Stolz auf die Demokratie sinkt von 42 % auf 28 %: Lebt der amerikanische Traum noch? – Umfragen spiegeln die Unsicherheit der US-Gesellschaft wider

Stolz auf die Demokratie sinkt von 42 % auf 28 %: Lebt der amerikanische Traum noch? – Umfragen spiegeln die Unsicherheit der US-Gesellschaft wider

Vor dem 250. Gründungsjubiläum schwankender "Stolz auf Amerika" – Warum können Amerikaner nicht mehr stolz auf ihr Land sein?

Vor dem großen Meilenstein des 250. Gründungsjubiläums schwankt der "Stolz auf das eigene Land" in der amerikanischen Gesellschaft erheblich.

Laut einer neuen Umfrage der US-Nachrichtenagentur AP ist der Stolz der Amerikaner auf ihre Geschichte und die Art ihrer Demokratie seit 2017 stark gesunken. Auch in der neuesten Gallup-Umfrage gaben nur 33 % der Befragten an, "sehr stolz darauf zu sein, Amerikaner zu sein", was den niedrigsten Stand seit Beginn der Umfrage im Jahr 2001 darstellt.

Selbst wenn man "sehr stolz" und "ziemlich stolz" zusammenzählt, sind es nur 53 %. Im Vergleich zu einer Zeit, in der fast 90 % der Amerikaner einen starken nationalen Stolz zeigten, ist dieser Wandel offensichtlich. Nach dem 11. September breitete sich in den USA die Bewegung aus, die Nationalflagge zu hissen und das nationale Zusammengehörigkeitsgefühl zu bestätigen. Doch ein Vierteljahrhundert später ist die Sternenbanner-Flagge sowohl ein Symbol der Einheit als auch ein Spiegelbild politischer Standpunkte und Werteunterschiede.

Besonders bemerkenswert an der aktuellen Umfrage ist, dass nicht nur der Stolz darauf, "Amerikaner zu sein", gesunken ist, sondern auch die Bewertung grundlegender nationaler Elemente wie Geschichte, Demokratie, Militär, internationaler Einfluss und der Umgang mit Gruppen in der Gesellschaft.

In der AP-NORC-Umfrage fühlten nur 28 % der Befragten "großen Stolz" auf die Funktionsweise der amerikanischen Demokratie. 2017 waren es noch 42 %, was einen Rückgang um 14 Punkte in etwa einem Jahrzehnt bedeutet. Der Stolz auf die amerikanische Geschichte sank von 58 % auf 44 %, der Stolz auf das Militär von 78 % auf 59 % und der Stolz auf den politischen Einfluss in der Welt von 34 % auf 24 %.

Diese Zahlen zeigen, dass sich das "Selbstbild" der USA im Wandel befindet.

Lange Zeit haben sich die USA als "Land der Freiheit", "Vorbild der Demokratie" und "Land, in dem man durch harte Arbeit Erfolg haben kann" positioniert. Der amerikanische Traum war das symbolische Wort dafür. Doch in der aktuellen AP-NORC-Umfrage glauben nur etwa ein Drittel der Befragten, dass der amerikanische Traum im Sinne von "harte Arbeit wird belohnt" noch besteht. Die Hälfte glaubt, dass er früher bestand, aber heute nicht mehr.

Diese Wahrnehmung ist besonders stark bei der jüngeren Generation. Bei den 18- bis 29-Jährigen ist der Anteil derjenigen, die glauben, dass der amerikanische Traum noch existiert, noch niedriger. Steigende Immobilienpreise, Gesundheitskosten, Studentendarlehen, Inflation, Arbeitsplatzunsicherheit, politisches Misstrauen. Für die junge Generation ist der amerikanische Traum nicht mehr die nahe Realität, von der die Elterngeneration spricht.

Das bedeutet, dass der Rückgang des Patriotismus nicht nur emotional erklärt werden kann. Ob man stolz auf sein Land sein kann, hängt eng damit zusammen, ob man das Gefühl hat, dass das eigene Leben durch dieses Land geschützt wird, ob man glaubt, dass die Systeme fair funktionieren und ob man Hoffnung für die Zukunft hat.

Am deutlichsten zeigte die Umfrage die Unterschiede in der Wahrnehmung zwischen den Parteien. Laut Gallup gaben 70 % der Republikaner an, "sehr stolz darauf zu sein, Amerikaner zu sein", während es bei den Unabhängigen 28 % und bei den Demokraten 14 % waren. Zählt man "sehr stolz" und "ziemlich stolz" zusammen, erreichen die Republikaner 93 %, während die Unabhängigen bei 51 % und die Demokraten bei 27 % liegen.

Dieser Unterschied bedeutet nicht einfach, dass "Republikaner patriotisch sind und Demokraten nicht". Vielmehr zeigt er, dass die Definition von "Stolz auf das Land" je nach politischem Standpunkt stark variiert.

Für manche bedeutet Patriotismus, die Flagge zu hissen, das Militär zu unterstützen und die Erfolge der USA zu feiern. Für andere bedeutet es, die Fehler des Landes anzuerkennen, Rassismus, Ungleichheit und Funktionsstörungen der Demokratie zu kritisieren und eine bessere Gesellschaft anzustreben. Das heißt, es geht nicht darum, ob man Amerika liebt, sondern darum, was es bedeutet, Amerika zu lieben.

Auch die Reaktionen in den sozialen Medien spiegeln diese Spaltung wider.

In öffentlichen Facebook-Posts und Kommentarspalten, die Nachrichtenartikel teilen, gibt es Reaktionen wie "Wenn du nicht stolz sein kannst, geh in ein anderes Land", "Es gibt kein freieres Land als Amerika" und "Dass du überhaupt meckern kannst, ist ein Beweis für die Freiheit". Diese Reaktionen verbinden den Stolz auf das Land mit Loyalität und Dankbarkeit als Bürger. Die USA bieten Meinungsfreiheit, Wahlen und die Freiheit der Bewegung und Berufswahl. Deshalb sollte man die Vorteile anerkennen, bevor man die Mängel aufzählt.

Auf der anderen Seite gibt es in anderen Kommentarspalten Reaktionen wie "Ich bin stolz auf die Geschichte und Kultur der USA, aber nicht auf die aktuelle Regierung oder Politik", "Kritik am Land bedeutet nicht, das Land zu hassen" und "Um die Demokratie zu schützen, muss man seine Stimme erheben". Diese Position trennt die nationalen Ideale von der aktuellen politischen Situation.

Dieser Unterschied ist wichtig. Viele derjenigen, die das Land kritisieren, haben die USA nicht unbedingt aufgegeben. Vielmehr legen sie Wert auf die Ideale, die die USA vertreten – Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Demokratie – und sind enttäuscht über die Diskrepanz zur Realität. Für sie ist Kritik kein Ausdruck von mangelndem Patriotismus, sondern eine andere Form des Patriotismus.

In den sozialen Medien sind auch Reaktionen zu sehen, die sich auf das tägliche Leben konzentrieren, insbesondere bei der jüngeren Generation: "Ich möchte lieber niedrigere Mieten als Stolz auf das Land", "Es ist schwer, stolz auf ein Land zu sein, in dem man durch Gesundheitskosten bankrottgehen kann", "Bevor man über Demokratie spricht, sollte man sich um das Wahlsystem und die Probleme der politischen Finanzierung kümmern". Dies ist ein Gefühl, das den Alltag mehr betont als nationale Slogans. Ob man stolz auf das Land sein kann, wird nicht durch abstrakte Ideale, sondern durch die Stabilität des eigenen und des Familienlebens beurteilt.

Diese Reaktionen zeigen, dass "Patriotismus" in der amerikanischen Gesellschaft nicht mehr eine gemeinsame Sprache ist. Einst verbanden Worte wie die Sternenbanner-Flagge, der Unabhängigkeitstag, Respekt für das Militär und der amerikanische Traum relativ breite Teile der Bevölkerung. Doch heute werden selbst diese Symbole je nach Partei, Generation, Region, Rasse und Bildungsniveau unterschiedlich wahrgenommen.

Die AP-NORC-Umfrage zeigt auch, was Amerikaner als wichtige Bestandteile ihrer nationalen Identität betrachten. 87 % halten die Meinungsfreiheit für wichtig, 86 % das Wahlrecht und viele auch die Religionsfreiheit. Das bedeutet, dass Amerikaner Freiheit und Rechte immer noch als zentrale Werte der Nation sehen.

Gleichzeitig fühlen sich viele Menschen bedroht, dass diese Freiheiten und Rechte derzeit gefährdet sind. Demokraten sind stark auf die Bedrohung des Wahlrechts und der Meinungsfreiheit fokussiert, während Republikaner eher die Bedrohung des Rechts auf Waffenbesitz spüren. Auch wenn das gleiche Wort "Freiheit" verwendet wird, unterscheiden sich die Ansichten darüber, was als Freiheit gilt und was als Bedrohung angesehen wird, erheblich.

Dies zeigt, dass die Spaltung in den USA nicht nur Unterschiede in der Politik betrifft, sondern bis hin zu unterschiedlichen Vorstellungen von der Nation selbst reicht.

Für manche bedeutet die Krise der amerikanischen Demokratie Misstrauen gegenüber dem Wahlsystem, Einschränkungen des Wahlrechts, politische Gewalt und die Politisierung der Justiz. Für andere sind es die übermäßige Einmischung der Regierung, Einschränkungen der Meinungsfreiheit, Waffenkontrollen und die Lockerung der Einwanderungspolitik, die als Krise erscheinen. Beide Seiten glauben, dass sie "Amerika verteidigen". Deshalb sind die Konflikte so intensiv.

Das 250. Gründungsjubiläum sollte eigentlich eine große Gelegenheit sein, den Erfolg der Nation zu feiern. Doch im Amerika des Jahres 2026 breitet sich neben der Feierlaune auch die Frage aus: "Bewegt sich dieses Land wirklich in eine Richtung, auf die man stolz sein kann?" Manche hissen die Sternenbanner-Flagge, andere hissen sie als Protestsymbol verkehrt herum. Einige sind stolz auf die militärische Stärke und technologische Innovation, während andere die Ungleichheit, Diskriminierung und politische Korruption problematisieren.

Beides ist die Realität Amerikas.

Die Umfrageergebnisse als "Ende des amerikanischen Patriotismus" zu interpretieren, wäre zu einfach. Vielmehr könnte es sich um einen Wandel vom "bedingungslosen Stolz" zum "bedingten Stolz" handeln. Früher war das bloße Amerikanersein eine starke Quelle des Stolzes. Doch heute wird gefragt: "Welche Art von Amerika?", "Für wen ist es ein freies Land?" und "Funktioniert die Demokratie wirklich?"

Es ist eine Zeit, in der der Name des Landes allein nicht mehr ausreicht, um die Menschen zu verbinden. Die Distanz zwischen den Idealen, die die Nation propagiert, und der Realität der Systemumsetzung wird strenger betrachtet.

Interessant ist, dass die Amerikaner die Verbindung zur Nation nicht vollständig verloren haben. In der AP-NORC-Umfrage wird die Familie als der wichtigste Bestandteil der persönlichen Identität angesehen, aber "Amerikaner zu sein" ist für viele immer noch ein wichtiger Faktor. Das bedeutet, dass die Menschen nicht gleichgültig gegenüber dem Land geworden sind. Vielmehr sind sie in ihrem Verhältnis zum Land hin- und hergerissen.

Wäre es Gleichgültigkeit, gäbe es keine heftigen Debatten in den sozialen Medien. Widerspruch, Enttäuschung, Wut und Erwartungen entstehen, weil es Hoffnung gibt. Die Nation Amerika ist immer noch tief in die Identität der Menschen eingebunden. Deshalb ist die Frage "Kann man stolz sein?" mehr als nur ein Umfragepunkt; sie ist ein Spiegelbild des Selbstverständnisses der gesamten Gesellschaft.

In der amerikanischen Politik wird Patriotismus auch in Zukunft ein wichtiges Thema bleiben. Bei Wahlen werden die Kandidaten wahrscheinlich Sätze wie "das wahre Amerika", "Amerika zurückgewinnen" und "die Demokratie verteidigen" wiederholen. Doch selbst wenn die gleichen Worte verwendet werden, werden sie von den Wählern unterschiedlich aufgenommen. Für manche klingen sie hoffnungsvoll, für andere wie leere Slogans.

Deshalb braucht Amerika, das sein 250. Gründungsjubiläum feiert, mehr als nur eine Feier, sondern eine Selbstprüfung. Es geht darum, nicht nur über Freiheit und Demokratie zu sprechen, sondern auch zu hinterfragen, für wen und wie sie funktionieren. Es geht darum, nicht nur den amerikanischen Traum zu preisen, sondern eine Gesellschaft zu schaffen, in der die nächste Generation diesen Traum als Realität erleben kann. Es geht darum, nicht nur die Flagge zu hissen, sondern eine Umgebung zurückzugewinnen, in der die Menschen unter dieser Flagge sich als Teil derselben Gesellschaft fühlen können.

Die Frage "Kann man stolz auf Amerika sein?" ist tatsächlich auch die Frage "Kann Amerika weiterhin ein Land sein, auf das wir stolz sein können?"

Die Umfrageergebnisse zeigen nicht das Ende der USA. Aber es ist sicher, dass die bisherige einfache Geschichte des Patriotismus nicht mehr so leicht funktioniert. Die Amerikaner haben ihr Land nicht gehasst, sondern betrachten es jetzt mit einem kritischeren Blick. Stolz und Kritik, Zuneigung und Enttäuschung, Hoffnung und Misstrauen – all das prägt das heutige Bild Amerikas.

Vor dem 250. Gründungsjubiläum hat die Bedeutung der Sternenbanner-Flagge nicht mehr nur eine einzige Bedeutung.
Doch solange die Menschen weiterhin über ihre Bedeutung diskutieren, ist die amerikanische Demokratie noch nicht vollständig verstummt.


Quelle URL

WTOP/AP „Americans’ pride in US history and democracy has fallen since 2017 and fewer are proud of being American, new polls find“.
https://wtop.com/news/2026/06/americans-pride-in-us-history-and-democracy-has-fallen-since-2017-and-fewer-are-proud-of-being-american-new-polls-find/

Ein Artikel mit ähnlichem Inhalt von AP. Berichtet über die Ergebnisse der Umfragen von AP-NORC und Gallup, den Rückgang des Stolzes der Amerikaner, parteiliche Unterschiede, Generationenunterschiede usw.
https://apnews.com/article/3f333d6db84c73ca7e78882b0a2a2070

AP-NORC „America 250 Poll“. Quelle der Umfragedaten zu amerikanischer Geschichte, Demokratie, Militär, politischem Einfluss, amerikanischem Traum, nationaler Identität.
https://apnorc.org/projects/ap-norc-america-250-poll/

Gallup „American Pride Falls to 25-Year Record Low“. Zeigt, dass der Stolz darauf, Amerikaner zu sein, den niedrigsten Stand seit 2001 erreicht hat, und die Unterschiede nach Partei und Generation.
https://news.gallup.com/poll/711938/american-pride-falls-year-record-low.aspx

Referenz für Reaktionen in sozialen Medien: Beispiele für öffentliche Facebook-Posts und Kommentare, die Nachrichtenartikel teilen.
https://www.facebook.com/kcrgtv9/posts/a-new-ap-norc-poll-finds-that-americans-have-grown-less-proud-of-the-countrys-hi/1571379164354384/

Referenz für Reaktionen in sozialen Medien: Beispiele für öffentliche Facebook-Posts und Kommentare, die Nachrichtenartikel teilen.
https://www.facebook.com/WBAYTV/posts/americans-have-grown-less-proud-of-their-countrys-history-or-the-way-its-democra/1415503370609710/