Tragen Freigängerkatzen die gleichen Risiken wie Streunerkatzen? Eine Studie aus 88 Ländern zeigt überraschende Fakten

Tragen Freigängerkatzen die gleichen Risiken wie Streunerkatzen? Eine Studie aus 88 Ländern zeigt überraschende Fakten

Ist es wirklich sicher, "Hauskatzen nach draußen zu lassen"? Eine weltweite Studie zeigt ein Infektionsrisiko, das dem von Streunerkatzen ähnelt

Katzen, die im Garten spazieren gehen, auf der Mauer ein Nickerchen machen und den Duft des Grases schnuppern, während sie frei umherstreifen – viele Menschen empfinden solche Szenen als idyllisch und frei.
Andererseits wird die Debatte darüber, ob Katzen nach draußen gelassen werden sollten, unter Katzenbesitzern, Tierärzten, Vogelschutzorganisationen und in der Gemeinschaft immer hitziger.

Eine kürzlich von einem Forscherteam der University of British Columbia in Kanada veröffentlichte weltweite Analyse bringt eine neue Perspektive in diese Diskussion. Der Fokus liegt nicht nur auf Verkehrsunfällen oder den Auswirkungen auf Wildtiere. Die Studie hebt hervor, in welchem Maße freilaufende Hauskatzen potenziell Krankheitserreger tragen können, die Menschen und andere Tiere infizieren könnten, was ein Problem der öffentlichen Gesundheit darstellt.

Das Forschungsteam analysierte Daten aus 604 Studien aus 88 Ländern, die sich auf insgesamt über 174.000 Katzen beziehen. Die Katzen wurden grob in drei Gruppen unterteilt: "ausschließlich in Innenräumen gehaltene Katzen", "freilaufende Hauskatzen" und "Streunerkatzen/wildlebende Katzen".

Das Ergebnis zeigte, dass freilaufende Hauskatzen im Vergleich zu ausschließlich in Innenräumen gehaltenen Katzen ein höheres Potenzial haben, Zoonoseerreger zu tragen, und dass ihr gesamtes Infektionsrisiko statistisch gesehen dem von Streunerkatzen/wildlebenden Katzen nahekommt.

Die Studie identifizierte 124 Arten von Krankheitserregern, von denen 97 auch Menschen infizieren können. Dazu gehören Toxoplasma, Spulwürmer, Bartonella-Bakterien, die mit der Katzenkratzkrankheit in Verbindung stehen, und Leptospira.

Wichtig ist, dass es hier nicht nur um "Streunerkatzen" geht. Bisher wurden bei der Betrachtung von Infektionsrisiken oft Streunerkatzen oder wildlebende Katzen als Hauptzielgruppe genannt. Diese Studie zeigt jedoch, dass selbst Katzen, die Besitzer haben, gefüttert werden und Impfungen und Entwurmungen erhalten, ein erheblich verändertes Infektionsrisiko haben können, wenn sie frei draußen herumlaufen und mit Wildtieren, anderen Katzen, Boden oder Exkrementen in Kontakt kommen.


Die Annahme, dass "Hauskatzen sicher sind"

Für viele Katzenbesitzer ist ihre Katze ein Familienmitglied. Sie lebt in einem sauberen Haus, besucht regelmäßig den Tierarzt und bekommt hochwertiges Futter. Daher ist sie anders als Streunerkatzen. Diese Annahme ist natürlich.

Aus der Perspektive von Krankheitserregern wird das Risiko jedoch nicht nur durch das Vorhandensein eines Besitzers bestimmt. Vielmehr ist entscheidend, wo die Katze ist und mit was sie in Kontakt kommt.

Katzen, die ausschließlich in Innenräumen gehalten werden, haben begrenzte Möglichkeiten, mit Boden, Wildtieren, anderen frei herumlaufenden Katzen oder den Kadavern von Vögeln und kleinen Säugetieren in Kontakt zu kommen. Im Gegensatz dazu sind freilaufende Katzen, obwohl sie Hauskatzen sind, in ihrem Aktionsradius einer Umgebung ausgesetzt, die der von Wildtieren oder Streunerkatzen ähnelt.

Das Forschungsteam sieht freilaufende Hauskatzen als potenzielle "Brücken" zwischen Wildtieren und menschlichen Gemeinschaften. Wenn Katzen kleine Tiere im Gras fangen, mit anderen Katzen in Kontakt kommen oder an öffentlichen Orten Kot absetzen, entstehen Wege, über die Krankheitserreger in den Haushalt oder die Umgebung gelangen können.

Natürlich haben nicht alle freilaufenden Katzen gefährliche Krankheiten. Auch muss man nicht übermäßig Angst davor haben, mit Katzen zu leben. Die Studie zeigt jedoch, dass freies Umherstreifen im Freien ein Faktor sein kann, der das Infektionsrisiko erhöht.


Warum Impfungen und Entwurmungen nicht ausreichen

Einige Besitzer denken vielleicht: "Meine Katze ist geimpft" oder "Sie wird regelmäßig entwurmt, also ist sie sicher". Tatsächlich sind Impfungen und Entwurmungen sehr wichtig für die Gesundheitsvorsorge von Katzen.

Forscher weisen jedoch darauf hin, dass dies allein nicht ausreicht. Der Grund ist, dass die Krankheitserreger, mit denen Katzen in der Außenwelt in Kontakt kommen können, vielfältig sind und nicht alle durch Impfungen oder allgemeine Entwurmungsmittel verhindert werden können.

Wenn eine Katze beispielsweise ein kleines Säugetier frisst, besteht die Möglichkeit, dass sie Parasiten, Bakterien oder Viren ausgesetzt wird, die dieses Tier trug. Kämpfe mit anderen Katzen, Kontakt mit Kot oder kontaminiertem Wasser und Boden sind ebenfalls Risikofaktoren.

Darüber hinaus ist es für Besitzer schwierig, genau zu wissen, was ihre Katze fängt, wohin sie geht und mit welchen Tieren sie in Kontakt kommt. Der Forschungsartikel erwähnt auch, dass die Beute, die Besitzer sehen, nur ein Teil der Wildtiere ist, die die Katze tatsächlich fängt. Beute, die die Katze nicht nach Hause bringt, die sie draußen frisst oder mit der sie nur in Kontakt kommt, bleibt dem Besitzer unbekannt.

Das Problem ist also nicht, ob man die Katze gut behandelt oder nicht. Egal wie sehr man sich kümmert, solange die Katze frei draußen herumlaufen kann, besteht die Möglichkeit, dass Infektionswege außerhalb des Sichtfelds des Besitzers entstehen.


Freiheit der Katze oder Sicherheit – geteilte Reaktionen auf Social Media

 

Jedes Mal, wenn solche Studien veröffentlicht werden, gibt es starke Reaktionen in den sozialen Medien. Obwohl die Reaktionen auf diesen speziellen Artikel bisher begrenzt sind, wird auf Plattformen wie Reddit seit langem über die Frage diskutiert, ob Katzen nach draußen gelassen werden sollten.

In Katzenberatungs-Communities ist die Meinung, dass Katzen ausschließlich in Innenräumen gehalten werden sollten, weit verbreitet. Häufig genannte Gründe sind Verkehrsunfälle, Raubtiere, Kämpfe, Infektionskrankheiten, Flöhe und Zecken, Gifte, das Verlaufen und die Auswirkungen auf Vögel und kleine Säugetiere.
Viele stimmen zu, dass ein sicherer, eingezäunter Garten oder ein "Catio" in Ordnung ist, aber das freie Herumlaufen gefährlich ist. Die durch die Studie aufgezeigten Infektionsrisiken könnten diese Position der Innenhaltung unterstützen.

Auf der anderen Seite gibt es auch starke Befürworter des Freilaufs. Besonders in Regionen wie Großbritannien oder Neuseeland, wo es relativ normal ist, dass Katzen nach draußen gehen, gibt es Stimmen, die sagen: "Es ist natürlich, Katzen äußeren Reizen auszusetzen", "Nur drinnen zu sein, könnte langweilig sein", und "Das Risiko variiert je nach Umgebung".

In der britischen Reddit-Community gibt es Beiträge, die darauf hinweisen, dass amerikanische Nutzer sehr strenge Ansichten zu freilaufenden Katzen haben, während es in Großbritannien üblich ist, Katzen nach draußen zu lassen, was auf kulturelle Unterschiede hinweist.
Die Diskussionen in den sozialen Medien sind also nicht einfach nach dem Schema "Draußen ist schlecht, drinnen ist gut" strukturiert. Verkehrssituationen, Arten von Wildtieren, das Vorhandensein von Feinden, Wohnumgebungen, die Werte der Besitzer, Ratschläge von Tierärzten und kulturelle Gewohnheiten sind komplex miteinander verflochten.

Diese Studie fügt der Diskussion um kulturelle Unterschiede jedoch die vergleichsweise universelle Achse des "Infektionsrisikos" hinzu. Verkehrsunfälle oder Raubtiere wie Kojoten variieren je nach Region, aber der Kontakt mit Krankheitserregern kann in jeder Außenumgebung weltweit auftreten.
Daher könnten Gründe wie "In unserer Region gibt es keine gefährlichen Raubtiere" oder "Es gibt wenig Verkehr" möglicherweise nicht ausreichen, um die Risiken des Freilaufs vollständig zu erklären.


Sind Katzen die Bösewichte?

Bei solchen Themen werden Katzen oft als die Bösewichte dargestellt. Doch das eigentliche Problem liegt nicht in der Natur der Katzen, sondern darin, wie Menschen sie managen.

Katzen sind jagende Tiere. Auf kleine, sich bewegende Dinge zu reagieren, im Gras zu erkunden und ihr Revier zu durchstreifen, ist für Katzen natürlich. Dass Katzen draußen Vögel oder kleine Säugetiere fangen, liegt nicht daran, dass sie "böse" sind.

Gleichzeitig sind Hauskatzen, die in der menschlichen Gesellschaft leben, anders als Wildtiere in der Natur. Sie können in höherer Dichte leben, da sie von Menschen mit Nahrung, medizinischer Versorgung und Unterkunft versorgt werden. Darüber hinaus können sie häufig die Grenze zwischen menschlichen Wohngebieten und der Wildnis überschreiten, was ihnen eine besondere Position in Bezug auf Krankheitserreger und die Auswirkungen auf Ökosysteme verleiht.

Die Probleme, die durch das freie Umherstreifen von Katzen entstehen, sind also das Ergebnis einer Kombination aus dem Instinkt der Katzen und dem menschlichen Haltungsstil. Die Verantwortung liegt nicht bei den Katzen, sondern bei den Menschen, die entscheiden, in welcher Umgebung sie die Katzen halten.


Gibt es Alternativen zum "Nicht nach draußen lassen"?

Müssen wir also vollständig auf äußere Reize verzichten? Die Forscher schlagen nicht unbedingt vor, Katzen ihr ganzes Leben lang im Haus einzusperren.

Eine vielversprechende Alternative ist der überwachte Zugang zum Freien. Dazu gehören eingezäunte Außenbereiche wie Catios, ausbruchsichere Zäune oder Spaziergänge mit Leine und Geschirr.

Mit diesen Methoden können Katzen den Duft der Außenwelt, Sonnenlicht, Wind, Geräusche und Bewegung erleben, während der Kontakt mit Wildtieren und anderen Katzen erheblich reduziert wird.
Auch in den sozialen Medien gibt es viele, die der Meinung sind, dass das Problem nicht darin besteht, Katzen nach draußen zu lassen, sondern sie frei herumlaufen zu lassen. Tatsächlich gibt es immer mehr Besitzer, die eingezäunte Bereiche oder Spaziergänge mit Geschirr nutzen.

Natürlich sind nicht alle Katzen für Spaziergänge mit Geschirr geeignet. Einige Katzen haben Angst, während andere überempfindlich auf Geräusche oder Gerüche reagieren. Wichtig ist, dass man sichere Reize entsprechend dem Charakter der Katze bereitstellt.

Auch die Bereicherung der Innenumgebung ist wichtig. Mit Kratzbäumen, Fensterplätzen, Intelligenzspielzeug, Spielen, die den Jagdinstinkt befriedigen, Kratzmöglichkeiten und Verstecken kann man die Lebensqualität von Katzen auch drinnen verbessern.


Öffentliche Gesundheit und die Perspektive von "One Health"

Die Bedeutung dieser Studie liegt darin, dass sie die Haltung von Katzen nicht nur als "individuelle Freiheit", sondern als Problem der "One Health"-Perspektive betrachtet. "One Health" ist der Gedanke, dass die Gesundheit von Menschen, Tieren und der Umwelt miteinander verbunden ist.

Infektionskrankheiten können nicht isoliert von Menschen, Tieren oder der natürlichen Umwelt betrachtet werden. Krankheitserreger, die von Wildtieren getragen werden, können durch Hauskatzen in die Nähe von Haushalten gelangen, und der Kot von Hauskatzen kann die Umwelt verschmutzen.
Besonders für Schwangere, Menschen mit geschwächtem Immunsystem, ältere Menschen und Kleinkinder können einige Zoonosen ein nicht zu unterschätzendes Risiko darstellen.

Natürlich bedeutet das nicht, dass das Halten von Katzen an sich gefährlich ist. Das Zusammenleben mit Katzen kann sich positiv auf die psychische Gesundheit und die Lebensqualität von Menschen auswirken. Das Problem ist, dass man das Risiko nicht kennt und weiterhin Katzen frei herumlaufen lässt, weil "es schon immer so gemacht wurde" oder "Katzen sind glücklicher, wenn sie frei sind".

Die Verantwortung der zukünftigen Katzenbesitzer besteht darin, das Risiko zu verstehen und zu entscheiden, in welchem Maße sie den Zugang zum Freien erlauben. Welche Managementmethoden in Übereinstimmung mit den Regeln und der Umgebung der Region gewählt werden, wird entscheidend sein.

Ein Thema, das auch japanische Katzenbesitzer betrifft

Auch in Japan wird die ausschließliche Haltung von Katzen in Innenräumen zunehmend empfohlen. Angesichts von Verkehrsunfällen, Infektionskrankheiten, Nachbarschaftsstreitigkeiten, Schäden durch Kot und Urin und den Auswirkungen auf Wildtiere wird das Risiko des Freilaufs besonders in städtischen Gebieten als hoch angesehen.

Andererseits gibt es in einigen Regionen immer noch das Gefühl, dass "Katzen nach draußen gehören". Es ist nicht ungewöhnlich, Katzen in Gärten, auf Feldern oder in Wohngebieten herumlaufen zu sehen.
Doch angesichts der Ergebnisse dieser Studie gibt es Raum für eine Neubewertung, wenn man Katzen nur deshalb frei herumlaufen lässt, weil "man sie oft in der Nachbarschaft sieht" oder "es schon immer so war".

Besonders wenn Katzen draußen mit anderen Katzen in Kontakt kommen, Beute nach Hause bringen, Flöhe oder Zecken haben oder der Kot nicht kontrolliert werden kann, wird das Problem nicht nur auf den Haushalt des Besitzers beschränkt. Katzen sind Wesen, die zwischen der Umgebung und dem Haushalt pendeln.


Wie definiert man das "Glück der Katzen"?

Am schwierigsten ist es, das Glück der Katzen zu definieren.
Das freie Umherstreifen im Freien könnte für Katzen eine aufregende und angenehme Erfahrung sein. Den Duft des Grases zu riechen, Insekten zu jagen und in der Sonne zu liegen, sind Verhaltensweisen, die dem Instinkt der Katzen entsprechen.

Doch Freiheit bringt Risiken mit sich. Verkehrsunfälle, Infektionskrankheiten, Kämpfe, das Verlaufen, Gifte, Missbrauch und die Auswirkungen auf Wildtiere. Und wie diese Studie zeigt, auch das Infektionsrisiko für Menschen und die Gemeinschaft.

Von modernen Katzenbesitzern wird nicht erwartet, zwischen "Freiheit oder Sicherheit" zu wählen, sondern "Sicherheit und Freiheit zu gestalten".
Wenn man Katzen äußeren Reizen aussetzen möchte, sollte dies unter Aufsicht geschehen. Wenn sie nur drinnen leben, sollte eine Umgebung geschaffen werden, die nicht langweilig ist. Es ist notwendig, Wege zu finden, die den Instinkt der Katzen respektieren und gleichzeitig die Katzen selbst, die umliegenden Tiere und die menschliche Gesellschaft schützen.


Die Fragen, die die Studie aufwirft

Diese Studie behauptet nicht, dass freilaufende Hauskatzen dasselbe sind wie Streunerkatzen. Hauskatzen haben Besitzer und erhalten medizinische Versorgung und Nahrung. Es gibt klare Unterschiede.

Aber in Bezug auf das Infektionsrisiko könnten freilaufende Hauskatzen weniger "kontrollierte Wesen" sein, als wir denken.
Im Haus sind sie Familienmitglieder, aber draußen werden sie Teil eines Netzwerks von Wildtieren, anderen Katzen, Boden und Krankheitserregern. Und wenn sie nach Hause kommen, kehren sie