"Hat mein Haustier nur ein wenig zugenommen" ein Warnsignal? Warum das Abnehmen von Haustieren scheitert, wenn man nur die Futtermenge reduziert.

"Hat mein Haustier nur ein wenig zugenommen" ein Warnsignal? Warum das Abnehmen von Haustieren scheitert, wenn man nur die Futtermenge reduziert.

Warum "einfach weniger füttern" nicht funktioniert: Übergewicht bei Hunden und Katzen und die Fallstricke der Liebe der Besitzer

Eine runde Katze breitet sich wie eine Flüssigkeit auf dem Sofa aus. Ein stämmiger Hund folgt seinem Besitzer mit kurzen Schritten. In den sozialen Medien sammeln solche Anblicke oft Reaktionen wie "niedlich", "glücklich" oder "chunky".

Aber was, wenn hinter dieser "Niedlichkeit" Krankheiten, eine verkürzte Lebensdauer und eine verminderte Bewegungsfähigkeit lauern?

Übergewicht bei Hunden und Katzen ist heutzutage kein seltenes Problem mehr. Vielmehr ist es zu einer der häufigsten Gesundheitsherausforderungen geworden, mit denen Tierärzte täglich konfrontiert sind. Ein Artikel von The Conversation, vorgestellt auf Phys.org, weist darauf hin, dass das Gewichtsmanagement von Haustieren oft scheitert, weil es zu sehr als "ernährungsbedingtes Problem" behandelt wird. Einfach die Futtermenge zu reduzieren, ist also keine Lösung.

Im Zentrum des Problems stehen das Verhalten der Haustiere, die Emotionen der Besitzer, die Gewohnheiten im Haushalt und die Beziehung zwischen Mensch und Tier.

Bei der Beurteilung der Körperform von Hunden und Katzen wird in der Tiermedizin häufig der "Body Condition Score" verwendet. Dieser bewertet nicht nur das Gewicht, sondern auch die Tastbarkeit der Rippen, die Taille und die Fettverteilung am Bauch. In einer allgemeinen 9-Punkte-Skala gilt 5 als ideal, 6 oder 7 als übergewichtig und 8 oder 9 als fettleibig.

Das Schwierige dabei ist, dass Besitzer oft nicht bemerken, wenn ihr Haustier übergewichtig wird. Da sie es täglich sehen, gewöhnen sie sich an die Veränderungen. Zudem machen flauschiges Fell und rassespezifische Körperbauunterschiede die Beurteilung unklar. Während sie denken, "dieses Tier ist von Natur aus kräftig gebaut", "es ist älter, also ist es unvermeidlich" oder "guter Appetit ist ein Zeichen von Gesundheit", kann das Haustier weit vom Idealgewicht abweichen.

Das Problem von Übergewicht ist nicht nur ein ästhetisches. Überschüssiges Fett ist mit Risiken wie Diabetes, Herzerkrankungen, Hautproblemen, Arthritis, Atembeschwerden und Hitzeempfindlichkeit verbunden. Wenn der Körper schwerer wird, nehmen natürliche Verhaltensweisen wie Laufen, Springen, Spielen und der Kontakt mit anderen Tieren oder Menschen ab. Dies führt zu einem Teufelskreis, in dem der Energieverbrauch weiter sinkt und das Abnehmen noch schwieriger wird.

Warum funktioniert es also nicht, einfach "weniger zu füttern"?

Erstens zeigen Haustiere Hunger durch ihr Verhalten. Hunde oder Katzen, die weniger Futter bekommen, beenden ihre Mahlzeiten schneller und fordern danach mehr Aufmerksamkeit von ihren Besitzern. Sie miauen in der Küche, umkreisen die Füße, starren, berühren mit der Pfote oder warten in der Nähe des Esstisches. Für den Besitzer kann das ein erheblicher psychologischer Druck sein.

Zweitens ist Nahrung ein Kommunikationsmittel im Haushalt. Leckerlis geben, Essensreste teilen, Belohnungen nach der Rückkehr nach Hause – all das sind oft fest etablierte "Liebesbeweise". Wenn man plötzlich damit aufhört, empfinden Besitzer das als "gemein". Haustiere reagieren darauf, dass die gewohnte Routine wegfällt, und fordern noch stärker.

Drittens sind die Erfolge beim Abnehmen nicht sofort sichtbar. Selbst bei Kalorienreduktion kann es durch Stoffwechselveränderungen und verminderte Aktivität anfangs zu weniger Gewichtsverlust kommen als erwartet. Wenn Besitzer das Gefühl haben, dass sich trotz ihrer Bemühungen nichts ändert, geben sie den Plan möglicherweise auf.

Viertens kann der regelmäßige Tierarztbesuch oder das Wiegen stressig sein. Besonders für Katzen oder ängstliche Hunde kann der Transport zur Tierklinik oder das Wiegen auf dem Untersuchungstisch belastend sein. Wenn Besitzer das Gefühl haben, "ich möchte meinem Tier keine unangenehmen Erfahrungen zumuten", wird die Fortsetzung des Gewichtsmanagements noch schwieriger.

Wichtig ist hier, nicht die Besitzer zu beschuldigen. Vielmehr ist Übergewicht bei Haustieren nicht einfach durch "Nachlässigkeit" oder "Verwöhnen" zu erklären. Starker Appetit, rassespezifische Unterschiede, Stoffwechselveränderungen nach Kastration oder Sterilisation, Alter, Aktivitätsniveau, Haltung in Innenräumen und die häusliche Umgebung sind mehrere Faktoren, die zusammenwirken.

Diese Komplexität spiegelt sich auch in den Reaktionen auf sozialen Medien wider.

Auf der einen Seite gibt es Stimmen, die runde Katzen als "niedlich" oder die Gangart eines dicken Hundes als "liebenswert" empfinden. Besonders bei Katzen hat sich der Ausdruck "chonky cat" zu einem Meme entwickelt, und Übergewicht wird oft als Humor oder Trost konsumiert. Es wird darauf hingewiesen, dass in sozialen Medien gesunde Katzen als "zu dünn" erscheinen, weil fülligere Körper als Standard wahrgenommen werden.

Andererseits gibt es von Tierärzten, Tierschutzorganisationen und erfahrenen Besitzern Reaktionen wie "man darf es nicht bei niedlich belassen", "man sollte die Risiken für Gelenke und Diabetes bedenken" und "Übergewicht ist ein Tierschutzproblem". Bei Hunden ist Übergewicht aufgrund der Belastung beim Gehen, Atmen und für die Gelenke sichtbarer, weshalb es eher als Gesundheitsproblem wahrgenommen wird als bei Katzen.

In sozialen Medien prallen also zwei Emotionen aufeinander: Die Freude an der äußerlichen Niedlichkeit und die Sorge um die Gesundheit des Tieres. Das Problem liegt darin, dass, wenn nur ersteres verbreitet wird, Übergewicht als "niedliche Eigenart" festgeschrieben wird.

Was sind also realistische Maßnahmen?

Zunächst ist es wichtig, genau zu wissen. Nicht nur das Gewicht, sondern auch den Body Condition Score zur Überprüfung der Körperform verwenden. Sind die Rippen leicht tastbar, gibt es eine Taille von oben betrachtet, ist der Bauch von der Seite betrachtet straff? Es kann auch hilfreich sein, zu Hause Fotos zu machen und diese zu dokumentieren.

Als nächstes sollte man alles, was das Tier frisst, im Blick haben. Nicht nur das Hauptfutter, sondern auch Leckerlis, Zahnpflegeknochen, heimlich gegebene Happen von Familienmitgliedern, heruntergefallenes Essen und die Reste anderer Haustiere. In Haushalten, in denen das Abnehmen nicht gut funktioniert, gibt es oft unerwartete Kalorienquellen.

Darüber hinaus ist es wichtig, einen Plan in Absprache mit dem Tierarzt zu erstellen. Einfach die Menge zu reduzieren, kann zu einem Mangel an notwendigen Nährstoffen führen. Diätfutter muss so gestaltet sein, dass es die Kalorien reduziert, während es Sättigung und Nährstoffbalance sicherstellt. Anstatt Leckerlis komplett zu verbieten, kann man kalorienarme Optionen in die tägliche Gesamtration einbauen.

Auch die Art und Weise des Fütterns zu ändern, kann effektiv sein. Zum Beispiel, indem man die Tagesration auf mehrere Mahlzeiten verteilt. Anti-Schling-Näpfe oder Puzzle-Feeder verwenden. Kleine Mengen im Raum verteilen und das Tier suchen lassen. Bei Hunden Spiele einbauen, die den Geruchssinn nutzen, bei Katzen Spiele, die die Jagdinstinkte anregen oder vertikale Bewegungen fördern.

Es geht nicht nur um Kalorienverbrauch. Für Tiere sind das Suchen, Jagen, Kauen und Nachdenken über Futter Handlungen, die mit der Lebenszufriedenheit zusammenhängen. Auch wenn die Futtermenge reduziert wird, kann die Zeit und der Spaß beim Fressen zunehmen, was das fordernde Verhalten verringern könnte.

Auch die Vorbereitung der Besitzer ist unerlässlich, besonders im Umgang mit Bettelverhalten. Wenn man dem Tier einmal am Esstisch etwas gibt, lernt es, dass es durch Beharrlichkeit etwas bekommt. Daher sind vorbeugende Maßnahmen notwendig, wie das Geben von Kauspielzeug während der Mahlzeiten, die Verwendung von Intelligenzspielzeug oder das Spielen mit dem Tier, bevor es zum Tisch kommt.

Es ist auch wichtig, dass alle Familienmitglieder die Regeln teilen. Wenn eine Person sich anstrengt, aber ein anderes Familienmitglied Leckerlis gibt, wird der Plan untergraben. "Nur ein bisschen, weil es mir leid tut" summiert sich und verhindert den Fortschritt beim Abnehmen. Mehr Möglichkeiten zu finden, Liebe ohne Futter zu zeigen, kann sowohl für den Besitzer als auch für das Haustier eine Erleichterung sein.

Streicheln, spielen, spazieren gehen, bürsten, ansprechen, einen sicheren Schlafplatz schaffen. Haustiere suchen nicht unbedingt nur nach Futter. Die Aufmerksamkeit und Interaktion des Besitzers in anderer Form als Futter kann zu einem nachhaltigen Gewichtsmanagement führen.

Übergewicht bei Haustieren ist kein ästhetisches Problem, sondern ein Problem des gesamten Lebensstils. Und Abnehmen ist keine Strafe. Es geht nicht darum, den Spaß am Essen zu nehmen. Das eigentliche Ziel ist es, dass Hunde und Katzen länger, mit weniger Schmerzen, aktiver und spielerischer sind und eine erfüllte Zeit mit ihren Besitzern verbringen können.

Bevor man über die in sozialen Medien beliebten "pummeligen Haustiere" lacht, sollte man einmal darüber nachdenken, ob diese Körperform wirklich das Glück des Tieres widerspiegelt. Die Freude an der Niedlichkeit und die Verantwortung für die Gesundheit können koexistieren. Was nötig ist, ist keine strikte Reduzierung der Futtermenge, sondern ein sanftes und realistisches Gewichtsmanagement, das sowohl das Verhalten der Tiere als auch die Emotionen der Besitzer berücksichtigt.


Quellen-URL

Artikel auf Phys.org: Warum das Management von Übergewicht bei Hunden und Katzen nicht nur durch "weniger Füttern" funktioniert, mit Erklärungen zu Verhaltensaspekten und der Beziehung zu den Besitzern
https://phys.org/news/2026-04-cat-dog-overweight-simply-doesnt.html

Association for Pet Obesity Prevention: Umfrage zur Wahrnehmung von Besitzern im Jahr 2024 und Informationen zum Übergewicht bei Haustieren
https://www.petobesityprevention.org/articlesandnews/7rgaffzvl03ypt9sbgted88yjnd6c2

Association for Pet Obesity Prevention: Erklärung, wie Übergewicht von Katzen und Hunden in sozialen Medien wahrgenommen wird
https://www.petobesityprevention.org/articlesandnews/fat-cats-and-greedy-dogs-perception-of-obesity-varies-by-species

Studie auf ScienceDirect: Große Untersuchung zu Übergewicht und Fettleibigkeit bei Hunden und Katzen basierend auf Primärversorgungsdaten in den USA
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0167587724002848

WSAVA: Materialien zum Body Condition Score bei Hunden und Katzen
https://wsava.org/wp-content/uploads/2025/06/WSAVA_BCSCat_BCSDog_Nutrition_250612.pdf

FDA: Wichtige Fragen, die Tierärzte zur gesunden Gewichtskontrolle von Hunden und Katzen gestellt werden sollten
https://www.fda.gov/consumers/consumer-updates/my-dog-or-cat-healthy-weight-important-questions-ask-vet