„Wir können nicht auf die Polizei warten“: Die Diskussion über den zivilen Drohnenabwehr in Deutschland breitet sich aus – Wie sollte sich Japan darauf vorbereiten?

„Wir können nicht auf die Polizei warten“: Die Diskussion über den zivilen Drohnenabwehr in Deutschland breitet sich aus – Wie sollte sich Japan darauf vorbereiten?

Sprengstoffdrohnen stellen die Frage: "Wer schützt den Himmel?"

Die Diskussion über die Sicherheit Europas könnte durch eine kleine Drohne grundlegend verändert werden.

Der Auslöser war eine Drohne, die am Flughafen Leipzig/Halle im Osten Deutschlands entdeckt wurde.

Laut der deutschen Bundesanwaltschaft war die Drohne mit professionellen Sprengstoffen und einem Zündmechanismus ausgestattet, was darauf hindeutet, dass sie möglicherweise für eine Explosion vorgesehen war. Der Ort ist nicht nur ein Provinzflughafen. Der Flughafen Leipzig/Halle ist ein bedeutendes Frachtzentrum in Europa, das nicht nur von Logistikunternehmen wie DHL genutzt wird, sondern auch ein wichtiger Stützpunkt für den Transport von NATO-Gütern in den Osten ist. Auch große Transportflugzeuge im Zusammenhang mit der Ukraine verkehren hier.

Noch schockierender ist die Person, die die Drohne zuerst gestoppt hat.

Berichten zufolge entdeckte ein Busfahrer des Flughafens die niedrig fliegende Drohne und trat sie mit dem Fuß zu Boden, woraufhin die Drohne auf den Boden fiel. Der Innenminister des Bundeslandes Sachsen lobte den Mut des Fahrers, betonte jedoch, dass dies kein nachahmenswertes Verhalten sei. Angesichts der Tatsache, dass Sprengstoff angebracht war, war dies zweifellos eine äußerst gefährliche Handlung.

Doch diese Episode ist auch in anderer Hinsicht symbolisch.

Es zeigt, dass eine mit Sprengstoff beladene Drohne in ein wichtiges Logistikzentrum des Staates eindringen konnte und dass die erste Person, die sie stoppte, weder die Polizei noch das Militär oder ein hochmodernes Abwehrsystem war, sondern ein zufällig anwesender Flughafenmitarbeiter.

Dies hat in Deutschland schnell die Frage aufgeworfen,

ob nicht nur auf die Ankunft der Polizei gewartet werden sollte, sondern ob auch private Unternehmen, die Flughäfen, Kraftwerke, Kommunikationsanlagen usw. betreiben, die Befugnis erhalten sollten, gefährliche Drohnen zu beseitigen.

Diese Diskussion ist im Gange.


51 % der Deutschen sind für "Abschussrechte auch für die Privatwirtschaft"

Eine Umfrage, die von Forsa im Auftrag des deutschen Magazins stern und RTL am 6. und 7. August unter 1.005 Personen durchgeführt wurde, ergab, dass 51 % der Befragten dafür sind, privaten Betreibern wichtiger Infrastrukturen das Recht zu geben, verdächtige Drohnen abzuschießen.

44 % waren dagegen, und 5 % waren unentschlossen.

Obwohl es sich um eine Mehrheit handelt, ist es keine überwältigende Unterstützung. Vielmehr zeigt diese Zahl, dass die deutsche Gesellschaft fast gespalten ist.

Nach Parteizugehörigkeit befürworteten 55 % der CDU/CSU-Anhänger und 58 % der AfD-Anhänger die Idee. Auf der anderen Seite lehnten 54 % der SPD-Anhänger und 66 % der Anhänger der Linkspartei sie ab. Auch bei den Grünen, die traditionell vorsichtiger gegenüber der Ausweitung von Sicherheitsbefugnissen auf die Privatwirtschaft sind, waren 50 % dafür und 43 % dagegen, was zeigt, dass die Diskussion auch in diese Schichten vorgedrungen ist.

Wichtig ist, dass es sich nicht um eine einfache Frage handelt, ob Drohnen aus Angst abgeschossen werden sollten.

Es geht darum, wie weit ein Teil der Zwangsgewalt, die bisher fast ausschließlich vom Staat ausgeübt wurde, an private Unternehmen übertragen werden kann.


Deutschland hat bereits die Drohnenabwehr erheblich verstärkt

Die deutsche Regierung hat nicht untätig zugesehen.

Seit der russischen Invasion in der Ukraine hat die Zahl der illegalen Drohnenflüge in der Nähe von Flughäfen, militärischen Einrichtungen und Energieanlagen in Deutschland zugenommen, und die Regierung hat die Maßnahmen schrittweise verstärkt.

Im März 2026 trat das geänderte Luftsicherheitsgesetz in Kraft, das es dem Militär ermöglicht, als administrative Unterstützung bei der Drohnenabwehr teilzunehmen und im äußersten Fall Waffen einzusetzen, wenn die Polizei allein nicht ausreicht.

Die Bundespolizei hat eine spezielle Drohnenabwehreinheit eingerichtet, die ihre Fähigkeiten zur Erkennung, Verfolgung und Beseitigung von Drohnen verbessert. Die deutsche Regierung hat auch ein Drohnenabwehrzentrum eingerichtet, in dem Bund und Länder gemeinsam Informationen austauschen, um die Situation im nationalen Luftraum in niedriger Höhe zu überwachen.

Doch trotz dieser Fortschritte in der Systementwicklung drang eine mit Sprengstoff beladene Drohne in einen wichtigen Flughafen ein.

Innenminister Alexander Dobrindt hat erklärt, dass Deutschland Ziel von Spionage, Sabotage und Cyberangriffen aus dem Ausland ist, die Teil eines "alltäglichen hybriden Krieges" sind. Innerhalb der Regierung wird auch über eine Erweiterung des spezialisierten Personals für die Drohnenabwehr berichtet.

Bei der Ermittlung der Täter ist Vorsicht geboten.

Einige westliche Berichte deuten auf eine mögliche Beteiligung russischer Geheimdienste hin, aber die deutschen Ermittlungsbehörden haben zumindest unmittelbar nach dem Vorfall keine Verdächtigen offiziell identifiziert. Die russische Seite hat eine Beteiligung ebenfalls bestritten. Daher ist es derzeit angemessen, den Vorfall nicht als "russischen Angriff" zu bezeichnen, sondern als schwerwiegenden Sabotageakt, der auch staatliche Beteiligung umfassen könnte.


In den sozialen Medien: "Wie lange wird die Regierung nur warnen?"

Nach dem Vorfall breitete sich die Diskussion schnell auf Plattformen wie Reddit und X aus.

 

Besonders auffällig sind Stimmen, die die Reaktionen der deutschen Regierung und der NATO als "zu passiv" kritisieren.

Im deutschsprachigen Reddit gibt es Meinungen, die den Vorfall als militärischen Angriff auf ein militärisches Ziel betrachten, und Beiträge, die ironisch darauf hinweisen, dass bloße Verurteilungen durch die Regierung keine Abschreckung darstellen. Auch in englischsprachigen Luftfahrtgemeinschaften gibt es Reaktionen, die fordern, dass Erklärungen nach jedem Vorfall nicht ausreichen und effektivere Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Es gibt jedoch nicht nur harte Meinungen.

Es gibt auch Gegenargumente wie "Es ist gefährlich, über Vergeltung zu sprechen, bevor geklärt ist, wer es getan hat" und "Man sollte keine Eskalation riskieren, die zu einem Dritten Weltkrieg führen könnte", und einige Beiträge stellen die Theorie der russischen Beteiligung in Frage.

Dieser Konflikt spiegelt die Schwierigkeiten wider, mit denen die europäische Gesellschaft derzeit konfrontiert ist.

Wenn die Reaktion zu schwach ist, könnte der Gegner zu dem Schluss kommen, dass es keine Gegenmaßnahmen gibt.

Eine falsche Reaktion könnte jedoch die Spannungen zwischen den Staaten durch eine einzige unbekannte Drohne erheblich erhöhen.

Drohnen sind Waffen, die die Grenze zwischen "Angriff, Verbrechen, Spionage oder nur illegalem Flug" absichtlich verwischen können.


"Abschießen löst nicht alle Probleme"

Auch auf sozialen Medien wird eine technische Diskussion geführt.

Kleine Drohnen sind im Vergleich zu großen Flugzeugen oder Raketen schwerer mit Radar zu erfassen. Sie fliegen in niedriger Höhe und können sich zwischen Gebäuden und Gelände verstecken.

Einige Benutzer fragen sich, ob die Drohne von Russland nach Deutschland geflogen ist, und es wird darauf hingewiesen, dass es nicht notwendig ist, Hunderte von Kilometern über die Grenze zu fliegen, wenn die Drohne in der Nähe des Ziels transportiert, zusammengebaut und gestartet wird.

Dies ist auch für Japan ein wichtiger Punkt.

Der Begriff "Drohnenangriff" lässt oft Szenarien von großen Mengen unbemannter Flugzeuge aus dem Ausland erscheinen, aber das ist nicht immer der Fall.

Es ist theoretisch möglich, kommerzielle Teile oder kleine Flugzeuge ins Land zu bringen und sie innerhalb weniger Kilometer von wichtigen Einrichtungen aus zu starten.

Grenzverteidigung allein reicht also nicht aus.

Flughäfen, Kraftwerke, Umspannwerke, Öldepots, Rechenzentren, Hafenanlagen usw. müssen jeweils in der Lage sein, den "niedrigen Himmel" zu überwachen.


Das größte Problem bei der Erlaubnis zum Abschuss durch die Privatwirtschaft

Sollten Flughafen- oder Energieunternehmen in der Lage sein, Drohnen eigenständig abzuschießen?

Das Problem ist nicht so einfach.

Die größte Herausforderung besteht darin, innerhalb von Sekunden zu entscheiden, ob es sich um Freund oder Feind handelt.

In der Umgebung von Flughäfen könnten Drohnen im Einsatz sein, die von Polizei, Feuerwehr, Vermessung, Inspektion oder Medien aus legitimen Gründen betrieben werden.

Es könnte sich um ein allgemeines Fluggerät handeln, das aufgrund von Kommunikationsstörungen vom Kurs abgekommen ist.

Es ist nicht immer möglich, allein anhand des Fluggeräts zu entscheiden, ob es mit Sprengstoff beladen ist.

Wenn man ein System einführt, bei dem "ein privater Sicherheitsbeamter eine Drohne abschießen kann, wenn er sie für gefährlich hält", wird es zwangsläufig zu Fehlentscheidungen kommen.

Darüber hinaus bedeutet das physische Zerstören einer Drohne nicht unbedingt, dass die Gefahr beseitigt ist.

Wenn sie in dicht besiedelten Gebieten oder an Flughäfen abgeschossen wird, könnte das Fluggerät selbst abstürzen. Wenn es mit Sprengstoff beladen ist, könnte es an der Absturzstelle explodieren.

Der Einsatz von Schusswaffen birgt auch das Risiko von verirrten Kugeln.

In Online-Communities, die sich mit Drohnenabwehr befassen, werden der Einsatz von Schusswaffen in dicht besiedelten Gebieten und die Gefahr von herabfallenden Objekten als große Herausforderungen angesehen.

Deshalb bedeutet moderne Drohnenabwehr nicht nur "schießen".

Es erfordert eine Kombination mehrerer Methoden, wie das Stören von Funk- oder Navigationssignalen, das Einfangen mit Netzen oder den Einsatz von Abfangdrohnen, je nach Situation.

Am wichtigsten ist jedoch die "Erkennung, Identifizierung und Entscheidungsfindung" vor dem eigentlichen Einsatz von Neutralisierungsgeräten.

Wenn sie nicht gefunden werden, können sie nicht abgefangen werden.

Selbst wenn sie gefunden werden, kann ohne Identifizierung keine Entscheidung getroffen werden.

Selbst wenn eine Entscheidung getroffen wird, kann es zu spät sein, wenn die Benachrichtigung der Polizei oder die Erlaubnis zu lange dauert.

Die Diskussion in Deutschland dreht sich genau darum, ob auch der Privatsektor befugt werden sollte, um diese letzte "Entscheidungszeit" zu verkürzen.


Japan hat bereits die Vorschriften verschärft

Für Japan ist dieses Problem keineswegs eine ferne europäische Angelegenheit.

In Japan wurden nach dem Vorfall mit der Drohne, die 2015 auf das Dach des Premierministers fiel, Vorschriften erlassen, die den Flug in der Nähe wichtiger Einrichtungen wie des Parlaments, des Premierministers, von Verteidigungseinrichtungen und Kernkraftwerken verbieten.

Am 14. Juli 2026 trat ein geändertes Gesetz in Kraft, das die Flugverbotszonen um wichtige Einrichtungen auf etwa 1.000 Meter erweiterte.

Nach dem Luftfahrtgesetz ist der Flug von unbemannten Luftfahrzeugen im Luftraum um Flughäfen grundsätzlich verboten, und es ist eine Abstimmung mit dem Flughafenbetreiber oder der Flugsicherung erforderlich.

Interessanterweise gibt es in Japan bereits ein System zur physischen Beseitigung illegaler Drohnen.

Laut der Polizei können Polizisten illegale Drohnen anweisen, den Bereich zu verlassen, und in bestimmten Fällen Maßnahmen wie "Flugstörung" oder "Zerstörung von Geräten" ergreifen.

Es ist auch möglich, dass die Verantwortlichen der betreffenden Einrichtungen angewiesen werden, Maßnahmen zu ergreifen.

Dies ist jedoch nicht dasselbe wie die in Deutschland diskutierte "Befugnis privater Betreiber, Drohnen eigenständig abzuschießen".

Das derzeitige System in Japan konzentriert sich im Wesentlichen auf öffentliche Einrichtungen wie die Polizei und gibt den Betreibern von Einrichtungen keine umfassenden und unabhängigen Abfangbefugnisse.

Hier liegt ein wesentlicher Unterschied zu Deutschland.


In Japan ist das Problem eher die Befehlskette als das "Abschussrecht"

Was Japan aus der deutschen Diskussion lernen sollte, ist nicht die Schlussfolgerung, dass "auch der Privatsektor bewaffnet werden sollte".

Wichtiger ist, dass in den Sekunden oder Minuten, nachdem eine gefährliche Drohne entdeckt wurde,

wer sie entdeckt.

Wer entscheidet über die Feindseligkeit.

Wer die Polizei oder die Selbstverteidigungskräfte kontaktiert.

Wer die Erlaubnis zur Störung erteilt.

Ab welchem Punkt die Einrichtungen handeln können.

Diese Befehlskette sollte vor einem Vorfall festgelegt werden.

Besonders in Japan sind Flughäfen, Häfen, Kraftwerke, Logistikzentren und Kommunikationsanlagen in der Nähe von großen Ballungsräumen konzentriert.

In Anbetracht der Bucht von Tokio, der Bucht von Osaka und der Bucht von Ise könnte das unüberlegte Abschießen einer Drohne zu einem anderen schwerwiegenden Unfall führen.

In diesem Sinne benötigt Japan eher eine gestaffelte Verteidigung als eine einfache Ja-oder-Nein-Entscheidung