssystemen übernehmen, könnte KI wie ein Browser oder ein Smartphone-Betriebssystem zum "Zugang zur digitalen Gesellschaft" werden.

Dann wird die Frage "Welche KI nutzt man?" mehr als nur eine Produktwahl.


89 % der Unternehmen erkennen ebenfalls die Abhängigkeit von ausländischen digitalen Technologien

Die Bedenken der Verbraucher spiegeln sich auch in der Situation der Unternehmen wider.

Laut einer von Bitkom im Jahr 2025 veröffentlichten Umfrage gaben 89 % der deutschen Unternehmen, die digitale Produkte oder Dienstleistungen aus dem Ausland importieren, an, von diesen abhängig zu sein.

51 % gaben an, "stark abhängig" zu sein, 38 % "eher abhängig".

Darüber hinaus gaben 57 % der Unternehmen an, dass sie im Falle eines Ausfalls der digitalen Technologieversorgung aus dem Ausland "höchstens ein Jahr" weiterarbeiten könnten.※2

In der aktuellen Geschäftstätigkeit gibt es ein riesiges Versorgungsnetz, das sich über mehrere Länder und Regionen erstreckt, wie die USA für Cloud und KI, China für Hardware und Taiwan für Halbleiter.

Daher ist der Gedanke, "alles in Deutschland herzustellen", nicht realistisch.

Das Problem entsteht, wenn man so abhängig wird, dass das Geschäft nicht mehr funktioniert, sobald ein bestimmtes Land oder Unternehmen wegfällt.


63 % der Verbraucher fühlen ebenfalls eine stärkere "Abhängigkeit vom Ausland"

Eine andere Umfrage zeigt einen ähnlichen Trend.

Laut einer im April 2026 von Deloitte in Deutschland durchgeführten Umfrage gaben 63 % an, dass sie besorgt sind, dass Deutschland seine Abhängigkeit von ausländischen Technologieunternehmen verstärkt.

Im Vergleich zu einer Umfrage Ende 2025 stieg dieser Anteil um 13 Prozentpunkte.

Auch der Wunsch, persönliche Daten auf Servern in Deutschland oder Europa zu speichern, nimmt zu.

Gleichzeitig weist Deloitte darauf hin, dass der Marktanteil europäischer Cloud-Anbieter in Deutschland bei etwa 15 % liegt.※3

Das bedeutet, dass es zwar eine Nachfrage nach europäischen Diensten gibt, aber die Angebotskapazität noch nicht ausreichend ist.

Hier liegt die Schwierigkeit Europas.


Die EU hat begonnen, ernsthaft an der "technologischen Souveränität" zu arbeiten

Vor diesem Hintergrund hat die EU im Jahr 2026 ihre Politik erheblich vorangetrieben.

Die Europäische Kommission hat am 3. Juni das "European Technological Sovereignty Package" vorgestellt.

Es zielt darauf ab, Halbleiter, Cloud, KI und Open Source umfassend zu stärken und die digitale Unabhängigkeit Europas zu erhöhen.

Die Hauptsäulen sind das "Chips Act 2.0" zur Unterstützung der nächsten Generation von Halbleitern, das "Cloud and AI Development Act (CADA)" zur Stärkung der Cloud- und KI-Infrastruktur und die Open-Source-Strategie.※4

Wichtig ist, dass Europa nicht darauf abzielt, US-Unternehmen auszuschließen.

Auch in der Politik der Europäischen Kommission wird betont, den Markt für Partner zu öffnen und gleichzeitig die übermäßige Abhängigkeit von Nicht-EU-Unternehmen zu reduzieren.

Mit anderen Worten, es geht nicht darum, "ausländische Dienste nicht zu nutzen".

Es geht darum, bei Bedarf eine andere Dienstleistung wählen zu können.

Es geht darum, Daten verschieben zu können.

Es geht darum, dass wichtige Infrastrukturen nicht von einem einzigen Unternehmen kontrolliert werden.

Diese "Fähigkeit zur Wahl" ist der Kern der digitalen Souveränität.


Deutschland und Frankreich ziehen bei der "Reduzierung der Abhängigkeit" an einem Strang

Am 17. Juni 2026 gaben Deutschland und Frankreich eine gemeinsame Definition der "digitalen Souveränität" bekannt.

Beide Länder wiesen darauf hin, dass es in der gesamten Technologie-Stack von Halbleitern über Software, Datenmanagement bis hin zu KI eine bedeutende Abhängigkeit von Drittländern gibt.

Sie betonten die Notwendigkeit, europäische Startups und Technologieunternehmen zu fördern, um weltweit wettbewerbsfähige Unternehmen zu schaffen.※5

Die digitale Politik Europas, die sich bisher auf Regulierung konzentrierte, beginnt sich auf eine Industriepolitik zu verlagern, die darauf abzielt, "unsere eigenen Technologien und Unternehmen zu fördern".


In den sozialen Medien gibt es harsche Reaktionen wie "Jetzt erst bemerkt?"

Wie sehen normale Internetnutzer dieses Problem?

 

Derzeit gibt es keine große Anzahl von Reaktionen in den sozialen Medien auf die aktuelle YouGov-Umfrage, daher betrachten wir hier die Diskussionen über die "Abhängigkeit Deutschlands und Europas von US-Tech-Unternehmen" und die "digitale Souveränität", die 2026 auf Reddit geführt wurden.

Im März, in einem Beitrag über die Abhängigkeit Deutschlands von US-Technologie, waren viele kritische Stimmen zu hören, die sagten: "Dieses Problem ist seit Jahren bekannt."

Besonders unzufrieden war man darüber, dass es trotz früherer Warnungen vor den rechtlichen und politischen Risiken der Nutzung von US-Clouds und Software keine ausreichenden Alternativen gibt.※6

In den sozialen Medien wird das Problem also nicht als "plötzlich auftretende Krise", sondern als "lange vernachlässigtes Problem" wahrgenommen.


"Investiert in europäische Produkte" – Erwartungen an Open Source

Im April gab es eine große Diskussion in der deutschsprachigen Reddit-Community, als die deutsche Regierung große Summen für Softwarelizenzen von US-Unternehmen ausgab.

Es gab Reaktionen, die sagten: "Wenn so viel Geld ausgegeben wird, sollte man mehr in europäische Unternehmen und Open Source investieren."

Es geht um die Forderung nach öffentlichen Investitionen in Open-Source-Software wie LibreOffice und europäische Dienste.

Gleichzeitig gab es auch realistische Hinweise darauf, dass Produkte von großen Unternehmen wie Microsoft nicht einfach ersetzt werden können.※7

IT-Systeme, die von großen Verwaltungsbehörden und Unternehmen genutzt werden, können nicht einfach durch die Neuinstallation von Office auf eine andere Software ersetzt werden.

Man muss an die Kompatibilität mit alten Dateien, die Schulung von Mitarbeitern, die Cloud-Integration, die Authentifizierung, die Sicherheit, die Wartung und den Datenaustausch mit anderen Organisationen denken.

Es gibt eine große Kluft zwischen dem politischen Willen zur Unabhängigkeit und den praktischen Anforderungen, "heute arbeiten zu können".


"Es reicht nicht, einfach europäische Versionen zu erstellen"

Auch als Deutschland und Frankreich im Juni eine gemeinsame Richtlinie zur digitalen Souveränität vorstellten, wurden auf Reddit verschiedene Meinungen ausgetauscht.

Neben Stimmen, die die europäische Unabhängigkeit begrüßten, gab es auch Fragen wie "Wer wird die Entwicklung tatsächlich langfristig fortsetzen?" und "Wer wird die Finanzierung übernehmen?".

Es gab auch Beiträge von Nutzern, die tatsächlich auf europäische