Die schwankende finanzielle Basis des Glaubens: Weniger Gläubige, aber steigende Steuereinnahmen? Der merkwürdige aktuelle Stand der Kirchenfinanzen in Deutschland

Die schwankende finanzielle Basis des Glaubens: Weniger Gläubige, aber steigende Steuereinnahmen? Der merkwürdige aktuelle Stand der Kirchenfinanzen in Deutschland

Selbst bei schwarzen Zahlen keine Sicherheit – Die "stille Finanzkrise" der Kirchen in Bayern

Der süddeutsche Freistaat Bayern ist bekannt dafür, eine Region zu sein, in der die christliche Kultur besonders stark verankert ist. In ländlichen Gebieten und historischen Städten ragen Kirchtürme im Zentrum der Orte empor, und religiöse Feste und Feiertage sind tief in den Lebensrhythmus der Gemeinschaften integriert.

Doch auch in Bayern verändert sich das Umfeld der Kirchen rapide.

Im Jahr 2025 traten 81.852 Menschen aus den katholischen Pfarreien des Landes aus. Auch die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern verzeichnete etwa 42.000 Austritte. Insgesamt lösten somit in nur einem Jahr etwa 124.000 Menschen ihre institutionelle Verbindung zu den beiden großen Kirchen auf.

Dieser massive Mitgliederschwund wirkt sich natürlich auch auf die Finanzen der Kirchen aus. In Deutschland zahlen einkommenssteuerpflichtige Kirchenmitglieder eine "Kirchensteuer", sodass bei sinkender Mitgliederzahl auch die Haupteinnahmequelle in Zukunft schrumpfen wird.

Allerdings bedeutet ein Blick auf die aktuellen Finanzberichte nicht, dass alle Kirchen sofort in eine wirtschaftliche Krise geraten. Vielmehr gibt es Pfarreien, die schwarze Zahlen schreiben oder ein ausgeglichenes Budget haben, was die Zahlen komplex macht.

Hier liegt die Schwierigkeit, die Finanzlage der Kirchen in Deutschland zu verstehen.


Weniger Mitglieder bedeuten nicht sofort weniger Steuereinnahmen

Die Kirchensteuer in Deutschland wird nicht als 8 % des Bruttogehalts erhoben. In Bayern beträgt die Kirchensteuer 8 % der Einkommenssteuer.

Wenn die jährliche Einkommenssteuer beispielsweise 10.000 Euro beträgt, beläuft sich die Kirchensteuer grundsätzlich auf 800 Euro. Es sind 8 % der Einkommenssteuer, nicht des Einkommens.

Die Einnahmen aus der Kirchensteuer hängen nicht nur von der Mitgliederzahl ab, sondern auch vom Einkommensniveau und der Beschäftigungssituation der Steuerzahler. Daher kann es sein, dass trotz steigender Austrittszahlen die nominalen Steuereinnahmen für einen bestimmten Zeitraum stabil bleiben, wenn die Löhne der verbleibenden Steuerzahler steigen.

Tatsächlich erreichten die Kirchensteuereinnahmen der katholischen Kirche in Deutschland im Jahr 2025 etwa 6,75 Milliarden Euro, während die evangelische Kirche etwa 6,09 Milliarden Euro einnahm. Beide übertrafen damit das Niveau des Vorjahres, obwohl die Mitgliederzahlen sanken.

Auf den ersten Blick scheint ein Widerspruch zu bestehen: "Die Zahl der Gläubigen sinkt, aber die Einnahmen steigen."

Dies bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass die Finanzen gesund sind.

Unter Berücksichtigung der Inflation sinken die real verfügbaren Mittel. Die Ausgaben der Kirchen bestehen größtenteils aus festen Posten wie Personalkosten, Renten und der Instandhaltung von Gebäuden, die sich nicht einfach reduzieren lassen. Zudem könnte der Ruhestand der derzeitigen, hohe Kirchensteuer zahlenden älteren Generation zu einem erheblichen Rückgang der Einnahmen führen.

Die aktuellen Zahlen werden also durch die frühere Mitgliederstruktur und das Wirtschaftswachstum gestützt und garantieren keine zukünftige Stabilität.


Die evangelische Kirche verzeichnet einen kleinen Überschuss, dennoch wird reduziert

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern erwartet für das Haushaltsjahr 2026 Einnahmen von etwa 967 Millionen Euro und Ausgaben von etwa 959 Millionen Euro. Rechnerisch ergibt sich ein Überschuss von etwa 8 Millionen Euro.

Ein Überschuss bedeutet jedoch nicht, dass die bisherigen Aktivitäten beibehalten werden können.

Die Landeskirche hat bereits angekündigt, die Zuschüsse für ihre Medienprojekte um mehrere Millionen Euro zu kürzen. In Zukunft wird es schwierige Entscheidungen darüber geben, welche Bereiche wie Öffentlichkeitsarbeit, Bildung, Kulturaktivitäten und regionale Organisationen priorisiert und welche reduziert werden sollen.

Das Budget der Kirche unterscheidet sich in seiner Natur von den Gewinnen eines Unternehmens. Es müssen nicht nur der Überschuss, sondern auch zukünftige Rentenzahlungen, Gebäuderenovierungen, die Beschäftigung von Mitarbeitern und Zuschüsse an die Gemeinden berücksichtigt werden.

Ein Überschuss von 8 Millionen Euro ist angesichts eines Gesamtbudgets von etwa 1 Milliarde Euro nicht als großzügig zu bezeichnen.


In den katholischen Pfarreien gibt es unterschiedliche finanzielle Situationen

Ein Blick auf die katholischen Pfarreien in Bayern zeigt große Unterschiede in der finanziellen Lage.

Die Diözese Passau erwartet im Jahr 2026 ein Defizit von etwa 1,6 Millionen Euro. Obwohl dies eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem Defizit von etwa 6 Millionen Euro im Vorjahr darstellt, wird ein ausgeglichenes Budget nicht erreicht.

Die Diözese Regensburg hingegen erwartet ein ausgeglichenes Budget mit Einnahmen und Ausgaben von jeweils etwa 383,26 Millionen Euro. Davon entfallen etwa 315,5 Millionen Euro auf die Kirchensteuer, während etwa 138 Millionen Euro für Personalkosten veranschlagt sind.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Kirchenfinanzen stark von der Kirchensteuer und den Personalkosten abhängen.

Die Diözese Würzburg erwartet ein Defizit von etwa 1,1 Millionen Euro, plant jedoch, dieses durch Rücklagen auszugleichen. Die Kirchensteuereinnahmen werden voraussichtlich etwa 179,7 Millionen Euro betragen und damit höher als im Vorjahr sein. Die Kirchensteuer macht etwa 80 % des Gesamtbudgets aus, und eine anhaltende Mitgliederabnahme würde die Struktur stark beeinflussen.

In der Erzdiözese Bamberg werden Einnahmen von etwa 229,8 Millionen Euro erwartet, während die Ausgaben etwa 234,8 Millionen Euro betragen sollen. Ein Defizit von etwa 5 Millionen Euro wird prognostiziert, wobei die größten Ausgabenposten die Seelsorge und Gebäude sind.

Die Diözese Augsburg verzeichnete im Jahr 2025 ein Defizit von etwa 2 Millionen Euro. Angesichts eines Defizits von über 11 Millionen Euro im Jahr 2024 hat sich die Lage jedoch verbessert.

Dennoch plant die Diözese, nicht alle Stellen nachzubesetzen, die durch Ruhestand frei werden, sondern den Bedarf zu prüfen. Auch der Abbau von Immobilien wird in Erwägung gezogen.

Im Gegensatz dazu erwartet die Diözese Eichstätt, die die geringste katholische Bevölkerung im Bundesland hat, einen Überschuss von etwa 720.000 Euro. Die Gesamteinnahmen belaufen sich auf etwa 180,4 Millionen Euro, davon etwa 104,2 Millionen Euro aus der Kirchensteuer. Diese sind im Vergleich zu den etwa 106,4 Millionen Euro des Vorjahres gesunken, aber derzeit bleibt eine gewisse Stabilität erhalten.

Auch innerhalb der katholischen Kirche unterscheiden sich die finanziellen Verhältnisse je nach Bevölkerungsstruktur, Vermögenswerte, Mitarbeiterzahl, Anzahl der Einrichtungen und Investitionshistorie erheblich. Es ist nicht einfach, die Kirchen pauschal als "wohlhabend" oder "kurz vor dem Bankrott" zu bezeichnen.


Das größte Problem ist "Was tun mit den Gebäuden?"

Die Erzdiözese München und Freising, die größte katholische Diözese Bayerns, ist ein Symbol für dieses Problem.

Im Jahr 2025 beliefen sich die Gesamteinnahmen auf etwa 920 Millionen Euro, die Ausgaben auf etwa 897 Millionen Euro. Unter Einbeziehung einmaliger Einnahmen wurde letztlich ein Plus von etwa 74 Millionen Euro verzeichnet, was jedoch ein deutlicher Rückgang gegenüber den etwa 146 Millionen Euro des Vorjahres darstellt.

Auch die Kirchensteuereinnahmen sind von etwa 645 Millionen Euro im Jahr 2024 auf etwa 630 Millionen Euro im Jahr 2025 gesunken.

Für das Jahr 2026 wird ein Defizit von etwa 12 Millionen Euro erwartet, das durch zweckgebundene Rücklagen ausgeglichen werden soll.

Eine der größten Herausforderungen ist das Immobilienvermögen.

In der Region der Erzdiözese gibt es etwa 3.600 Gebäude, die zu pastoralen Zwecken genutzt werden, darunter Kirchen, Pfarrhäuser und Gemeindeeinrichtungen. Die Erzdiözese unterstützt die kirchlichen Stiftungen, die diese Gebäude besitzen, jährlich mit etwa 50 Millionen Euro.

Historische Kirchengebäude sind nicht nur Orte des Glaubens, sondern auch Teil des Stadtbildes, der Kultur und des Tourismus. Doch je älter die Gebäude sind, desto höher sind die Kosten für Reparaturen, Heizung, Versicherungen und Sicherheitsmaßnahmen.

Selbst wenn die Nutzerzahlen sinken, stoppen der Verfall von Dächern und Außenwänden nicht. Auch Kirchen, in denen nur wenige Gottesdienste im Monat stattfinden, erfordern als Kulturgut hohe Erhaltungskosten.

Daher führt die Erzdiözese ein Projekt durch, um den tatsächlichen Bedarf an Gebäuden in den jeweiligen Regionen zu ermitteln und die gemeinsame Nutzung durch mehrere Pfarreien, die Umnutzung für andere Zwecke, die Vermietung an Dritte oder den Verkauf zu prüfen.

Dies ist keine bloße Vermögensbereinigung.

Der Verkauf von Kirchen bedeutet, Orte aufzugeben, an denen über Generationen hinweg Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen stattfanden. Auch wenn es aus finanzieller Sicht vernünftig ist, kann es für die Bewohner eine Entscheidung sein, die das kollektive Gedächtnis der Region auslöscht.


"Warum reduzieren, wenn die Kirche Vermögen hat?"

In Diskussionen über die Kirchenfinanzen taucht häufig die Frage auf, warum die Kirche bei so vielen Immobilien und Finanzvermögen auf Defizite hinweist.

Zweifellos verfügen große Pfarreien über erhebliche Vermögenswerte und Rücklagen.

Doch nicht alle bilanzierten Vermögenswerte können frei verwendet werden. Es gibt zweckgebundene Fonds für den Schulbetrieb, Renten, Gebäuderenovierungen und Katastrophenhilfe. Historische Kirchengebäude werden zwar als Vermögenswerte bilanziert, können aber nicht einfach verkauft werden und verursachen vielmehr Erhaltungskosten.

Andererseits haben die Zweifel der Bürger ihre Berechtigung.

Wenn die Kirche Personalabbau oder Schließungen von Einrichtungen fordert, muss sie in einer für die Allgemeinheit verständlichen Weise erklären, wie viel Vermögen vorhanden ist, welche Mittel frei verfügbar sind und welche gebunden sind.

Auch wenn die Kirche ihre Finanzberichte veröffentlicht, reicht es nicht aus, hunderte Seiten umfassende Fachunterlagen zur Verfügung zu stellen, um ausreichende Transparenz zu gewährleisten. Zahlen zu veröffentlichen und deren Bedeutung zu erklären, sind zwei verschiedene Dinge.


In den sozialen Medien gibt es viele Fragen zur Kirchensteuer

 

Ein Blick auf öffentliche Beiträge und Reaktionen in Online-Foren zur Kirchenfinanzierung zeigt, dass die größte Verwirrung über das Kirchensteuersystem herrscht.

Besonders von nach Deutschland zugezogenen Ausländern wird häufig die Frage gestellt: "Bei der Anmeldung wurde ich nach meiner Religion gefragt und dachte, es sei eine statistische Frage, aber dann wurde ich kirchensteuerpflichtig" oder "Ich wurde nur als Kind getauft, werde aber immer noch als Kirchenmitglied behandelt?"

Auch gibt es viele Beiträge, die die Kirchensteuer fälschlicherweise als "8 % des Einkommens" verstehen und sie als sehr hohe Steuer empfinden. In diesen Fällen korrigieren andere Nutzer häufig, dass es sich in Bayern um 8 % der Einkommenssteuer handelt und nicht um 8 % des Gehalts.

In der Diskussion über das System gibt es im Wesentlichen zwei Positionen.

Kritiker äußern Bedenken wie: "Es ist befremdlich, dass staatliche Behörden in einem säkularen Staat Steuern für religiöse Organisationen erheben", "Die Kindstaufe sollte nicht mit einer Steuerlast im Erwachsenenalter verbunden werden" oder "Glaube und Zugehörigkeit zu einer Organisation sollten getrennt werden."

Befürworter des Systems erklären, dass die Kirchensteuer nicht nur die Gehälter der Geistlichen, sondern auch Gottesdiensträume, Jugendarbeit, Beratungsdienste, Kindergärten, Bildung, Musik und regionale Aktivitäten unterstützt.

"Wenn die Kirchensteuer abgeschafft wird, betrifft das nicht nur religiöse Organisationen, sondern auch soziale Dienste in der Region", so die Befürworter.

Die Reaktionen in den sozialen Medien sind keine repräsentative Meinungsumfrage der gesamten Gesellschaft. Es gibt eine Tendenz, dass Menschen mit starken Unzufriedenheiten eher posten.

Dennoch zeigt die öffentliche Diskussion, dass das Problem, dem die Kirche gegenübersteht, nicht nur ein Mangel an Geld ist, sondern ein Rückgang der Akzeptanz und des Vertrauens in das System.


Die Gründe für den Kirchenaustritt sind nicht nur steuerlich

Wer aus der Kirche austritt, zahlt in der Regel keine Kirchensteuer mehr. In Zeiten hoher Lebenshaltungskosten und Inflation kann die Reduzierung der Haushaltsbelastung ein Motiv für den Austritt sein.

Dennoch ist es unzureichend, den Kirchenaustritt nur mit finanziellen Gründen zu erklären.

Ein Rückgang des Interesses an Religion, das Schwinden der Tradition, den Glauben von der Familie zu übernehmen, Misstrauen gegenüber der Kirchenorganisation, der Umgang mit Missbrauchsfällen und der Widerstand gegen Lehren zu Frauen und sexuellen Minderheiten sind mehrere Faktoren, die zusammenkommen.

Die finanzielle Belastung mag der letzte Auslöser für die Entscheidung zum Austritt sein, aber oft besteht zuvor eine jahrelange psychologische Distanz.

In diesem Sinne wird das Problem nicht grundlegend gelöst, indem man die Austrittsverfahren erschwert oder nur die Notwendigkeit der Steuer betont, um die Kirchensteuereinnahmen zu sichern.

Wenn die Kirche nicht in der Lage ist, die Gründe zu rekonstruieren, warum Menschen das Gefühl haben sollten, diese Organisation unterstützen zu wollen, wird der Mitgliederschwund nicht aufhören.


Was sollte reduziert und was sollte erhalten werden?

In Zukunft werden die Kirchen gezwungen sein, Entscheidungen darüber zu treffen, wo sie ihre begrenzten Mittel konzentrieren.

Sollten Einrichtungen, die kaum besucht werden, erhalten bleiben? Sollten Beratung, Wohlfahrt, Bildung und Kinderbetreuung priorisiert werden? Wenn historische Gebäude als Kult