Nicht nur Fleisch – Die Realität der „CO2-Emissionen der Ernährung“, angetrieben durch Milch und Käse

Nicht nur Fleisch – Die Realität der „CO2-Emissionen der Ernährung“, angetrieben durch Milch und Käse

Die Reduzierung des Fleischkonsums wird als Maßnahme gegen den Klimawandel immer mehr anerkannt. Doch wenn man die Treibhausgasemissionen auf dem Esstisch genauer betrachtet, rücken Milchprodukte wie Milch, Joghurt und Käse in den Fokus. Auch in Deutschland wurde dieser Aspekt in den Medien hervorgehoben. Unter den tierischen Lebensmitteln haben Milchprodukte keine geringe Emissionsbelastung, wobei Käse einen großen Anteil ausmacht.


Einige mögen überrascht sein, da Käse nicht das gleiche schwere Image wie Rindfleisch hat. Tatsächlich stehen Rind- und Lammfleisch in Bezug auf die Klimabelastung weiterhin an der Spitze. Wichtig ist jedoch, wie häufig diese Produkte konsumiert werden und wie viel Rohmaterial für ihre Herstellung benötigt wird. Viele Menschen konsumieren täglich Milchprodukte, und Käse erfordert bei der Herstellung große Mengen an Rohmilch. Diese Faktoren erhöhen die Gesamtemissionen der Ernährung.


Laut Berichten verursachen Milchprodukte unter den tierischen Lebensmitteln erhebliche Treibhausgasemissionen, wobei etwa die Hälfte auf den Käsekonsum entfällt. Für ein Kilogramm Frischkäse werden etwa 4 Liter Milch benötigt, für ein Kilogramm Hartkäse etwa 13 Liter. Obwohl Käse als Genussmittel in kleinen Mengen wahrgenommen wird, ist die Belastung pro Kilogramm aufgrund der hohen Rohstoffkonzentration nicht gering.


Diese Beobachtungen stimmen mit internationalen Studien überein. Eine umfassende Analyse der Umweltbelastungen von Lebensmitteln zeigt, dass das gesamte Lebensmittelsystem einen großen Anteil an den weltweiten Treibhausgasemissionen hat, wobei Lebensmittel von Wiederkäuern tendenziell hohe Emissionen, Land- und Wasserverbrauch aufweisen. Milch zeigt im Vergleich zu pflanzlichen Milchalternativen eine durchschnittlich höhere Umweltbelastung, und Käse gehört ebenfalls zu den hoch emittierenden Lebensmittelgruppen.


Warum sind die Emissionen von Milchprodukten, insbesondere Käse, so hoch? Die Gründe sind komplex. Zum einen sind Milchkühe nicht frei von Methanemissionen. Hinzu kommen Emissionen aus Futtermittelproduktion, Düngemitteln, Landnutzung, Verarbeitung, Kühlung und Vertrieb. Käse ist ein Produkt, das durch Reduzierung des Wassergehalts von Rohmilch Nährstoffe und Geschmack konzentriert, was eine große Menge an Rohstoffen für die Herstellung eines Kilogramms Endprodukt erfordert. Daher ist das Ergebnis, dass Käse eine höhere Belastung als Milch hat, nicht überraschend.


Dennoch bedeutet dies nicht, dass alle Menschen ab morgen auf Milchprodukte verzichten sollten. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung spielen Milchprodukte eine wichtige Rolle als Quelle für Kalzium, Jod, Vitamin B12 und Riboflavin, obwohl pflanzliche Alternativen durchschnittlich eine geringere Umweltbelastung aufweisen. Die Herausforderung besteht darin, Ernährung, Preis, Vorlieben und Umweltbelastung in Einklang zu bringen.


 

Diese Komplexität ist auch der Grund, warum Diskussionen in sozialen Medien oft gespalten sind. Eine häufige Reaktion ist, dass man zuerst den Fleischkonsum reduzieren sollte, bevor man sich auf Milchprodukte konzentriert, da eine allzu schnelle Ausweitung auf Milchprodukte auf Widerstand stoßen könnte. Diese Ansicht spiegelt das Gefühl wider, dass Ernährungsumstellungen schrittweise erfolgen sollten.


Eine andere Reaktion ist das Gegenteil: "Nur Fleisch zu problematisieren und Milchprodukte zu ignorieren, ist eine unvollständige Betrachtung der Daten." Hier wird argumentiert, dass gerade Milchprodukte, die im Alltag häufig konsumiert werden, ein großes Potenzial zur Überprüfung der Lebensgewohnheiten bieten. Besonders Käse, der trotz kleiner Mengen einen starken Geschmack hat und stark verarbeitet ist, sollte als "unterschätztes hochbelastendes Lebensmittel" betrachtet werden.


Eine dritte Reaktion ist struktureller Natur: "Man sollte das Thema nicht auf individuelle Essgewohnheiten reduzieren." Solange sich Agrarpolitik, Preisgestaltung, Beschaffung in Schulen und öffentlichen Einrichtungen, Lebensmittelkennzeichnung und die Verfügbarkeit von Alternativen nicht ändern, ist es schwierig, allein durch individuelle Anstrengungen große Veränderungen zu bewirken. Auch in den sozialen Medien gibt es viel Zustimmung zu diesem strukturellen Ansatz.


Auch in Japan ist dieses Thema relevant. Um eine klimafreundlichere Ernährung zu fördern, ist es effektiver, die Auswahl an leicht ersetzbaren Optionen zu erhöhen, anstatt einfach nur zu verzichten. Man muss nicht komplett auf Milch verzichten, sondern kann zum Beispiel einen Teil des Milchverbrauchs für Kaffee oder Müsli durch pflanzliche Milch ersetzen, Käse als Akzent statt Hauptbestandteil verwenden oder andere hoch emittierende Lebensmittel reduzieren, wenn man die Menge an Milchprodukten beibehalten möchte. Solche schrittweisen Anpassungen sind in der Praxis oft nachhaltiger.


Tatsächlich gibt es auf dem deutschen Lebensmittelmarkt bereits Anzeichen für einen solchen Wandel. Im Trendbericht 2025 wird ein starkes Interesse an pflanzlichen und flexitarischen Ernährungsweisen festgestellt, und eine andere Studie zeigt, dass sich flexitarische Ernährungsweisen in Deutschland weit verbreitet haben. Dies bedeutet, dass die Anpassung von Menge und Häufigkeit eher unterstützt wird als ein vollständiger Verzicht.


Auf der anderen Seite gibt es bei Milchprodukten die reale Hürde von Preis und Zufriedenheit. Pflanzliche Käse- und Joghurtalternativen sind oft noch teuer, und viele Verbraucher empfinden sie im Geschmack und in der Textur als nicht gleichwertig mit Milchprodukten. Auch in den sozialen Medien wird oft geäußert, dass man Alternativen wählen würde, wenn sie schmackhafter wären. Letztendlich ignorieren die Menschen die Daten nicht, sondern suchen nach überzeugenden Alternativen.


Bei der Betrachtung dieses Themas sollte die Priorität nicht aus den Augen verloren werden. Die Reduzierung von Lebensmitteln mit extrem hohen Emissionsfaktoren wie Rind- und Lammfleisch hat nach wie vor eine große Wirkung. Wenn man dann die Behandlung von Milchprodukten, insbesondere Käse, überdenkt, kann man die Emissionen der Ernährung weiter senken. Es geht also nicht um die Wahl zwischen Fleisch oder Milchprodukten, sondern um eine schrittweise Betrachtung von den schwerwiegenden zu den oft übersehenen Bereichen.


Ein weiterer wichtiger Punkt in der Diskussion über Milchprodukte ist die Betrachtung der Konsumhäufigkeit. Hochbelastende Lebensmittel, die selten konsumiert werden, und mittelbelastende Lebensmittel, die täglich konsumiert werden, verändern das jährliche Gesamtbild. Laut dem deutschen Ernährungsbericht konsumieren viele Menschen regelmäßig Milchprodukte. Daher sind Milchprodukte, auch wenn sie symbolisch weniger auffällig sind, oft tief in Haushalt und Gewohnheiten als "stille Emissionsquellen" verankert.


Letztendlich ist das Thema deshalb so umstritten, weil Käse und Milch für viele Menschen keine "Luxusgüter", sondern "selbstverständliche Lebensmittel" sind. Während die Reduzierung von Fleisch akzeptiert werden kann, fühlt es sich an, als würde das eigene Leben bewertet, wenn der morgendliche Latte oder der Käse auf dem Toast in die Klimadiskussion einbezogen wird. Die gleichzeitige Reaktion von Ablehnung und Zustimmung in den sozialen Medien ist auch auf diese psychologische Nähe zurückzuführen.


Dennoch weisen die Daten in eine Richtung: Die Dekarbonisierung der Ernährung erfordert mehr als nur den Blick auf Fleisch. Auch Milchprodukte sind ein nicht zu vernachlässigender Aspekt. Wichtig ist jedoch, nicht Schuldgefühle zu schüren, sondern auf Informationen basierende Wahlmöglichkeiten zu schaffen. Man muss nicht alles auf einmal ändern, sondern kann die Häufigkeit etwas reduzieren, die Menge etwas verringern oder nur in ersetzbaren Situationen Alternativen nutzen. Diese kleinen Schritte können letztendlich die CO2-Bilanz auf dem Esstisch leise verändern.



Quellen-URL

Die Hauptpunkte der Nachricht, dass Milchprodukte, insbesondere Käse, die CO2-Bilanz der Ernährung erhöhen
https://www.handelsblatt.com/dpa/co2-im-einkaufswagen-milch-und-kaese-treiben-co2-bilanz-der-ernaehrung-nach-oben/100209035.html

Ähnliche Berichterstattung (ergänzende Bestätigung der Milchmenge für Hartkäse)
https://www.wiwo.de/dpa/co2-im-einkaufswagen-milch-und-kaese-treiben-co2-bilanz-der-ernaehrung-nach-oben/100209036.html

Agora Agriculture Policy Page (Zusammenfassung der Notwendigkeit von Politiken zur Veränderung des Lebensmittelkonsums)
https://www.agora-agriculture.org/publications/towards-food-policies-that-support-healthy-and-sustainable-consumption

Agora Agriculture / IDDRI Bericht PDF (Hintergrundmaterial zu Nachfragepolitik und nachhaltiger Lebensmittelumgebung)
https://www.iddri.org/sites/default/files/PDF/Publications/Catalogue%20Iddri/Rapport/202505-Agora%20Iddri%20food%20poiicies.pdf

Our World in Data „Environmental Impacts of Food Production“ (Internationaler Vergleich der Umweltbelastung der Lebensmittelproduktion)
https://ourworldindata.org/environmental-impacts-of-food

Our World in Data „Dairy vs. plant-based milk“ (Vergleich der Umweltbelastung von Milch und pflanzlichen Alternativen)
https://ourworldindata.org/environmental-impact-milks

Poore & Nemecek Studie in Science (Repräsentative Originalstudie zum Vergleich der Umweltbelastung von Lebensmitteln)
https://www.science.org/doi/10.1126/science.aaq0216

Position der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu Milchprodukten und pflanzlichen Alternativen
https://www.dge.de/wissenschaft/stellungnahmen-und-positionspapiere/positionen/dairy-and-milk-alternatives/

DGE Positionspapier PDF (Details zum ernährungsphysiologischen Nutzen und zur Umweltbelastung von Milchprodukten)
https://www.dge.de/fileadmin/dok/wissenschaft/positionen/DGE_position-statement_dairy_milk_alternatives_EU12_2024_M692_M696_en.pdf

Ernährungsbericht der deutschen Regierung 2025 (Grundlagendaten zur Häufigkeit des Milchproduktekonsums in Deutschland)
https://www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/ernaehrungsreport-2025.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Trendbericht 2025 der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (Bestätigung des starken Interesses an pflanzlichen und flexitarischen Ernährungsweisen)
https://www.ble.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/250129_Trendreport-Ernaehrung.html

GFI Europe Bericht über den deutschen Markt für pflanzliche Lebensmittel PDF (Verbreitung von Flexitariern und Trends bei der Nutzung von Alternativen)
https://gfieurope.org/wp-content/uploads/2025/05/Germany-Understanding-plant-based-category-dynamics-motivations-and-consumers.pdf

Öffentliches Reddit-Thread als Referenz für Reaktionen in sozialen Medien (Visualisierung von Pro- und Kontra-Argumenten zur Umweltbelastung von Milchprodukten)
https://www.reddit.com/r/ZeroWaste/comments/1icgp3e/when_is_meat_and_dairy_truly_bad_for_the/
https://www.reddit.com/r/sustainability/comments/197i134/environmental_impact_of_different_diets/
https://www.reddit.com/r/science/comments/1p2gnin/replacing_meat_dairy_and_eggs_with_grains_legumes/
https://www.reddit.com/r/dataisbeautiful/comments/1riwp8j/oc_dairy_vs_plantbased_milk_what_are_the/