Werden soziale Netzwerke zu "digitalen Zigaretten"? Die riesige Forderung an Meta und die Überlegungen Japans zur Internetnutzung von Kindern

Werden soziale Netzwerke zu "digitalen Zigaretten"? Die riesige Forderung an Meta und die Überlegungen Japans zur Internetnutzung von Kindern

Klage wegen "SNS-Abhängigkeit" setzt Meta unter Druck – Der Streitpunkt verlagert sich von Beiträgen auf das "System" selbst

Eine Reihe von Klagen gegen Meta Platforms, das Facebook und Instagram betreibt, zieht in den USA große Aufmerksamkeit in der Technologiebranche auf sich.

Im Mittelpunkt steht die Behauptung, dass die Dienste so gestaltet sind, dass Kinder und Jugendliche sie über lange Zeiträume nutzen, was zu Abhängigkeit und psychischen Problemen führen könnte.

Bisher konzentrierten sich Diskussionen über soziale Netzwerke oft auf Themen wie Beleidigungen, illegale Inhalte, Fehlinformationen und schädliche Werbung – also darauf, "was auf SNS gepostet wird".

In der aktuellen Klage ist jedoch wichtiger, dass sich der Fokus vom "Inhalt" auf das "Produktdesign" verlagert hat.

Die unendliche Scrollfunktion, die immer neue Beiträge anzeigt.

Benachrichtigungen, die Nutzer zurück in die App locken.

Die Anzeige von "Likes" und Follower-Zahlen.

Empfehlungen, die kontinuierlich interessante Videos und Beiträge vorschlagen.

Feeds, die das endlose Ansehen kurzer Videos ermöglichen.

Diese Funktionen haben die Benutzerfreundlichkeit von SNS erhöht und sind entscheidende Mechanismen, die das Wachstum der Dienste gefördert haben.

Wenn Unternehmen jedoch die "Verlängerung der Nutzungszeit" priorisieren und dabei erkennen, dass insbesondere Minderjährige, deren Urteilsvermögen noch nicht vollständig entwickelt ist, Schwierigkeiten haben, den Dienst zu beenden, könnte dies nicht nur als praktische Funktion, sondern als "produktdesignbedingte Abhängigkeit" bewertet werden.

Wie das Gericht diese Grenze zieht, bleibt abzuwarten.

Das Ergebnis könnte nicht nur Meta, sondern die gesamte SNS-Industrie, einschließlich TikTok, YouTube und Snapchat, sowie das Geschäftsmodell von Smartphone-Apps beeinflussen.


Die Bedeutung des Vergleichs über 27 Millionen Dollar, nicht "Meta hat 2,7 Milliarden Yen gezahlt"

Ein besonders beachtetes Element der Berichterstattung ist der Vergleich in einem Rechtsstreit, den der Breathitt County School District in Kentucky gegen SNS-Unternehmen angestrengt hatte.

Der Schulbezirk behauptete, dass Dienste wie Meta, TikTok, Snap und YouTube süchtig machende Technologien nutzten, die die psychische Gesundheit der Schüler verschlechterten, was die Schulen zu zusätzlichen Beratungsmaßnahmen zwang.

Berichten zufolge beläuft sich die Gesamtsumme der von den SNS-Unternehmen gezahlten Vergleichszahlungen auf etwa 27 Millionen Dollar.

Es ist wichtig zu beachten, dass einige Berichte pauschal behaupten, "Meta und andere haben 27 Millionen Dollar gezahlt", während laut Berichten Meta allein etwa 9 Millionen Dollar, Snap und TikTok jeweils etwa 8 Millionen Dollar und YouTube etwa 2 Millionen Dollar gezahlt haben.

Ein Vergleich bedeutet natürlich nicht, dass die Unternehmen illegales Verhalten oder Kausalität anerkennen.

Da Gerichtsverfahren für Unternehmen mit enormen Anwaltskosten, Zeugenaussagen des Managements, Offenlegung interner Dokumente und Reputationsrisiken verbunden sind, ist es nicht ungewöhnlich, dass Unternehmen sich für einen Vergleich entscheiden, selbst wenn sie einen "gewinnbaren Fall" haben.

Angesichts der Tatsache, dass dieser Fall als "Bellwether-Fall" für viele zukünftige Fälle angesehen wurde, kann die Entscheidung der SNS-Unternehmen, sich vor einem umfassenden Rechtsstreit zu vergleichen, nicht ignoriert werden.

Sollten in Zukunft mehr Schulen, Gemeinden, Landesregierungen und Einzelpersonen ähnliche Ansprüche erheben, könnte das Risiko von Massenklagen für die Unternehmensführung schwerer wiegen als die Entschädigungssumme pro Fall.


Wie man die Zahl von 1,4 Billionen Dollar betrachten sollte

In Bezug auf die aktuelle Klage wird auch eine extrem große Zahl von bis zu 1,4 Billionen Dollar diskutiert.

In japanischen Yen könnte dies weit über 200 Billionen Yen betragen, eine Summe, die buchstäblich mit einem Staatshaushalt vergleichbar ist.

Es wäre jedoch falsch, dies derzeit als "Meta muss 1,4 Billionen Dollar zahlen" zu verstehen.

Dies ist lediglich die größte Zahl, die sich aus den rechtlichen Ansprüchen der Klägerseite und der Berechnung von Strafzahlungen ergibt, und unterscheidet sich von tatsächlichen Urteilen oder endgültigen Zahlungen.

Im Prozess wird zunächst darüber gestritten, ob Meta eine rechtliche Verantwortung hat, ob es eine ausreichende Kausalität zwischen dem umstrittenen Design und dem Schaden gibt und in welchem Maße das Unternehmen die Risiken erkannt hat.

Selbst wenn die Klägerseite gewinnt, bedeutet das nicht unbedingt, dass der geforderte Betrag in voller Höhe anerkannt wird.

Der Grund, warum der Markt dennoch besorgt ist, liegt nicht nur in der Höhe des Betrags.

Für Unternehmen ist es noch bedeutsamer, dass sich durch gerichtliche Entscheidungen die Vorstellung verfestigt, dass "das Design von SNS selbst einer produkthaftungsähnlichen Betrachtung unterzogen werden kann".

Sollte sich dies etablieren, wird das Problem nicht nur auf vergangene Schadensersatzansprüche beschränkt sein.

Wenn das Design der Dienste nicht geändert wird, könnten neue Klagen folgen.


Der große Funke, den Frances Haugens Whistleblowing hinterlassen hat

Eine unverzichtbare Figur in dieser Diskussion ist die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen.

Im Jahr 2021 brachte sie eine große Menge interner Facebook-Dokumente an die Öffentlichkeit und sagte vor dem US-Kongress aus.

Haugen behauptete, dass das Facebook-Management sich der verschiedenen Probleme bewusst sei, die durch ihre Dienste verursacht werden, aber keine ausreichenden Maßnahmen ergreife.

Besonders große Aufmerksamkeit erregte die Beziehung zwischen Jugendlichen und Instagram.

Durch eine Reihe von Berichten und Kongressaussagen, die als "Facebook Files" bekannt wurden, wurde weithin bekannt, dass innerhalb von Meta Diskussionen über die Sicherheit und psychische Gesundheit von Jugendlichen stattfanden.

Für die aktuelle Klage ist dies von großer Bedeutung.

In Prozessen, in denen Unternehmensverantwortung in Frage steht, kann der Punkt "Wussten sie von der Gefahr?" ein großer Streitpunkt sein.

Wenn das Unternehmen die Risiken nicht kannte, könnte es argumentieren, dass es sich um ein "unvorhersehbares Problem" handelte.

Wenn jedoch aus internen Dokumenten hervorgeht, dass das Unternehmen das Problem erkannt hat, kann die Klägerseite leichter behaupten, dass "sie die Gefahr erkannt haben, aber das Design aus Profitgründen beibehalten haben".

Allerdings bedeutet das bloße Vorhandensein interner Dokumente nicht automatisch, dass Meta rechtlich haftbar ist.

Da psychische Gesundheit von vielen Faktoren wie familiärem Umfeld, Schulleben, Freundschaften, wirtschaftlichen Bedingungen und persönlichen Eigenschaften abhängt, bleibt es eine hohe Hürde, eine rechtliche Verbindung zwischen spezifischen SNS-Funktionen und individuellen Symptomen herzustellen.

Die Frage, "inwieweit die Kausalität bewiesen werden kann", wird wahrscheinlich einer der größten Streitpunkte in zukünftigen Prozessen sein.


Meta ergreift ebenfalls Maßnahmen

Meta bleibt nicht untätig.

In den letzten Jahren hat das Unternehmen "Teen Accounts" auf Instagram eingeführt und die Sicherheitseinstellungen für Minderjährige verstärkt.

Es wurden Mechanismen eingeführt, um den Kontakt mit unbekannten Personen zu beschränken, angezeigte Inhalte zu begrenzen und die Erlaubnis der Eltern zu verlangen, wenn Benutzer unter einem bestimmten Alter die Einstellungen lockern möchten.

Meta behauptet, dass es seit Jahren Sicherheitsfunktionen und Tools für Eltern entwickelt hat und vertritt die Ansicht, dass es zu einfach ist, die psychischen Gesundheitsprobleme von Jugendlichen allein auf SNS zurückzuführen.

Diese Gegenargumentation hat eine gewisse Logik.

Auch wenn die psychischen Probleme von Jugendlichen in der gesamten Gesellschaft zunehmen, ist es schwer zu beurteilen, ob sie durch SNS "verursacht" wurden, ob bestehende Probleme auf SNS "sichtbar" wurden oder ob mehrere gesellschaftliche Faktoren gleichzeitig wirken.

Selbst wenn ein Zusammenhang gefunden wird, dass "Menschen mit längerer SNS-Nutzung tendenziell psychische Probleme haben", beweist dies nicht, dass SNS die Ursache ist.

Es könnte auch sein, dass Menschen mit psychischen Problemen SNS länger nutzen.

Hier liegt auch die Schwierigkeit von Gerichtsverfahren im Vergleich zu wissenschaftlichen Studien.


Reaktionen auf SNS① "Unternehmen gestalten, um abhängig zu machen"

In den Diskussionen auf SNS über diese Klage sind kritische Stimmen gegenüber Plattformunternehmen wie Meta auffällig.

 

Auf englischsprachigen Foren wie Reddit wird gepostet, dass "Unternehmen wussten, was sie taten" und "Algorithmen darauf abzielen, Nutzer lange auf der Plattform zu halten".

Besonders stark ist die Kritik an der unendlichen Scrollfunktion.

Frühere SNS ermöglichten es, nach dem Überprüfen der Beiträge von Freunden einen klaren Abschluss zu finden.

In den heutigen SNS gibt es durch Empfehlungen keine klaren Endpunkte mehr, da ständig neue Beiträge geliefert werden.

Viele Nutzer sehen dies als problematisch an.

Es gibt sogar extreme Vergleiche, die fordern, dass SNS wie Tabak oder Glücksspiel als süchtig machende Produkte reguliert werden sollten.

Auch im japanischen Raum auf X gibt es Reaktionen auf Beiträge, die die Klage beschreiben, mit der Meinung, dass "es nicht nur um übermäßige Nutzung, sondern um das Design geht, das Kinder dazu verleitet, lange zu nutzen".

Interessant ist, dass sich die Kritik mehr auf das "Engagement maximierende Geschäftsmodell" als auf "SNS selbst" richtet.

Viele kostenlose SNS erzielen Einnahmen durch Werbung.

Je länger die Nutzungsdauer der Nutzer, desto mehr Werbung kann angezeigt werden.

Infolgedessen wird

"den Dienst praktisch zu machen"

und

"die Nutzer so lange wie möglich auf dem Dienst zu halten"

schwer zu unterscheiden.

Diese Struktur wird zunehmend als problematisch angesehen.


Reaktionen auf SNS② "Haben nicht auch Eltern eine Verantwortung?"

Gleichzeitig gibt es auch starke Gegenargumente gegen die alleinige Schuldzuweisung an SNS-Unternehmen.

Auf SNS wird gefragt,

"War es nicht die Entscheidung der Eltern, den Kindern ein Smartphone zu geben?"

"Ist es nicht die Aufgabe der Familie, die Nutzungszeit zu verwalten?"

"Ist es nicht falsch, die gesamte Verantwortung auf die Unternehmen abzuwälzen?"

Diese Punkte sind in der aktuellen Diskussion unvermeidlich.

Selbst wenn SNS süchtig machend sind, bleibt die Frage, wer – Unternehmen, Regierung, Schulen, Familien oder die Nutzer selbst – welche Verantwortung trägt.

In der Realität kann das Problem nicht von einem einzigen Akteur gelöst werden.

Besonders bei Minderjährigen gibt es viele Bereiche, die von der Familie kontrolliert werden können, wie der Kauf von Smartphones, die Erstellung von Konten, die Nutzungszeit und die Verwaltung von Smartphones während der Schlafenszeit.

Allerdings reicht die Diskussion "Eltern sollten es kontrollieren" allein nicht aus.

Es gibt einen großen Unterschied in den Informationen und technischen Fähigkeiten zwischen großen Plattformen, die über Milliarden von Nutzerdaten verfügen und Verhaltenswissenschaften sowie maschinelles Lernen nutzen, um Inhalte zu optimieren, die Nutzer ansprechen, und den Eltern eines Haushalts.

Wenn Unternehmen menschliche Psychologie analysieren und Mechanismen entwickeln, um die Dienste lange nutzen zu lassen, bleibt die Frage, ob es angemessen ist, das Risiko allein auf die Familien abzuwälzen.

Unternehmensverantwortung oder Familienverantwortung?

In Wirklichkeit geht es nicht um ein Entweder-oder, sondern darum, wie beide kombiniert werden können.


Reaktionen auf SNS③ Bedenken zur Altersverifikation

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Besorgnis über die "Altersverifikation", um Kinder vor SNS zu schützen.

Wenn die Regulierung von SNS verschärft wird, müssen Unternehmen genau überprüfen, ob die Nutzer wirklich über 13 oder 16 Jahre alt sind.

Dazu könnte es erforderlich sein, Personalausweise, Gesichtserkennung oder Kreditkarteninformationen an SNS-Unternehmen oder Dritte weiterzugeben.

Auf ausländischen SNS wird geäußert,

"Es wäre problematisch, wenn alle Nutzer aus Sicherheitsgründen ihre Ausweise vorlegen müssten."

"Es würde bedeuten, dass noch mehr persönliche Informationen an große IT-Unternehmen weitergegeben werden."

Diese Bedenken zeigen ein schwieriges Trade-off.

Wenn die Altersverifikation schwach ist, können Kinder leicht ihr Alter fälschen.

Wenn sie stark ist, könnte die Privatsphäre der Nutzer, einschließlich der Erwachsenen, geopfert werden.

Die Balance zwischen "Sicherheit" und "Anonymität" wird auch in Japan ein unvermeidliches Thema werden.