Die aktuelle Situation und die Gründe für den drastischen Rückgang der Jugendkriminalitätsrate in Industrieländern: Alkohol, Nachmittagsaktivitäten und das Zeitalter der Smartphones

Die aktuelle Situation und die Gründe für den drastischen Rückgang der Jugendkriminalitätsrate in Industrieländern: Alkohol, Nachmittagsaktivitäten und das Zeitalter der Smartphones

Seit den 1990er Jahren ist die "Jugendkriminalität" in vielen Industrieländern wie Europa, Nordamerika und Ozeanien langfristig zurückgegangen. Laut einer aktuellen internationalen Übersicht (Oberwittler & Svensson) zeigt sich dieser Abwärtstrend nicht nur in Polizeistatistiken, sondern auch in Selbstberichts-Umfragen und Daten aus der HBSC-Studie (WHO-Kooperation zur internationalen Studie über schulische Leistungen und Gesundheitsverhalten) aus 36 Ländern deutlich. Besonders stark ist der Rückgang bei Eigentumsdelikten wie Diebstahl. Gewaltverbrechen sind hingegen nicht so stark zurückgegangen, und in den Jahren nach der Corona-Pandemie gibt es in einigen Ländern Anzeichen für eine Stagnation oder einen leichten Anstieg. Im Hintergrund wirken vermutlich mehrere Faktoren zusammen: (1) die Verringerung von Risikoverhalten wie Alkoholkonsum, (2) verstärkte Überwachung durch Eltern und die Kommunikation über Smartphones, (3) die Zunahme der Zeit, die in Schulen und bei außerschulischen Aktivitäten verbracht wird, und die Abnahme der "ungeplanten Zeit mit Freunden". Allerdings ist noch unklar, wie digitale Medien zum Rückgang der Kriminalität beigetragen haben, und negative Aspekte wie die Zunahme von Isolation dürfen nicht übersehen werden. Die Diskussion geht weiter, aber zumindest sollte die Debatte über Sicherheit und Maßnahmen auf dem Verständnis basieren, dass die "Jugendkriminalität langfristig zurückgegangen ist".