Verändert die Blutgruppe das Schlaganfallrisiko? Ein kleiner, aber bedeutender Unterschied zwischen Blutgruppe A und O

Verändert die Blutgruppe das Schlaganfallrisiko? Ein kleiner, aber bedeutender Unterschied zwischen Blutgruppe A und O

Beeinflusst die Blutgruppe das Risiko eines "frühen Schlaganfalls"? Unterschiede bei den Blutgruppen A und O und warum die sozialen Medien in Aufruhr waren

"Vielleicht hat meine Blutgruppe etwas mit meinem zukünftigen Krankheitsrisiko zu tun."

Wenn man das hört, könnten viele Menschen zunächst skeptisch werden. In Japan wird die Blutgruppe oft im Zusammenhang mit Persönlichkeitsanalysen oder Kompatibilitätsvorhersagen diskutiert. Doch das Thema, das derzeit im Gespräch ist, dreht sich nicht um Horoskope, sondern um genetische Forschung und medizinische Studien zu Schlaganfällen.

Laut einer von ScienceAlert vorgestellten Studie besteht bei Menschen mit genetischen Merkmalen, die mit der Blutgruppe A in Verbindung stehen, ein etwas höheres Risiko, vor dem 60. Lebensjahr einen Schlaganfall zu erleiden, insbesondere einen ischämischen Schlaganfall, bei dem die Blutgefäße verstopft sind. Auf der anderen Seite wurde festgestellt, dass Menschen mit Merkmalen, die mit der Blutgruppe O in Verbindung stehen, ein etwas geringeres Risiko haben.

Die Zahlen allein sind beeindruckend. Bei genetischen Merkmalen, die mit der Blutgruppe A in Verbindung stehen, ist das Schlaganfallrisiko vor dem 60. Lebensjahr um etwa 16 % höher, während es bei Merkmalen, die mit der Blutgruppe O in Verbindung stehen, um etwa 12 % niedriger ist. Kein Wunder, dass sich diese Informationen schnell in sozialen Medien verbreiten. Man neigt dazu, die Informationen zu vereinfachen und zu fragen: "Ist die Blutgruppe A gefährlich?" oder "Ist man mit der Blutgruppe O sicher?"

Das Wichtigste beim Lesen dieser Studie ist jedoch, dass "die Blutgruppe allein nicht über das Schlaganfallrisiko entscheidet". Die Forscher selbst erklären, dass Menschen mit der Blutgruppe A sich nicht übermäßig sorgen oder aufgrund ihrer Blutgruppe spezielle Untersuchungen durchführen lassen müssen. Die gefundenen Unterschiede sind lediglich kleine Risikounterschiede auf Bevölkerungsebene und bestimmen nicht das individuelle Schicksal.


Die Studie konzentrierte sich auf "Schlaganfälle vor dem 60. Lebensjahr"

Schlaganfälle werden oft als Krankheit angesehen, die vor allem ältere Menschen betrifft. Tatsächlich treten viele Schlaganfälle erst im höheren Alter auf. Doch ein "früher Schlaganfall", der vor dem 60. Lebensjahr auftritt, hat erhebliche Auswirkungen auf die Betroffenen, ihre Familien und die Gesellschaft.

Ein Schlaganfall in jungen Jahren kann nicht nur lebensbedrohlich sein, sondern auch dazu führen, dass die Betroffenen mit Langzeitfolgen leben müssen. Da er oft in einer Lebensphase auftritt, in der Menschen mitten im Berufsleben stehen, Kinder erziehen oder studieren, sind die Belastungen nicht nur medizinisch, sondern auch im Alltag und wirtschaftlich erheblich.

Die Studie wurde von einem Forscherteam der University of Maryland School of Medicine geleitet. Sie untersuchten, welche genetischen Faktoren bei ischämischen Schlaganfällen in jungen Jahren eine Rolle spielen.

Die Analyse umfasste Daten aus 48 genetischen Studien mit etwa 17.000 Schlaganfallpatienten unter 60 Jahren und einer Kontrollgruppe von etwa 600.000 Personen ohne Schlaganfall. Eine ziemlich umfangreiche Metaanalyse.

Das Forschungsteam untersuchte das gesamte Genom, um genetische Orte zu finden, die mit frühen Schlaganfällen in Verbindung stehen. Einer der Bereiche, in denen eine starke Verbindung gefunden wurde, war der Ort des Gens, das die ABO-Blutgruppe bestimmt.


Genetische Merkmale, die mit der Blutgruppe A verbunden sind, erhöhen das Risiko, während es bei der Blutgruppe O sinkt

Die ABO-Blutgruppe wird durch Unterschiede in den Antigenen auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen in A, B, AB und O unterteilt. In der aktuellen Studie wurden nicht nur die alltäglichen Blutgruppeneinteilungen wie "Sie sind A" oder "Sie sind O" betrachtet, sondern auch feinere genetische Merkmale wie A1 und O1.

In der Studie zeigte sich, dass Menschen mit genetischen Merkmalen, die mit A1 in Verbindung stehen, ein höheres Risiko für ischämische Schlaganfälle vor dem 60. Lebensjahr haben. Im Gegensatz dazu war das Risiko bei Merkmalen, die mit O1 in Verbindung stehen, niedriger.

Genauer gesagt hatten Menschen mit genetischen Merkmalen, die mit der Blutgruppe A in Verbindung stehen, ein etwa 16 % höheres Risiko für frühe Schlaganfälle im Vergleich zu anderen Blutgruppen. Bei Menschen mit Merkmalen, die mit der Blutgruppe O in Verbindung stehen, war das Risiko etwa 12 % niedriger.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, was die Zahl "16 % höher" bedeutet. Es bedeutet nicht, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden, plötzlich 16 % beträgt. Es bedeutet, dass das Risiko im Vergleich zum ursprünglichen Risiko relativ um 16 % höher ist.

Wenn das Risiko für eine bestimmte Krankheit ursprünglich sehr niedrig ist, kann eine Erhöhung um 16 % für das Individuum eine geringe absolute Zunahme bedeuten. Auch in sozialen Medien wurde auf diesen Punkt hingewiesen. "Man sollte zwischen relativen und absoluten Risiken unterscheiden" und "Wie groß ist der tatsächliche Unterschied in der Inzidenz?" sind wichtige Perspektiven, um diese Studie nüchtern zu lesen.


Warum könnte die Blutgruppe mit Schlaganfällen in Verbindung stehen?

Warum könnte es also eine Verbindung zwischen der Blutgruppe und Schlaganfällen geben?

Die Forscher geben an, dass der genaue Mechanismus derzeit unklar ist. Eine Hypothese ist jedoch die "Gerinnungsfähigkeit des Blutes".

Ein ischämischer Schlaganfall tritt auf, wenn ein Blutgefäß im Gehirn durch ein Blutgerinnsel verstopft wird und das Gehirn nicht ausreichend mit Blut versorgt wird. An der Bildung von Blutgerinnseln sind Blutplättchen, die Zellen, die die Innenseite der Blutgefäße auskleiden, und Gerinnungsproteine im Blut beteiligt.

Frühere Studien haben gezeigt, dass der genetische Bereich, der mit der ABO-Blutgruppe in Verbindung steht, möglicherweise mit Thrombosen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung steht. Die aktuelle Studie zeigt, dass diese Verbindung möglicherweise besonders stark bei "ischämischen Schlaganfällen vor dem 60. Lebensjahr" ist.

Bei Schlaganfällen im höheren Alter spielen Arteriosklerose, langjährige Hypertonie, Diabetes, Dyslipidämie und Rauchen eine größere Rolle. Bei Schlaganfällen in jüngeren Jahren lassen sich diese Fälle oft nicht allein durch Arteriosklerose erklären, und eine erhöhte Gerinnungsneigung oder genetische Hintergründe könnten relativ auffälliger sein.

Dies ist sowohl der interessante Aspekt der aktuellen Studie als auch eine zukünftige Forschungsfrage.


Man sollte nicht sagen, dass "Blutgruppe A gefährlich" oder "Blutgruppe O sicher" ist

Wenn medizinische Nachrichten in sozialen Medien verbreitet werden, laufen oft nur die Schlagzeilen allein. Auch in diesem Fall könnte die isolierte Aussage "Blutgruppe A hat ein höheres Schlaganfallrisiko" oder "Blutgruppe O hat ein niedrigeres Risiko" zu unnötiger Besorgnis führen.

Die Forscher sind jedoch eher vorsichtig. Der Anstieg des Risikos, das mit der Blutgruppe A verbunden ist, wird als "gering" angesehen, und es wird erklärt, dass Menschen mit der Blutgruppe A keine speziellen Untersuchungen benötigen.

Außerdem kann die Blutgruppe nicht geändert werden. Wenn man sich zu sehr auf unveränderliche Faktoren konzentriert, kann man die wirklich wichtigen Präventionsmaßnahmen übersehen.

Zu den Faktoren, die das Schlaganfallrisiko erheblich beeinflussen, gehören Bluthochdruck, Diabetes, Dyslipidämie, Rauchen, Fettleibigkeit, Bewegungsmangel, Ernährung und Vorhofflimmern. Viele dieser Faktoren können durch Änderungen des Lebensstils und medizinische Betreuung reduziert werden.

Das bedeutet, dass es wichtiger ist, sich zu fragen, ob man den Blutdruck misst, ob man mit dem Rauchen aufgehört hat, wie es um Schlaf und Bewegung steht und ob man bei Gesundheitsuntersuchungen den Blutzucker- und Cholesterinspiegel überprüft, als sich Sorgen zu machen, weil man die Blutgruppe A hat.

Die Blutgruppe ist eine Information, die hilft, den eigenen Körper zu verstehen. Aber sie allein bestimmt nicht das Gesundheitsrisiko.


In den sozialen Medien mischen sich Überraschung, Besorgnis und Kommentare

 

Dieses Thema verbreitet sich auch in den sozialen Medien. In einem X-Post von ScienceAlert wurde der Artikel mit einer kurzen Einführung wie "Wissen ist wichtig" geteilt. Die Reaktionen konzentrieren sich erwartungsgemäß darauf, ob die eigene Blutgruppe sicher ist.

In der wissenschaftlichen Community auf Reddit gab es vielfältigere Reaktionen. Nutzer mit der Blutgruppe O posteten scherzhafte Kommentare, die ihre Erleichterung über das niedrigere Risiko ausdrückten. Gleichzeitig driftete die Diskussion schnell zu Themen wie der Anfälligkeit für Mückenstiche ab, was typisch für die lockere Art von Reaktionen in sozialen Medien ist.

Ein anderer Nutzer stellte die Frage, ob die Bezeichnung "O1" im Artikel die gesamte Blutgruppe O oder eine feinere Klassifizierung betrifft. Diese Reaktion ist tatsächlich ziemlich wichtig, da die allgemeine Blutgruppeneinteilung und die in genetischen Analysen behandelten Untergruppen nicht unbedingt gleich gelesen werden können.

Es gab auch den Hinweis, dass "Korrelation nicht gleich Kausalität ist". Dies ist ein Standardpunkt beim Lesen medizinischer Studien, aber ein sehr wichtiger. Die aktuelle Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen genetischen Merkmalen, die mit der Blutgruppe in Verbindung stehen, und frühen Schlaganfällen, beweist jedoch nicht, dass "Menschen mit Blutgruppe A Schlaganfälle erleiden".

Zudem gab es Stimmen, die fragten, wie groß der Unterschied in tatsächlichen Zahlen sei und wie bedeutend dies medizinisch sei, angesichts der Aussage "16 % höher". Dies ist eine notwendige Lesart, um sich nicht von den Zahlen in den Schlagzeilen der Nachrichten mitreißen zu lassen.

In Gemeinschaften von Schlaganfallüberlebenden und ihren Familien stehen jedoch die Erfahrungen von Menschen, die in jungen Jahren einen Schlaganfall erlitten haben, sowie das Interesse an Blutgerinnungstests und genetischen Faktoren im Vordergrund. In solchen Foren wird das Thema weniger als bloße Sensation, sondern eher als ernsthafte Frage behandelt, wie es sich auf einen selbst oder die Familie auswirkt.


Auch die Grenzen der Studie sollten berücksichtigt werden

Die aktuelle Studie hat den Vorteil, dass sie groß angelegt ist und Daten aus 48 Studien integriert. Es gibt jedoch auch Einschränkungen.

Eine davon ist die Vielfalt der Teilnehmer. Obwohl die Daten aus Nordamerika, Europa, Japan, Pakistan und Australien stammen, machen nicht-europäische Teilnehmer nur etwa 35 % der Gesamtzahl aus. Die Verteilung der Blutgruppen und das Schlaganfallrisiko können je nach Population variieren, weshalb weitere Studien mit vielfältigeren Teilnehmern erforderlich sind.

Zudem untersucht die aktuelle Studie genetische Zusammenhänge, beweist jedoch nicht direkt, wie die Blutgruppe selbst Schlaganfälle verursacht. Die Verbindung zur Blutgerinnung ist eine vielversprechende Hypothese, aber die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt.

Darüber hinaus ist die Studie noch nicht auf einem Niveau, das eine direkte Anwendung auf die individuelle Risikobewertung ermöglicht. In Zukunft könnte es möglich sein, das Risiko eines frühen Schlaganfalls genauer zu bewerten, indem Blutgruppe, gerinnungsrelevante Gene, Lebensstil und Krankengeschichte kombiniert werden. Derzeit ist es jedoch nicht angebracht, medizinische Entscheidungen allein auf der Grundlage der Blutgruppe zu treffen.


Was wir aus dieser Nachricht mitnehmen sollten

Der Wert dieser Studie liegt nicht darin, Menschen mit der Aussage "Blutgruppe A ist gefährlich" zu verängstigen. Vielmehr zeigt sie, dass es bei Schlaganfällen in jungen Jahren noch unbekannte Faktoren gibt, zu denen möglicherweise genetische Hintergründe im Zusammenhang mit der Blutgruppe und der Blutgerinnung gehören.

Schlaganfälle sind nicht nur eine Krankheit älterer Menschen. Sie können auch bei jungen Menschen auftreten. Und bei Schlaganfällen in jungen Jahren könnten andere Mechanismen eine Rolle spielen als bei älteren Menschen. Diese Erkenntnis ist der große Wert der aktuellen Studie.

Gleichzeitig ist klar, was Leser heute tun können: sich nicht zu sehr auf die Blutgruppe zu konzentrieren, sondern die veränderbaren Risiken zu managen. Den Blutdruck kennen. Mit dem Rauchen aufhören, wenn man raucht. Diabetes und Dyslipidämie nicht unbehandelt lassen. Bewegungsmangel reduzieren. Den Schlaf verbessern. Die Ergebnisse von Gesundheitsuntersuchungen überprüfen.

Die Blutgruppe kann nicht geändert werden. Aber nicht alle Risiken für Schlaganfälle werden durch die Blutgruppe bestimmt. Deshalb sollte diese Nachricht nicht als Quelle der Besorgnis über "Blutgruppe A oder O" gelesen werden, sondern als Anstoß, darüber nachzudenken, dass es unveränderliche und veränderbare Faktoren für den eigenen Körper gibt.

Medizinische Nachrichten, die in sozialen Medien diskutiert werden, neigen dazu, von der Stärke der Schlagzeilen beeinflusst zu werden. Doch wenn man die Bedeutung der Zahlen, die Grenzen der Studie und die vorsichtigen Kommentare der Forscher berücksichtigt, ändert sich das Bild.

Die Beziehung zwischen Blutgruppe und Schlaganfall wird noch erforscht. Aber zumindest ist dieses Thema keine Fortsetzung des "Blutgruppenhoroskops". Es ist ein medizinisch bedeutungsvoller Einstieg, um darüber nachzudenken, wie unser Blut, unsere Blutgefäße, unsere Gene und unser Lebensstil miteinander verbunden sind.



Quellen-URL

ScienceAlert. Ein am 24. Mai 2026 veröffentlichter Artikel, der die Blutgruppe und das Schlaganfallrisiko vor dem 60. Lebensjahr erklärt.
https://www.sciencealert.com/your-blood-type-affects-risk-of-early-stroke-study-reveals

Originalstudie veröffentlicht in Neurology. Eine Studie, die die Beziehung zwischen frühem ischämischem Schlaganfall und dem ABO-Genlokus sowie den Subgruppen A1 und O1 analysiert.
https://www.neurology.org/doi/10.1212/WNL.0000000000201006

Informationen zu wissenschaftlichen Artikeln auf PubMed. Verwendet zur Überprüfung der Studienübersicht, der Teilnehmerzahl und der Beziehung zwischen dem ABO-Genlokus und frühem Schlaganfall.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36240095/

Pressemitteilung der University of Maryland School